Letzte Ausfahrt
Als zu Anfang des Jahres der Wirbel ums Klima immer heftiger wurde und die Zeitungen immer mehr knallharte Fakten brachten, dass die Ressourcen dieser Welt in absehbarer Zeit definitiv zur Neige gehen, da hatte man schlagartig das Gefühl von Wochenende und fast leerem Kühlschrank. Oder von zwei Zigaretten noch und kein Kleingeld mehr. Von Einseifung und abgedrehtem Wasser. Man ging davon aus, dass alles weiter geht wie bisher, stellt jetzt aber fest, dass man entweder das Aus akzeptiert oder erfinderisch werden, also handeln muss. An dem Wochenende, nachdem die unerfreulichen Nachrichten bekannt wurden – bzw. wieder mal bekannt wurden, denn die Neige ließ sich vor über dreißig Jahren schon berechnen – war ich auf der Autobahn unterwegs und vermeinte eine größere Raserei als sonst zu bemerken. Ein seltsame Stimmung oder war es Einbildung? Ich erinnerte mich an die Aussagen eines Managers der Automobilindustrie: „Der ungebrochene Hang zu großen Autos hängt damit zusammen, dass alle glauben, demnächst seien solche Autos sowieso tabu.“ Trifft diese Behauptung zu, hätte sich tatsächlich eine Art Endzeitstimmung ausgebreitet: Bevor alles aus ist, wird noch mal richtig auf die Tube gedrückt.
Und in der Tat scheinen die Autofahrer zu den Klimaignoranten zu gehören. Speziell die erklärten Fans von Sportwagen und von als Limousinen verkleidete Traktoren und Schützenpanzern scheinen nichts begriffen zu haben. Denn ausgerechnet diese den Spritsäufern und CO2-Schleudern zugerechneten Fahrzeugsegmente konnten in den ersten Monaten 2007 gegen den Trend deutlich zulegen, d.h. wurden mehr gekauft. (Cayenne 22,5 l/100 km, Audi Q7 18,1 l/100km, Hummer H3 18 l/100 km) – Leichtsinn, Verdrängung, Dummheit? Was geht hier vor?
Die Ergebnisse einer Studie des Umweltbundesamtes von 2007 zeigen, dass die Deutschen, denen man – wer weiß warum – ein Öko-Bewusstsein nachsagt, keine große Sensibilität aufweisen, wenn es um Klimawandel geht. Vor allem ganz jungen Menschen und der Generation 70 plus fehle das Bewusstsein für die Gefahren des globalen Klimawandels. Bei den 20- bis 69Jährigen ist dagegen ein langsamer Anstieg zu verzeichnen. Ein Unterschied zwischen Männern und Frauen sei nicht festzustellen. Nahe liegender Weise sind so genannte engagierte Idealisten und Wertepluralisten klimabewusster als Wertedistanzierte und egozentrierte Hedo-Materialisten. Klimaignoranten finden sich nicht nur unter besagten Autofahrern, sondern sind auch in Dörfern und Kleinstädten eher anzutreffen.
Wir müssen uns bewusst machen, dass wir auf Reserve fahren. Wenn wir weiter so auf die Tube drücken, dürfen wir uns nicht wundern, wenn bald nichts mehr drin ist. Das Gefühl der vorgerückten Sperrstunde schafft Unbehagen. Dabei meinten wir doch ein Recht auf eine offene Zukunft zu haben. Aber nur wenn wir uns verpflichten, eine solche zu gewährleisten.
Um diese Zukunft offen zu halten, müssen wir uns allzu deutlich vor Augen halten, dass auf westlichem (Anspruchs- und Konsum)Niveau sieben Milliarden Menschen auf dieser Erde nicht leben können, ohne deren Kollaps zu riskieren. Wir werden uns verändern müssen: Unsere Mentalität, die Technologien und Wissenschaften, das politische Agieren, besonders die Bevölkerungspolitik und das wichtigste: unser Wirtschaften, also das Haushalten, schließlich kommt Ökonomie von Oikos, die Hausgemeinschaft.
