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    <title>Philosophie- Blog</title>
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    <title>Philosophie- Blog</title>
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    <title><![CDATA[Das Leben des Sinns]]></title>
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    <description><![CDATA[<img title="" height="71" alt="300px-Moderne_Schranke" width="300" src="http://blogs.pm-magazin.de/PhilosophieBlog/static/PhilosophieBlog/images/300px-Moderne_Schranke.jpg" />Was ist das Leben? &#8211; Die Antwort h&auml;ngt von der Frage ab. Man k&ouml;nnte auch fragen: Wie ist das Leben? Wozu ist das Leben? Sobald man aber danach fragt, ger&auml;t man ins Stocken. Es ergeht einem wie dem Tausendf&uuml;&szlig;ler: Sobald er dar&uuml;ber nachdenkt, wie er seine tausend F&uuml;&szlig;e koordiniert, f&auml;llt er vom Blatt. Das Leben, meint man, m&uuml;sse von allein gehen, es scheint selbstverst&auml;ndlich. Und ist es doch nicht. Weil immer irgendwo etwas klemmt, dann denkt man eben dr&uuml;ber nach. Das nennt man dann Philosophieren. Und im Leben klemmt es ja st&auml;ndig. Kaum hat man eine Sache g&auml;ngig gemacht oder gel&ouml;st, hakt es an einer anderen Stelle. Und man fragt sich: Wieso denn jetzt schon wieder? Konsequenz: Nicht mehr denken? Einfach nur machen? Gibt noch mehr Gewurstel. Das Handgemenge des Lebens ist schon gro&szlig; genug. <br />
<br />
Eigentlich sollte man sich wundern, dass man im Leben &uuml;berhaupt so weit gekommen ist. Wo man doch nichts wei&szlig;. Wie ein Laie steht man da, Tag f&uuml;r Tag. Man ist Improvisateur. Eine Art Lebens-Essayist. Und wenn alles nicht hinhaut, wird man zuerst zum Ironiker und dann zum Zyniker. Weil aber der auf Dauer nicht sozial kompatibel ist, rei&szlig;t man sich wieder zusammen und versucht sich einen Sinn einzureden. Man gibt nach. Aber niemals auf. Man ist Held. Bis man mit dem Kopf gegen die n&auml;chste Schranke knallt. Und dieser Knall ist der philosophische Urknall. Solange die Schranken offen sind und alles flutscht, denkt man eben nicht. Sokrates hatte Recht: Die gl&uuml;cklichen G&ouml;tter philosophieren nicht. &#8211; So lasst uns jeden Tag ein bisschen philosophieren. Damit wir das Leben etwas besser verstehen, denn wenn wir etwas verstehen, wird es auch leichter. Philosophieren bedeutet, sich die Dinge des Lebens so zurecht legen, dass sie ertr&auml;glicher sind und weniger weh tun. <br />
Und dennoch: Man kann sich das Leben noch so zurecht biegen, es passt nie so richtig. Es f&uuml;hlt sich immer wieder an wie die verdrehten &Auml;rmel des &uuml;bergezogenen zu kleinen Pullis. Man kann sich winden wie man will, nach einer gewissen Zeit zwickt etwas.<br />
<br />
So h&ouml;rt das Leben des Sinns nicht auf. Hat man f&uuml;r eine Phase des Lebens, f&uuml;r eine Lebenssituation, f&uuml;r ein Ereignis oder f&uuml;r ein Lebensph&auml;nomen sich Erkl&auml;rungen zurecht gelegt und einen Sinn ausfindig machen k&ouml;nnen, so k&ouml;nnen wir uns drauf verlassen, dass an irgend einer anderen Stelle sich eine Holprigkeit ergibt, die uns ins Straucheln bringt. Dann sagen wir uns: Macht nichts. Im Stolpern lernt der Mensch gehen. Du hast keine andere Wahl als weiterzumachen, mag das Leben auch manchmal fremd erscheinen. Es geh&ouml;rt zum Menschen welt-fremd zu sein. Das Leben ist zun&auml;chst Niemandsland und somit auch Jedermanns Land, man muss so gut es geht heimisch werden, ohne dabei aufzuh&ouml;ren, die Fragen beantworten, die sich immer wieder aufdr&auml;ngen. Dabei ist damit zu rechnen, dass viele Widerspr&uuml;che ungekl&auml;rt und unaufl&ouml;sbar bleiben. <br />
Manche sagen, das Leben sei ein Experiment. Das sagt man halt so, weil es nach Abenteuer klingt. Ich finde das nicht. Diese Charakterisierung ist irref&uuml;hrend. Denn ein Experiment ist wiederholbar, das Leben nicht. Das Leben ist einmal und nicht nie wieder. Der Lebensweg gleicht einem Steg, der auf ein Meer hinausf&uuml;hrt, dessen Bretter nach jedem Schritt brechen und wegschwimmen. Es gibt nicht DEN Halt, wir leben in einer gel&auml;nderlosen Welt. <br />
<br />
Sollte aber jemand meinen, den Stein der Weisen gefunden zu haben, der irrt und muss uns suspekt sein. Der Findende behauptet: Es ist so! Der Suchende fragt zur&uuml;ck: Ist es so? Das bedeutet mithin: Wer sein Ma&szlig; zum Ma&szlig; der Dinge macht, der ma&szlig;t sich im wahrsten Sinne des Wortes etwas an. Man kann den Stein suchen, nicht finden. Der Philosoph, so wenig er sonst wei&szlig;, wei&szlig; das.<br />
Veranschaulichen m&ouml;chte ich diesen Gedanken mit Impressionen von Karl Valentin, der das Leben immer wieder von seiner sperrigen Seite gezeigt hat. Das Leben l&auml;sst nicht so zurecht stutzen, dass es passt, irgendwas, an irgendeinem Ende wird wieder schief. So sehe ich den folgenden kleinen Film als Allegorie des Lebens:<br />
<a href="http://www.youtube.com/watch?v=4NF99_QOF-w">http://www.youtube.com/watch?v=4NF99_QOF-w</a><br />
<br />
So, das war&#8217;s. Wer weiter etwas derart Philosophisches lesen m&ouml;chte, findet es in dem einen oder anderen P.M.-Heft. Aber jetzt hei&szlig;t es erst mal: Ein Jahr gebloggt &#8211; und aus die Maus. Wer dar&uuml;ber entt&auml;uscht oder erleichtert ist, Entzugserscheinungen oder die Krise kriegen sollte, kann sich an den P.M.-Chefredakteur, Herrn Vasek, wenden, der freut sich immer &uuml;ber Leserpost: Vasek.Thomas@muc.guj.de<br />
Und wer sich &uuml;ber meine anderen Publikationen und &uuml;berhaupt &uuml;ber meine T&auml;tigkeit als praktizierender Philosoph informieren m&ouml;chte, wird f&uuml;ndig unter www.kyon-muenchen.de]]></description>
    <dc:creator>Philosophie-Blog</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Philosophie-Blog</dc:rights>
    <dc:date>2007-08-30T08:00:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://blogs.pm-magazin.de/PhilosophieBlog/stories/13268/">
    <title><![CDATA[Zehn Thesen zum Humor]]></title>
    <link>http://blogs.pm-magazin.de/PhilosophieBlog/stories/13268/</link>
    <description><![CDATA[<img title="" height="195" alt="250px-Eduard_von_Gr-C3-BCtzner_Falstaff" width="148" align="left" class="left" src="http://blogs.pm-magazin.de/PhilosophieBlog/static/PhilosophieBlog/images/250px-Eduard_von_Gr-C3-BCtzner_Falstaff.jpg" />Von einem Amerikaner bekam ich unl&auml;ngst zu h&ouml;ren, das Leben sei zu meistern &#8222;with humour and sportsmanship&#8220;. Typisch burschikose Haltung, wie man sie von Amerikanern kennt? Weit gefehlt. Humor hat durchaus philosophische Wurzeln und die liegen in der Antike, genauer gesagt unter anderem bei Horaz, der die damit verbundene philosophische Lebenspraxis auf den Punkt gebracht hat: &#8222;Verum ridentem dicere.&#8220; (Das Wahre ist lachend zu sagen.)<br />
Und da die Philosophen sich viel zu wenig mit Humor befassen, ich aber gerade Humor im philosophischen Denken sowie im Leben &uuml;berhaupt f&uuml;r wichtig halte, m&ouml;chte m&ouml;chte ich zehn Thesen zum Humor aufstellen. Wobei selbstverst&auml;ndlich sein d&uuml;rfte, dass Humor nicht zu verwechseln ist mit B&uuml;ttenreden auf so genannten Karnevalssitzungen, auch nicht mit &#8222;Comedy&#8220;-Schwachk&ouml;pfigkeiten und den ber&uuml;chtigten Schenkelklopfern. Also:<br />
<br />
1. Humor hat zur Voraussetzung, von den Dingen des Lebens nicht in Beschlag genommen zu sein, also auch die F&auml;higkeit und Bereitschaft, sich nicht von ihnen in Beschlag nehmen zu lassen.<br />
2. Nicht in Beschlag genommen zu sein, bedeutet, eine Losl&ouml;sung von den Dingen als auch von sich selbst vollzogen zu haben.<br />
3. Von den Dingen sich gel&ouml;st zu haben, hei&szlig;t auch, ganz bei sich zu sein, sich zu haben und sich zu wissen. - Denn: Nur wer auch bei sich ist, vermag es, sich von sich zu l&ouml;sen.<br />
4. Sich von sich l&ouml;sen k&ouml;nnen, macht wiederum frei und unbefangen f&uuml;r die Dinge des Lebens.<br />
5. Unbefangen und frei zu sein, setzt Distanz voraus. Humor ist folglich eine Frage der Distanz und somit der Selbst-Distanz.<br />
6. Distanz setzt Relativt&auml;t in mehrfacher Hinsicht voraus: Relativit&auml;t im Sinne eines negierenden Aktes des Relativierens bedeutet zum einen, den Dingen des Lebens ihre Absolutheit abzusprechen, und zum anderen, das eigene Verh&auml;ltnis zu ihnen zu zerschlagen bzw. aufzul&ouml;sen, d. h. die eigene Position ebenfalls zu relativieren. Relativieren meint dabei eine Umkehrung, also die einmal getroffene Wertsch&auml;tzung und auch Tabuisierung in Hinblick auf die Dinge des Lebens umzukehren, ihnen die Wichtigkeit, Einmaligkeit und Besonderheit abzuerkennen. Diese Aberkennung wertet die Dinge des Lebens wieder auf, weil es sich auch hier so verh&auml;lt, dass eine Losl&ouml;sung von den Dingen ihre Zuwendung und eigentliche Aufwertung erst m&ouml;glich macht, aber die Notwendigkeit dazu entf&auml;llt.<br />
7. Humor nimmt folglich den Dingen des Lebens und den Lebenstatsachen ihre Sch&auml;rfe, ihre &Uuml;bermacht und Bedeutung. Im Humor vollzieht sich ein Akt der Zerschlagung der Dinge des Lebens und der Lebenstatsachen und erm&ouml;glicht dadurch die Neuzusammensetzung.<br />
8. Im Humor dr&uuml;ckt sich nach landl&auml;ufiger Meinung Gelassenheit aus. Die Leute glauben, man "m&uuml;sse die Sache eben mit Humor nehmen", Humor zu haben, &uuml;bersehen aber dabei, dass sie der Konvention seiner provinziellen Stereotypisierung nicht entronnen sind. "Eine Sache mit Humor nehmen" bleibt also blo&szlig;e Attit&uuml;de, mit der sie die Lebenstatsachen einzusch&auml;tzen vermeinen, d. h. sie verkennen den Ernst des Lebens bzw. behalten ihn formal bei und haben sich von den Dingen des Lebens noch nicht gel&ouml;st. Ihr konventioneller Humor verr&auml;t Anpassung und bleibt den Dingen verbunden, er ist Scheinhumor, da er auf traditionelle Werte und Tabus gleicherma&szlig;en fixiert ist. Denn, nur indem die Lebenstatsachen in ihrer wahrhaften existentiellen Bedeutung anerkannt und aberkannt sind, k&ouml;nnen sie durch Humor gesteigert und auch negiert zugleich werden.<br />
9. Humor und Negation sind also nicht voneinander zu trennen, geh&ouml;ren wesentlich zusammen. Negation beeinhaltet nicht nur ein simples "Nicht-so-wichtig-Nehmen", also Gelassenheit, sondern vollzieht sich in drei Schritten:	<br />
