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Dr. Andreas Belwe

Aktuelle Beiträge

schön zu lesen
für mich lässt sich das ganze beantworten...
Fachübersetzungen - 3. Sep, 11:42
Hi
Schön geschrieben. Grüße
Roller - 26. Aug, 09:48
Hi
Was soll's? Her mit dem Zeug! - Ganz meine Rede :)...
Lasik - 25. Aug, 14:18
Einverstanden
Ha guter Bericht und toll geschrieben. Mein Lieblingssatz...
Räuchermännchen Shop - 18. Aug, 09:15
^
Super beitrag spiegelt vieles in mir wieder dar ;)
Kredit Arbeitslose - 19. Mai, 11:07

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Tabu

400px-B_Escorial_18bNahezu alles wird gezeigt, gesagt und es wird auch getan, was technisch mach- und herstellbar ist (z.B. Stammzellenforschung, Massenvernichtungswaffen). Ist dies eine Befreiung oder eine Beklemmung? – Das 20. Jahrhundert wurde als das Zeitalter der Extreme beschrieben, in dem der Mensch endgültig seine Unschuld verloren hat. Was folgt jetzt? Grenzen werden überschritten, brauchen wir neue? Was sollte tabu sein?
Tabu bezeichnet all das, was in einer Gesellschaft als verboten gilt. Verbote betreffen bestimmte Verhaltensweisen und Personen. Tabus sind heute nicht religiös, sondern sozial begründet, sie sind auch, wie gezeigt werden kann, philosophisch relevant.

Was bedeutet der Begriff Tabu?
Bereits Platon legte in seinem Werk „Der Staat“ bereits 433 v. Chr. einzuhaltende Tabus fest. So habe der Dichter nichts zu entwerfen, was den Ideen des Gesetzlichen, Gerechten, Schönen und Guten entgegenstünde, noch solle ihm erlaubt sein, seine Schöpfung irgendeiner privaten Person zu zeigen, bevor er sie nicht den dazu berufenen Zensoren und Gesetzeshütern zugänglich gemacht habe und diese zufrieden gewesen seien.

Aus anderer Perspektive hat Sigmund Freud in seinem Werk „Totem und Tabu“ die Doppelnatur des Tabus aufgezeigt: „Einerseits gehört es zur Sphäre des Heiligen, andererseits zur Sphäre des Unheimlichen, Verbotenen, Gefährlichen und Unreinen. Das Objekt des Begehrens ist häufig auch das Objekt, mit dem man nicht in Kontakt kommen darf.
Dieser Kontakt darf oft nicht einmal auf metaphorische und intellektuelle Weise stattfinden. Vor diesem Hintergrund entstehen unterschiedliche Formen von Tabus: Nicht nur Handlungs- und Darstellungsverbote, sondern auch Denk- und Sprechverbote.
Stärkstes Tabu ist das Inzest-Tabu: Sexuelle Beziehungen zwischen (nahen) Verwandten unterliegen in fast der gesamten Menschheitsgeschichte kulturübergreifend bis heute einem strengen Tabu. Anthropologen bezeichnen das Inzest-Tabu als den Grundstein der menschlichen Zivilisation überhaupt.

Auch heute noch hält ein Tabu unbewusste, gesellschaftlich abgelehnte, weit verbreitete Wünsche unter einem „Sicherheitsdeckel“. Wird ein Tabu gebrochen, entstehen in der Gesellschaft gewaltige Abwehrkräfte. Die Sphären, die von Tabus bzw. Tabubruch betroffen sein können: Sexualität (Homosexualität, Transsexualität, Nekrophilie, Pädophilie etc.), Religion, Tod, Körper, Politik, Geld, Gefühle, Versagen. Hauptsächlich tabuisiert aber sind das Abseitige, „Unnormale“ und Exzentrische.
Tabus sind auch dazu da, gebrochen zu werden. Einen öffentlichen Tabubruchs beging die Benetton-Werbung („Schock-Werbung“). Hier wurde auf zweierlei Weise die gängige Werbeästhetik aufgegeben: Anders als die Spots von z.B. Marlboro oder Baccardi wird keine heile Welt mehr versprochen mit dem Genuss der beworbenen Produkts, es lässt sich auch keine Verbindung mehr herstellen zwischen dem Werbemotiv und dem Produkt (ölverschmierter Seevogel, AIDS-Kranker, blutige Uniformteile etc.)

Politische Tabubrüche können darin bestehen, an bisher geltenden Regeln oder Rollen zu rühren, wie z.B.
- Deutsche Kriegseinsätze an verschiedenen Konfliktherden
- Die Bezeichnung der USA als Terrorstaat.
- Der Vorwurf an Israel, Menschenrechtsverletzungen an der palästinensischen Bevölkerung zu begehen.
- Judenwitze
- Karikieren von KZ’s (Film „Das Leben ist schön“)
- Die Rechtfertigung der Folter

Gesellschaftliche Tabubrüche, z.B.
- Das Recht auf den eigenen Tod (Sterbehilfe)
- Alkohol-, Tabletten- und Drogenabhängigkeit. Sie wird von den wenigsten Menschen zur Schau gestellt. Gerade die Erfahrungen von Überforderung, Sinnlosigkeit und Isolation und die damit verbundene Selbsttherapie mit Narkotika werden kaum eingestanden. („Das Scheitern ist das große, moderne Tabu“, Richard Sennett, Soziologe) Laut Prognose der gesellschaftlichen Entwicklung wird es im Jahr 2100 mehr Süchtige als Nichtsüchtige geben.