Aber bekanntlich ändern sich Menschen erst, wenn ihnen das Wasser bis zum Hals steht oder die Katastrophe bevor, im schlimmsten Fall merken sie gar nicht, wenn sie bereits mitten drin sind (vgl. vorangegangenen post vom 20.8.). Die Menschheit lebt schon längst nicht mehr mit der Natur, sondern sie ist zu ihrem Parasiten geworden. So sagt der Kulturtheoretiker Hartmut Böhme: „Parasitärer Anthropozentrismus dominiert die Weltbeziehungen.“ Das antike „secundum naturam vivere“ muss also Grundsatz werden: gemäß der Natur leben. Auch der Begriff Naturschutz muss neu interpretiert werden: Die Natur muss vor uns geschützt werden.
Umkehren kann man bekanntlich nicht, wenn man nicht zum Geisterfahrer werden will. Man kann die Renn-Strecke entweder bei der nächsten Ausfahrt verlassen oder langsamer fahren, wenn es nicht die letzte Ausfahrt werden soll.
Philosophie-Blog - 23. Aug, 10:00


Warum verschwenden wir die Energie sinnlos?
Heute bin ich in 10 Jahren 70.000 km gefahren, viel zu viel wie ich finde. Und jetzt benütze ich das Auto nur noch, um in die Arbeit zu kommen oder wenn ich unbedingt wo hin muss. Ich verlasse seit zwei Jahren das Haus nicht mehr, weil's einfach nicht mehr nötig ist und ich meine Ruhe gefunden habe.
Das ist das ganze Problem der Energieverschwendung, diese Ruhelosigkeit, aber die ist ein geistiges Problem.
Ich denke, es ist nicht verkehrt sich gewisse materielle Dinge - z.B. Autos, volle Badewannen, beheizte Zimmer - zu gönnen, solange in diesem Zusammenhang ein differenzierteres Denken und Handeln in der Umwelt und die damit verbundenen Bereiche vorhanden ist. Das heißt aber nicht, dass der Gedanke, ich fahre Auto, aber ich weiß dass es schädlich ist, dazu reicht. Ich will damit sagen, dass es nicht ganz verwerflich ist, manchmal sein Auto zu benutzen oder seine Badewanne zu füllen, wenn im Gegensatz dazu in einem anderen Bereich, oder im gleichen, welcher die Umwelt betrifft, gespart, geachtet und bewusst gehandelt wird. Es mag doppelmoralistisch klingen, aber ich glaube schon, dass so ein verhalten seine Richtigkeit besitzt. Habgier und Intoleranz haben da nichts zu suchen.
Ganz verbieten dürfte man den Luxus, den wir haben und nutzen, auch nicht. Er würde sich negativ auf gesellschaftliche und technische Vorschritte auswirken. Unsere Gesellschaft wächst, weil sie ein bestimmtes Tempo in Produktion und Verbrauch hat, das auch durch den Luxus unserer Fortbewegungsmittel zu verdanken ist. Ein Fehlen dieses Luxus würde einen Rückgang unserer gesellschaftlichen Entwicklung heißen. Auch, weil die Wirtschaft vom Konsum lebt, und die Wirtschaft ist eines der Fundamente vieler Gesellschaften - auch unserer.
Die Gesellschaft musst sich in Angesicht dieser Politik nach alternativen Rohstoffen umsehen und auf das eine oder andere Bedürfnis verzichten, das wäre ein kleiner Schritt in die „alternative“ Richtung. Das Alternativ steht in Anführungszeichen, weil ich nicht sagen will, dass es der einzig richtige Weg ist, aber es ist einer von vielen, der nicht ganz so schlecht ist. Berichtigungen und Kritik sind gerne erwünscht, solange diese sachlich und konstruktiv sind.
ist das so?