- Die Anerkennung einer Lebenstatsache,	<br />
- deren Aberkennung und	<br />
- die anerkennende Aberkennung bzw. die aberkennende Anerkennung, in Form der &Uuml;bertreibung, der &Uuml;berzeichnung, aber auch der Untertreibung und Herabw&uuml;rdigung. Dadurch zeigen sich f&uuml;r uns die Lebenstatsachen ver&auml;ndert: Sie werden in ihrer urspr&uuml;nglichen Wertsch&auml;tzung bzw. Tabuisierung anerkannt, ihrer enthoben (Zerschlagung) und erscheinen dadurch in ihrer Relativit&auml;t in bezug auf andere Lebenstatsachen. Insofern manifestiert sich im Humor eine Erkenntnisleistung in bezug auf die Lebenstatsachen, denn durch die Relativit&auml;t werden sie erst sichtbar.<br />
10. Humor und Lachen. Wir lachen, wenn ein Ding unerwartet oder in einer daf&uuml;r unpassenden Umgebung erscheint, wenn also ein vertrauter oder &uuml;blicher Zusammenhang zwischen einem Ding und seiner Umgebung aufgel&ouml;st wird und das Ding in einen unerwartet neuem Zusammenhang gebracht wird. Man spricht von Verdrehung. Diese Verdrehung setzt aber genaue Kenntnis von den Lebenstatsachen und den Dingen des Lebens voraus, d. h. die Kenntnis ihrer Relativit&auml;t. Und wie erkennen wir die Relativit&auml;t, der Dinge des Lebens? Indem sie in Unordnung gebracht wurden, auch indem wir sie entbehren mussten, weil sie uns genommen wurden, d. h. ihr, der Relativit&auml;t, ging ein Verlust von Sicherheit und Vertrautem, ein unterwandernder Zweifel oder eine Leidenserfahrung voraus.<br />
Wenn wir etwas erlitten haben, k&ouml;nnen wir dar&uuml;ber hinweggehen, uns davon fortentwickeln und befreien. Von diesem neu gewonnenen Standpunkt hallt unser Lachen aus der Distanz zu den Lebenstatsachen wider, in den und au&szlig;erhalb derer wir zugleich sind.<br />
<br />
Humor meint also nicht die blo&szlig;e Bereitschaft zum Bekichern irgendwelcher Kalauer oder platttkomischen Situationen, sondern die tiefe Einsicht und Weisheit, dass alles auf der Welt zweitrangig ist.]]></description>
    <dc:creator>Philosophie-Blog</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Philosophie-Blog</dc:rights>
    <dc:date>2007-08-27T08:00:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://blogs.pm-magazin.de/PhilosophieBlog/stories/13267/">
    <title><![CDATA[Letzte Ausfahrt]]></title>
    <link>http://blogs.pm-magazin.de/PhilosophieBlog/stories/13267/</link>
    <description><![CDATA[<img title="" height="178" alt="180px-Zeichen_448_svg" width="180" align="right" class="right" src="http://blogs.pm-magazin.de/PhilosophieBlog/static/PhilosophieBlog/images/180px-Zeichen_448_svg.png" />Als zu Anfang des Jahres der Wirbel ums Klima immer heftiger wurde und die Zeitungen immer mehr knallharte Fakten brachten, dass die Ressourcen dieser Welt in absehbarer Zeit definitiv zur Neige gehen, da hatte man schlagartig das Gef&uuml;hl von Wochenende und fast leerem K&uuml;hlschrank. Oder von zwei Zigaretten noch und kein Kleingeld mehr. Von Einseifung und abgedrehtem Wasser. Man ging davon aus, dass alles weiter geht wie bisher, stellt jetzt aber fest, dass man entweder das Aus akzeptiert oder erfinderisch werden, also handeln muss. <br />
<br />
An dem Wochenende, nachdem die unerfreulichen Nachrichten bekannt wurden &#8211; bzw. wieder mal bekannt wurden, denn die Neige lie&szlig; sich vor &uuml;ber drei&szlig;ig Jahren schon berechnen &#8211; war ich auf der Autobahn unterwegs und vermeinte eine gr&ouml;&szlig;ere Raserei als sonst zu bemerken. Ein seltsame Stimmung oder war es Einbildung? Ich erinnerte mich an die Aussagen eines Managers der Automobilindustrie: &#8222;Der ungebrochene Hang zu gro&szlig;en Autos h&auml;ngt damit zusammen, dass alle glauben, demn&auml;chst seien solche Autos sowieso tabu.&#8220; Trifft diese Behauptung zu, h&auml;tte sich tats&auml;chlich eine Art Endzeitstimmung ausgebreitet: Bevor alles aus ist, wird noch mal richtig auf die Tube gedr&uuml;ckt. <br />
<br />
Und in der Tat scheinen die Autofahrer zu den Klimaignoranten zu geh&ouml;ren. Speziell die erkl&auml;rten Fans von Sportwagen und von als Limousinen verkleidete Traktoren und Sch&uuml;tzenpanzern scheinen nichts begriffen zu haben. Denn ausgerechnet diese den Sprits&auml;ufern und CO2-Schleudern zugerechneten Fahrzeugsegmente konnten in den ersten Monaten 2007 gegen den Trend deutlich zulegen, d.h. wurden mehr gekauft. (Cayenne 22,5 l/100 km, Audi Q7 18,1 l/100km, Hummer H3 18 l/100 km) &#8211; Leichtsinn, Verdr&auml;ngung, Dummheit? Was geht hier vor?<br />
<br />
Die Ergebnisse einer Studie des Umweltbundesamtes von 2007 zeigen, dass die Deutschen, denen man &#8211; wer wei&szlig; warum &#8211; ein &Ouml;ko-Bewusstsein nachsagt, keine gro&szlig;e Sensibilit&auml;t aufweisen, wenn es um Klimawandel geht. Vor allem ganz jungen Menschen und der Generation 70 plus fehle das Bewusstsein f&uuml;r die Gefahren des globalen Klimawandels. Bei den 20- bis 69J&auml;hrigen ist dagegen ein langsamer Anstieg zu verzeichnen. Ein Unterschied zwischen M&auml;nnern und Frauen sei nicht festzustellen. Nahe liegender Weise sind so genannte engagierte Idealisten und Wertepluralisten klimabewusster als Wertedistanzierte und egozentrierte Hedo-Materialisten. Klimaignoranten finden sich nicht nur unter besagten Autofahrern, sondern sind auch in D&ouml;rfern und Kleinst&auml;dten eher anzutreffen.<br />
<br />
Wir m&uuml;ssen uns bewusst machen, dass wir auf Reserve fahren. Wenn wir weiter so auf die Tube dr&uuml;cken, d&uuml;rfen wir uns nicht wundern, wenn bald nichts mehr drin ist. Das Gef&uuml;hl der vorger&uuml;ckten Sperrstunde schafft Unbehagen. Dabei meinten wir doch ein Recht auf eine offene Zukunft zu haben. Aber nur wenn wir uns verpflichten, eine solche zu gew&auml;hrleisten. <br />
<br />
Um diese Zukunft offen zu halten, m&uuml;ssen wir uns allzu deutlich vor Augen halten, dass auf westlichem (Anspruchs- und Konsum)Niveau sieben Milliarden Menschen auf dieser Erde nicht leben k&ouml;nnen, ohne deren Kollaps zu riskieren. Wir werden uns ver&auml;ndern m&uuml;ssen: Unsere Mentalit&auml;t, die Technologien und Wissenschaften, das politische Agieren, besonders die Bev&ouml;lkerungspolitik und das wichtigste: unser Wirtschaften, also das Haushalten, schlie&szlig;lich kommt &Ouml;konomie von Oikos, die Hausgemeinschaft. <br />
<br />
Aber bekanntlich &auml;ndern sich Menschen erst, wenn ihnen das Wasser bis zum Hals steht oder die Katastrophe bevor, im schlimmsten Fall merken sie gar nicht, wenn sie bereits mitten drin sind (vgl. vorangegangenen post vom 20.8.). Die Menschheit lebt schon l&auml;ngst nicht mehr mit der Natur, sondern sie ist zu ihrem Parasiten geworden. So sagt der Kulturtheoretiker Hartmut B&ouml;hme: &#8222;Parasit&auml;rer Anthropozentrismus dominiert die Weltbeziehungen.&#8220; Das antike &#8222;secundum naturam vivere&#8220; muss also Grundsatz werden: gem&auml;&szlig; der Natur leben. Auch der Begriff Naturschutz muss neu interpretiert werden: Die Natur muss vor uns gesch&uuml;tzt werden. <br />
Umkehren kann man bekanntlich nicht, wenn man nicht zum Geisterfahrer werden will. Man kann die Renn-Strecke entweder bei der n&auml;chsten Ausfahrt verlassen oder langsamer fahren, wenn es nicht die letzte Ausfahrt werden soll.]]></description>
    <dc:creator>Philosophie-Blog</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Philosophie-Blog</dc:rights>
    <dc:date>2007-08-23T08:00:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://blogs.pm-magazin.de/PhilosophieBlog/stories/13266/">
    <title><![CDATA[Von Fröschen und blind schleichenden Prozessen]]></title>
    <link>http://blogs.pm-magazin.de/PhilosophieBlog/stories/13266/</link>
    <description><![CDATA[<img title="" height="172" alt="160px-Froschaufblatt" width="160" align="left" class="left" src="http://blogs.pm-magazin.de/PhilosophieBlog/static/PhilosophieBlog/images/160px-Froschaufblatt.jpg" />Wie das Leben verl&auml;uft, &uuml;berrascht einen immer wieder. Interessant ist zum einen, dass Entwicklungen vollkommen gegenteilig zu den urspr&uuml;nglichen Absichten verlaufen k&ouml;nnen. Verh&auml;ltnisse entwickeln sich anders als geplant und man ger&auml;t dadurch in genau die Situationen, denen man immer schon zu entgehen hoffte. Und das passiert meist dann, wenn man etwas Bestimmtes nicht nur erreichen, sondern erzwingen wollte. Diese Strategien sind als escalation of commitment (&uuml;bersteigertes Engagement f&uuml;r ein Ziel) bekannt geworden. Beispiele: Je mehr einer beim Gl&uuml;cksspiel verloren hat, desto mehr Geld setzt er ein. Oder: Vermeintlich meisterhafte technische Innovationen werden stur gef&ouml;rdert, obwohl sie nichts bringen als weiter Kosten zu verursachen. Begr&uuml;ndung: Die vorangegangenen Investitionen sollen doch nicht vergebens gewesen sein. Und auch das kennt jeder: Wut, Streit und Entt&auml;uschung in Beziehungen und Ehen. Aber trennen will man sich doch nicht und macht weiter.<br />
<br />
Unter diesen nicht-intendierten, also gegenabsichtlichen L&ouml;sungen sind L&ouml;sungen zu verstehen, die deutlich machen, dass die L&ouml;sung das eigentliche Problem erst hervortreten l&auml;sst. Mein Lieblingsbeispiel dazu: In einer ohnehin wasserarmen Region der USA wird w&auml;hrend einer Trockenperiode die Bev&ouml;lkerung von der Administration eindringlich dazu aufgefordert, Wasser zu sparen. Was passiert? Aus Angst, irgendwann auf dem Trockenen zu sitzen, steigt der Wasserverbrauch. Auch hier wird das Problem durch die Probleml&ouml;sung versch&auml;rft.<br />
<br />
Abgesehen von solchen Extremsituationen machen wir im Alltag wie im Leben als ganzem immer wieder Erfahrungen, die die so genannte Ironie des Schicksals bereith&auml;lt. J&auml;he Wendungen, abenteuerliche Konstellationen, Verstrickungen und Ereignisse, die man in keinem Roman findet, kommen auf diese Weise zustande. Da dachten wir eben noch, autonom zu handeln, &#8222;alles im Griff&#8220; zu haben - und schon werden wir zum Zuschauer von katastrophischen Entwicklungen und m&uuml;ssen einem Schauspiel folgen, das tragisch und komisch, meistens beides zugleich ist.<br />
<br />
Zum anderen finde ich noch viel erstaunlicher, dass man die Entwicklung, die zum eigenen Nachteil verl&auml;uft, selbst gar nicht wahr nimmt, es sind schleichende Prozesse, f&uuml;r die man wie blind zu sein scheint.<br />
