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Geld ist out! (Ein Depot-Auszug, Teil 1)

GEldblogViel zu viel dreht sich um die Kohle, die uns einfach nicht kalt lassen will. Haben die Deutschen Geld? Wieso geben sie es nicht aus? Warum wollen sie immer mehr davon?
Knapp 230 Milliarden Euro haben sich die Deutschen nach Informationen der Bundesbank per Raten- und Dispokredit bei den Banken ausgeliehen, 1970 war es erst 14,8 Milliarden Euro. Und dabei werden sie immer unzufriedener. Aber sie denken vermutlich, dass die Vermehrung des materiellen Wohlstandes und die Luxurierung des Lebens sie glücklich machen könnten. Das aber ist ein Irrglaube. Wer heute noch ans Geld glaubt, ist selber Schuld. „Und die große Menge glaubt nur an Geld“, schrieb Heinrich Heine vor 170 Jahren in einem Brief.
Weisheitslehrer aus allen Zeiten haben sich mit der Bedeutung des Geldes beschäftigt, die meisten kamen darin überein, dass es nicht gut sei, sein Leben und Streben danach zu richten.
Diogenes, ein wegen seiner Anspruchslosigkeit bekannter Philosoph, beobachtete einst einen Hirten in der Hitze, der mit hohlen Händen Wasser schöpfte, um daraus zu trinken. Diogenes entnahm darauf seinem ohnehin spärlichen Gepäck eine Trinkschale, warf sie in den Staub und sagte: „Wozu habe ich dich nutzlosen Scherben herumgetragen?“ Reich, so dachte Diogenes, reich unter den Menschen ist nur der Selbstgenügsame, der sich von allem Überflüssigen zu trennen imstande ist: Wenn du von dieser Welt nur das willst, was dir genügt, dann ist der kleinste Teil davon ausreichend für dich. Wenn du aber mehr willst, als dir genügen würde, dann wird alles für dich nicht ausreichen.

Über 2000 Jahre später, pünktlich zum Eintritt in das 20. Jahrhundert, erschien das Buch „Die Philosophie des Geldes“ von dem Kulturphilosophen und Soziologen Georg Simmel. Er hält das Geld für das Medium, in dem der Verstand alle seine Berechnungen anstellt: „Indem das Geld alle Mannigfaltigkeiten der Dinge gleichmäßig aufwiegt, alle qualitativen Unterschiede zwischen ihnen durch Unterschiede des Wieviel ausdrückt, indem das Geld, mit seiner Farblosigkeit und Indifferenz, sich zu Generalnenner aller Werte aufwirft, wird es der fürchterlichste Nivellierer, es höhlt den Kern der Dinge, ihre Eigenart, ihren spezifischen Wert, ihre Unvergleichbarkeit rettungslos aus.“ Geld entsubstanzialisiert, lässt die Dinge in einem abstrakten Wert erscheinen. Dabei prägt das Geld nicht nur das wirtschaftliche Leben, sondern den gesamten Stil des Lebens, die Lebenseinstellungen, Werthaltungen und Interaktionsformen der Menschen. Letztlich bestimmt es sogar, meint Simmel, das Tempo des Lebens.
Geld bestimmt das Verhältnis zu sich selbst. Der Mensch unternimmt den Versuch, über Geld seinen Eigenwert zu bestimmen. Mit Geld erkauft und sichert er sich den sozialen Unterschied. Zum Beispiel bei der Buchung eines Reisetickets oder eines Hotels dient Geld der subtilen Technik der Inklusion und Exklusion: Mit dem höheren Preis erkauft man das ausschließliche Zusammensein mit Personen, die einen solchen nur anlegen, um von den billiger Reisenden bzw. Logierenden abgeschlossen zu sein.

Heißt das, dass die Menschen vom Mammon versklavte Wesen sind und ihnen, wenn sie zu Geld gekommen sind, der Volksmund den Charakter abspricht? Dass die Welt kompliziert ist, ist eine Binsenweisheit, warum sollte das Verhältnis zum Geld problemlos sein? Und warum sollte dieses Problem nicht zu lösen sein? Fakt ist, dass wir mit Geld nahezu alles kaufen können, was wir haben wollen. Der Haken ist, dass wir allzu leicht dazu neigen, nur die Dinge zu wollen, die sich mit Geld kaufen lassen, schließlich wird die äußere Welt als die stärkste Kraft in unserem Leben erfahren. Mit Geld lässt sich ja auch fast jedes Problem lösen, aber nicht für lange.

(In ein paar Tagen folgt Depot-Auszug, Teil 2)

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