Meines Erachtens besteht im Brechen von Tabus der Wunsch nach Sensation und intensiver Erfahrung, der ein Erfahrungsverlust vorausging, ebenso der Wunsch, sich die Welt zu unterwerfen und ihre Eigengesetzlichkeit nicht länger zu dulden, und ihr deshalb jedes Geheimnis zu entreißen. Und auch das Verlangen, alle Facetten des Lebens ans Licht zu zerren. Nur: was folgt nach der totalen Entzauberung? - Reizvoller erscheint mir eine Welt, die in manchen Bereichen verschlossen bleibt, denn die Rätselhaftigkeit ist es, die die Dinge interessant macht, und das Verborgene, das durch Unberührtheit ein wahrhaftes Anderes darstellt, das gerade nicht vom Menschen in die Totalität des Wiss- und Machbaren eingeebnet wird und damit Kontraste bestehen lässt.
Arnd - 2. Aug, 13:43

Tabus

Tabus machen das Leben für die meisten Menschen einfacher. Man muß über Tabus nicht nachdenken, das hat "die Gesellschaft" schon für einen getan. Ich denke, die meisten Tabus sind sinnvoll... als Verhaltensgrundlage, aber nicht als Denkverbot. Und da ist auch schon das größte Problem bei Tabus, sie werden selten überprüft. Tabus ändern sich natürlich im Laufe der Zeit, dies ist aber ein langsamer Prozess. Und es gibt immer noch viele sinnfreie Tabus, als Beispiel sei hier einmal das Zöibat genannt.

ondamaris - 2. Aug, 13:51

Tabubruch um des Gags willen?

"Tabus sind auch dazu da, gebrochen zu werden" - ja gerne. Aber wenn es wie bei der Benetton-Aids-Werbung (ein als "HIV-positiv" gestempelter (!) Mensch) nur dem Marketing- und Publicity-Gag dient, ist das wohl doch eine mehr als nur fragwürdige Motivation

Ringo - 17. Aug, 02:46

"Was folgt nach der totalen Entzauberung?"

Diese Frage stellt sich meiner Meinung nach nicht, da es die totale Entzauberung nicht gibt beziehungsweise sie in unendlicher Ferne liegt.
Wenn das Tabu die Dinge interessant machen soll, der Mensch den Dingen aber dann nicht auf den Grund gehen soll, so weiß ich nicht, welchen Sinn das Interessantmachen haben soll.

Wie alles im Leben sollte man auch die Tabus in einem vernünftigen Maß hinterfragen. So denke ich zum Beispiel, dass nicht jede Verhaltensweise die Bezeichnung "Tabu" verdient. Will sagen, das Verschweigen des Scheiterns scheint mir eher eine besondere Form von Eitelkeit, die ja unter anderem in unserer medialen Welt ihre wohlbekannten Ursprünge hat.

Hans (Nino) - 9. Apr, 17:45

Das erste Tabu

nach der Entzauberung entsteht Selbsterkenntnis,
nach der Selbstbefriedigung entsteht Zöllibat,
nach Haß Liebe.
Wir wollen nur nicht unseren Schatten ansehen und deshalb decken wir ihn mit einem Tabu zu.
Das ist Vogel-strausspolitik, was ich nicht sehen will, schieb ich weg.
Anstatt seine Probleme wegen dem Tod und wegen der Liebe und seinem Sex in den Griff zu bekommen, erfindet er ein Deckmäntelchen,
anstatt gleich zu sehen, dass er ein Wixer ist und der Sache auf den Grund geht. Das war nun das erste Tabu überhaupt, welches der Geist nach seiner Explosion im Urknall aufstellte, er wollte nicht sehen, was passiert war
und deswegen hat er vergessen, was vorher war und was er eigentlich ist, pure Liebe und Freiheit.

Bernd von Frankenberg - 26. Jul, 13:53

Tabu kommt von taub?

Wandelt man den Begriff "Tabu" geringfügig entsteht subjektiv betrachtet der Begriff: "taub".Unerhört!Ungehörliches Verhalten.Kurz: Der Sündefall war eingetreten. Kein G e h o r s a m." Was man nicht hören will,muß man fühlen".Der Tabubruch ist also eine Verweigerung einer Anweisung(gesprochen), die vom Sender auf den Empfänger gerichtet ist.Anweisung zum richtigen(rechten)also guten Verhalten.
Am Anfang war das Wort. Tabubruch war somit Wortbruch.Versprechen (Treue) wurde schlicht wörtlich und somit in der Tat gebrochen.Bewußt oder Unbewußt?Protest?Symbolisch oder realistisch? Die Geschichte ist eine lehrsame Folge von Tabubrüchen ( also Gesetzesbrüchen), die aus "tauben Verhalten" zu erfassen ist. Dazu kommt auch "wegsehen" und schlimmer "nicht mitfühlen". Tabus waren und sind vernünftig, weil sie Grenzen im menschlichen miteinander setzen.Tabuisieren kann aber auch zur fixen Idee werden, wenn sie gleichsam
jede natürliche Regung tabuisiert.Sie kann dann verhärten,moralisieren und wird engstirnig.Engherzig wäre das Tabu im negativen Sinn.Nach wie vor das beste Gegen(heil)mittel: die Liebe...

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