Was haben nun diese blind schleichenden Prozesse mit Fr&ouml;schen zu tun? Das Problem mit Ver&auml;nderungen besteht darin, dass &Uuml;berg&auml;nge meist nicht sprunghaft vonstatten gehen, sondern kaum sp&uuml;rbar. Wer man wurde, sieht man selbst erst im Nachhinein. Erst wenn etwas war, merkt man, was ist. Das hei&szlig;t, das, was ist, sieht man im Augenblick nicht. Deshalb spricht der Philosoph Ernst Bloch vom &#8222;Dunkel des gelebten Augenblicks&#8220;, in dem man vollkommen aufgeht und von ihm absorbiert wird. Was gerade passiert, ist nicht erkenn- oder erkl&auml;rbar. Ein Zustand wird vollst&auml;ndig sichtbar, wenn er durch einen anderen abgel&ouml;st wurde. So hinken wir mit unserer Wahrnehmung immer hinterher.<br />
<br />
Besonders dramatisch wird das am boiling-frog-Syndrom deutlich: Wirft man einen Frosch in sehr hei&szlig;es Wasser, dreht er durch und wird alles tun, um zu entkommen. Setzt man ihn in lauwarmes Wasser und erh&ouml;ht nach und nach die Temperatur, l&auml;sst er sich zu Tode kochen, ohne sich zu wehren. Fazit: Von Ver&auml;nderungen werden wir in den seltensten F&auml;llen &uuml;berrannt, sie verlaufen schleichend. Am Ende haben wir sie nie so gewollt &#8211; Gerade Widrigkeiten nimmt man hin und scheint wie blind daf&uuml;r zu sein. <br />
<br />
Krankheiten verlaufen oft nach diesem Muster oder Entwicklungen der eigenen Pers&ouml;nlichkeit nehmen erstaunliche Formen an. Man hielt sich zum Beispiel stets f&uuml;r liberal, offen und gro&szlig;z&uuml;gig, aber langsam und unmerklich nimmt man reihenh&auml;uslerisch-engstirnig-bigotte Wesenz&uuml;ge an, die man an anderen immer ganz grauenhaft fand. Am schlimmsten jedoch sind Modifikationen in Beziehungen. Was zu Anfang liebe- und r&uuml;cksichtsvoll, einf&uuml;hlsam und geduldig begann, verkommt zu einem respektlos-unwirschen Beziehungsdebakel, zu Verhaltensweisen, die man vorher hochn&auml;sig ins Interaktionsrepertoire der Unterschicht verwiesen h&auml;tte.<br />
<br />
Vielleicht sind wir alle kochende Fr&ouml;sche. Also ich spring jetzt erst mal ins kalte Wasser.]]></description>
    <dc:creator>Philosophie-Blog</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Philosophie-Blog</dc:rights>
    <dc:date>2007-08-20T08:00:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://blogs.pm-magazin.de/PhilosophieBlog/stories/13265/">
    <title><![CDATA[Wie langweilig]]></title>
    <link>http://blogs.pm-magazin.de/PhilosophieBlog/stories/13265/</link>
    <description><![CDATA[<img title="" height="50" alt="Yawn" width="50" align="right" class="right" src="http://blogs.pm-magazin.de/PhilosophieBlog/static/PhilosophieBlog/images/Yawn.gif" />&#8222;Am Anfang war die Langeweile.&#8220; &#8211; So fundamental sieht sie der d&auml;nische Philosoph S&ouml;ren Kierkegaard (1813-1855). &#8222;Die G&ouml;tter langweilten sich, darum schufen sie die Menschen. Adam langweilte sich, weil er allein war, darum wurde Eva geschaffen. Von diesem Augenblick an kam die Langeweile in die Welt und wuchs an Gr&ouml;&szlig;e in genauem Verh&auml;ltnis zu dem Wachstum der Volksmenge. Adam langweilte sich allein, dann langweilten sich Adam und Eva und Kain und Abel en famille, dann nahm die Volksmenge in der Welt zu, und die V&ouml;lker langweilten sich en masse. Schlie&szlig;lich bauten die V&ouml;lker aus Langeweile den babylonischen Turm.&#8220; &#8211; Kierkegaard zufolge ist die Langeweile nicht irgendeine beliebige Befindlichkeit des Menschen, sondern sie ist f&uuml;r die Entwicklung der menschlichen Kultur insgesamt verantwortlich. Langeweile kann aber auch die Wurzel allen &Uuml;bels darstellen, das geht sogar so weit, dass die Menschen Kriege aus Langeweile f&uuml;hren, so die Ansicht von Emile Chartier. Gerade auf den Ersten Weltkrieg mag dies durchaus zutreffen. <br />
<br />
Aber gab es Langweile schon immer? Als Ph&auml;nomen taucht sie in der Literatur und Philosophie der Romantik auf und damit ist sie erst seit gut zweihundert Jahren ein zentrales Kulturph&auml;nomen. Allerdings sind auch &auml;hnliche Ph&auml;nomene aus fr&uuml;heren Zeiten bekannt, so zum Beispiel das taedium vitae, der aus der Erfahrung des immer Gleichen entspringende Lebens&uuml;berdruss, den Seneca beschrieben hat, oder die acedia, die in manchen fr&uuml;hen Kl&ouml;stern geradezu epidemische Ausma&szlig;e annahm und von der klassischen Theologie der Kirche zur schwerwiegendsten S&uuml;nde erkl&auml;rt wurde, weil sie den Ursprung f&uuml;r alle anderen S&uuml;nden bildete.<br />
Der norwegische Philosoph Lars Svendsen (Kleine Philosophie der Langeweile, Frankfurt/M. 2002) h&auml;lt Langeweile f&uuml;r &#8222;eine Stimmung, die sich durch Qualit&auml;tslosigkeit" auszeichnet. Somit seien Langeweile und fehlender Sinn letztlich dasselbe. Svendsen unterscheidet zwischen zwei Formen der Langeweile, einer situativen, die wesentlich &uuml;berzeitlich existiert, und einer existentiellen. <br />
Langeweile enth&auml;lt stets ein kritisches Element, denn wo sie zunimmt, weist &#8222;die Gesellschaft einen ernsten Fehler auf&#8220;. Dieser Fehler bestehe, so Svendsen, im &#8222;Verlust eines Ganzheitssinnes&#8220;. Langeweile entspringe einer modernen Technologie, die den Menschen mehr und mehr zu einem passiven Konsumenten mache, welcher sein Leiden paradoxerweise durch Konsum &#8222;sozialer Placebos&#8220; aufzul&ouml;sen suche. Diese Placebos wiederum haben ein nur "kurzes Verfallsdatum".<br />
<br />
Philosophen ist anscheinend nie langweilig, sonst w&uuml;rden sie sich nicht auch dar&uuml;ber Gedanken machen, was nicht hei&szlig;en soll, dass sie zu viel Zeit h&auml;tten. Sie sind realistisch und erkennen ein Problem, zu dessen L&ouml;sung sie auch Tipps anbieten. Blaise Pascal etwa empfahl, ein Verh&auml;ltnis zu Gott aufzubauen. Andere - insbesondere der eine oder andere Aufkl&auml;rer - erblickten das Heilmittel in der Arbeit, Friedrich Schlegel in einer alles verschlingenden Liebe und Schopenhauer in der &auml;sthetischen Erfahrung.<br />
<br />
Ich pers&ouml;nlich halte Wachheit, Eigenst&auml;ndigkeit und Interessiertsein f&uuml;r die besten Voraussetzungen gegen Langeweile, wobei sie als &#8222;Mittel&#8220; gar nicht bewusst eingesetzt zu werden brauchen, denn wer wach, eigenst&auml;ndig und interessiert der Welt begegnet, bei dem kommt Langeweile niemals auf. Er bedarf nicht der permanenten Anregung von au&szlig;en, er belebt die Welt mit seinem Interesse, sie schlie&szlig;t sich dadurch f&uuml;r ihn auf und wird wiederum dadurch interessant f&uuml;r ihn. Man k&ouml;nnte sogar sagen, der Philosoph kennt keine Langeweile, denn durch seine F&auml;higkeit zu staunen und zu zweifeln, durch sein Fragen hat er genug zu tun. So sind Menschen, die sich langweilen, einfach langweilig. Beklagen sie sich dar&uuml;ber, dass in ihrem Leben nichts los ist, so deshalb, weil mit ihnen nichts los ist.]]></description>
    <dc:creator>Philosophie-Blog</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Philosophie-Blog</dc:rights>
    <dc:date>2007-08-16T08:00:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://blogs.pm-magazin.de/PhilosophieBlog/stories/13264/">
    <title><![CDATA[Autobiographie - Was man nicht alles wissen muss!]]></title>
    <link>http://blogs.pm-magazin.de/PhilosophieBlog/stories/13264/</link>
    <description><![CDATA[<img title="" height="337" alt="225px-Boris_Becker" width="55" align="left" class="left" src="http://blogs.pm-magazin.de/PhilosophieBlog/static/PhilosophieBlog/images/225px-Boris_Becker.jpg" />Die Ver&ouml;ffentlichung und Verbreitung von Erinnerungen wird immer demokratischer. Was lange Zeit nur Feldherrn, Dichtern, Politikern, Wissenschaftlern vorbehalten war oder Menschen zugestanden wurde, die von Schicksalen historischer Einzigartigkeit zu berichten hatten, kann nun jeder tun bzw. tut&#8217;s einfach: Eine Autobiographie schreiben. <br />
Nur: Wer kann sich vorstellen, eine Autobiographie von Oliver Kahn zu lesen? (Wer h&auml;tte so viel &uuml;bersch&uuml;ssige Lebenszeit?) Wer kann sich vorstellen, warum Stefan Effenberg eine Autobiographie schreibt (bzw. hat schreiben lassen)? Weil das jemanden interessiert oder weil er sein Leben f&uuml;r so &#8222;spannend&#8220; h&auml;lt? Es ist der Wunsch, die eigene Vermarktung zu optimieren, um ja nicht in Vergessen zu geraten, der Wunsch Spuren zu hinterlassen, Spuren der Eitelkeit. Der Wunsch nach Ewigkeit. (Aber wird jemand in 20 Jahren die Autobiographie von Dieter Bohlen oder Boris Becker zur Hand nehmen? Nicht mal in zehn vermutlich. Oder die wichtige Autobiografie von Britney Spears, die sie im fortgeschrittenen Alter von 21 Jahren verfasste.)<br />
<br />
Oder es besteht das Verlangen, die Welt endlich dar&uuml;ber in Kenntnis zu setzen, was f&uuml;r ein Hecht man ist. Heiner Lauterbach, nannte deshalb mit Nachdruck sein Werk &#8222;Nichts ausgelassen&#8220;. Eines hat er aber schon ausgelassen, n&auml;mlich die Tatsache, dass Gest&auml;ndnisliteratur kaum auszuhalten ist. Diese Art des Beichtens geht wahrscheinlich auf den inquisitorischen Katholizismus zur&uuml;ck und somit auf die Angst, in der H&ouml;lle zu landen bzw. auf die Hoffnung davor verschont zu bleiben und Ablass zu erfahren. Heiner hat nach dem, was die Rezensenten so schreiben, sich alles reingezogen, was Spa&szlig; macht: Alkohol, Drogen, Frauen sowieso, jede Menge lebensgef&auml;hrliche action &#8211; alles was eben so macht. Nur: Wer will davon wissen? Diejenigen, die selber so leben oder gelebt haben, kippt das Buch beim Einschlafen weg, und diejenigen, die nicht so leben k&ouml;nnen oder wollen, werden neidisch oder emp&ouml;ren sich, sie werden es also gar nicht erst leben. <br />
<br />
Es gibt eben Menschen, die halten &#8222;ihr Leben&#8220; f&uuml;r besonders mitteilungsw&uuml;rdig, v&ouml;llig unabh&auml;ngig davon, wie das die anderen sehen. Und dennoch sind Ausnahmepers&ouml;nlichkeiten wie Fu&szlig;baller, Schauspieler und Popstars in bester Gesellschaft, schlie&szlig;lich reichen autobiografische Aussagen in einer langen Tradition von der Antike &uuml;ber das Mittelalter zur Renaissance, bis Ende des 18. Jahrhunderts die so genannte klassische Epoche der Autobiografie anbricht.<br />
