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    <title>Der Sprachbloggeur</title>
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    <title>Der Sprachbloggeur</title>
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    <title><![CDATA[Vom Leben nach dem Tod]]></title>
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    <description><![CDATA[Zu Anfang das Fr&ouml;hliche: Wenn ich &Auml;pfel, Birnen, Bananen, Tomaten oder Zwiebel brauche, gehe ich ins Paradies. So hei&szlig;t der Obstladen auf meiner Stra&szlig;e. Dort wird man bestens bedient.<br />
<br />
"Paradies&#8220; ist ein treffender Name f&uuml;r ein Obstgesch&auml;ft. Denn dieses Wort wird vom altpersischen "pari-daida&#8220;, "Umwallung&#8220; und "Lustgarten&#8220;, abgeleitet. Es hatte also schon immer irgendwie mit Obst zu tun. Die gleiche Vokabel kommt auch in der Bibel als "pardes&#8220; vor. Auch dort bedeutet sie"Lustgarten&#8220;. Aus diesem Lustgarten aber wurde allm&auml;hlich ein Ort der ewigen Seligkeit.  <br />
<br />
Der Garten als Paradies. Keine so abwegige Vorstellung, wenn man im regenkargen Nahosten zuhause ist. Auch Adam und Eva lebten in einem Garten &#8211; bevor sie ihre ber&uuml;hmte gro&szlig;e Dummheit begingen. "Gan eden&#8220; hie&szlig; dieser Ort auf Hebr&auml;isch. "Gan&#8220;, wie "pari-daida&#8220; bedeutet "Umwallung&#8220; und &#8222;Lustgarten&#8220;. Das arabische, "Dschanatun&#8220;, auch einst ein Wort f&uuml;r "Garten&#8220;, wurde im Islam zum stehenden Begriff f&uuml;rs "Paradies&#8220;. Und der deutsche "Himmel&#8220;? Der hatte einst den Sinn von "Stein&#8220;. Fragen Sie mich nicht, warum ein Stein zum Sinnbild des Himmels wurde. Zudem ist "Himmel&#8220; mit "Hammer&#8220; verwandt. Wer m&ouml;chte das ewige Leben auf einem Stein verbringen? Offenbar die Germanen.<br />
<br />
Der Sinn vom englischen "heaven&#8220; ist indes leichter nachzuvollziehen: wohl mit dem deutschen "Hafen&#8220; verwandt. F&uuml;r einen seefahrenden Angelsachsen mutet ein sicherer Hafen in der Tat wie ein St&uuml;ck Himmel an.<br />
<br />
Die Kehrseite vom Himmel ist die H&ouml;lle, ein deutsches Wort, das auf den Namen der germanischen Unterweltg&ouml;ttin "Hel&#8220; zur&uuml;ckgeht. Das wei&szlig; aber jeder. Weniger bekannt, ist die Tatsache, dass der eigentliche Sinn von "Hel&#8220; "verborgen&#8220; ist,  verwandt also mit "hehlen&#8220;. Die H&ouml;lle war vielleicht kein Ort der ewigen Qual, eher eine Adresse, die man nicht gut kannte.<br />
<br />
In der hebr&auml;ischen Bibel sucht man vergebens nach der "H&ouml;lle&#8220;. Denn von Himmel und H&ouml;lle ist in der Bibel &#8211; zumindest im Sinne des Jenseits &#8211; nirgends die Rede. Erst in nachbiblischen Texten taucht das "Gehinnom&#8220;, w&ouml;rtlich "Schlucht von Hinnom&#8220;, auf. "Hinnom&#8220; war damals ein ganz normaler Name &#8211; wie Schmidt oder Blumenthal heute. Die "Hinnomschlucht&#8220; war zun&auml;chst nichts anders als die st&auml;dtische M&uuml;llhalde vor den Mauern des antiken Jerusalem. Wieso ausgerechnet eine Restm&uuml;lldeponie zum Inbegriff der H&ouml;lle wurde, ist mir nicht ganz klar. Im Neuen Testament wird "Gehenna&#8220; stets f&uuml;r "H&ouml;lle&#8220; gebraucht. Auch der Koran hat sich das hebr&auml;ische Wort angeeignet. "Dschahannam&#8220; hei&szlig;t der qualvolle Ort, wo die unartigen Seelen brutzeln.<br />
<br />
Nun wissen Sie das Wichtigste &uuml;ber Himmel und H&ouml;lle, vor allem aber, dass sie beide ziemlich zuf&auml;llig zu ihren Namen gekommen sind, wie das so ist im Leben.  <br />
<br />
Alles, was mit dem Jenseits zu tun hat, bastelt man sich stets aus Indizien oder Spekulationen. Es geht nicht anders. Und das gilt auch f&uuml;r den "Tod&#8220;. Haben Sie gewusst, dass dieses deutsche Wort urspr&uuml;nglich die Bedeutung "Leben&#8220; und "Atmen&#8220; hatte? Nein, das habe ich nicht erfunden. Es steht in Kluges "Etymologischem W&ouml;rterbuch&#8220;. <br />
<br />
Eigentlich treffend, dass das Geheimnis, das hinter dem Tod steht, "Leben&#8220; hei&szlig;t. <br />
<br />
Ich w&uuml;rde diese Glosse am liebsten mit obiger positiven Botschaft ausklingen lassen, doch zum Schluss muss ich zu meinem Bedauern Unerfreuliches berichten. <br />
<br />
Nach 250 Sprachglossen wird die Redaktion PM den Sprachbloggeur einstellen. Schade. Ich habe das Gef&uuml;hl, ich komme erst jetzt allm&auml;hlich richtig in Gang. Wenn Sie m&ouml;chten, k&ouml;nnen Sie sich mit Ihrer Meinung zu dieser Neuigkeit an den PM-Chefredakteur <a href="vasek.thomas@muc.guj.de">Thomas Vasek </a> wenden. Wenn Sie mich pers&ouml;nlich kontaktieren m&ouml;chten, schreiben Sie an <a href="pjb@sprachbloggeur.de">pjb@sprachbloggeur.de</a>. <br />
<br />
Doch kein Tod ohne Wiedergeburt. Diese Glosse wird k&uuml;nftig in eigener Regie weitergef&uuml;hrt. Wom&ouml;glich wird sich einiges &auml;ndern, d.h., ich werde den Begriff &#8222;Sprache&#8220; noch etwas breiter auslegen. Wenn alles nach Plan l&auml;uft, ist der Sprachbloggeur unter der Adresse <i><a href="http://www.sprachbloggeur.de">www.sprachbloggeur.de</a> </i>bald wieder f&uuml;r Sie erreichbar. Falls es mit der Einrichtung nicht sogleich klappt, haben Sie bitte etwas Geduld. Aller Anfang ist schwierig. Jedes neue Haus muss erst gebaut werden. <br />
<br />
Ich danke Ihnen liebe Leser, liebe Leserinnen, f&uuml;r Ihre Treue. Es hat mir stets gro&szlig;en Spa&szlig; gemacht diese Glossen zu machen. Ohne Sie aber h&auml;tte ich kein Wort davon schreiben wollen.<br />
<br />
<b>ZUSATZ</b>: 24. Februar 2009. Der Sprachbloggeur ist ab jetzt mit neuen Beitr&auml;gen unter <a href="http://www.sprachbloggeur.de">www.sprachbloggeur.de</a> zu erreichen.]]></description>
    <dc:creator>Sprach-Blog</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 Sprach-Blog</dc:rights>
    <dc:date>2009-01-30T12:28:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://blogs.pm-magazin.de/SprachBlog/stories/35531/">
    <title><![CDATA[Das geheimnisvolle Lächeln der Mona Lisa]]></title>
    <link>http://blogs.pm-magazin.de/SprachBlog/stories/35531/</link>
    <description><![CDATA[Zu Beginn ein alter Witz: Ein dummer Student geht baden, und beinahe ertrinkt er dabei. Was macht er? Er beteuert, dass er nie wieder ins Wasser gehen wird, bis er das Schwimmen gelernt hat.<br />
<br />
Und noch so ein Hosenrei&szlig;er: Ein endlos quasselnder Friseur fragt seinen Kunden, "Wie soll ich Ihre Haare schneiden?&#8220; Sagt der Kunde, "Ohne zu reden.&#8220;<br />
<br />
Wenn Sie R&ouml;mer &#8211; bzw. R&ouml;merin &#8211; w&auml;ren, w&uuml;rden Sie in diesem Augenblick ausgelassen "cachinnare&#8220;, d.h., sich kugeln vor Lachen. Denn obige Witze stammen vom &auml;ltesten (bekannten) Witzbuch der Welt, dem "Philogelos&#8220;, zu Deutsch "Gernlachender&#8220;, das  im 4. nachchristlichen Jahrhundert in lateinischer Sprache die Runde gemacht hat. M&ouml;glicherweise ist es noch viel &auml;lter. Der griechische Titel und die Namen der Verfasser, Hierokles und Philagrios, weisen auf einen Ursprung in Griechenland hin.  <br />
<br />
Damit will ich nur sagen, dass die Stimulierung der Lachmuskeln keine Erfindung des &#8222;Comedy Central&#8220; ist. Der r&ouml;mische Kom&ouml;diendichter Plautus &#8211; er lebte im 3. vorchristlichen Jahrhundert &#8211; machte in seinem St&uuml;ck "Miles Gloriosus&#8220; (der glorreiche Soldat) unentwegt Wortspiele auf das Wort "testis&#8220;, das im Lateinischen sowohl "Zeuge&#8220; wie auch "Hoden&#8220; bedeutet. <br />
<br />
Alldies erw&auml;hne ich &#8211; wie immer &#8211; aus rein sprachlichen Gr&uuml;nden. Ich war neugierig zu wissen, warum das Lachen auf Deutsch "Lachen&#8220; hei&szlig;t. Dies zu beantworten stellte sich einfacher aus, als ich urspr&uuml;nglich gedacht habe: Dahinter steckt n&auml;mlich ein "klak&#8220; oder ein lautmalerisches "klakklak&#8220;. Was wir heute als "hahaha&#8220; empfinden, mutete f&uuml;r die Urgermanen wie ein "klakklakklak&#8220; an. Ich denke, dass sich das lateinische "cachinnare&#8220; ("cacaca&#8220;) &auml;hnlich erkl&auml;ren l&auml;sst.<br />
