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Dr. Andreas Belwe

Aktuelle Beiträge

schön zu lesen
für mich lässt sich das ganze beantworten...
Fachübersetzungen - 3. Sep, 11:42
Hi
Schön geschrieben. Grüße
Roller - 26. Aug, 09:48
Hi
Was soll's? Her mit dem Zeug! - Ganz meine Rede :)...
Lasik - 25. Aug, 14:18
Einverstanden
Ha guter Bericht und toll geschrieben. Mein Lieblingssatz...
Räuchermännchen Shop - 18. Aug, 09:15
^
Super beitrag spiegelt vieles in mir wieder dar ;)
Kredit Arbeitslose - 19. Mai, 11:07

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Freitag, 3. November 2006

Small talk mit Schopi (Teil 2)

SchopenhauerBlog_editedNeulich beim Umsteigen in den Zug nach Frankfurt finde ich einen Platz gegenüber einem lesenden älteren Mann. Gutes Zeichen, denke ich, denn er sieht nicht so aus, als würde er alle Viertelstunde jemanden anrufen, um penetrant in sein Handy zu kläffen
Schon beim Hinsetzen erkenne ich ihn, es ist Schopenhauer, den ich bereits dieses Jahr auf einem Sommerfest getroffen habe. Er liest konzentriert. Ich spreche ihn also besser nicht an und schlage eine Zeitung auf. Nach einigen Minuten spüre ich, dass er mitliest. Ich blicke an der Zeitung vorbei und Schopenhauer sagt:

„Die Zeitungen sind der Sekundenzeiger der Geschichte. Derselbe aber ist meistens nicht nur von unedlerem Metalle als die beiden anderen, sondern geht auch selten richtig. - Die sogenannten ‚leitenden Artikel‘ darin sind der Chorus zu dem Drama der jeweiligen Begebenheiten.“

Sie trauen also den Inhalten nicht? Warum?

„Übertreibung jeder Art ist der Zeitungsschreiberei ebenso wesentlich, wie der dramatischen Kunst; denn es gilt, aus jedem Vorfall möglichst viel zu machen. Daher auch sind alle Zeitungsschreiber von Handwerks wegen Alarmisten; dies ist ihre Art, sich interessant zu machen.“

Kann sein, dass viele Journalisten glauben, heute mehr denn je auf die Trommeln hauen zu müssen, da die Leute derart übersättigt sind, dass sie nur noch auf große Reize reagieren, und auch das nicht lange.

„Eine große Menge schlechter Schriftsteller lebt allein von der Narrheit des Publikums, nichts lesen zu wollen, als was heute gedruckt ist: - die Journalisten. Treffend benannt! Verdeutscht würde es heißen: Tagelöhner.“

Andererseits gibt es genügend seriöse Zeitungen, die sich nicht nach der Sensationsgier der Menschen richten. Aber die marktschreierischten sind eben die auflagenstärksten, die billigsten in Preis und Inhalt…

„Ein Haupthindernis der Fortschritte des Menschengeschlechtes ist daß die Leute nicht auf die hören, welche am gescheitesten, sondern auf die, welche am lautesten reden.“

Ich denke mir auch manchmal, vielleicht lenkt Aktualität nur ab. Vielleicht sollte man nur noch Bücher lesen.

„Es ist in der Literatur nicht anders als im Leben, wohin auch man sich wende, trifft man sogleich auf den inkorrigiblen Pöbel der Menschheit, welcher alle erfüllt und alles beschmutzt, wie die Fliegen im Sommer. Daher die Unzahl schlechter Bücher, dieses wuchernde Unkraut der Literatur, welches dem Weizen die Nahrung entzieht und ihn erstickt.“

Was mich an vielen Büchern stört, ist die Weitschweifigkeit vieler Autoren. Die macht Bücher sehr langweilig und sie ziehen sich wie geschmolzener Käse.

„Man könnte die Geistlosigkeit und Langweile der Schriften der Alltagsköpfe daraus ableiten, daß sie immer nur mit halbem Bewußtsein reden (…). Statt deutlich ausgeprägter Gedanken findet man bei ihnen ein unbestimmtes dunkles Wortgewebe, gangbare Redensarten, abgenutzte Wendungen und Modeausdrücke. Leute von Geist hingegen reden in ihren Schriften wirklich zu uns, und daher vermögen sie uns zu beleben und zu unterhalten.“

Wenn zu viel Unwesentliches gesagt wird, mangelt es dann auch an der Knappheit dessen, was gesagt wird?

„Die echte Kürze des Ausdrucks besteht darin, daß man überall nur sagt, was sagenswert ist (...). Der leitende Grundsatz der Stilistik sollte sein, daß der Mensch nur einen Gedanken zur Zeit deutlich denken kann, daher ihm nicht zugemutet werden darf, daß er deren zwei oder gar mehrere auf einmal denke.“

Regeln des stilvollen sprachlichen Ausdrucks sind also Einfachheit, Wesentlichkeit, Kürze. Was ist noch zu beachten?

„Man soll sich nicht rätselhaft ausdrücken, sondern wissen, ob man eine Sache sagen will oder nicht. Die Unentschiedenheit des Ausdrucks macht deutsche Schriftsteller so ungenießbar.“

Und was würden Sie Schriftstellern und Journalisten allgemein beim Schreiben raten?

„Wertvolle eigene Gedanken soll man möglichst bald niederschreiben. Denn die Gegenwart eines Gedankens ist wie die Gegenwart einer Geliebten. Aus dem Auge, aus dem Sinn! Der schönste Gedanke läuft Gefahr, unwiederbringlich vergessen zu werden, wenn er nicht aufgeschrieben, und die Geliebte, von uns geflohen zu werden, wenn sie nicht angetraut worden.“


Schopenhauer rückt sich zurecht und liest weiter. Ich taste nach meinem Notizbuch.

(Alle Zitate Original-Zitate aus Schopenhauers Werken)
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