Die Autobiografie ist eine hybride Form von subjektiver (Selbst)Wahrnehmung und Wirklichkeit, also die Narration einer Vita, in der die historischen und poetischen Aspekte zusammengef&uuml;hrt werden. Dabei mag es erhebliche (Selbst)T&auml;uschungen geben, die sich nicht einmal vermeiden lassen, denn Erinnern und Vergessen finden ihren Niederschlag in Selektion und Zensur. Das was, subjektiv wichtig erscheint, wird erw&auml;hnt, was man lieber nicht erz&auml;hlt, wird eliminiert. Die hundertprozentige Erinnerung gibt es ebenso wenig wie den totalen Chronisten. Es ist somit ein Irrtum anzunehmen, dass alle Erfahrungen, die man im Leben macht, irgendwo im Gehirn zuverl&auml;ssig gespeichert werden, denn das Ged&auml;chtnis revidiert sich im Laufe seines Lebens immer wieder selbst. W&auml;hrend des Erinnerungsprozesses wird lediglich eine Auswahl getroffen, die wiederum einer permanenten Ver&auml;nderung durch den gegenw&auml;rtigen Perspektivenwechsel oder Akzentverlagerungen unterliegt und den eigenen Gesetzm&auml;&szlig;igkeiten und Bed&uuml;rfnissen folgt, wie etwa dem Anspruch, eine koh&auml;rente Lebensbeschreibung zu produzieren.<br />
<br />
Somit ergibt sich eine un&uuml;berbr&uuml;ckbare Kluft zwischen den zur&uuml;ckliegenden Ereignissen und deren retrospektiver Aufbereitung und Darstellung. Der Nutzen allen autobiografischen Erinnerns kann neben dem Wunsch sich hervorzutun darin liegen, das eigene Selbst mit Sinn auszustatten, um f&uuml;r sich selbst ein stimmig-&uuml;bersichtliches Ganzes zu schaffen. <br />
Mit anderen Worten: Eine Autobiographie ist kein historisches Dokument, aber auch kein Roman. Sie ist eine Erfindung, im schlechtesten Fall eine L&uuml;ge, ein Fake. Skepsis ist also angesagt, wenn uns Fu&szlig;ball- und andere Stars ihr Leben verzapfen mit dem Anspruch, ja so war&#8217;s und nicht anders, und damit meinen, die Sehnsucht der Leser nach einer authentischen Person befriedigen zu k&ouml;nnen. &#8211; Habt ihr eine Ahnung!]]></description>
    <dc:creator>Philosophie-Blog</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Philosophie-Blog</dc:rights>
    <dc:date>2007-08-13T08:00:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://blogs.pm-magazin.de/PhilosophieBlog/stories/13263/">
    <title><![CDATA[Die Mega-Kopie]]></title>
    <link>http://blogs.pm-magazin.de/PhilosophieBlog/stories/13263/</link>
    <description><![CDATA[<img title="" height="400" alt="Vakuum_konsensor_offen" width="75" align="right" class="right" src="http://blogs.pm-magazin.de/PhilosophieBlog/static/PhilosophieBlog/images/Vakuum_konsensor_offen.jpg" />Abkupfern, Kopieren, Plagiieren, Clonen &#8211; mit den technischen M&ouml;glichkeiten der Vervielf&auml;ltigung, der endlosen Reproduktion, der Vermassung des Singul&auml;ren und Individuellen wird das Neue immer unwahrscheinlicher. Der moderne Mensch ist au&szlig;erstande, Neues bzw. sich neu zu erschaffen. Massenproduktion bringt Massenmenschen hervor und Massenmenschen bringen Massenprodukte hervor, konsumieren Massenprodukte und ebnen sich deshalb ein. <br />
Sind wir nur noch Epigonen? Gibt es keine Entwicklung mehr? Ja und nein. Ich bin davon &uuml;berzeugt, dass die technischen Entwicklungen und Ver&auml;nderungen weiter rasant voranschreiten. Aber f&uuml;r die gesellschaftlich-kulturell-mentale Entwicklung wird trifft dies nicht in diesem Ma&szlig;e zu. Da zeichnet sich wenig Neues ab. &#8211; Aber nicht einmal dieser Gedanke ist neu:<br />
<br />
Der franz&ouml;sische Mathematiker, National&ouml;konom und Philosoph Antoine Augustin Cournot (1801-1877), der sich auch zur Beziehung zwischen Geschichte und Wissenschaft ge&auml;u&szlig;ert hat, hat den Begriff des post-histoire beschrieben. Mit &#8222;Nach-Geschichte&#8220; meint er die Situation, die entsteht, wenn eine menschliche Erfindung oder Einrichtung so weit vervollkommnet ist, dass jegliche weitere Wandlung und Ver&auml;nderung ausgeschlossen erscheint. Wenn man die Theorie Cournots auf die heutige Lage anwendet, k&ouml;nnte man die Schlussfolgerung begr&uuml;nden, dass unsere Kultur sich nicht weiter entwickeln kann und in eine Phase der Sinnlosigkeit eintritt. Die Alternative w&auml;re dann entweder Tod oder Mutation &#8211; oder flatrate-Saufen. Das Posthistoire w&auml;re also kein geschichtsloses Dasein oder die Lethargie einer Kultur, die ihre Lebenskraft verloren h&auml;tte, sondern eine Phase des Weltgeschehens, die g&auml;nzlich aus dem Rahmen der Geschichte herausf&auml;llt.<br />
<br />
Im 20. Jahrhundert lebte die Diskussion um das Ende der Geschichte wieder auf: Von Erstarrung und Schweigen war die Rede, Schweigen als der Endpunkt der menschlichen Geschichte, in dem Sinne, dass alles, was gesagt werden konnte, gesagt wurde. Bei vielen Autoren des Posthistoire wie bei Arnold Gehlen ist von 'Kristallisation', aber auch schon vorher von 'Kristall' (Walter Benjamin) und 'Kristallisierung' (Georg Simmel) die Rede. Darunter ist eine Metapher aus der biologischen Evolutionstheorie zu verstehen, die besagt, "dass sich aus zuf&auml;lligen genetischen Mutationen und aus dem &Uuml;berleben der durchsetzungsf&auml;higsten Varianten Gattungen herausbilden, die dann in ihrer genetischen Bestimmung erstarren und sich in derselben Art so lange reproduzieren, wie sie ihr &Uuml;berleben in ihrer Umwelt durchsetzen k&ouml;nnen." (Lutz Niethammer: Posthistoire)<br />
<br />
Vielleicht zeigt sich auch das Ende der Geschichte in der Mega-Kopie, deren Erfindung wiederum die Globalisierung ist: Globalisierung bedeutet Uniformierung, Verbreiung und Verwurstung: Um uniform zu werden, musste zun&auml;chst alles kopiert werden, damit alle gleich aussehen. Die Globalisierung k&ouml;nnte man sich auch als gro&szlig;e Wurst vorstellen. Es ist alles drin, was keiner so genau kennt, sie wird &uuml;berall hergestellt, verkauft und gekauft. Der Wurst wiederum geht voraus der gro&szlig;e Brei alles Eingekochten, der Brei, den immer schon alle K&ouml;che verdorben haben, wenn&#8217;s denn K&ouml;che waren. <br />
<br />
Das Faszinierende: Das Ph&auml;nomen der Mega-Kopie ist neu und zugleich nicht. Denn Plagiatentum ist nicht neu, Kopisten fanden sich &#8211; gerade in der Kunst &#8211; seit Jahrhunderten, gerade in der Kunst zu Hauf. Seit l&auml;ngerem &uuml;berschwemmen Produktplagiate aus Fernost die westlichen M&auml;rkte. Wer vermag noch Originale zu unterscheiden? Irgendwann gibt es nur noch Kopien.<br />
Aber nicht nur Produktkopien. Denn: Das Internet ist ein Kopierger&auml;t, die F&auml;higkeit zum geistigen Clonen. Wenn alle von allen abschreiben, entsteht das Hyperplagiat, die veritable Reproduktion eines gro&szlig;en Ganzen, die Superdoublette. Alles, was als einzigartig galt, findet sich wieder. Das gilt auch f&uuml;r Medien und Kommunikation zwischen Einzelnen: Wir kommunizieren &uuml;ber bereits Kommuniziertes. Mit der Folge: Wir sind &uuml;berkommuniziert bis zur Penetranz. - Deshalb weichen wir aus in k&uuml;nstliche Welten, in der Hoffnung, etwas Neues zu erleben. Ein Beispiel f&uuml;r die Lebenskopie ist Second Life, da passiert dann dasselbe wie im &#8222;richtigen Leben&#8220;.<br />
Bei all den Materienkopien, Lebenskopien, Wissens- und Denkkopie sowie Clonereien kann es passieren, dass du morgen fr&uuml;h zum B&auml;cker gehst, dich selbst triffst und dieselben Gespr&auml;che f&uuml;hrst wie vor zehn, zwanzig Jahren. Alles war schon einmal da. Das Wirklichkeit gewordene D&eacute;j&agrave;-vu-Erlebnis, die exakte Wiederholung. &#8211; Grauenhafte Vorstellung das!]]></description>
    <dc:creator>Philosophie-Blog</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Philosophie-Blog</dc:rights>
    <dc:date>2007-08-09T08:00:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://blogs.pm-magazin.de/PhilosophieBlog/stories/13262/">
    <title><![CDATA[Weil der Mensch lesen muss]]></title>
    <link>http://blogs.pm-magazin.de/PhilosophieBlog/stories/13262/</link>
    <description><![CDATA[<img title="" height="143" alt="180px-Latin_dictionary" width="180" align="left" class="left" src="http://blogs.pm-magazin.de/PhilosophieBlog/static/PhilosophieBlog/images/180px-Latin_dictionary.jpg" />&Uuml;bers Lesen wird ja viel geschrieben. Besonders vor oder zur Urlaubszeit befassen sich die Zeitungen damit, ihren Lesern Empfehlungen zu geben, welches Buch oder welche B&uuml;cher sie in den Urlaub mitnehmen sollten oder k&ouml;nnten. Nicht selten kommt es dann zu der beliebten wie d&auml;mlichen, weil lebensfernen Frage: Welches Buch w&uuml;rden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen? Auch machen sich (die etwas anspruchsvolleren) Zeitungen dar&uuml;ber Gedanken, welche B&uuml;cher man &uuml;berhaupt gelesen haben sollte. Schulen und Hochschulen schreiben das den Sch&uuml;lern und Studenten regelrecht vor. In der Hoffnung, dass alle die gleichen B&uuml;cher gelesen haben. Ich habe mich so gut wie nie an diese Vorgaben gehalten, weil ich diesen Weg nicht besonders innovativ finde und ich keine Lust hatte, dem bildungsb&uuml;rgerlichen Belesenheitskanon auf den Leim zu kriechen. Im Studium fand ich es gerade interessant, immer wieder die Fachgrenzen zu verlassen, weil die Au&szlig;enperspektiven das Innen erst erhellen. Mit anderen Worten: Ich bin f&uuml;r das inspirative Lesen. Jedes Buch dient mir als Impulsgeber f&uuml;r Ideen und Fragen, die ich in anderen B&uuml;chern erweitert bzw. beantwortet finde. <br />
<br />
Mit dem Lesen entstehen Landkarten, Orientierungspunkte, von denen aus man wieder weitergehen kann. Lesen f&ouml;rdert das organische Wachstum des Denkens. Jedes Buch &#8211; und sei es nur ein Satz daraus &#8211; wird an irgendeiner Stelle des sich entwickelndes Geistes eingeflochten und bildet wieder einen offenen Ankn&uuml;pfungspunkt f&uuml;r weitere Gedanken. Ich sage bewusst Gedanken, nicht Informationen oder Wissensmodule, denn diese w&auml;ren rein formal angeeignetes Material. Erst das reflektierte Wissen, also das nach seinem eigenen Denken umgearbeitete &#8222;Material&#8220; wird zu Gedanken, - ein Vorgang, den man nur selbst bewerkstelligen kann.  <br />
Was soll man nun lesen? So viel wie m&ouml;glich. Denn Lesen ist ein Selektionsprozess, bei dem viel Unwichtiges oder Uninteressantes heraus f&auml;llt. Jetzt k&ouml;nne man einwenden: Quantit&auml;t kann doch nicht vor Qualit&auml;t gehen. Das stimmt auch meistens. Nur: Beim vermehrten Lesen, bei der Aneignung von Wissen und dessen Verarbeitung, wird einem bewusst, was man alles nicht wei&szlig;. Das mag eine philosophische Ersch&uuml;tterung sein. Aber genau diese Erfahrung macht kritisch und dringt auf noch st&auml;rkere Selektion und h&ouml;heren Anspruch. <br />