<br />
Ist es nicht komisch, dass Abhandlungen &uuml;ber das Lachen oder &uuml;ber Witze zu den ernstesten und trockensten Themen  z&auml;hlen? Ich wei&szlig;, warum: Man will etwas Lebendiges, Zerbrechliches sezieren. Kaum hat man es im Griff, zack!, ist es weg. <br />
<br />
Der franz&ouml;sische Physiologe Guillaume-Benjamin Duchenne (1806-1875) ist heute aus zwei Gr&uuml;nden bekannt, der erste weniger erfreulich: Er hat den Muskelschwund als Krankheit entdeckt. Doch ebenfalls hat er das "L&auml;cheln&#8220; wissenschaftlich so weit wie m&ouml;glich untersucht. Er erkannte zwei Arten des L&auml;chelns: Bei der ersten werden die musculi orbiculares oculi &#8211; zu Deutsch die Muskeln, die das Auge umringen &#8211; beannsprucht. Wer so l&auml;chelt, dr&uuml;ckt, so Duchenne, wahre Freude aus. Von daher tr&auml;gt dieses L&auml;cheln heute den Namen "Duchenne-L&auml;cheln&#8220;. Wenn man aber nur mit den Muskeln um den Mund l&auml;chelt &#8211; wie es Bonzen und Promis zu tun pflegen, wenn sie im Blitzlichtermeer waten (oder wie auch wir es tun, wenn einer uns mit dem Fotoapparat bedroht und verlangt, dass wir "cheese&#8220; sagen&#8220;), dann ist die Rede von einem "Nicht-Duchenne-L&auml;cheln&#8220;, das so echt wirkt wie die Wohnzimmereinrichtung im "Fr&uuml;hst&uuml;cksfernsehen&#8220;.<br />
<br />
Was aber verbindet das Lachen so sehr mit dem L&auml;cheln, dass man das L&auml;cheln im Deutschen w&ouml;rtlich als "kleines Lachen&#8220; charakterisiert? Meiner Meinung nach m&uuml;&szlig;te "l&auml;cheln&#8220; "schmunzeln&#8220; bedeuten. Denn ein "Schmunzeln&#8220; ist ein echtes "kleines Lachen&#8220;. <br />
<br />
Das englische "smile&#8220; &#8211; also "l&auml;cheln&#8220; &#8211; ist mit dem deutschen "schmeicheln&#8220; verwandt. Das leuchtet ein: Jeder l&auml;chelt, wenn er schmeicheln will. Ich versuche mir den Menschen vorzustellen, der das Wort "L&auml;cheln" als erster  aus der Taufe erhob. Ich verstehe seine Bewegungsgr&uuml;nde aber kaum. <br />
<br />
F&uuml;r ein anderes r&auml;tselhaftes Ph&auml;nomen habe ich jedoch eine L&ouml;sung: das des sagenumwobenen L&auml;chelns der "Mona Lisa&#8220;. Ich glaube nicht, dass die abgebildete Dame wirklich l&auml;chelt. Durch lange Sitzungen beim Meister Leonardo hat sie eher an Bl&auml;hungen gelitten. Klakklakklak usw.]]></description>
    <dc:creator>Sprach-Blog</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 Sprach-Blog</dc:rights>
    <dc:date>2009-01-27T12:50:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://blogs.pm-magazin.de/SprachBlog/stories/35371/">
    <title><![CDATA[Ärger mit den Deals]]></title>
    <link>http://blogs.pm-magazin.de/SprachBlog/stories/35371/</link>
    <description><![CDATA[Am Mittwoch habe ich in den Fernsehnachrichten erfahren, dass die Arbeitslast der Gerichte durch "Deals&#8220; erleichtert werden soll. Das hei&szlig;t: Staatsanwalt und Verteidiger setzen sich zusammen, um ein allerseits annehmbares Strafma&szlig; auszuhandeln. Das soll einem gestressten Richter viel Kopfzerbrechen ersparen.<br />
<br />
"Deal&#8220; im Sinn eines "Handels&#8220; bzw. "Gesch&auml;fts&#8220; ist kein Newcomer in der deutschen Sprachszene. Mindestens seit den 1960er Jahren macht man "Deals&#8220;. Folgendes Zitat aus dem "Mannheimer Morgen&#8220; vom 25. April 1969 habe ich im "Duden&#8220; gefunden: "Die &Uuml;bernahme von Wintershall war ein faires Deal.&#8220;<br />
<br />
Zu bemerken: 1976 &#8211; das Erscheinungsjahr meines "Duden&#8220; &#8211; waren sowohl "das&#8220; wie auch "der&#8220; Deal m&ouml;glich. Im obigen Beispiel aus dem MM war der Deal noch ein "das&#8220;. Im neuesten "Duden&#8220; (2006) ist ein "Deal&#8220; eindeutig m&auml;nnlich geworden.<br />
<br />
Schon mehrmals habe ich Ihnen mein Leid &uuml;ber das Genus im Deutschen geklagt. Bedenken Sie: Alles, was die deutsche Grenze passiert &#8211; egal ob Sache, Idee oder gar Mensch &#8211; wird alsbald mit einem eigenen Artikel ausgestattet. Als ein Bekannter das erste Mal  in meiner Gegenwart verk&uuml;ndete, "Der PJ, der ist Amerikaner&#8220;, war ich fasziniert. Nie zuvor hatte man vor meinen Namen einen Artikel gesetzt. Du Lieber, dachte ich, du bist wirklich nicht mehr in San Franzisko. <br />
<br />
Kein Ausl&auml;nder schafft es aber, mit dem Kuddelmuddel der Artikelzuweisung fertig zu werden. Bis heute mache ich Fehler und werde als Unkundiger geoutet. Erst vor wenigen Tagen, zum Beispiel, habe ich in einer Glosse "DEN Mechanik&#8220; oder so &auml;hnlich geschrieben. Ich war fest davon &uuml;berzeugt, dass die Mechanik etwas M&auml;nnliches war. Tja. <br />
<br />
Aber es kommt noch schlimmer: So frustrierend es auch ist, f&uuml;r jedes Wort den passenden Artikel zu verinnerlichen,  leidet der Migrant unter einer noch heimt&uuml;ckischeren Eigenschaft der deutschen Sprache: Manchmal kann ein und dasselbe Wort mit verschiedenen Artikeln versehen werden. <br />
<br />
Damit sind wir wieder beim "Deal&#8220; gelangt. Denn beinahe w&auml;re auch er zu einem solchen Zwitter geworden. Keine Ahnung, wieso man sich auf die m&auml;nnliche Form geeinigt hat. Aber noch irritierender ist es, wenn ein Wort nicht nur mehrgeschlechtlich ausgestattet wird, sondern wenn es zugleich Unterschiedliches bedeutet, je nach der Artikelvorgabe. Zum Beispiel "Teil&#8220;. Es gibt ein "der&#8220; und ein "das&#8220; Teil. "DER Teil&#8220; ist &#8211; so "Duden&#8220; &#8211; "etwas, was mit anderem zusammen ein Ganzes ist.&#8220; Soweit so gut. Es gibt "Landesteile&#8220;, "Korperteile&#8220; und und. "DAS Teil&#8220; hingegen ist, nach dem "Duden&#8220; "etwas, was jemand von einem Ganzen hat&#8220;. Alles klar? Mir nicht so ganz. <br />
<br />
Nebenbei: "Teil&#8220; und "Deal&#8220; sind aus sprachgeschichtlicher Sicht nahe Verwandte. Der "Dealer&#8220; (heute &#8211; zumindest im Deutschen &#8211; einer, der mit Drogen handelt) ist im Englischen einer, der "ver-&#8222; bzw. "ausTEILt&#8220;. Von der Bedeutung "austeilen&#8220; ist es nur ein kleiner Schritt zum "Gesch&auml;fte machen&#8220;. Im Englischen gibt es viele "car dealer&#8220;, d.h., Leute, die Autos unter das Volk bringen. Wenn man Spielkarten "gibt&#8220;, "dealt&#8220; man sie auf Englisch. <br />
<br />
Oder "Virus&#8220;. Wenn zwei Mediziner miteinander &uuml;ber diese Erreger diskutieren, dann handelt es sich um ein "das&#8220; Virus. Wenn ich auf meine "Viren&#8220; zu sprechen komme, werden sie &#8211; zack bums! &#8211; zu Kerlen! Warum? Und wenn ich mit einem Arzt befreundet bin, und wir einfach so miteinander plaudern, muss er diese Krankmacher als "DAS Virus&#8220; darstellen, w&auml;hrend von mir "DER Virus&#8220; erwartet wird? Sie verstehen das Problem&#8230;hoffentlich.<br />
<br />
Das Beste aber f&uuml;rs Letzte: Mein Vorschlag f&uuml;r das verkorksteste Wort der deutschen Sprache ist "Band&#8220;. "DAS Band&#8220;, "DER Band&#8220; und auch "DIE Band&#8220; sind alle m&ouml;glich. Es ist wie eine Pralinenschachtel, und der arme Deutschsprechende hat die Qual der Wahl.<br />
<br />
Nat&uuml;rlich darf ich auch "der&#8220; und "das&#8220; Blog nicht unerw&auml;hnt lassen. Ich habe mich zwar l&auml;ngst f&uuml;r "der Blog&#8220; entschieden, bin dennoch froh, dass ich meine Kolumne eine "Glosse&#8220; nenne.]]></description>
    <dc:creator>Sprach-Blog</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 Sprach-Blog</dc:rights>
    <dc:date>2009-01-23T11:41:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://blogs.pm-magazin.de/SprachBlog/stories/35236/">
    <title><![CDATA[Mein Problem mit dem Telefon]]></title>
    <link>http://blogs.pm-magazin.de/SprachBlog/stories/35236/</link>
    <description><![CDATA[Meine Eltern haben mir schon im zarten Kinderalter richtige Telefonmanieren eingesch&auml;rft: "Du muss zuerst 'hello&#8217; sagen. Auf keinen Fall darfst du deinen Namen angeben, es sei denn, wir kennen den Anrufer.&#8220;<br />
