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Dr. Andreas Belwe

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schön zu lesen
für mich lässt sich das ganze beantworten...
Fachübersetzungen - 3. Sep, 11:42
Hi
Schön geschrieben. Grüße
Roller - 26. Aug, 09:48
Hi
Was soll's? Her mit dem Zeug! - Ganz meine Rede :)...
Lasik - 25. Aug, 14:18
Einverstanden
Ha guter Bericht und toll geschrieben. Mein Lieblingssatz...
Räuchermännchen Shop - 18. Aug, 09:15
^
Super beitrag spiegelt vieles in mir wieder dar ;)
Kredit Arbeitslose - 19. Mai, 11:07

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Donnerstag, 26. Juli 2007

Das Lachen im Halse

180px-Forbys_Gummibaerchen_XXLAnders als das Schweigen im Walde verhält es sich mit dem Lachen im Halse. Während das Schweigen im Walde schon immer geschwiegen hat, hat das Lachen im Halse zwar bereits begonnen, bleibt aber bekanntlich darin stecken, weil der Mensch gemerkt hat, irgendwas ist doch nicht so lustig und man lacht jetzt besser nicht weiter.

Ich bringe ein Beispiel dazu aus der Lebenspraxis, von der aus philosophiert es sich bekanntlich am besten. Das Beispiel ist übrigens wirklich ein Beispiel und kein Witz. Denn ich bin kein Witzeerzähler. Nicht weil ich humorlos bin, sondern weil das Erzählen von Witzen in meinen Augen die entfremdete Kommunikation par excellence bedeutet. Entfremdet deshalb, weil das Witze erzählen das Gespräch entpersönlicht, indem der Erzähler seinen Gesprächspartner in die Rolle des Zuhörers drängt und versucht, bei ihm mit einer Pointe aus der Konserve Beifall zu erheischen. Ich finde das penetrant, peinlich und unsensibel. Dann lieber gleich Schweigen im Walde. Und da sind wir fast beim Thema, beim unbefreiten Lachen.

Nun das Beispiel: Ich stehe in einem Supermarkt in einer Schlange, bin fast schon zur Kasse aufgerückt, da gerät der Ablauf ins Stocken. Ein Zwischenfall. Die Kassiererin steht auf, ruft und fuchtelt jemandem am Regal etwas zu. Jetzt, da meine Aufmerksamkeit geweckt ist, höre ich genauer hin: „Du Ware liegen lassen. Nur anschauen. Net ois oglanga!“ (Nicht alles anfassen!). Mit wem mag die gute Frau so reden? Am Regal wühlt interessiert und durchaus neugierig ein Kunde aus afrikanischen Gefilden im Angebot der Süßwaren und legt eben nicht jede begutachtete Packung dort hin, wo sie nach Auffassung des Regals bzw. der Kassiererin hingehört. Bei einem derart fragmentierten und obendrein grammatikalisch deformierten Satzbau sowie regionaler Dialekteinfärbung fühlt sich der fremde Kunde nicht angesprochen, sondern betastet und beknistert weiterhin munter Haribo, Colorado und Frubidu. Die Kassiererin übertönt nun das Rascheln: „Herrschaftszeit’n. Hau des Zeig net so umananda!“ (Sapperlott! Wirf das Zeug nicht so durcheinander!). Auch diese Aufforderung bleibt unerhört.

Der Mann wiederum, der gerade am Bezahlen war und sich durch die echauffierte REWE-Dame aufgehalten fühlt, sagt zu ihr ungeduldig: „Dem muaßt trommeln, sonst vasteht er’s net.“ (Was so viel bedeutet wie: „Dem Herrn am Regal mit den Fruchtgummis musst du Trommelsignale senden, sonst versteht er die Botschaft nicht.“) Alle, die diesen Satz verstanden haben, lachen. Manche länger, manche kürzer. - Ich lache nicht. Aber nicht, weil ich politisch korrekt, also scheinheilig, bin, sondern weil ich schlagartig ein ganzes Gewebe an Bedeutungen vor Augen habe.

Der Mann mit dem Trommelvorschlag ist Ende 60, trägt ein eierschalenfarbenes Popelin-Blouson mit grauen Strickbündchen. Darunter ein Netz-T-Shirt, dessen kurze Knopfleiste er bis zum Hals zugeknöpft hat. Die beige Hose wird etwa in Körpermitte mit einem abgeschabten Kunstledergürtel über dem ausladenden Bauch zusammen gehalten. An den etwas zu kurzen Hosenbeinenden erstrecken sich käsige Füße in durchbrochene braune Sandalen, wie man sie in den 50er Jahren hatte. Auf dem Kopf trägt er einen karierten Hut. Ich dachte mir, wer sich so kleidet, kann nicht schlagfertig sein. Wer so aussieht, muss Vorurteile haben. Wer so aussieht, ist höchstwahrscheinlich Rassist. Ein Kolonialistenschwein, wie es im Buche steht, so einer vom Schlage eines Herero-Abschlächters, eine ressentimentgeladene Inkarnation der Ideologie des weißen Mannes. Menschen sind überhaupt alle misanthropische Stinkstiefel, intolerante, xenophobe Chauvinisten: Die Engländer mögen keine Deutschen, die Franzosen keine Algerier, die Ungarn die Rumänen nicht und die Deutschen sich selbst nicht (… na ja, ein alogischer Sonderfall). – Und schon bin ich bei einer philosophischen Conclusio angelangt: Toleranz als Haltung in einer multikulturellen Gesellschaft kann nicht alles zulassen, sie muss intolerant sein gegen über Diskriminierung und Rassismus. Aber dabei stoße ich auf das Toleranzparadox: Keine Toleranz gegenüber Intoleranten. Wie geht das?

Zurück zur Kasse: vielleicht ist der Popelin-Träger ein lustiges Kerlchen, der um neun Uhr früh keinen Streit und die Kassiererin aufheitern wollte. Vielleicht ist er ein geistreicher Ironiker. Jemand, der Freude an der Sprache und an unserer pluralistischen Gesellschaft hat. Und gewitzt an unsere archaischen Wurzeln der Tele-Kommunikation erinnern wollte!
Was weiß ich, was in dem Popelin-Männchen vor sich geht. Auf alle Fälle muss ich seitdem jedes Mal an die Trommelanekdote denken, wenn ich bei Gummibärchen vorbeigehe. Und außerdem weiß ich immer noch nicht genau, ob man über solche Popelin-Kommentare lachen soll oder nicht. Wenn es nach Harald Schmidt oder Stefan Raab ginge, bestimmt. Oder nach dem Lieben Gott. Denn: „Gott lacht über alles.“ Das ist die Meinung des Kabarettosophen Bruno Jonas, mit dem ich unter eben diesem Titel ein Interview geführt habe. Das ist kein Witz. Sie finden das Interview im P.M. Heft von August. (Anlesen können Sie den Artikel im Internet unter http://www.pm-magazin.de/de/heftartikel/artikel_id2097.htm)
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