<br />
Das Eigenartige am Lesen ist ja, dass man nicht nicht lesen kann. Egal, welche W&ouml;rter oder S&auml;tze man vor sich hat, man liest sie. Eigenartig ist weiterhin: was sieht man, wenn man liest? Schwarze (oder wie auch immer farbige) Zeichen? Wei&szlig;e Zwischenr&auml;ume? Bilder? Assoziationen. Erinnerung an etwas Bekanntes, denn fremdsprachige W&ouml;rter sind dazu nicht in der Lage. Man sieht vermutlich nichts, man identifiziert, konstruiert. <br />
<br />
W&ouml;rter oder die aus ihnen bestehenden Buchstaben sind an Materie gebunden, genauso wie Farben. Materie ist h&auml;ufig Druckerfarbe und Papier, das ganze zu einem B&uuml;ndel verarbeitet ergibt ein Buch. N&uuml;chtern betrachtet nichts Besonderes. Dennoch gibt es gen&uuml;gend Menschen, die ein liebhaberisches Verh&auml;ltnis zu B&uuml;chern haben. Ich kann das nachvollziehen, wobei ich meine Affinit&auml;t zu B&uuml;chern kaum begr&uuml;nden kann. Das ist vergleichbar mit der Frage, warum man einen Menschen liebt. Man wird sofort darauf kommen, dass man ihn nicht auf ein paar Eigenschaften reduzieren kann, sondern man bejaht ihn als Ganzes. So ist das auch bei B&uuml;chern. Ich w&uuml;rde behaupten, solange ich von B&uuml;chern umgeben bin, kann nichts schief gehen, sie sind potenzielle Gespr&auml;chspartner.<br />
Ich glaube, es war Balzac oder Stendhal, ist auch egal, ein franz&ouml;sischer Schriftsteller aus dem 19. Jahrhundert war es, der behauptet hat, mancher mit einer Frau durchlebten Nacht h&auml;tte er fraglos ein Buch vorgezogen. Keine Panik, liebe Leserin, das ist keine frauenfeindliche Bemerkung, denn die Sichtweise gilt anders herum bestimmt genauso. &#8211; Ich wei&szlig; nur eines: L&auml;se ich nicht, ich verr&uuml;cktete.]]></description>
    <dc:creator>Philosophie-Blog</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Philosophie-Blog</dc:rights>
    <dc:date>2007-08-06T08:00:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://blogs.pm-magazin.de/PhilosophieBlog/stories/13236/">
    <title><![CDATA[Tabu]]></title>
    <link>http://blogs.pm-magazin.de/PhilosophieBlog/stories/13236/</link>
    <description><![CDATA[<img title="" height="304" alt="400px-B_Escorial_18b" width="91" align="right" class="right" src="http://blogs.pm-magazin.de/PhilosophieBlog/static/PhilosophieBlog/images/400px-B_Escorial_18b.jpg" />Nahezu alles wird gezeigt, gesagt und es wird auch getan, was technisch mach- und herstellbar ist (z.B. Stammzellenforschung, Massenvernichtungswaffen). Ist dies eine Befreiung oder eine Beklemmung? &#8211; Das 20. Jahrhundert wurde als das Zeitalter der Extreme beschrieben, in dem der Mensch endg&uuml;ltig seine Unschuld verloren hat. Was folgt jetzt? Grenzen werden &uuml;berschritten, brauchen wir neue? Was sollte tabu sein?<br />
Tabu bezeichnet all das, was in einer Gesellschaft als verboten gilt. Verbote betreffen bestimmte Verhaltensweisen und Personen. Tabus sind heute nicht religi&ouml;s, sondern sozial begr&uuml;ndet, sie sind auch, wie gezeigt werden kann, philosophisch relevant.<br />
<br />
Was bedeutet der Begriff Tabu?<br />
Bereits Platon legte in seinem Werk &#8222;Der Staat&#8220; bereits 433 v. Chr. einzuhaltende Tabus fest. So habe der Dichter nichts zu entwerfen, was den Ideen des Gesetzlichen, Gerechten, Sch&ouml;nen und Guten entgegenst&uuml;nde, noch solle ihm erlaubt sein, seine Sch&ouml;pfung irgendeiner privaten Person zu zeigen, bevor er sie nicht den dazu berufenen Zensoren und Gesetzesh&uuml;tern zug&auml;nglich gemacht habe und diese zufrieden gewesen seien.<br />
<br />
Aus anderer Perspektive hat Sigmund Freud in seinem Werk &#8222;Totem und Tabu&#8220; die Doppelnatur des Tabus aufgezeigt: &#8222;Einerseits geh&ouml;rt es zur Sph&auml;re des Heiligen, andererseits zur Sph&auml;re des Unheimlichen, Verbotenen, Gef&auml;hrlichen und Unreinen. Das Objekt des Begehrens ist h&auml;ufig auch das Objekt, mit dem man nicht in Kontakt kommen darf.<br />
Dieser Kontakt darf oft nicht einmal auf metaphorische und intellektuelle Weise stattfinden. Vor diesem Hintergrund entstehen unterschiedliche Formen von Tabus: Nicht nur Handlungs- und Darstellungsverbote, sondern auch Denk- und Sprechverbote.<br />
St&auml;rkstes Tabu ist das Inzest-Tabu: Sexuelle Beziehungen zwischen (nahen) Verwandten unterliegen in fast der gesamten Menschheitsgeschichte kultur&uuml;bergreifend bis heute einem strengen Tabu. Anthropologen bezeichnen das Inzest-Tabu als den Grundstein der menschlichen Zivilisation &uuml;berhaupt.<br />
<br />
Auch heute noch h&auml;lt ein Tabu unbewusste, gesellschaftlich abgelehnte, weit verbreitete W&uuml;nsche unter einem &#8222;Sicherheitsdeckel&#8220;. Wird ein Tabu gebrochen, entstehen in der Gesellschaft gewaltige Abwehrkr&auml;fte. Die Sph&auml;ren, die von Tabus bzw. Tabubruch betroffen sein k&ouml;nnen: Sexualit&auml;t (Homosexualit&auml;t, Transsexualit&auml;t, Nekrophilie, P&auml;dophilie etc.), Religion, Tod, K&ouml;rper, Politik, Geld, Gef&uuml;hle, Versagen. Haupts&auml;chlich tabuisiert aber sind das Abseitige, &#8222;Unnormale&#8220; und Exzentrische. <br />
Tabus sind auch dazu da, gebrochen zu werden. Einen &ouml;ffentlichen Tabubruchs beging die Benetton-Werbung (&#8222;Schock-Werbung&#8220;). Hier wurde auf zweierlei Weise die g&auml;ngige Werbe&auml;sthetik aufgegeben: Anders als die Spots von z.B. Marlboro oder Baccardi wird keine heile Welt mehr versprochen mit dem Genuss der beworbenen Produkts, es l&auml;sst sich auch keine Verbindung mehr herstellen zwischen dem Werbemotiv und dem Produkt (&ouml;lverschmierter Seevogel, AIDS-Kranker, blutige Uniformteile etc.)<br />
<br />
Politische Tabubr&uuml;che k&ouml;nnen darin bestehen, an bisher geltenden Regeln oder Rollen zu r&uuml;hren, wie z.B.<br />
- Deutsche Kriegseins&auml;tze an verschiedenen Konfliktherden <br />
- Die Bezeichnung der USA als Terrorstaat.<br />
- Der Vorwurf an Israel, Menschenrechtsverletzungen an der pal&auml;stinensischen Bev&ouml;lkerung zu begehen.<br />
- Judenwitze <br />
- Karikieren von KZ&#8217;s (Film &#8222;Das Leben ist sch&ouml;n&#8220;)<br />
- Die Rechtfertigung der Folter <br />
<br />
Gesellschaftliche Tabubr&uuml;che, z.B.<br />
- Das Recht auf den eigenen Tod (Sterbehilfe)<br />
- Alkohol-, Tabletten- und Drogenabh&auml;ngigkeit. Sie wird von den wenigsten Menschen zur Schau gestellt. Gerade die Erfahrungen von &Uuml;berforderung, Sinnlosigkeit und Isolation und die damit verbundene Selbsttherapie mit Narkotika werden kaum eingestanden. (&#8222;Das Scheitern ist das gro&szlig;e, moderne Tabu&#8220;, Richard Sennett, Soziologe) Laut Prognose der gesellschaftlichen Entwicklung wird es im Jahr 2100 mehr S&uuml;chtige als Nichts&uuml;chtige geben.<br />
<br />
Meines Erachtens besteht im Brechen von Tabus der Wunsch nach Sensation und intensiver Erfahrung, der ein Erfahrungsverlust vorausging, ebenso der Wunsch, sich die Welt zu unterwerfen und ihre Eigengesetzlichkeit nicht l&auml;nger zu dulden, und ihr deshalb jedes Geheimnis zu entrei&szlig;en. Und auch das Verlangen, alle Facetten des Lebens ans Licht zu zerren. Nur: was folgt nach der totalen Entzauberung?  - Reizvoller erscheint mir eine Welt, die in manchen Bereichen verschlossen bleibt, denn die R&auml;tselhaftigkeit ist es, die die Dinge interessant macht, und das Verborgene, das durch Unber&uuml;hrtheit ein wahrhaftes Anderes darstellt, das gerade nicht vom Menschen in die Totalit&auml;t des Wiss- und Machbaren eingeebnet wird und damit Kontraste bestehen l&auml;sst.]]></description>
    <dc:creator>Philosophie-Blog</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Philosophie-Blog</dc:rights>
    <dc:date>2007-08-02T09:03:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://blogs.pm-magazin.de/PhilosophieBlog/stories/13172/">
    <title><![CDATA[Das Märchen der ewig Gestrigen]]></title>
    <link>http://blogs.pm-magazin.de/PhilosophieBlog/stories/13172/</link>
    <description><![CDATA[<img title="" height="246" alt="417px-Zahnbroschuere2" width="236" align="right" class="right" src="http://blogs.pm-magazin.de/PhilosophieBlog/static/PhilosophieBlog/images/417px-Zahnbroschuere2.jpg" />Wenn ich eines nicht leiden kann, dann sind es Mythen. Aber nicht die der Antike (von denen lernt man neben dem Leben selbst am meisten), sondern die hartn&auml;ckigen Geschichtsmythen, das Festhalten an Vorstellungen und Phantasien &uuml;ber die Vergangenheit, die keiner Realit&auml;t entsprechen. Daraus entstehen &uuml;ble und zugleich beliebte Populismen, indem historisch unzul&auml;ssige Vergleiche angestellt werden und dadurch die Vergangenheit gegen&uuml;ber der Gegenwart aufgewertet und somit Selbstbetrug und Verkl&auml;rung der Boden bereitet wird.<br />
<br />
So sind sowohl diejenigen, die die braune Zeit noch miterlebt haben, als auch diejenigen, die meinen dar&uuml;ber Bescheid zu wissen der Ansicht, "unter Hitler h&auml;tte es so was nicht gegeben". So was, das sind pauschal alle gesellschaftlichen Entwicklungen, die Egoismus, Wertewandel, Drogenkonsum, Orientierungslosigkeit, bizarre Subkulturen, Kriminalit&auml;t etc. mit bedingen. Vor allem Kriminalit&auml;t. Die Haust&uuml;r habe man nicht verriegeln m&uuml;ssen und nachts auf dem Nachhauseweg sei das Leben nicht bedroht gewesen.<br />
Obendrein wird behauptet, dass es unter der Naziherrschaft immer noch besser war, in Strafhaft zu sein und damit gesch&uuml;tzt gewesen zu sein vor der Vernichtung im KZ. Tatsache ist: Schon vor dem Krieg wurden politische und andere missliebige Straft&auml;ter kurz vor ihrer Entlassung der Gestapo gemeldet, die sie in die Konzentrationslager brachte, um sie der "Vernichtung durch Arbeit" zuzuf&uuml;hren, denn Hitler meinte, er k&ouml;nne es nicht zulassen, dass "in einem Moment, wo die besten M&auml;nner drau&szlig;en fallen, Verbrecher am Leben erhalten werden".<br />
<br />