<br />
Ich habe mir diese Anweisungen sehr zu Herzen genommen. Wenn das Telefon klingelte (damals war es wirklich ein Klingeln &#8211; in jedem Telefon steckte n&auml;mlich eine richtige Klingelmechanik aus blitzendem Stahl), sagte ich "Hello?&#8220;.<br />
<br />
"Mit wem spreche ich?&#8220; fragte der Anrufende manchmal. <br />
<br />
"Das sage ich nicht,&#8220; antwortete ich, "Mit wem spreche ICH?&#8220; Ich blieb immer sehr stur &#8211; und bleibe es auch heute. <br />
<br />
Im Ernst. Bis heute fahre ich in dieser Weise  fort. So sehr habe ich die Frucht meiner Erziehung verinnerlicht. <br />
<br />
Warum es mir verboten wurde, mehr als "hello&#8220; als Telefongru&szlig; zu bieten, ist mir allerdings nicht bekannt. Hatten wir Angst vor Einbrechern? vor Entf&uuml;hrern? Keine Ahnung. In einer Gro&szlig;stadt wie New York wollte jeder vielleicht die Illusion seiner Anonymit&auml;t bewahren. <br />
<br />
Obiges nur zur Einleitung. Heute liegt mir  der Vorwurf meiner S&ouml;hne am Herzen, dass meine Telefonbegr&uuml;&szlig;ung ausgesprochen unfreundlich klingt. Nebenbei: Ich bin l&auml;ngst vom amerikanischen "hell-O-u?&#8220; (so klingt es in deutschen Ohren) abger&uuml;ckt. Eine Zeit lang zog ich ein fragendes, deutsches "Hal-LO-o?&#8220; vor. Freunde und Verwandte in den USA haben sich immer &uuml;ber mein deutsches "Hallo?&#8220; lustig gemacht. <br />
<br />
Seit geraumer Zeit bin ich zu einem "Ja-a?&#8220; &uuml;bergegangen. Dieses "Ja-a?&#8220; gef&auml;llt meinen S&ouml;hnen wiederum gar nicht. Sie meinen, damit kl&auml;nge ich noch unfreundlicher als &uuml;blich. Inzwischen habe ich das "Ja-a?&#8220; ein wenig frisiert und trillere stattdessen ein munteres "J&aacute;-aa!&#8220; in den H&ouml;rer. Die erste Silbe ert&ouml;nt stets etwas h&ouml;her als die zweite.<br />
<br />
"Warum meldest du dich nicht einfach mit Nachnamen, wie jeder es hierzulande tut.&#8220;<br />
<br />
"Ich kann nicht &uuml;ber meinen Schatten springen&#8220;, antworte ich defensiv. "Es geht mir ganz gegen den Strich, einem Anrufenden meinen Namen zu verraten. So wurde ich halt erzogen.&#8220; <br />
<br />
"Aber zumindest freundlich&#8220;, sagt der eine Sohn. "Im B&uuml;ro melde ich mich immer mit Nachnamen. Dann spreche ich die Leute stets mit ihren Namen an, Herr soundso, Frau soundso. Man mag das, es klingt ja pers&ouml;nlich, f&uuml;rsorgend.&#8220;<br />
<br />
"Und mein 'J&aacute;-aa!&#8217;, klingt es nicht melodisch?&#8220;<br />
<br />
"Meine Freunde denken, du bist immer schlecht gelaunt&#8220;, sagt der andere Sohn.<br />
<br />
Inzwischen wei&szlig; ich, dass man sich am Telefon nur in den wenigsten L&auml;ndern mit dem Nachnamen meldet. Dazu z&auml;hlen Deutschland und Finnland. Notabene: In Finnland nannte man das dortige Geld vor Einf&uuml;hrung des Euros "Mark&#8220;. <br />
<br />
Alexander Graham Bell, der Erfinder des Telefons, hatte sich &uuml;ber eine passende Telefonanrede einige Gedanken gemacht. Sein Vorschlag im Jahr 1876 war "Ahoy!&#8220;, so wie die Matrosen zueinander rufen. Die Tschechen haben dieses "Ahoy!&#8220; l&auml;ngst zu einer ganz normalen Begr&uuml;&szlig;ungsfloskel auf der Stra&szlig;e verwandelt. Sonst hat das "Ahoy!&#8220; nirgends Wurzeln schlagen k&ouml;nnen. <br />
<br />
Die Italiener sagen lieber "pronto&#8220; ("fertig&#8220;, "bereit&#8220;, d.h.: "Ich bin bereit am Apparat zu reden&#8220;). Durch ganz Europa hat sich aber zumeist irgendeine Form von "Hallo&#8220; &#8211; das gilt auch f&uuml;r das spanische "Hola!&#8220; &#8211; durchgesetzt. Japaner sagen &uuml;brigens "moshi moshi&#8220;. Keine Ahnung, was es bedeutet. <br />
<br />
Ich &uuml;berlege, ob ich eines Tages mein "Ja?&#8220; in ein "Ja, bitte?&#8220; ver&auml;ndern soll. Ich wei&szlig; nicht. Mir erscheint "Ja, bitte?&#8220; viel zu kaltschn&auml;uzig. Geschmackssache halt.<br />
<br />
Wenn Alexander Graham Bell gewusst h&auml;tte, wie kompliziert das Telefonieren werden w&uuml;rde, h&auml;tte er bestimmt etwas ganz anders erfunden &#8211; vielleicht das Emailen &#8211; ist ohnehin viel praktischer.]]></description>
    <dc:creator>Sprach-Blog</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 Sprach-Blog</dc:rights>
    <dc:date>2009-01-20T11:42:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://blogs.pm-magazin.de/SprachBlog/stories/35058/">
    <title><![CDATA[Hundekunde]]></title>
    <link>http://blogs.pm-magazin.de/SprachBlog/stories/35058/</link>
    <description><![CDATA[Fast jeder kennt den alten Witz vom englischen Ehepaar (oder war das ein deutsches Ehepaar?), das mit seinem Rover (mit Bello?)  in Guangdong unterwegs war. <br />
<br />
Das brave Haustier trippelt vergn&uuml;gt neben Herrchen und Frauchen her, als diese mit gro&szlig;em Appetit in einem Restaurant einkehren, wo man leider kein Englisch (bzw. Deutsch) spricht. Man verst&auml;ndigt sich also mit H&auml;nden und F&uuml;&szlig;en. Eine Geste in Richtung Mund und Magen, eine Geste, die ein Tablett darstellt und last not least eine Geste in Richtung Rover/Bello und dann wieder Hand zum Mund und Magen. Der Kellner l&auml;chelt freundlich, signalisiert, dass er verstanden hat und f&uuml;hrt den gutm&uuml;tigen Zamperl in die K&uuml;che. Jeder soll auf seine Kosten kommen.<br />
<br />
Wer die Pointe schon kennt oder erraten hat, kann diesen Absatz guten Gewissens &uuml;berspringen. Alte Witze machen muntere Mienen m&uuml;de. Mein Thema ist ohnehin nicht die Geb&auml;rdensprache, sondern der Hund selbst. Aber vorerst zu unserem Ehepaar zur&uuml;ck, das inzwischen lange auf sein Essen &#8211; und ebenfalls auf den R&uuml;ckkehr seines kleinen pelzigen Freunds &#8211; wartet. Um die Zeit zu vertreiben, machen sie Witze dar&uuml;ber, dass eine K&uuml;che das Paradies der Hunde sei und dergleichen. Endlich betritt der l&auml;chelnde Kellner mit einem dampfenden Tablett den Raum; der leckere Duft von Fleisch und Gem&uuml;se becirct die Gem&uuml;ter &#8230; Ja, ja, es ist halt ein alter Witz, und Sie wissen ohnehin schon, wie er ausgeht&#8230;<br />
<br />
Merkw&uuml;rdig ist die Beziehung zwischen Mensch und Hund. Dieses Lebewesen gilt als unser erster (und bester) Freund aus dem Tierreich &#8211; auch wenn es sich m&ouml;glicherweise seit jeher nur um ein Zweckb&uuml;ndnis handelt. Die Sprache verr&auml;t aber unsere wahren Gef&uuml;hle dem Hund gegen&uuml;ber. Man f&uuml;hlt sich "hundsmiserabel&#8220;, oder man geht "vor die Hunde&#8220; oder kommt "auf den Hund&#8220;. K&uuml;ppers "Worterbuch der deutschen Umgangssprache&#8220; bietet unter dem Stichwort "Hund&#8220; 163 Redewendungen an &#8211; davon sind die meisten negativ belegt. Wenn etwas nicht m&uuml;ndet, sagt man, zum Beispiel, es schmecke "wie Hund&#8220; oder "wie dicker Hund von hinten&#8220; &#8211; was in Guangdong wiederum einem wohl den Mund w&auml;ssrig machen w&uuml;rde. Jemanden schlichtweg als "Hund&#8220; zu bezeichnen, ist im Deutschen alles anders als ein Kompliment &#8211; au&szlig;er vielleicht im Bayerischen, wo "bist a Hund&#8220; durchaus positiv zu bewerten ist. <br />
<br />
Warum diese hundem&auml;&szlig;ige Missachtung? Vielleicht weil sich der Hund, wenn er nicht gerade bissig ist, uns gegen&uuml;ber untert&auml;nig verh&auml;lt &#8211; sein Erbe aus dem Leben im Rudel. Viele Menschen halten bedingungslose Freundlichkeit oder Hilfsbereitschaft f&uuml;r ein Zeichen der Schw&auml;che, was wiederum Agressionen erweckt &#8211; erst recht, wenn es um einen Hund geht. <br />
<br />
