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Dr. Andreas Belwe

Aktuelle Beiträge

schön zu lesen
für mich lässt sich das ganze beantworten...
Fachübersetzungen - 3. Sep, 11:42
Hi
Schön geschrieben. Grüße
Roller - 26. Aug, 09:48
Hi
Was soll's? Her mit dem Zeug! - Ganz meine Rede :)...
Lasik - 25. Aug, 14:18
Einverstanden
Ha guter Bericht und toll geschrieben. Mein Lieblingssatz...
Räuchermännchen Shop - 18. Aug, 09:15
^
Super beitrag spiegelt vieles in mir wieder dar ;)
Kredit Arbeitslose - 19. Mai, 11:07

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Montag, 23. Juli 2007

Die Sprache der Dinge

180px-Kaffeemaschine_fcmEine im wahrsten Sinne des Wortes abgefahrene Geschichte fällt mir ein, wenn es darum geht, zu verstehen, wie Dinge Kunde von sich geben: Eine alte Dame schilderte den Besuch Adolf Hitlers in der Stadt, in der sie als Kind gelebt hat. Begeisterte Jubel-Nazis – in der Mehrzahl Frauen – stürzten hinter dem vorbeifahrenden „Führer-Auto“ auf die Straße, um Staub aufzusammeln von den Stellen, über die das Gefährt gerollt ist.

Auf sonderbare Weise beginnt selbst Straßenstaub zu sprechen, mehr noch: aus Staub wird plötzlich „Edelstaub“, bekommt also etwas, was Aura genannt wird, weil Menschen damit eine für sie wichtige Person oder Begebenheit in Verbindung bringen.
Um nun die Sprache der Dinge zu verstehen, muss man wissen, welche Funktion Sprache überhaupt hat.
Der Psychologe Karl Bühler (1879-1963) unterschied drei Funktionen der Sprache:
• Symbol (Darstellung von Sachverhalten),
• Symptom (Kundgabe der inneren Zustände des Sprechenden)
• Signal (Appell an den Angesprochenen, von dem eine bestimmte Reaktion erwartet wird). Anders können diese Funktionen so formuliert werden:
• Präsentation der besprochenen Sachen,
• Selbstwerdung des sprechenden Subjekts,
• Kommunikation von Subjekten.

Wie aber kann ein Gegenstand vermittelt werden bzw. sich selbst vermitteln? Ein Gegenstand muss, um mit dem Menschen in welcher Art auch immer in Beziehung treten, eine bestimmte Sprache sprechen bzw. vom Menschen in einer bestimmten Weise wahrgenommen werden.
Der Philosoph Sloterdijk sagt dazu: „Nicht nur die Wortsprache hat uns etwas zu sagen, auch die Dinge reden zu dem, der seine Sensorien zu gebrauchen versteht. Die Welt ist voller Gestalten, voller Mimik, voller Gesichter; von überall her ergehen an unsere Sinne die Winkel der Formen, der Farben, der Atmosphären.“ Die Dinge der Welt müssen also gedeutet, ‚gelesen’ und verstanden werden können. Dazu müssen sie auf eine bestimmte Weise beschaffen bzw. gestaltet sein. Dabei ist Ziel jeglicher Gestaltung u.a. die „Reduktion von kognitiver Komplexität“.

Eine solche Gestaltung erzeugt nicht nur materielle Realität, sondern erfüllt kommunikative und interaktive Funktionen. Im Vordergrund stehen also nicht die praktischen Funktionen, d.h. die funktionalen und technischen Leistungen der Produkte, auch die Bedienbarkeit („joy of use“), ebenso Aspekte der Bedürfnisbefriedigung und soziale Funktionen.

Gestaltungs- oder genauer: Designobjekte sind nicht nur Funktions-, sondern auch Informationsträger, sie stimulieren auch ein bestimmtes Gefühls, eine Assoziation, eine Erinnerung, einen Wunsch, eine Sehnsucht. Gestaltung hat sowohl die Aufgabe, Dinge zum Sprechen zu bringen als auch die Verantwortung zu tragen, was es mit einer bestimmten Sprache im Menschen ansprechen möchte, welche Bedürfnisse und Vorstellungen. Aber auch Wahrnehmungen. Und diese Wahrnehmung verändert sich mit der gesamten Daseinsweise innerhalb großer geschichtlicher Zeiträume. So gehen durch die technischen Entwicklungen, besonders durch die „technische Reproduzierbarkeit“ (Walter Benjamin) die Echtheit, Originalität und Ursprung und vor allem die Aura verloren.

Das heißt: Ebenso wie die Sprache neue Wirklichkeiten schafft, bringen auch neue Dinge neue Wirklichkeiten hervor, diese Dinge können Gebrauchsgegenstände und symbolische Gegenstände sein: Als symbolische Objekte sind solche Dinge zu bezeichnen, die explizit und primär dazu dienen, etwas zu bedeuten, wie Schilder und Fahnen, aber auch Bilder und Figuren sowie ästhetische Objekte. Als Gebrauchsgegenstände sind Gegenstände, die primär eine praktische Aufgabe erfüllen, also sowohl Manipulanda sowie instrumentell einzusetzende Utilitanda. (Jürgen Habermas)

Daraus kann gefolgert werden: So wie die Sprache des Einzelnen etwas über seinen Geist, seine Psyche, seinen Charakter aussagt, tun dies Gegenstände, mit denen er sich umgibt bzw. die er benützt, für die er sein Geld ausgibt, von denen er also glaubt, dass sie ihm gut tun.
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