Weit verbreitet ist der Volksglaube, dass autorit&auml;re oder gar totalit&auml;re Staaten Garanten f&uuml;r Ruhe und Ordnung, Gehorsam und Disziplin sowie f&uuml;r &ouml;ffentliche und private Sicherheit seien. So h&auml;lt sich auch der Irrglaube, dass durch die drakonischen Strafversch&auml;rfungen in der NS-Zeit die Kriminalit&auml;t erheblich reduziert werden konnte. Doch das ist nichts anderes als die Fortf&uuml;hrung der nationalsozialistischen Propagandal&uuml;gen. Noch 1976 behauptet Henry Picker (&#8222;Hitlers Tischgespr&auml;che&#8220;) von Seiten der Wissenschaft, dass bereits in der ersten Jahren der Diktatur die Zahl der Gewaltdelikte wie Raub und r&auml;uberische Erpressung um fast zwei Drittel, die T&ouml;tungsdelikte um knapp ein Drittel, die Diebst&auml;hle um 36 Prozent gesunken seien. &#8211; Die im Bundesarchiv in Potsdam gelagerten Akten des Reichsjustizministeriums sprechen aber eine andere Sprache. Hier wird vom kontinuierlichen Anstieg der Kriminalit&auml;t berichtet und besonders vom drastischen Anstieg der Jugendkriminalit&auml;t: Sexualdelikte, Diebst&auml;hle, Betrug, Mord und Brandstiftung waren an der Tagesordnung. F&uuml;r die Machthaber waren die Entwicklungen so vernichtend, dass sie von einer Ver&ouml;ffentlichung der kriminalistischen Ergebnisse absahen. <br />
<br />
Die andere verbreitete Volksmeinung, dass drastische Strafen Verbrechen aller Art vorbeugen k&ouml;nnten, wird ebenfalls nicht best&auml;tigt: Zwischen 1933 und 1945 wurden weit mehr als 12 000 in Strafprozessen verh&auml;ngte Todesstrafen vollstreckt. Die Milit&auml;rgerichte verurteilten von 1939 bis 1945 weitere 40 000 bis 50 000 Menschen zum Tode. Die Anzahl der Todesurteile von SS- und Polizeigerichten liegt nochmals um einiges h&ouml;her, wenn auch die genauen Zahlen nicht bekannt sind. <br />
Auch mit der viel beschworenen Volksgemeinschaft und der Achtung vor dem Eigentum war es nicht weit her, so nahmen zum Beispiel Pl&uuml;nderungen in den 40er Jahren deutlich zu. Im ersten Halbjahr 1940 lag der Anteil der unm&uuml;ndigen T&auml;ter, als solche unter 14 Jahren, bei 33 Prozent aller von Jugendlichen begangenen Straftaten. Wobei hier die tats&auml;chliche Kriminalit&auml;tsrate h&ouml;her liegen d&uuml;rfte als von den Statistiken erfasst, denn in Kriegszeiten nimmt die kriminelle Reizbarkeit ab, das hei&szlig;t, man bringt nicht jeden Delikt zur Anzeige oder holt die Polizei.<br />
<br />
Wenn heute Spie&szlig;ern&ouml;rgler glauben, dass &#8222;zupacken, wegsperren und arbeiten lassen&#8220; die beste Ma&szlig;nahme sei, dann sollten sie wissen,  dass sch&auml;rfste Strafen wie Jugend-KZ, Sondergerichte, Todesstrafe wirkungslos blieben. Die vermeintlich Regimetreuen (Angeh&ouml;rige von HJ und BDM) stellten im ersten Halbjahr 1940 zwei Drittel der jugendlichen Straft&auml;ter. Der Anteil der verurteilten Jugendlichen stieg von 1937 bis 1941 um 54 Prozent, Tendenz steigend. Von Zucht und Ordnung keine Spur. Auch das Propagandaklischee von den sicheren Stra&szlig;en bei Nacht trifft nicht zu, die Zahl der Vergewaltigungen stieg st&auml;ndig, die Dunkelziffern d&uuml;rften enorm hoch liegen. <br />
<br />
Die Nazis hielten sich f&uuml;r geschickte Propagandaexperten und Manipulatoren, aber zur simpelsten Psychologie hat es nicht gereicht: Kriminelle Energie gedeiht am besten bei Unterdr&uuml;ckung. Von Philosophie waren sie noch weiter entfernt, hatte doch bereits Rousseau durchschaut: &#8222;Der physisch St&auml;rkere ist niemals stark genug, um immer Herr zu sein, wenn es ihm nicht gelingt, seine St&auml;rke in Recht und den Gehorsam in Pflicht zu verwandeln."<br />
Das hei&szlig;t: Effektive staatliche Macht ist als Autorit&auml;t &uuml;ber die mehr oder weniger freiwillige Anerkennung ihrer herrschaftlichen Funktion durch die B&uuml;rger vermittelt. Demnach w&auml;re die st&auml;rkste Macht die, die des Einsatzes von Machtmitteln &uuml;berhaupt nicht bedarf.]]></description>
    <dc:creator>Philosophie-Blog</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Philosophie-Blog</dc:rights>
    <dc:date>2007-07-30T11:41:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://blogs.pm-magazin.de/PhilosophieBlog/stories/13080/">
    <title><![CDATA[Das Lachen im Halse]]></title>
    <link>http://blogs.pm-magazin.de/PhilosophieBlog/stories/13080/</link>
    <description><![CDATA[<img title="" height="120" alt="180px-Forbys_Gummibaerchen_XXL" width="180" align="left" class="left" src="http://blogs.pm-magazin.de/PhilosophieBlog/static/PhilosophieBlog/images/180px-Forbys_Gummibaerchen_XXL.jpg" />Anders als das Schweigen im Walde verh&auml;lt es sich mit dem Lachen im Halse. W&auml;hrend das Schweigen im Walde schon immer geschwiegen hat, hat das Lachen im Halse zwar bereits begonnen, bleibt aber bekanntlich darin stecken, weil der Mensch gemerkt hat, irgendwas ist doch nicht so lustig und man lacht jetzt besser nicht weiter.<br />
<br />
Ich bringe ein Beispiel dazu aus der Lebenspraxis, von der aus philosophiert es sich bekanntlich am besten. Das Beispiel ist &uuml;brigens wirklich ein Beispiel und kein Witz. Denn ich bin kein Witzeerz&auml;hler. Nicht weil ich humorlos bin, sondern weil das Erz&auml;hlen von Witzen in meinen Augen die entfremdete Kommunikation par excellence bedeutet. Entfremdet deshalb, weil das Witze erz&auml;hlen das Gespr&auml;ch entpers&ouml;nlicht, indem der Erz&auml;hler seinen Gespr&auml;chspartner in die Rolle des Zuh&ouml;rers dr&auml;ngt und versucht, bei ihm mit einer Pointe aus der Konserve Beifall zu erheischen. Ich finde das penetrant, peinlich und unsensibel. Dann lieber gleich Schweigen im Walde. Und da sind wir fast beim Thema, beim unbefreiten Lachen.<br />
<br />
Nun das Beispiel: Ich stehe in einem Supermarkt in einer Schlange, bin fast schon zur Kasse aufger&uuml;ckt, da ger&auml;t der Ablauf ins Stocken. Ein Zwischenfall. Die Kassiererin steht auf, ruft und fuchtelt jemandem am Regal etwas zu. Jetzt, da meine Aufmerksamkeit geweckt ist, h&ouml;re ich genauer hin: &#8222;Du Ware liegen lassen. Nur anschauen. Net ois oglanga!&#8220; (Nicht alles anfassen!). Mit wem mag die gute Frau so reden? Am Regal w&uuml;hlt interessiert und durchaus neugierig ein Kunde aus afrikanischen Gefilden im Angebot der S&uuml;&szlig;waren und legt eben nicht jede begutachtete Packung dort hin, wo sie nach Auffassung des Regals bzw. der Kassiererin hingeh&ouml;rt. Bei einem derart fragmentierten und obendrein grammatikalisch deformierten Satzbau sowie regionaler Dialekteinf&auml;rbung f&uuml;hlt sich der fremde Kunde nicht angesprochen, sondern betastet und beknistert weiterhin munter Haribo, Colorado und Frubidu. Die Kassiererin &uuml;bert&ouml;nt nun das Rascheln: &#8222;Herrschaftszeit&#8217;n. Hau des Zeig net so umananda!&#8220; (Sapperlott! Wirf das Zeug nicht so durcheinander!). Auch diese Aufforderung bleibt unerh&ouml;rt. <br />
<br />
Der Mann wiederum, der gerade am Bezahlen war und sich durch die echauffierte REWE-Dame aufgehalten f&uuml;hlt, sagt zu ihr ungeduldig: &#8222;Dem mua&szlig;t trommeln, sonst vasteht er&#8217;s net.&#8220; (Was so viel bedeutet wie: &#8222;Dem Herrn am Regal mit den Fruchtgummis musst du Trommelsignale senden, sonst versteht er die Botschaft nicht.&#8220;) Alle, die diesen Satz verstanden haben, lachen. Manche l&auml;nger, manche k&uuml;rzer. - Ich lache nicht. Aber nicht, weil ich politisch korrekt, also scheinheilig, bin, sondern weil ich schlagartig ein ganzes Gewebe an Bedeutungen vor Augen habe. <br />
<br />
Der Mann mit dem Trommelvorschlag ist Ende 60, tr&auml;gt ein eierschalenfarbenes Popelin-Blouson mit grauen Strickb&uuml;ndchen. Darunter ein Netz-T-Shirt, dessen kurze Knopfleiste er bis zum Hals zugekn&ouml;pft hat. Die beige Hose wird etwa in K&ouml;rpermitte mit einem abgeschabten Kunstlederg&uuml;rtel &uuml;ber dem ausladenden Bauch zusammen gehalten. An den etwas zu kurzen Hosenbeinenden erstrecken sich k&auml;sige F&uuml;&szlig;e in durchbrochene braune Sandalen, wie man sie in den 50er Jahren hatte. Auf dem Kopf tr&auml;gt er einen karierten Hut. Ich dachte mir, wer sich so kleidet, kann nicht schlagfertig sein. Wer so aussieht, muss Vorurteile haben. Wer so aussieht, ist h&ouml;chstwahrscheinlich Rassist. Ein Kolonialistenschwein, wie es im Buche steht, so einer vom Schlage eines Herero-Abschl&auml;chters, eine ressentimentgeladene Inkarnation der Ideologie des wei&szlig;en Mannes. Menschen sind &uuml;berhaupt alle misanthropische Stinkstiefel, intolerante, xenophobe Chauvinisten: Die Engl&auml;nder m&ouml;gen keine Deutschen, die Franzosen keine Algerier, die Ungarn die Rum&auml;nen nicht und die Deutschen sich selbst nicht (&#8230; na ja, ein alogischer Sonderfall). &#8211; Und schon bin ich bei einer philosophischen Conclusio angelangt: Toleranz als Haltung in einer multikulturellen Gesellschaft kann nicht alles zulassen, sie muss intolerant sein gegen &uuml;ber Diskriminierung und Rassismus. Aber dabei sto&szlig;e ich auf das Toleranzparadox: Keine Toleranz gegen&uuml;ber Intoleranten. Wie geht das? <br />
<br />
Zur&uuml;ck zur Kasse: vielleicht ist der Popelin-Tr&auml;ger ein lustiges Kerlchen, der um neun Uhr fr&uuml;h keinen Streit und die Kassiererin aufheitern wollte. Vielleicht ist er ein geistreicher Ironiker. Jemand, der Freude an der Sprache und an unserer pluralistischen Gesellschaft hat. Und gewitzt an unsere archaischen Wurzeln der Tele-Kommunikation erinnern wollte! <br />
Was wei&szlig; ich, was in dem Popelin-M&auml;nnchen vor sich geht. Auf alle F&auml;lle muss ich seitdem jedes Mal an die Trommelanekdote denken, wenn ich bei Gummib&auml;rchen vorbeigehe. Und au&szlig;erdem wei&szlig; ich immer noch nicht genau, ob man &uuml;ber solche Popelin-Kommentare lachen soll oder nicht. Wenn es nach Harald Schmidt oder Stefan Raab ginge, bestimmt. Oder nach dem Lieben Gott. Denn: &#8222;Gott lacht &uuml;ber alles.&#8220; Das ist die Meinung des Kabarettosophen Bruno Jonas, mit dem ich unter eben diesem Titel ein Interview gef&uuml;hrt habe. Das ist kein Witz. Sie finden das Interview im P.M. Heft von August. (Anlesen k&ouml;nnen Sie den Artikel im Internet unter <a href="http://www.pm-magazin.de/de/heftartikel/artikel_id2097.htm">http://www.pm-magazin.de/de/heftartikel/artikel_id2097.htm</a>)]]></description>
    <dc:creator>Philosophie-Blog</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Philosophie-Blog</dc:rights>
    <dc:date>2007-07-26T08:52:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://blogs.pm-magazin.de/PhilosophieBlog/stories/12828/">