Die Vokabel "Hund&#8220; z&auml;hlt jedenfalls zum Urwortschatz der indoeurop&auml;ischen Sprachen. Somit kann man sich eine Vorstellung machen, wie alt die Beziehung zwischen Mensch und Hund ist. Lateinisch "canis&#8220; und das griechische "kyon&#8220; (der "kynikos&#8220;, d.h. "Zyniker&#8220;, war urspr&uuml;nglich ein bissiger Mensch) sind beide etymologisch mit "Hund&#8220; verwandt. ("C&#8220; und "H&#8220; wechseln sich manchmal bei verwandten Sprachen ab). Die Spanier nennen ihre "K&ouml;der&#8220; (w&ouml;rtlich "Verschlinger&#8220;) lieber "perro&#8220;. Keiner wei&szlig;, warum. Beste Theorie: Das Knurren eines Hunds klingt wie "prrrrrrrr&#8220;. Nebeinbei: "Perro&#8220; als Adjektiv bedeutet auf Spanisch &#8222;gemein&#8220;. Einmal erlebte ich in S&uuml;dmexiko, wie am Dorfplatz ein knochend&uuml;rre Hund gem&auml;chlich an einer Menschentraube vorbeilatschte. Pl&ouml;tzlich und aus nichtigen Gr&uuml;nden verpasste ihm jemand einen Tritt. So ist es mit den Hunden.<br />
<br />
Wer Arabisch sprechen lernen will, muss mit der Vokabel "kalb&#8220;, also "Hund&#8220;, besonders vorsichtig umgehen. Das Wort gilt in dieser Sprache als w&uuml;ster Fluch. Was die Sache zus&auml;tzlich erschwert: Das arabische "qalb&#8220;, "Herz&#8220;, klingt &auml;hnlich. Nichtmuttersprachler stolpern manchmal &uuml;ber die Aussprache des arabischen Kehllauts "Q&#8220;, der an einen "K&#8220;-Laut erinnert, wenn man mit einem Klo&szlig; im Hals spricht. Warum hat der "Hund&#8220; bei Arabern einen so schlechten Ruf? Weil er als unrein gilt, was eine alte Auffassung unter Semiten zu sein scheint. Schon im Althebr&auml;ischen der Bibel wurde "kelew&#8220; als Beschimpfung verwendet. "Kalb&#8220; und "kelew&#8220; stammen &uuml;brigens beide von einem Wortstamm, das "fassen&#8220; oder "packen&#8220; bedeutet.<br />
<br />
Armer Hund. Wenn er nur w&uuml;sste, was wir wirklich von ihm halten. Aber dann w&auml;re er eben kein Hund.]]></description>
    <dc:creator>Sprach-Blog</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 Sprach-Blog</dc:rights>
    <dc:date>2009-01-16T11:48:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://blogs.pm-magazin.de/SprachBlog/stories/34909/">
    <title><![CDATA[Dieser Text ist böse]]></title>
    <link>http://blogs.pm-magazin.de/SprachBlog/stories/34909/</link>
    <description><![CDATA[Als ich um die zwanzig war, habe ich mich mit Vorliebe schwarz angezogen und immer sehns&uuml;chtig darauf gewartet, dass eine(r) mich fragte, was f&uuml;r einer ich bin. Dann antwortete ich seelenruhig und zugleich wie aus der Pistole geschossen, "I&#8217;m revolting&#8220;. Man muss wissen, dass im Englischen "revolting&#8220; zwei Bedeutungen hat: "ekelhaft&#8220;, "absto&szlig;end&#8220; und ebenfalls "rebellierend&#8220;. Ich fand die Ambiguit&auml;t irrsinning lustig. <br />
<br />
Zugleich habe ich &#8211; wie viele junge Menschen damals &#8211; einen "Button&#8220; getragen, eine jener runden mit Bild oder mit Worten bedruckten Plaketten, die den Zweck haben, eine gewisse Einstellung oder Meinung zur Schau zu stellen. Meinen habe ich mir selbst zusammengebastelt, und zwar aus einem bereits existierenden Button, den ich mit etwas Abdeckband &uuml;berzog, um darauf mit Filzstift (damals eine Neuigkeit auf dem Markt) das Wort "EVIL&#8220;, also "B&Ouml;SE&#8220;, zu schreiben. Mit diesem bedrohlichen Abzeichen stolzierte ich schwarz bekleidet und unschuldig durch die Gegend. Was hei&szlig;t hier "b&ouml;se&#8220;? Im Englischen wird "EVIL&#8220;, wenn man es verkehrt herum liest, zu "LIVE&#8220;. Ja, ich war ein typisch unausstehlicher Bursche, der gerne ironisierte &#8211; wie Abermillionen andere vor und nach mir. <br />
<br />
Ich habe gestern an meinen Hang zu Wortspielen gedacht, als ich &uuml;ber die "Kakodaimonistai&#8220; gelesen habe. Es handelt sich um vier Jugendliche namens Kinesias, Apollophanes, Mystalides und Lysitheos. Sie lebten um das Jahr 400 v.Chr. in Athen. "Kakodaimonistai&#8220; l&auml;sst sich ins Deutsche in etwa mit "B&ouml;segeisterklub&#8220; &uuml;bersetzen. Griechisch "kakos&#8220; bedeutet "b&ouml;se&#8220;, &#8222;Daimon&#8220; ist ein "Geist&#8220;. <br />
<br />
Diese vier Knaben &#8211; man wei&szlig; leider nicht, wie alt sie damals waren, ich tippe auf siebzehn bis zwanzig &#8211; setzten sich stets zusammen an Tagen, die nach dem damals g&uuml;ltigen religi&ouml;sen Kalender als ung&uuml;nstig galten, um ihre Feste zu feiern. <br />
<br />
Waren das griechische Satanisten, Teufelsanbeter und dergleichen? Ich vermute, nein. Ich glaube sie waren ebenso &#8222;b&ouml;se&#8220; wie ich mit zwanzig Jahren. Ich meine, die "Kakodaimonistai&#8220; waren lediglich "revolting&#8220;.<br />
<br />
Die Jugendsprache mag gerne schockieren oder verwirren. Und das tut man am besten, wenn man den &uuml;blichen Sinn eines Wortes restlos durcheinanderbringt. Auf Englisch sagten wir, zum Beispiel, "bad&#8220;, wenn wir etwas Positives ausdr&uuml;cken wollten. Nebenbei 1): "Bad&#8220; in diesem Sinn haben wir aus dem Dialekt der Afroamerikaner &uuml;bernommen. Die Schwarzen in Amerika sind immer sehr spielerisch mit der Sprache umgegangen. Auch das allgegenw&auml;rtige "cool&#8220; hat so eine Herkunft. In den 1930er Jahren schw&auml;rmten alle von der "hot&#8220; Musik. Es war also zu erwarten, dass jemand "cool!&#8220; ausrufen w&uuml;rde, um auf "hot!&#8220; zu deuten. Nebenbei 2): Solche gewagte Umkehrungen finden auch in der Mode statt. Wer seine Baseballm&uuml;tze mit der Krempe nach hinten tr&auml;gt, macht mit einer Kopfbedeckung das, was andere mit Worten tun.<br />
<br />
Ich kenne dieses Ph&auml;nomen der Sinnverdrehung im Deutschen allerdings nicht&#8211; mit Ausnahme vielleicht von "schrecklich&#8220; (wie &#8222;schrecklich interessant&#8220;) oder "furchtbar&#8220; und "irrsinnig&#8220;. Doch nun hat mich mein Sohn aufgekl&auml;rt. Er erz&auml;hlte, dass mit "krasser Schei&szlig;&#8220; oder "asozial geil&#8220; durchaus Positives gemeint sei. Auch "b&ouml;se&#8220; sogar "endsb&ouml;se&#8220; seien als Kompliment zu verstehen und nat&uuml;rlich auch "schei&szlig;&uuml;bel&#8220;.<br />
<br />
1975, das hei&szlig;t, als ich die deutsche Sprache zuerst intim kennenlernte, waren mir "b&ouml;se&#8220; und Co. nie zu Ohr gekommen. Vielleicht verkehrte ich damals in den falschen Kreisen. Dennoch frage ich mich, ob diese Umkehrung der Werte im heutigen Jugendslang vielleicht doch was Neues ist. Irgendwie wittere ich im Hintergrung MTV etc.? Oder irre ich mich?<br />
<br />
Fest steht jedenfalls: "B&Ouml;SE&#8220; verkehrt herum ist "ES&Ouml;B&#8220;.]]></description>
    <dc:creator>Sprach-Blog</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 Sprach-Blog</dc:rights>
    <dc:date>2009-01-13T12:08:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://blogs.pm-magazin.de/SprachBlog/stories/34298/">
    <title><![CDATA[Muss man Nazi sein, um Fraktur zu mögen?]]></title>
    <link>http://blogs.pm-magazin.de/SprachBlog/stories/34298/</link>
    <description><![CDATA[Als ich gestern im Wohnzimmer mit einem breit gef&auml;cherten Exemplar der <i>Deutschen Allgemeinen Zeitung</i> vom 31. Januar 1933 demonstrativ rasselte, fragte mein Sohn endlich, "Wo hast du die alte Zeitung her?&#8220;.<br />
<br />
Ich spielte zun&auml;chst dumm und antwortete, "Alte Zeitung, was f&uuml;r alte Zeitung? Ich lese die Zeitung halt wie jeden Tag. Ich habe sie im Zeitungsgesch&auml;ft gekauft.&#8220; <br />
<br />
Ich merkte schnell, dass dieses Spielchen keinen Eindruck auf meinen Sohn machte. Er hat nicht einmal die gro&szlig;e &Uuml;berschrift auf Seite eins kommentiert: "Die erste Sitzung des Kabinetts Hitler&#8220;. Vielmehr sagte er: "Ach, du hast dir diese Alte-Zeitung-Serie gekauft.&#8220;<br />
<br />
"Woher wei&szlig;t du davon?&#8220;<br />
<br />
"Das hat man in der Fernsehwerbung gesehen.&#8220;<br />
<br />
