Ein Weblog von



Dr. Andreas Belwe

Aktuelle Beiträge

Die Realität schafft...
Klar wird nur ein Teil der Realität vermittelt,...
Umzug Angebot - 6. Dez, 23:05
Die Medien machens
Naja nicht unbedingt die Qualität eines Buches...
Paintball - 6. Dez, 22:27
Danke
Da spricht einer die Wahrheit.... Geld wird meiner...
Darlehensrechner24.com - 6. Dez, 21:48
totale Kontrolle
Die Masse der Menschen erkennt leider die Gefahr dieser...
Aydin - 5. Dez, 14:36
Frösche
Lennart schrieb: grusames Experiment als Gleichnis.. Da...
dietmar - 5. Dez, 12:52

RSS-Feed

Bleiben Sie auf dem Laufenden!
xml version of this page
xml version of this page (summary)
xml version of this page (with comments)

Suche

 

Archiv

November 2006
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 1 
 2 
 4 
 5 
 6 
 8 
10
11
13
14
16
17
19
20
21
23
24
26
27
29
30
 
 
 
 

Samstag, 18. November 2006

In god we trust - in cash we pay (Ein Depot-Auszug, Teil 2)

geldblog2In den meisten Gesellschaften und Kulturen offenbaren sich die Kräfte, die das menschliche Leben bestimmen, durch Geld. Das Spiel der Kräfte ist also gleich geblieben, was sich geändert hat, ist das Medium, durch das die Kräfte geflossen sind. Bezahlte man ehedem mit Land, Vieh, Muscheln, Edelmetallen, blecht man jetzt mit an sich wertlosen Gegenständen.
Das Papiergeld ist Ausdruck einer Verwandlung des Substanzwertes in den reinen Funktionswert. EC-Karte und Online-Banking machen deutlich, wie wenig das Geld seinem innersten Wesen nach an die Körperhaftigkeit eines Eigenschaftsträgers gebunden ist. Und sobald dieser symbolgebundene Vermittlungscharakter des Geldes institutionalisiert ist, steht die EC-Karte als an sich wertloser Stoff oder entstofflichte Information in ihrem Einsatz als Medium für den Glauben an den Symbolwert des Geldes. Die EC-Karte macht anschaulich, dass es nicht um den Materialwert des Geldes geht. Wenn unter Glaube nicht nur erkenntnismäßige Unvollständigkeit, sondern ein rational nicht begründbares Zutrauen zu einer Sache verstanden werden kann, wird Geld allgemein - überspitzt gesagt - so etwas wie ein Gott.
Manche beten ihn an, für manche ist er einer unter vielen, manche verhalten sich ihm atheistisch gegenüber, manche verachten ihn geradezu. Wie nahe sich Gott und Geld kommen, zeigt ein etwas genauerer Blick auf die Rückseite einer Dollar-Note. Weltliches Symbol (der amerikanische Bundesadler) und religiöses Symbol (das Auge Gottes) stehen sich gegenüber: Damit es keine Missverständnisse gibt, ist in der Mitte „In god we trust“ aufgedruckt. Welcher Gott wohl gemeint ist?
Man muss Geld keinen Götterstatus verleihen, es aber in die Hölle zu verdammen, wäre ebenfalls irreal. Es geht darum, zu erkennen, Gefahr zu laufen, unsere Identität und unseren Selbstwert und den anderer über Geld zu definieren. Zu erkennen, dass wir auf der Jagd nach Geld wertvolle psychische und physische Energie verschwenden, die in unserem Leben eigentlich eine viel höhere Funktion haben sollte. - Mit geschätzten und geliebten Menschen zusammen zu sein, sich an der Natur zu erfreuen, einer kreativen Tätigkeit nachzugehen, sich in Ideen zu vertiefen, vom Leben mehr zu verstehen.

Die Frage, die uns ab einem gewissen erreichten Maß an Geld beschäftigen sollte, ist die, wie machen wir unser Glück von Geld unabhängig, wie können wir den erreichten Standard an materiellem Wohlstand schätzen. Marc Aurel, Kaiser und Philosoph der Antike, bringt sie mit einer einfachen Überlegung auf den Punkt: „Denk nicht an das, was dir fehlt, als ob es schon da wäre, sondern wähle von dem, was du hast, in Gedanken das dir Kostbarste aus und male dir in bezug darauf aus, wie heftig du danach verlangen würdest, wenn du es nicht hättest.“
Das heißt: Wenn wir den Dingen, die wir haben, mehr Aufmerksamkeit schenken, dann stehlen uns die Dinge, die wir nicht haben, weniger an Aufmerksamkeit. Denn es sind nicht die Dinge und das Geld, denen man abschwören muss, sondern der Bindung selbst. Es ist also ein großer Irrtum zu glauben, dass wir uns von der Bindung selbst befreien, wenn wir das Objekt unserer Bindung, nämlich das Geld, aufgeben.
So sagt Schopenhauer, "das Geld gleiche dem Meerwasser: je mehr davon trinkt, desto durstiger wird man." Also: desto abhängiger wird man. So stellt das Streben nach Geld die Gefahr dar, dass durch die Befriedigung materieller Bedürfnisse das Verlangen nach Freiheit ausgelöscht wird. Dass immer mehr Geld zufriedener mache, ist also eine Illusion.
Unsere wirkliche Währung heißt also Illusion. Eine Illusion ist ja nicht nur der Besitz dessen, was man sich wünscht, sie ist der Besitz des Wunsches selbst. Wenn wir es mit Geld zu tun haben, geht es meist um die Kraft des Wunsches und des Verlangens. Unser stärkstes
Verlangen gilt aber dem Glück und der Liebe. Beides kann man bekanntlich nicht kaufen. Sie sind ein Geschenk. Und meistens bezahlen wir ohnehin nicht mit Geld, sondern mit Zeit. Und Zeit ist Leben. Und wenn alles vorbei ist, zahlen wir mit unserem Leben.
logo

Philosophie- Blog

P.M. Menü

Neues von aussen

Vom Leben nach dem Tod
Zu Anfang das Fröhliche: Wenn ich Äpfel,...
Sprach-Blog - 30. Jan, 13:28
Das geheimnisvolle Lächeln der Mona Lisa
Zu Beginn ein alter Witz: Ein dummer Student geht baden,...
Sprach-Blog - 27. Jan, 13:50
Ärger mit den Deals
Am Mittwoch habe ich in den Fernsehnachrichten erfahren,...
Sprach-Blog - 23. Jan, 12:41
Mein Problem mit dem Telefon
Meine Eltern haben mir schon im zarten Kinderalter...
Sprach-Blog - 20. Jan, 12:42
Hundekunde
Fast jeder kennt den alten Witz vom englischen Ehepaar...
Sprach-Blog - 16. Jan, 12:48
Dieser Text ist böse
Als ich um die zwanzig war, habe ich mich mit Vorliebe...
Sprach-Blog - 13. Jan, 13:08
Muss man Nazi sein, um Fraktur zu mögen?
Als ich gestern im Wohnzimmer mit einem breit gefächerten...
Sprach-Blog - 9. Jan, 12:46
Wie man klug wird
Ich bitte Sie, meine Damen und Herren, um Ihre geschätzte...
Sprach-Blog - 6. Jan, 12:39