    <title><![CDATA[Die Sprache der Dinge]]></title>
    <link>http://blogs.pm-magazin.de/PhilosophieBlog/stories/12828/</link>
    <description><![CDATA[<img title="" height="232" alt="180px-Kaffeemaschine_fcm" width="170" align="left" class="left" src="http://blogs.pm-magazin.de/PhilosophieBlog/static/PhilosophieBlog/images/180px-Kaffeemaschine_fcm.jpg" />Eine im wahrsten Sinne des Wortes abgefahrene Geschichte f&auml;llt mir ein, wenn es darum geht, zu verstehen, wie Dinge Kunde von sich geben: Eine alte Dame schilderte den Besuch Adolf Hitlers in der Stadt, in der sie als Kind gelebt hat. Begeisterte Jubel-Nazis &#8211; in der Mehrzahl Frauen &#8211; st&uuml;rzten hinter dem vorbeifahrenden &#8222;F&uuml;hrer-Auto&#8220; auf die Stra&szlig;e, um Staub aufzusammeln von den Stellen, &uuml;ber die das Gef&auml;hrt gerollt ist.<br />
<br />
Auf sonderbare Weise beginnt selbst Stra&szlig;enstaub zu sprechen, mehr noch: aus Staub wird pl&ouml;tzlich &#8222;Edelstaub&#8220;, bekommt also etwas, was Aura genannt wird, weil Menschen damit eine f&uuml;r sie wichtige Person oder Begebenheit in Verbindung bringen.<br />
Um nun die Sprache der Dinge zu verstehen, muss man wissen, welche Funktion Sprache &uuml;berhaupt hat.<br />
Der Psychologe Karl B&uuml;hler (1879-1963) unterschied drei Funktionen der Sprache: <br />
&#8226; Symbol (Darstellung von Sachverhalten), <br />
&#8226; Symptom (Kundgabe der inneren Zust&auml;nde des Sprechenden)<br />
&#8226; Signal (Appell an den Angesprochenen, von dem eine bestimmte Reaktion erwartet wird). Anders k&ouml;nnen diese Funktionen so formuliert werden: <br />
&#8226; Pr&auml;sentation der besprochenen Sachen, <br />
&#8226; Selbstwerdung des sprechenden Subjekts, <br />
&#8226; Kommunikation von Subjekten. <br />
<br />
Wie aber kann ein Gegenstand vermittelt werden bzw. sich selbst vermitteln? Ein Gegenstand muss, um mit dem Menschen in welcher Art auch immer in  Beziehung treten, eine bestimmte Sprache sprechen bzw. vom Menschen in einer bestimmten Weise wahrgenommen werden. <br />
Der Philosoph Sloterdijk sagt dazu: &#8222;Nicht nur die Wortsprache hat uns etwas zu sagen, auch die Dinge reden zu dem, der seine Sensorien zu gebrauchen versteht. Die Welt ist voller Gestalten, voller Mimik, voller Gesichter; von &uuml;berall her ergehen an unsere Sinne die Winkel der Formen, der Farben, der Atmosph&auml;ren.&#8220; Die Dinge der Welt m&uuml;ssen also gedeutet, &#8218;gelesen&#8217; und verstanden werden k&ouml;nnen. Dazu m&uuml;ssen sie auf eine bestimmte Weise beschaffen bzw. gestaltet sein. Dabei ist Ziel jeglicher Gestaltung u.a. die &#8222;Reduktion von kognitiver Komplexit&auml;t&#8220;.<br />
<br />
Eine solche Gestaltung erzeugt nicht nur materielle Realit&auml;t, sondern erf&uuml;llt kommunikative und interaktive Funktionen. Im Vordergrund stehen also nicht die praktischen Funktionen, d.h. die funktionalen und technischen Leistungen der Produkte, auch die Bedienbarkeit (&#8222;joy of use&#8220;), ebenso Aspekte der Bed&uuml;rfnisbefriedigung und soziale Funktionen. <br />
<br />
Gestaltungs- oder genauer: Designobjekte sind nicht nur Funktions-, sondern auch Informationstr&auml;ger, sie stimulieren auch ein bestimmtes Gef&uuml;hls, eine Assoziation, eine Erinnerung, einen Wunsch, eine Sehnsucht. Gestaltung hat sowohl die Aufgabe, Dinge zum Sprechen zu bringen als auch die Verantwortung zu tragen, was es mit einer bestimmten Sprache im Menschen ansprechen m&ouml;chte, welche Bed&uuml;rfnisse und Vorstellungen. Aber auch Wahrnehmungen. Und diese Wahrnehmung ver&auml;ndert sich mit der gesamten Daseinsweise innerhalb gro&szlig;er geschichtlicher Zeitr&auml;ume. So gehen durch die technischen Entwicklungen, besonders durch die &#8222;technische Reproduzierbarkeit&#8220; (Walter Benjamin) die Echtheit, Originalit&auml;t und Ursprung und vor allem die Aura verloren. <br />
<br />
Das hei&szlig;t: Ebenso wie die Sprache neue Wirklichkeiten schafft, bringen auch neue Dinge neue Wirklichkeiten hervor, diese Dinge k&ouml;nnen Gebrauchsgegenst&auml;nde und symbolische Gegenst&auml;nde sein: Als symbolische Objekte sind solche Dinge zu bezeichnen, die explizit und prim&auml;r dazu dienen, etwas zu bedeuten, wie Schilder und Fahnen, aber auch Bilder und Figuren sowie &auml;sthetische Objekte. Als Gebrauchsgegenst&auml;nde sind Gegenst&auml;nde, die prim&auml;r eine praktische Aufgabe erf&uuml;llen, also sowohl Manipulanda sowie instrumentell einzusetzende Utilitanda. (J&uuml;rgen Habermas)<br />
<br />
Daraus kann gefolgert werden: So wie die Sprache des Einzelnen etwas &uuml;ber seinen Geist, seine Psyche, seinen Charakter aussagt, tun dies Gegenst&auml;nde, mit denen er sich umgibt bzw. die er ben&uuml;tzt, f&uuml;r die er sein Geld ausgibt, von denen er also glaubt, dass sie ihm gut tun.]]></description>
    <dc:creator>Philosophie-Blog</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Philosophie-Blog</dc:rights>
    <dc:date>2007-07-23T08:00:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://blogs.pm-magazin.de/PhilosophieBlog/stories/12827/">
    <title><![CDATA[Morbide Mode]]></title>
    <link>http://blogs.pm-magazin.de/PhilosophieBlog/stories/12827/</link>
    <description><![CDATA[<img title="" height="178" alt="750px-Flag_of_Edward_England_svg" width="179" align="right" class="right" src="http://blogs.pm-magazin.de/PhilosophieBlog/static/PhilosophieBlog/images/750px-Flag_of_Edward_England_svg.png" />Vor kurzem sind mir zwei Studenten mit T-Shirts aufgefallen, die mit einem Totenkopf bedruckt waren. Gut, dachte ich, die sind halt vom Fluch der Karibik inspiriert, verfolgt oder was immer. Nicht wenig sp&auml;ter packt nach einem Seminar eine Studentin ihre Sachen in eine glitzernde Plastikumh&auml;ngetasche, die ebenfalls ein riesiger Totensch&auml;del ziert. Nanu? Ist das die kommende Generation Totengr&auml;ber, oder ist das Propaganda f&uuml;r die Steigerung der Anorexie?<br />
<br />
Und prompt lese ich ein paar Tage sp&auml;ter, dass ich beinahe einen wichtigen Trend verpasst h&auml;tte: Totenk&ouml;pfe sind in diesem Sommer der gro&szlig;e Renner. Genietet, gestickt, geh&auml;kelt oder gedruckt. Auf Unterw&auml;sche, Hosen, T-Shirts, Socken, Krawatten, Jacken, G&uuml;rtelschnallen und Schuhen, Bettw&auml;sche, aber auch als Handy-Anh&auml;nger. Kein Kleidungsst&uuml;ck oder Accessoire soll vor dem morbiden Symbol sicher sein, das urspr&uuml;nglich Gift kennzeichnete oder Freibeuter ank&uuml;ndigte. <br />
<br />
Der Tod als Modemarotte. Damals wie heute? So wie Mode eine Uniform f&uuml;r identit&auml;tslose Mitl&auml;ufer des Zeitgeistes darstellt, ist die Uniform eine Mode, die der jeweiligen Zeit entspricht. Wenn man zum Beispiel die Truppen der Yankees im Irak anschaut, wirken die Uniformen in erster Linie als modern-funktionale Arbeitskleidung f&uuml;r n&uuml;chterne Kriegsmechaniker denn als vaterl&auml;ndischer Rock mit signifikanter Symbolik. Ganz anders als das Outfit der brutal-fanatischen Massenm&ouml;rder im Auftrag des nationalsozialistischen Staates: SS &#8211; die doppelte so genannte Sig-Rune, auch Doppelblitz genannt, zusammen mit dem Totenkopf stand f&uuml;r Rassenwahn, Terror und Vernichtung. Der Totenkopf als martialisches Symbol f&uuml;r den kommenden Tod des Feindes wurde zwar schon von milit&auml;rischen Formationen der Kaiserzeit verwendet, aber erst die SS griff dieses Symbol der anti-demokratischen Rechten in der Weimarer Republik auf und symbolisierte damit den bedingungslosen Einsatz f&uuml;r Ideen und Person Adolf Hitlers. <br />
Heute ist der SS-Totenkopf in Deutschland verboten. Die Neonazi-Szene benutzt daher leicht verfremdete Darstellungen, die u.a. als G&uuml;rtelschnalle oder Motiv auf T-Shirts und Aufn&auml;hern angeboten werden. War die SS Vorreiter in Sachen Mode? W&uuml;hlt man etwas bei e-Bay, so scheinen SS-Klamotten, getarnt als &#8222;Elite&#8220;-Uniformen, hoch im Kurs zu stehen. Mode war und ist eben Uniform, und Uniform ist manchmal auch Mode und Fetisch.<br />
<br />
Fragt sich nun der Philosoph: Was ist Mode? Walter Benjamin (1892-1940, deutscher Philosoph, Essayist und Kritiker) hat sich sehr luzide Gedanken dar&uuml;ber gemacht. Als Materialist sieht er Mode sehr kritisch. Wer der Mode folgt, l&auml;sst sich bereitwillig alles Individuelle austreiben, was der &#8222;restlosen Einschmelzung in eine Kundenmasse im Wege steht". Die Mode ist die &#8222;Tarnung ganz bestimmter Anliegen der herrschenden Klasse", n&auml;mlich das Suggerieren von Ver&auml;nderung und Individualit&auml;t. An der Mode befriedigt der K&auml;ufer ein r&auml;tselhaftes Sensationsbed&uuml;rfnis. Wer mit der Mode geht, hat das Gef&uuml;hl das Alte hinter sich zu lassen und sich neu zu erfinden. Was f&uuml;r ein Irrtum! Moden, so Benjamin, sind ein &#8222;Medikament, das die verh&auml;ngnisvollen Wirkungen des Vergessens, im kollektiven Ma&szlig;stab, kompensieren soll. Je kurzlebiger eine Zeit, desto mehr ist sie an der Mode ausgerichtet. (&#8230;) Die Mode schreibt das Ritual vor, nach dem der Fetisch Ware verehrt sein will." Die Mode wechselt rasch, sie "kitzelt den Tod und ist schon wieder eine andere, neue, wenn er nach ihr sich umsieht, um sie zu schlagen". <br />
<br />
Vielleicht ist die Mode mit dem Totensch&auml;del bei sich selbst angekommen und hat sich selbst als ultimative Uniformierung im Sinne einer radikalen Nivellierung entlarvt. Ohne Haut und Haare sind wir endlich alle gleich. Der Totenkopf in der Mode k&ouml;nnte somit auch die Ironisierung der Mode selbst bedeuten, steht er doch f&uuml;r die Verg&auml;nglichkeit und die desillusionierte Hoffnung auf Einzigartigkeit.]]></description>
    <dc:creator>Philosophie-Blog</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Philosophie-Blog</dc:rights>
    <dc:date>2007-07-19T17:00:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://blogs.pm-magazin.de/PhilosophieBlog/stories/12826/">
    <title><![CDATA[Politbarometer]]></title>
    <link>http://blogs.pm-magazin.de/PhilosophieBlog/stories/12826/</link>
    <description><![CDATA[<img title="" height="197" alt="225px-Parlamentebrd" width="157" align="left" class="left" src="http://blogs.pm-magazin.de/PhilosophieBlog/static/PhilosophieBlog/images/225px-Parlamentebrd.jpg" />Wie kalt l&auml;sst uns Politik? Wie hei&szlig; erleben wir Wahlkampfphasen?<br />