Wie immer bin ich der letzte, der &uuml;ber Neuigkeiten erf&auml;hrt. Meine S&ouml;hne wissen immer schneller Bescheid als ich. Ich hingegen bin gestern nur ganz zuf&auml;llig auf diese neue Publikation "Zeitungszeugen&#8220; gesto&szlig;en. Jede Woche erscheint eine Mappe mit Faksimiles historisch signifikanter deutscher Zeitungen aus der NS-Zeit. Diese Woche, z.B., lagen in der Mappe Exemplaren der nationalkonservativen "Deutsche Allgemeine Zeitung&#8220;, der kommunistischen "Der K&auml;mpfer&#8220; und des Naziblatts "Der Angriff&#8220; &#8211; allesamt Nummern vom 30. oder 31. Januar 1933, dem Tag also der Macht&uuml;bernahme Hitlers. Wohlgemerkt: In diesen Zeitungen stehen nicht nur Nachrichten &uuml;ber Nazis. Man kann sich ebenso &uuml;ber Kultur-, Sport- und Wirtschaftsereignisse informieren &#8211; wie in jedem Tageblatt. Auch das Rundfunkprogramm findet man vor und nat&uuml;rlich die Reklamen. Deutsche Geschichte wird richtig dreidimensional pr&auml;sentiert. Im &uuml;brigen kann sich der Leser in mehreren Seiten Kommentar, von namhaften Historikern geschrieben, vertiefen . "Zeitungszeugen&#8220; ist meines Erachtens ein anspruchsvolles Unterfangen. <br />
<br />
Ich erz&auml;hle davon aber nicht, weil ich Teilhaber am Projekt w&auml;re, sondern weil ich in den Begleitkommentaren einen kurzen Text der Historikerin Irene M. Leitner &uuml;ber die "deutsche Fraktur&#8220;&#8211; die Schriftart, in der alle oben genannte Zeitungen damals gedruckt wurden &#8211;  entdeckt habe. Frau Leitner erkl&auml;rt in einer aufschlussreichen Glosse, dass die Fraktur &#8211; &#8222;Schwabacher Schrift&#8220; genannt &#8211; seit der Anfangszeit des Buchdrucks in Deutschland im Gebrauch sei, wobei sie allerdings seit jeher mit der "Antiqua&#8220;-Schrift in Konkurrenz gestanden habe. (Der Text, den Sie gerade lesen, wird "Antiqua&#8220;, sprich "Lateinschrift&#8220;, geschrieben).<br />
<br />
Im 19. Jahrhundert wetteiferten die beiden Schriftarten besonders heftig miteinander. Der Streit versch&auml;rfte sich erst recht, so Frau Leitner, 1908-1911 im Reichsrat. Als die Nazis an die Macht kamen, schien die Sache endg&uuml;ltig zugunsten der Fraktur entschieden zu sein. Reichsinnenminister Frick habe sie als "einen Ausdruck deutscher Identit&auml;t&#8220; (Zitat Leitner) bezeichnet. 1937 wurde es j&uuml;dischen Verlagen untersagt, B&uuml;cher in Fraktur drucken zu lassen. <br />
<br />
Dann die &Uuml;berraschung: 1941 kippte Hitler, der nichts f&uuml;r die Fraktur &uuml;brig hatte, diesen "Ausdruck deutscher Identit&auml;t&#8220;, der nunmehr als "Schwabacher-Judenlettern&#8220; verh&ouml;hnt wurde. Die Nazis bekannten sich hundertprozentig zur "Antiqua&#8220;. <br />
<br />
Schade, behaupte ich, dass die Fraktur abgeschafft wurde. Ich meine dies nicht etwa, weil ich ein Herz f&uuml;r die Nazis h&auml;tte, sondern weil ich, anders als Hitler, die Fraktur immer gerne hatte. Griechisch wird in einer eigenen, traditionsreichen Schrift zu Papier gebracht, auch Russisch, warum nicht Deutsch? Wer kein Deutsch kann, wird einen deutschen Text ohnehin nicht verstehen, ob er in Fraktur oder Antiqua steht. Nebenbei: Ich mag ebenso gerne die deutsche Schreibschrift, das sogenannte "S&uuml;tterlin Alphabet&#8220; (nach dem Graphiker Ludwig S&uuml;tterlin). Auch sie wurde 1941 durch einen Erlass der Nazis verboten. Immer dieser zwanghafte Drang zur Gleichschaltung!<br />
<br />
Komisch, dass sich die "Braunen&#8220; heute ihre Tr&auml;ume in Fraktur gestalten, obwohl ihr "F&uuml;hrer&#8220; diese Schriftart schroff abschaffen lie&szlig;. Ich halte es sowieso f&uuml;r falsch, diese uralte Schriftart der deutschen L&auml;nder zu politisieren. In meinem Traumdeutschland schreiben alle Deutschsprechenden das S&uuml;tterlin Alphabet und lesen Fraktur &#8211;  auch ohne Arierpass.]]></description>
    <dc:creator>Sprach-Blog</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 Sprach-Blog</dc:rights>
    <dc:date>2009-01-09T11:46:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://blogs.pm-magazin.de/SprachBlog/stories/34100/">
    <title><![CDATA[Wie man klug wird]]></title>
    <link>http://blogs.pm-magazin.de/SprachBlog/stories/34100/</link>
    <description><![CDATA[Ich bitte Sie, meine Damen und Herren, um Ihre gesch&auml;tzte Aufmerksamkeit. Heute werde ich ein &auml;u&szlig;erst kompliziertes Kunstst&uuml;ck vorf&uuml;hren. Ich werde beweisen, dass sich die alte Binsenweisheit, "kein Lernen ohne Leiden&#8220; durch sprachgeschichtliche Mittel zu best&auml;tigen ist. Staunen Sie noch nicht. Ich bitte aber um absolute Ruhe, sonst droht dem abgelenkten Artisten Schlimmes.<br />
<br />
Es geht nun los&#8230;und zwar mit dem "Lehren&#8220;, das lediglich ein einziges, d&uuml;nnh&auml;utiges "N&#8220; von seinem Verwandten "Lernen&#8220; unterscheidet. Nein, bitte noch keinen Beifall.<br />
<br />
"Lehren&#8220; (und jetzt wird es spannend) bedeutete einst "gehen&#8220;. Ist doch klar. Um etwas zu lernen, muss man eine Strecke zur&uuml;cklegen. Im alten Rom sagte man "lira&#8220; &#8211; es handelt sich um einen Verwandten unseres "Lehrens&#8220; &#8211; im Sinne von "Furche&#8220;. Wer lernt, schnitzt sich ins Ged&auml;chtnis eine gewisse "Furche&#8220; ein. <br />
<br />
Was hei&szlig;t "einschnitzen&#8220;? Im Deutschen wird einem etwas "eingesch&auml;rft&#8220;. Messerscharf eingesch&auml;rft. Kein Lernen ohne Leiden also.<br />
<br />
Ich bin dank eines Artikels aus der <i>M&uuml;nchener Abendzeitung </i>(17. Juli 2008) auf diese Idee gekommen. Der Titel lautete "Die Schule AG&#8220;. Autorin Tina Angerer erz&auml;hlte von einer neuen Privatschul-Kette, die momentan in Deutschland fu&szlig; fasst. Kollegin Angerer hatte die M&uuml;nchener "Filiale&#8220; besucht. <br />
<br />
Es war ein einziges Wort in ihrem Aufsatz, das damals meine Aufmerksamkeit fixierte: "smartboards&#8220;. Ich zitiere: "Die gute alte Tafel gibt es in den Klassenzimmern nicht mehr &#8211; stattdessen h&auml;ngen 'smartboards&#8217; an der Wand: Der Lehrer kann manuell darauf schreiben, er kann das Bild seines Laptops an die Wand werfen, die Kinder k&ouml;nnen mit ihren H&auml;nden an der Wand Symbole antippen&#8230;usw&#8220;.<br />
<br />
"Smart&#8220; bedeutet im Englischen "gescheit&#8220;, "klug&#8220;, "intelligent&#8220; und dergleichen. "Smart&#8220; ist obendrein in der globalen Techiesprache zum beliebten Modebegriff geworden. L&auml;ngst gibt es "smart screens&#8220;, "smartpens&#8220; "Smartphones&#8220;, "smartcards&#8220; usw.<br />
<br />
Aber jetzt komme ich zum H&ouml;hepunkt meines Kunstst&uuml;cks: Das englische "smart&#8220; ist mit einer sehr verbreiteten deutschen Vokabel eng verwandt: "Schmerz&#8220;. "To smart&#8220; bedeutet auf Englisch "schmerzen&#8220;. Als Hauptwort wird "smart&#8220; gebraucht, um eine schmerzende Wunde zu bezeichnen. "Smart&#8220; als Adjektiv hat prim&auml;r den Sinn von "schneidend scharf&#8220; und von daher "intelligent&#8220;. Intelligenz und Sch&auml;rfe sind wohl nicht zu trennen. Einsch&auml;rfung, Furche, Lehren, Lernen. Oho.<br />
<br />
Auch wenn die Zeiten der k&ouml;rperlichen Z&uuml;chtigung Gott sei dank vorbei sind, bleibt uns der Schmerz, um "smart&#8220; zu werden, nie erspart. Die Schmerztafeln, die Schmerzkarten, die Schmerzphones und alle sonstige Schmerzmittel machen immer kl&uuml;ger. Vielleicht hat der Weihnachtsmann auch Ihnen etwas Smartes unter den Baum gelegt.<br />
<br />
Ich habe jetzt mein schwieriges Kunstst&uuml;ck vollendet. Sie d&uuml;rfen wieder reden.]]></description>
    <dc:creator>Sprach-Blog</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 Sprach-Blog</dc:rights>
    <dc:date>2009-01-06T11:39:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://blogs.pm-magazin.de/SprachBlog/stories/34021/">
    <title><![CDATA[Lob des Feingefühls]]></title>
    <link>http://blogs.pm-magazin.de/SprachBlog/stories/34021/</link>
    <description><![CDATA[Was w&auml;re sch&ouml;ner als das neue Jahr mit Lob und Freude einzul&auml;uten?<br />
<br />
Vor zwei Wochen kam meine Frau mit einem dtv-B&auml;ndchen nach Hause: "Im Reich der Poesie &#8211; F&uuml;nfzig Gedichte englisch - deutsch&#8220;, herausgegeben und &uuml;bersetzt von Hans-Dieter Gelfert. <br />
<br />
Notabene: 1.) Der Verleger hat mir kein Honorar &uuml;berwiesen, um diese Glosse zu schreiben; 2.) der &Uuml;bersetzer, Hans-Dieter Gelfert, ist kein Bekannter von mir. <br />
<br />
Seine &Uuml;bersetzungen haben mich aber gleich unter Strom gesetzt. <br />
<br />
Herr Gelfert hat f&uuml;nfzig englische Evergreens der letzten 450 Jahre, von William Sidney (1554-1586) bis Ted Hughes (1930-1998), ins Deutsche &uuml;bertragen, und es ist ihm gelungen, meiner Meinung nach, nicht nur die Worte, sondern auch den Rhythmus, den Klang und die Reime der englischsprachigen Vorlagen beinahe perfekt nachzuempfinden. <br />
<br />
"Sowas ist vielleicht realisierbar&#8220;, sagt mir Freund Chris, "wenn man Einzelwerke eines Lyrikers &uuml;bersetzt. Geht man ans Gesamtwerk ran, ger&auml;t man schnell in Teufels K&uuml;che.&#8220;<br />
<br />
Vielleicht hat Chris recht. Ich schw&auml;rme trotzdem von diesen &Uuml;bersetzungen. Man soll loben, was Lob verdient hat. Hier, zum Beispiel, ein Auszug aus Andrew Marvells (1621-1678) ber&uuml;hmten Verf&uuml;hrungsgedicht, "To a Coy Mistress&#8220;. Gelfert zufolge "An seine spr&ouml;de Geliebte&#8220;:<br />
<br />
Had we but world enough and time,<br />
This coyness Lady were no crime.<br />
We would sit down and think which way<br />
To walk and pass our long love&#8217;s day&#8230;<br />
<br />
Nun Gelfert:<br />
<br />
H&auml;tten wir Welt genug und Zeit,<br />
Kein Fehl w&auml;r deine Spr&ouml;digkeit. <br />
Wir s&auml;&szlig;en nieder und bed&auml;chten,<br />
Wie wir den langen Tag verbr&auml;chten&#8230;  <br />
<br />
Zugegeben: Er macht aus "Lady&#8220; (d.h. "gn&auml;dige Frau&#8220;) ein "deine&#8220;; "long love&#8217;s day&#8220; hat der zu einem einfachen "langen Tag&#8220; reduziert. (Mir w&auml;re "langen Liebestag&#8220; lieber gewesen). Aber der Rhythmus: Gelfert hat ihn genial nachempfunden. Sch&ouml;n wirken auch die drei Konjunktivformen: "s&auml;&szlig;en&#8220;, "bed&auml;chten&#8220; und "verbr&auml;chten&#8220;.  <br />
<br />
Oder dieses Gedicht des englischen Mystikers William Blake (1757-1827) &#8211;  "The Tiger&#8220;:<br />
<br />
Tiger, Tiger burning bright<br />
In the forests of the night,<br />
What immortal hand or eye<br />
Could frame thy fearful symmetry&#8230;<br />
<br />
Jetzt Gelfert:<br />
<br />
Tiger, Tiger, Glut und Pracht,<br />
Tief in W&auml;ldern dumpfer Nacht,<br />
Welch Unsterblicher schuf sie:<br />
Deine grausame Symmetrie&#8230;<br />
<br />
Schon gut: Herr Gelfert hat "night&#8220; in "dumpfer Nacht&#8220; verwandelt. Au&szlig;erdem hat er Blakes "hand and eye&#8220; gestrichen. Aber bitte. Wer will so pingelig sein? Sonst passt alles &#8211; vor allem das Martialische des Originals. Ist Ihnen aufgefallen, wie der Marschrhythmus der ersten drei Zeilen in der letzten Zeile so sch&ouml;n trippelnd nachl&auml;sst?<br />
<br />
Ich k&ouml;nnte noch einige Beispiele hier wiedergeben. Aber genug. Ich wei&szlig; aus eigenen Erfahrungen: Wer von einer Sprache in eine andere &uuml;bersetzt, wird kaum alle Nuancen treffen k&ouml;nnen. Herr Gelfert ist aber sehr nahe dran. Wirklich. Nebenbei: Christian Enzensbergers "Alice in Wunderland&#8220; ist auch nicht ohne. <br />
<br />
Ja, das Feingef&uuml;hl muss man belohnen. Nein, gerade das Feingef&uuml;hl. Dies ist ein passender Gedanke f&uuml;r ein neues Jahr.]]></description>
    <dc:creator>Sprach-Blog</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 Sprach-Blog</dc:rights>
    <dc:date>2009-01-02T11:52:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://blogs.pm-magazin.de/SprachBlog/stories/33975/">
    <title><![CDATA[Chinesisch für Anfänger]]></title>
    <link>http://blogs.pm-magazin.de/SprachBlog/stories/33975/</link>
    <description><![CDATA[&Uuml; Dschin hat uns vor ein paar Tagen besucht. Ich schreibe ihren Namen sicherlich ganz falsch, das hei&szlig;t, nicht nach dem "pinyin&#8220;, dem amtlichen Transkriptionsalphabet. Das "Dsch&#8220; in "Dschin&#8220; spricht man &uuml;brigens wie das "j&#8220; im franz&ouml;sischen Namen "Jean&#8220; aus.<br />
<br />
Sie studiert an der Universit&auml;t  Hong Kong und ist momentan Austauschstudentin im Fach Wirtschaft an der Universit&auml;t Utrecht. <br />
<br />
Ihre Englischkenntnisse sind sehr gut. Dar&uuml;ber hinaus hat sie etwas Spanisch und Holl&auml;ndisch geb&uuml;ffelt. Chinesisch ist aber ihre Muttersprache. <br />
<br />
Genauer gesagt: Der Mandarindialekt des Chinesischen ist ihre Muttersprache. Dieser wird in Peking gesprochen und ist auch Amtssprache der chinesischen Regierung. Da &Uuml; Dschins Familie in Schanghai lebt, spricht sie auch das Chinesisch aus Schanghai, und sie beteuerte, dass zwischen der Sprache in Schanghai und in Peking erhebliche Unterschiede best&uuml;nden. "So gro&szlig; wie zwischen Deutsch und Holl&auml;ndisch&#8220;? fragte ich. Sie nickte, ja. Vielleicht wollte sie nur h&ouml;flich sein. Aber dann f&uuml;gte sie hinzu: "Man kann sich nicht immer gegenseitig verstehen.&#8220;<br />
<br />
Im &uuml;brigen spricht &Uuml; Dschin, da sie in Hong Kong studiert, Kantonesisch. Hier ist der Unterschied zum Mandarinischen so gro&szlig; wie der zwischen Deutsch und D&auml;nisch. Chinesisch ist eine Tonsprache. Das hei&szlig;t: Jede Silbe &#8211; und viele W&ouml;rter sind ja einsilbig &#8211; kann in verschiedenen Tonlagen artikuliert werden. Im Mandarinischen gibt es vier Tonlagen: neutral, steigend, fallend und fallend dann steigend. "Wenn Ausl&auml;nder die T&ouml;ne falsch sprechen oder weglassen, verstehen wir sie trotzdem&#8220;, erkl&auml;rte sie. <br />
<br />
Kantonesisch hingegen verf&uuml;gt &uuml;ber neun T&ouml;ne. Ich wei&szlig; nicht, wie sie alle hei&szlig;en. "Eigentlich benutzen wir davon aber nur sieben&#8220;, sagte sie. <br />
<br />
"Das bedeutet also&#8220;, fragte ich, "dass die anderen zwei T&ouml;ne mehr oder weniger veraltert sind, oder?&#8220; Sie nickte, ja. Vielleicht wollte sie nur h&ouml;flich sein.<br />
<br />
Besonders interessant fand ich ihre Beschreibung des chinesischen Verbalsystems. Die Verben werden n&auml;mlich nie gebeugt. Man sagt also "wo zou&#8220; (ich geh), "ni zou&#8220; (du geh), "ta zou&#8220; (er/sie geh) usw. Die T&ouml;ne habe ich hier absichtlich au&szlig;er Acht gelassen.<br />
<br />
"Was ist, wenn man die Zukunft oder die Vergangenheit ausdr&uuml;cken will?&#8220; <br />
<br />
"Das versteht man aus dem Zusammenhang&#8220;, antwortete sie. "Wenn nicht, dann kann man ein Wort hinzuf&uuml;gen, das 'vorher&#8217; oder 'nachher&#8217; bedeutet.&#8220;<br />
<br />
"Und wie werden Bedingungss&auml;tze formuliert? Zum Beispiel, 'Wenn er gegangen w&auml;re, h&auml;tte er seinen Spa&szlig; gehabt&#8217;.&#8220;<br />
<br />
&#8222;Dann sagen wir, 'Wenn er geh, hab er Spa&szlig;&#8217;.&#8220;<br />
<br />
"Und jeder versteht, dass es sich um eine Bedingung handelt?&#8220; Sie nickte, ja. "Und wenn man ein Buch aus einer Fremdsprache ins Chinesische &uuml;bersetzt, und der Autor ein bewusstes Wortspiel macht &#8211; etwa 'wenn du gehst, gehe ich, wenn du gegangen w&auml;rst, ginge auch ich&#8217;.&#8220;<br />
<br />
"Dann f&uuml;gen wir ein paar W&ouml;rter wie 'vorher&#8217; und 'nachher&#8217; an&#8220;, antwortete sie und l&auml;chelte freundlich. <br />
<br />
Ach ja, und noch etwas Wichtiges f&uuml;r Anf&auml;nger: Chinesen halten die Zahl "vier&#8220; f&uuml;r ung&uuml;nstig. "Acht&#8220; hingegen ist eine Gl&uuml;ckszahl. Das muss man sich unbedingt einpr&auml;gen.<br />
<br />
Somit wissen Sie das Wesentlichste &uuml;ber China und die chinesische(n) Sprache(n). Und nun, liebe Leser und Leserinnen: x&#299;nni&aacute;n ku&agrave;i l&egrave;. Zu Deutsch: Alles Gute zum neuen Jahr.]]></description>
    <dc:creator>Sprach-Blog</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Sprach-Blog</dc:rights>
    <dc:date>2008-12-30T11:48:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://blogs.pm-magazin.de/SprachBlog/stories/33894/">
    <title><![CDATA[Höchste Zeit, den "Ichling" kennenzulernen]]></title>
    <link>http://blogs.pm-magazin.de/SprachBlog/stories/33894/</link>
    <description><![CDATA[Wie ich auf <i>prolognews.com</i> gesto&szlig;en bin, kann ich leider nicht mehr sagen. Dank diesem gl&uuml;cklichen Zufall bin ich aber dem "Ichling&#8220; begegnet.<br />
<br />