Kurz vor seinen 90. Geburtstag sagte der gro&szlig;e Historiker Sebastian Haffner in einem Interview mit der ZEIT, er sehe kaum mehr fern, Informationen hole er sich aus Zeitungen: "Ich habe sie schnell durch. Finde wenig Interessantes. Und frage mich: Ist das so, weil die Zeitungen langweilig sind oder weil die Welt so langweilig ist?" Er sei nicht mehr neugierig, sagt er, wie es mit den einzelnen Politikern weiter geht, welche Partei regiert. &#8222;Ehrlich gesagt, es interessiert mich nicht sehr&#8220;, meint Haffner.<br />
War Haffner auf seinen alten Tagen politikverdrossen oder altersweise oder einfach nur realistisch geworden? - Ich erinnere mich: Im Alter zwischen zwanzig und drei&szlig;ig war ich wesentlich st&auml;rker an Politik interessiert als jetzt. Das hei&szlig;t: Interessiert bin ich jetzt auch noch, nur ist mir vieles Wurscht, was welcher Politiker erz&auml;hlt. Wie passt das zusammen? Politiker vermitteln mir durch ihr Auftreten immer wieder den Eindruck, als gehe es um nicht sehr viel, obwohl es Probleme genug g&auml;be. Als Brandt, Wehner, Strau&szlig; oder Schmidt etwas sagten, dann deshalb, weil es gesagt werden musste. Wenn heute Glos, Westerwelle oder Beck etwas sagen, dann deshalb, damit halt irgendwas gesagt ist.<br />
<br />
Die Chancen, in Deutschland das parteipolitische Interesse zu wecken, sinken rapide. Das h&auml;ngt meines Erachtens mit einer ver&auml;nderten Aufmerksamkeits&ouml;konomie der W&auml;hler zusammen und damit, dass Politik nicht mehr das gro&szlig;e Erregungsthema ist, was wiederum damit zu tun hat, dass es wenige bis gar keine Politiker gibt, die die Leidenschaftlichkeit f&uuml;rs Politische verk&ouml;rpern. Das Politische ist geradezu enterotisiert, kein Politiker flirtet mit gro&szlig;en Visionen und schon gar nicht mit dem Volk. Von der antiken Rhetorik etwa ist &uuml;berliefert, dass man als (politischer) Rhetor sein Publikum, seine potentiellen W&auml;hler m&ouml;gen m&uuml;sse.<br />
<br />
Der Zeitgeist ist indifferent, nicht links, nicht rechts, das war fr&uuml;her auch einfacher, jetzt ist er weder lechts noch rinks. Der politische Zeitgeist trug in den letzten Jahren auch zunehmend pessimistische Z&uuml;ge, was die Zukunft des Parlamentarismus, der Parteien und sogar die Demokratie betrifft. Ambivalenz, das ist eine Signatur der Postmoderne. Die Dinge haben ihre Eindeutigkeit verloren.<br />
<br />
Nochmal zum Interesse: Das politische Bewusstsein ist durchaus vorhanden, aber das Vertrauen in die Wichtigkeit der politischen Protagonisten und deren Aussagen hat deutlich abgenommen. Mir ist es glaube ich egal, ob uns Merkel und M&uuml;ntefering regieren oder Ernie und Bert. Oder Herbert und Gr&ouml;nemeyer. Hauptsache, sie sind halbwegs demokratisch eingestellt und repr&auml;sentieren das Volk. Was bei Dick und Doof durchaus gegeben w&auml;re. Im Ernst: Mir hat mal eine Vertreterin der Hanns-Seidel-Stiftung (CSU) gesagt, sie finde Spenden- oder sonstige Skandale gar nicht sooooo gravierend, weil das jedem aus dem Volk h&auml;tte genauso passieren k&ouml;nnen. Aha. Und ich dachte noch, Politiker h&auml;tten auch Vorbild-Funktion und vielleicht Verantwortung. Zumindest ein bisschen.<br />
<br />
Vermutlich ist es so, wie der Passauer Kabarettist Sigi Zimmerschied ganz lapidar meinte: Man k&ouml;nne auf einen Mehlsack CSU schreiben und ihn auf die Wahlkampfrednerb&uuml;hne stellen &#8211; er w&uuml;rde auch gew&auml;hlt werden (na ja zumindest in Bayern). Global gesehen ist nat&uuml;rlich was dran, wenn Zimmerschied sagt, in der Politik werde jeder Depp etwas. Diese Entwicklung hatte bereits Schopenhauer prognostiziert, indem er meinte, uns stehe die Ochlokratie bevor, also die Herrschaft der Bl&ouml;desten.<br />
<br />
Wer letztlich regiert, ist egal. Denn irgendjemand regiert immer, sei es Kraut und R&uuml;be. Oder Daimler und Chrysler. Deutsche, HypoVereinsbank oder UBS. Geh oder Acht. Alle spielen mehr oder weniger Katz und Maus mit dem Volk. <br />
Die B&uuml;rger k&ouml;nnen lediglich als Konsumenten ihre politischen Auffassungen zur Geltung bringen. Das w&uuml;rde bedeuten, dass der B&uuml;rger, sei es durch Kauf oder durch Kaufboykott, ein politisches Statement abgibt. Was einst der Stimmzettel war, ist heute der Einkaufszettel bzw. der Kaufakt. Aufgrund dieser Reduzierung des Politischen auf das Schlussverkaufsverhalten mahnte der fr&uuml;here Premierminister Frankreichs Lionel Jospin: &#8222;Ja zur Marktwirtschaft. Nein zur Marktgesellschaft.&#8220;]]></description>
    <dc:creator>Philosophie-Blog</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Philosophie-Blog</dc:rights>
    <dc:date>2007-07-16T08:00:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://blogs.pm-magazin.de/PhilosophieBlog/stories/12825/">
    <title><![CDATA[Der Mensch - ein Müllwesen]]></title>
    <link>http://blogs.pm-magazin.de/PhilosophieBlog/stories/12825/</link>
    <description><![CDATA[<img title="" height="333" alt="250px-Vuilnis" width="60" align="right" class="right" src="http://blogs.pm-magazin.de/PhilosophieBlog/static/PhilosophieBlog/images/250px-Vuilnis.jpg" />Es m&uuml;llt der Mensch, so lang er lebt. Das ist keine gro&szlig;e Erkenntnis? Von wegen! Ich werde sie philosophisch untermauern. Bereits Sokrates wusste, was man zu unternehmen habe, wenn man etwas &uuml;ber den Menschen wissen will. In einem Dialog sagt er zu Phaidros: "Die Felder und die B&auml;ume nun wollen mich nichts lehren, wohl aber die Menschen in der Stadt." Das hei&szlig;t, man muss keine theoretischen Reflexionen anstellen, um Erkenntnisse dar&uuml;ber zu gewinnen, was der Mensch sei, sondern man gehe auf die Stra&szlig;e und beobachte die Menschen, was sie so treiben. Ca. 2350 Jahre nach Sokrates hat der franz&ouml;sische Philosoph Albert Camus einen &auml;hnlichen Gedanken. Er sagt, dass uns die existenziellen Probleme bereits im Alltag begegneten, sozusagen auf der Stra&szlig;e l&auml;gen. Man m&uuml;sse somit keine abstrakten Theorien bem&uuml;hen, um zu begreifen, was die Menschen bewegt. - Damit haben wir den Grundstein zu den folgenden &Uuml;berlegungen. <br />
<br />
Sehen wir uns also um im praktischen Leben. Christine Rapp, Verwaltungsangestellte an der M&uuml;nchner Uni (LMU), ist f&uuml;r die Sauberkeit zust&auml;ndig, koordiniert die eingesetzten Reinigungsfirmen, arbeitet mit der Hausmeisterei zusammen, was man da eben so macht. Frau Rapp bringt den Zeitgeist m&uuml;llm&auml;&szlig;ig auf den Punkt: &#8222;Was den M&uuml;ll betrifft, werden die Studenten von Jahr zu Jahr ignoranter.&#8220; Und woran liegt&#8217;s? Die Coffee-to-go-Generation hinterl&auml;sst neben Kaffeeflecken jede Menge Pappbecher. Da haben wir&#8217;s: Jede neue Entwicklung, jeder neue Trend verursacht M&uuml;ll. Gib dem Menschen die Gelegenheit zu m&uuml;llen und er m&uuml;llt.<br />
Aber das ist wie gesagt nur ein Beispiel, das f&uuml;r die gro&szlig;en Zusammenh&auml;nge steht. Zum Wortursprung: M&uuml;ll bedeutete fr&uuml;her &#8222;Zerriebenes&#8220;, &#8222;Zerbr&ouml;ckeltes&#8220; (von &#8222;mahlen&#8220;). Zerriebenes entsteht offenbar da, wo Betrieb herrscht. Und Betrieb herrscht da, wo Menschen sind, wo sie herstellen, verarbeiten und vor allem konsumieren. <br />
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M&uuml;ll ist jedoch nicht ein schlichtes Zuviel, sondern Lebens-Aussto&szlig; aus dem Motor des zivilisatorischen Getriebes. Erst die Zivilisation bringt M&uuml;ll hervor, die Natur m&uuml;llt nicht. In &Ouml;sterreich sagt man zum M&uuml;lleimer &#8222;Mistk&uuml;bel&#8220;. Das klingt zwar ganz lustig, aber dieser Ausdruck ist eigentlich irref&uuml;hrend. Denn Bio-M&uuml;ll ist verarbeitete Natur und kann auch wieder von der Natur verarbeitet werden. M&uuml;ll selbst entsteht erst bei der menschlichen Bearbeitung von Natur, also bei der Herstellung von Kultur. Also: Ohne Kultur kein M&uuml;ll. Ohne M&uuml;ll keine Kultur.<br />
M&uuml;ll ist ein Zeichen menschlichen Lebens. Jeder Waldweg, der von menschlichen Spuren zeugt, tut dies in Form von M&uuml;ll, das liegen gelassene Papier vom Schokoriegel, das weggeworfene Tempotaschentuch etc., all das bedeutet: Hier waren Menschen. Abfall, Unrat, Dreck, Schrott, Ausschuss, &Uuml;berschuss &#8211; all das macht der Mensch. Aber er hinterl&auml;sst nicht nur materiellen M&uuml;ll, sondern auch immateriellen Abfall. Denn selbst beim Reden verbreitet er &uuml;berfl&uuml;ssiges Zeug, verbale Verpackung, die man eigentlich gleich wegwerfen kann. Sein Gelaber verschickt er dann noch als e-Mail, die sich als e-M&uuml;ll herausstellt. Born to m&uuml;ll!<br />
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So wie jede Probleml&ouml;sung neue Probleme erzeugt, wie jede Ordnung nur wieder Chaos produziert, produziert jedes Produkt in erster Linie M&uuml;ll. Je schneller st&auml;ndig Neues entwickelt und hergestellt wird und dadurch immer schneller veraltet, entsteht immer schneller immer mehr M&uuml;ll. Das hei&szlig;t: Allein jede Produktionsm&ouml;glichkeit stellt eine potentielle, eine neue M&uuml;llm&ouml;glichkeit dar. <br />
Der Mensch ist aber nicht nur der Produzent von M&uuml;ll, er kauft auch M&uuml;ll. Jeder Kauf bedeutet die Erweiterung der M&uuml;llgrube. Erst die Massenproduktion hat es geschafft, im Menschen den Hang zum Billigen zu f&ouml;rdern. Langlebige Produkte werden nicht so schnell M&uuml;ll, der Massenartikel hat eine kurze Halbwerts-M&uuml;llzeit. Verfalls-Daten, die durch Haltbarmachung l&auml;nger werden sollten, werden immer k&uuml;rzer. So ist das Verfalls-Datum mehr ein Abfall-Datum, das anzeigt, wann das Produkt sp&auml;testens zu M&uuml;ll (Pardon! &#8222;Wertstoff&#8220;) wird, wann es entsorgt werden muss. Und das ist der d&auml;mlichste Euphemismus im M&uuml;ll-Kontext: &#8222;entsorgen&#8220;. Der Mensch m&uuml;llt wie er nur kann, er ist kein umsichtig besorgend-entsorgendes Wesen, er ist Raffzahn und Dreckschleuder, wenn man ihm die M&ouml;glichkeit dazu gibt. &#8211; Allerdings habe ich mal das Wort &#8222;M&uuml;lltrennungsfaschist&#8220; gelesen. Was das wohl bedeutet? Bestimmt nichts Schmeichelhaftes.]]></description>
    <dc:creator>Philosophie-Blog</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Philosophie-Blog</dc:rights>
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