Stephanie aus Sandf&ouml;rde im Nordosten des Landes ver&ouml;ffentlichte auf dieser Webseite unter der Rubrik "Neue W&ouml;rter&#8220; einige Zeilen &uuml;ber diverse von ihr vorgeschlagene Kandidaten f&uuml;r die Aufnahme in die deutsche Sprache. <br />
<br />
So, zum Beispiel, die "R&uuml;ckf&uuml;tterung&#8220;. Mit dieser Lehn&uuml;bersetzung wollte sie das englische "Feedback&#8220; ad acta legen. Mich hat sie mit ihrer Empfehlung jedenfalls nicht &uuml;berzeugt. Mir kommt "R&uuml;ckf&uuml;tterung&#8220; vor wie eine Aufpolsterung f&uuml;r schwache R&uuml;cken. Die deutsche Sprache hat ohnehin schon l&auml;ngst ein eigenes, sch&ouml;nes und sehr technisch klingendes Wort f&uuml;r "Feedback&#8220;: die "R&uuml;ckmeldung&#8220; &#8211; manchmal "R&uuml;ckkoppelung&#8220; genannt. <br />
<br />
Wenn ich mich nicht irre, hat der amerikanische Mathematiker Norbert Wiener den Begriff "feedback&#8220; in seinem Buch "Kybernetik&#8220; (1948) gepr&auml;gt, dessen Thema die Steuerung von Informationssystemen ist. Das "Feedback&#8220; ist Wiener zufolge nichts anderes als ein Signal &#8211; akustisch oder visuell &#8211; , das einen Systemoperateur erkennen l&auml;sst, wann ein elektronisches System ein Kommando ausgef&uuml;hrt hat. Es handelt sich also im wahrsten Sinn des Wortes um eine "R&uuml;ckmeldung&#8220;. Letztendlich ist "R&uuml;ckmeldung&#8220; (oder auch "R&uuml;ckkoppelung&#8220;) als Begriff viel anschaulicher als "Feedback&#8220;. Information wird nicht &#8222;zur&uuml;ckgef&uuml;ttert&#8220;, sondern &#8222;zur&uuml;ckgemeldet&#8220;. <br />
<br />
Auch "Schauband&#8220; steht auf Stephanies Liste und soll als Synonym f&uuml;r "Videoband&#8220; dienen. Meinetwegen. Aber Hand aufs Herz: Wer braucht ein neues Wort f&uuml;r eine antiquierte Technik? <br />
<br />
"Frohhibbelig&#8220; hingegen jederzeit. Das Wort erkl&auml;rt sich von selbst und klingt in meinen Ohren wie die Freude der Hobbitts oder sowas. Meinerseits also keine Einwendung. <br />
<br />
Aber jetzt zum "Ichling&#8220;! Welch gl&uuml;cklicher Wurf! Ein geborener Tausendsasa! Ein Quereinsteiger! Ein Senkrechtstarter h&ouml;chster Qualit&auml;t! "Egoisten&#8220; ade, in Deutschland m&ouml;ge man fortan nur noch vom "Ichling&#8220; reden! Ich mochte das Wort auf Anhieb und werde es stets verwenden, wo ich fr&uuml;her "Egoist&#8220; sagte. Nur eins, liebe Stephanie: Es handelt sich hier keineswegs um eine Neusch&ouml;pfung. Schon die Br&uuml;der Grimm kannten den "Ichling&#8220;. Unter diesem Stichwort haben sie in ihrem W&ouml;rterbuch Jean Paul zitiert: "Allerdings genie&szlig;t der Ichling den gr&ouml;&szlig;ten Grad h&auml;uslichen Gl&uuml;cks, n&auml;mlich sein eigenes.&#8220; "Grimm&#8220; f&uuml;hrte &uuml;brigens auch den "Ichmensch&#8220; und den "Ichs&uuml;chtler&#8220; auf &#8211; auch das sind sch&ouml;ne W&ouml;rter. <br />
<br />
Ich sage dem "Ichling&#8220; eine rosige Zukunft voraus. Denn seine Stunde hat wahrlich geschlagen. Die Amerikaner geben mit ihrer "me generation&#8220; an. Nun kann Deutschland mit dem "Ichling&#8220; Paroli bieten. Die "Ichlinge&#8220; sind nicht nur im Kommen. Sie genie&szlig;en seit Jahren Hochkonjunktur und haben sehnlichst auf das Wort gewartet, dass ihr Wesen treuherzig umfasst. "Ichling&#8220; als Kandidat f&uuml;rs "Wort des Jahres&#8220; 2009? Warten wir&#8217;s ab. Werden Sie einstweilen Mitglied meines neuen "F&ouml;rdervereins Ichling&#8220; und hibbeln Sie froh dem neuen Zeitalter entgegen.]]></description>
    <dc:creator>Sprach-Blog</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Sprach-Blog</dc:rights>
    <dc:date>2008-12-26T11:55:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://blogs.pm-magazin.de/SprachBlog/stories/33839/">
    <title><![CDATA[Reich werden ganz schnell!]]></title>
    <link>http://blogs.pm-magazin.de/SprachBlog/stories/33839/</link>
    <description><![CDATA[Wo soll ich anfangen? So vieles Interessantes zu erz&auml;hlen, wobei sich das ganze eigentlich um das Wunschtr&auml;umen dreht. <br />
<br />
Zum Beispiel, die Mail, die ich gestern vom Absender "Wunschtraum.de&#8220; &#8211; oder war das "Wunschtraum.com&#8220; &#8211; erhielt? So genau habe ich nicht hingeschaut, und schon war das Spam im digitalen Rei&szlig;wolf verschwunden. Wenn ich mich erinnere, wollte mir der "Phisher&#8220; ein "enthemmtes Gesch&ouml;pf&#8220; anbieten. Oder war das ein "verklemmtes Gesch&ouml;pf&#8220;? Einen Wunschtraum jedenfalls.  <br />
<br />
Bei "Spiegel Online&#8220; erfuhr ich von einem Menschen in Berlin, der ins Gehege des inzwischen 200kg schweren Eisb&auml;rs Knut geklettert war. Der Mann gab als Grund f&uuml;r die Tat seine Einsamkeit an. Er meinte, dass auch Knut einsam sei. <br />
<br />
Und man soll an dieser Stelle den Wunschtraum des amerikanischen "Finanziers&#8220; Bernard Madoff nicht au&szlig;er Acht lassen. Er tra&uuml;mte zeit seines Lebens davon, reich, m&auml;chtig und geachtet zu werden. Und siehe da! Es ist ihm gelungen! Leider nur als Hochstapler. Er hat in den letzten Jahren tausende Investoren um ca. 50 milliarden Dollar gebracht. <br />
<br />
Madoff setzte, um seinen Wunschtraum zu verwirklichen, den sogenannten "Ponzi-Trick&#8220; ein. Auf Englisch: "Ponzi-Scheme&#8220;. "Scheme&#8220; ist ein "Dreh&#8220;. <br />
<br />
So ist er vorgegangen:  1.) Er gr&uuml;ndete eine Investmentfirma und versprach seinen Kunden hohe Renditen. 2.) Um das Versprechen einhalten zu k&ouml;nnen, bezahlte er die Renditen seiner alten Kunden mit dem investierten Geld seiner neuen. 3.) Es sprach sich herum, dass seine Investmentfirma "solide&#8220; sei. Er konnte also stets neue Kunden anwerben. <br />
<br />
Erst die Finanzkrise brachte ihn zum Fall. <br />
<br />
Man hat diese Masche nach dem Italo-Amerikaner Charles Ponzi benannt. Ponzi hat das erfolgsversprechende Gesch&auml;ftsmodell in den 1920er Jahren mehrmals und unter verschiedenen Namen praktiziert. Er war dennoch nicht der Erfinder. Schon 1899 hatte sich der Amerikaner William Miller, ein Buchhalter in Brooklyn, mit gleicher Methode eine goldene Nase verdient. Auch er war nicht der Erfinder.<br />
<br />
In Deutschland kennt man diesen Betrug unter dem Namen "Schneeballsystem&#8220;, bzw., "Schneeballeffekt&#8220;. Der Begriff "Schneeballsystem&#8220; gibt in der Tat ein sch&ouml;nes Bild. Man stellt sich einen im Schnee rollenden Schneeball vor, der sich rasch bewegt und stets gr&ouml;&szlig;er wird. &Uuml;ber die Herkunft dieses Begriffs habe ich leider nichts zu sagen. Immerhin: Der gro&szlig;e "Duden&#8220; beschreibt das Ph&auml;nomen bereits in den 1970er Jahren als "Form des Warenabsatzes, bei der sich der K&auml;ufer verpflichtet, einen Teil des Kaufpreises dadurch zu  begleichen, dass er neue Kunden vermittelt, die den gleichen Bedingungen unterliegen.&#8220; <br />
<br />
Auch "Hydrasystem&#8220; wird es im Deutschen genannt &#8211; nach jenem enthemmten Gesch&ouml;pf der griechischen Mythologie, dem  f&uuml;r jeden abgehackten Kopf zwei nachwuchsen. Oder "Pyramidenspiel&#8220;. Auch dies ein klares Bild. Denn die "Spitze&#8220; der Pyramide erzielt ihre Gewinne nur, wenn die Basis immer breiter wird. Leider wei&szlig; ich nicht, wie lange diese Begriffe im Umgang sind. Man nehme von Peter, um Paul zu geben ("take from Peter to give to Paul&#8220;) sagte man im fr&uuml;heren Englisch. Auch die l&auml;stigen Kettenbriefe &#8211; einst per Post, heute &uuml;bers Netz geschickt &#8211; sind eine Form des "Ponzi-Scheme&#8220;. <br />
<br />
Alles wie gesagt nichts Neues, nur alte Wunschtr&auml;ume. Schon 1746 gr&uuml;ndete ein gerissener Graf namens Karl Ludwig von Wied-Neuwied eine "Dukatensoziet&auml;t&#8220;, die den selben Zweck hatte. Damals konnte er 416 Mitglieder in ganz Deutschland f&uuml;r sein Schneeballsystem begeistern &#8211; bis es verboten wurde. <br />
<br />
Komisch, dass ich gerade zu Weihnachten an Wunschtr&auml;ume denke. Verschenken Sie dieses Jahr lieber etwas Wirklichkeit. Sie werden jemandem damit ganz bestimmt eine gro&szlig;e Freude machen. Frohes Fest.]]></description>
    <dc:creator>Sprach-Blog</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Sprach-Blog</dc:rights>
    <dc:date>2008-12-23T11:54:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://blogs.pm-magazin.de/SprachBlog/stories/33746/">
    <title><![CDATA[Die traurige Geschichte von Marcos]]></title>
    <link>http://blogs.pm-magazin.de/SprachBlog/stories/33746/</link>
    <description><![CDATA[Immer wieder denke ich an Marcos Rodr&iacute;guez Pantoja. Sein Schicksal habe ich vor einigen Jahren in einem Buch &uuml;ber Wolfskinder geschildert. <br />
<br />
Marcos und ich sind Zeitgenossen. Nur: Ich wurde in der Bronx in eine mehr oder weniger "normale&#8220; Familie geboren, er in Andalusien in furchtbare Verh&auml;ltnisse. <br />
<br />
Als er noch sehr klein war, verstarb seine Mutter. Sein Vater heiratete wieder und zog mit dem Sohn ins Dorf Fuencaliente in der Sierra Morena zu seiner neuen Frau. Die Stiefmutter, die bereits eigene Kinder hatte, hasste den Buben auf Anhieb. Als Marcos sieben war, verkaufte ihn sein Vater als Hirten an einen Gro&szlig;grundbesitzer. Ja, Sie haben richtig gelesen: Er hat ihn verkauft. Wir schreiben das Jahr 1953. <br />
<br />
Wenn sich sein bisheriges Leben wie ein b&ouml;ses M&auml;rchen liest, ist das was nun folgte, noch m&auml;rchenhafter. Der kleine Marcos wurde in die Berge gef&uuml;hrt, um dort bei einem alten, wei&szlig;b&auml;rtigen Mann in einer H&ouml;hle zu leben und Ziegen zu h&uuml;ten. Der alte Mann brachte ihm in kurzer Zeit das Wichtigste bei: Feuer ohne Streichh&ouml;lzer zu machen, Essen zu Kochen, Tiere zu t&ouml;ten und zu h&auml;uten und nat&uuml;rlich Ziegen zu z&auml;hlen. O-Ton Marcos: "Er hatte zwei Dosen. In einer waren Steine, kleine Steinchen, Kiesel. Er sagte mir: 'Wenn eine Ziege ins Gehege geht, tust du jedes Mal ein Steinchen in die andere Dose. Wenn du Steinchen &uuml;brig hast, dann fehlen dir welche. Wenn alle Steinchen in der anderen Dose sind, dann wei&szlig;t du, alle sind da.&#8217;&#8220;<br />
<br />
Ansonsten redete der alte Mann nur wenig, und nach etwa sechs Monate war er eines Tages sprurlos verschwunden, ohne dass er sich verabschiedet hatte.<br />
<br />
Mein Thema ist wie immer die Sprache. Ab seinem siebten Lebensjahr hatte Marcos nur wenig Gelegenheit, seine bisher erworbenen Sprachkenntnisse zu gebrauchen. Niemand war da, mit dem er sich h&auml;tte unterhalten k&ouml;nnen. Lediglich alle paar Monate kamen der Besitzer oder seine Mitarbeiter vorbei, um nach den Rechten zu schauen oder um Tiere mitzunehmen. Marcos verbrachte die n&auml;chsten zw&ouml;lf Jahre in dieser Einsamkeit. <br />
<br />
O-Ton Marcos: "Ich konnte reden, aber ich kannte nur wenige W&ouml;rter. Ich wusste nicht, wie viele Dinge hie&szlig;en. Ich wusste, dass ein Glas ein Glas ist, und dass man es zum Trinken benutzt, aber ich wusste nicht, wie man es nannte.&#8220;<br />
<br />
Um die Einsamkeit zu vertreiben, befreundete er sich mit wilden Tieren aus dem bergigen Gel&auml;nde: insbesondere mit einer F&uuml;chsin, einer Schlange, einem Adler und einer W&ouml;lfin. F&uuml;r diese Kontakte brauchte er freilich keine Sprachkenntnisse. <br />
<br />
So vergingen die Jahre, bis er eines Tages ganz zuf&auml;llig von einer Patrouille der Guardia Civil aufgegabelt und in die Zivilisation zur&uuml;ckgebracht wurde. Was seine Wiedereingliederung besonders schwer machte, war &#8211; neben seinem Mangel an gesellschaftlichen Erfahrungen &#8211; seine Sprachbehinderung. Er konnte zwar das meiste verstehen, was ihm die Menschen sagten, und er beherrschte nach wie vor die Grammatik seiner Muttersprache. Er fand aber nur wenige W&ouml;rter, um sich zu verst&auml;ndigen. <br />
<br />
Alle Versuche, ihn in die Gesellschaft zu integrieren, schlugen letztendlich fehl. Er blieb der ewige Au&szlig;enseiter. Nach seinem Dienst im Milit&auml;r zog er nach Mallorca, wo er in Hotels jobbte und in einem unordentlichen Zimmer hauste. Dort lernte ihn 1975 der katalanische Schriftsteller Gabriel Janer Manila kennen, der aus ihren Gespr&auml;chen &#8211; Marcos redete stets langsam und m&uuml;hevoll &#8211; ein Buch machte. Eine empfehlungswerte Lekt&uuml;re, wenn man erfahren will, wie es ist, wenn ein Mensch zu einer Insel wird.  <br />
<br />
Nebenbei: Auch Erwachsene, die lange in der Isolierung leben, leiden unter einem Verlust der Sprache. So, zum Beispiel, der schottische Matrose Alexander Selkirk, der 1704 nach einem Streit mit dem Schiffskapit&auml;n auf einer Insel nahe der chilenischen K&uuml;ste ausgesetzt wurde. Dort verbrachte er vier einsame Jahre, bis er endlich gerettet wurde. Bei seinem ersten Kontakt mit Menschen konnte er nur noch stammeln. <br />
<br />
Selkirk fand seine Zungenf&auml;higkeit schnell wieder. Marcos hingegen hinkte seit seiner R&uuml;ckkehr in die Welt der Menschen immer hinterher. Zu jung war er, als er die Zivilisation verlassen hatte, zu lange war er von ihr weg. Und wenn er noch lebt, ist er noch immer eine elende Figur.]]></description>
    <dc:creator>Sprach-Blog</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Sprach-Blog</dc:rights>
    <dc:date>2008-12-19T11:32:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://blogs.pm-magazin.de/SprachBlog/stories/33638/">
    <title><![CDATA[Den Termin habe ich verpasst, aber hiermit mein Vorschlag fürs "Wort des Jahres"...]]></title>
    <link>http://blogs.pm-magazin.de/SprachBlog/stories/33638/</link>
    <description><![CDATA[Letzte Woche wurde "Finanzkrise&#8220; zum "Wort des Jahres&#8220; gekr&ouml;nt. Oder war das "Wirtschaftskrise&#8220;? Ich bringe diese Begriffe immer durcheinander. <br />
<br />
Egal. Ich m&ouml;chte heute &#8211; auch wenn ich mich hier viel zu sp&auml;t in Szene setze, ein ganz anderes Wort zum Wort des Jahres vorschlagen: "behumsen&#8220;.<br />
<br />
Ich gebe zu: Diese Vokabel war mir unbekannt, bis ich vor einer Woche mit zwei Nachbarinnen ins Gespr&auml;ch gekommen bin. Das Wort "behumst&#8220; (oder war es eine flektierte Form des Verbs?) fiel, und beide Damen schienen zu verstehen, was gemeint war.  <br />
<br />
Achtung! dachte ich, unbekanntes Wort, unbekanntes Wort!<br />
<br />
Zun&auml;chst versuchte ich mein Unwissen zu kaschieren. Das ist leider eine Schw&auml;che von mir: die Angst, man k&ouml;nnte mich f&uuml;r bl&ouml;d halten. Die Neugier war aber doch letztendlich st&auml;rker. "Was hei&szlig;t &#8218;b&#8217;-umsen&#8217;?&#8220; fragte ich ein bisschen versch&auml;mt, denn so klang das Wort in meinen Ohren. <br />
<br />
"Behumsen?&#8220; erl&auml;uterte eine der Damen (mir kam es noch immer vor wie ein "b&#8217;-umsen&#8220;). "Das bedeutet &#8218;betr&uuml;gen&#8217;. Es h&ouml;rt sich aber vornehmer an als 'beschei&szlig;en&#8217;.&#8220;<br />
<br />
"Ich habe es noch nie geh&ouml;rt. Wo kommt es denn her?&#8220;<br />
<br />
"Man sagt es einfach in der Umgangsprache. Wahrscheinlich ist es Bayerisch.&#8220;<br />
<br />
Hier irrte sich meine Nachbarin. Th&uuml;ringisch vielleicht oder S&auml;chsisch. Bayerisch nie und nimmer. In Bayern wird man zum Deppen gemacht oder ausgeschmiert oder gepratzelt. Behumst? Aber woher?<br />
<br />
Sp&auml;ter fragte ich Alina. Die stammt aus Thorn and er Weichsel. Auch sie kannte behumsen, meinte aber, es sei kein westpreu&szlig;isches Wort. Bernd aus Berlin hatte es mal geh&ouml;rt, beteuerte, es sei kein Berlinerisch. Meine Schwiegermutter, ebenfalls aus Berlin, f&uuml;gte hinzu, man w&uuml;rde auf dem Kiez eher "betuppen&#8220; sagen. Die Nachbarin ist &uuml;brigens geb&uuml;rtige Weimarin. <br />
<br />
Nun habe ich im alten Grimm&#8217;schen W&ouml;rterbuch nachgeschlagen und konnte alles herausfinden, wonach ich suchte &#8211; nicht allerdings unter Stichwort "behumsen&#8220;, sondern bei "humsen&#8220;, was urspr&uuml;nglich den gleichen Sinn hatte wie "summen&#8220;&#8211; und ganz sicher mit dem englischen "hum&#8220; (sprich "humm&#8220;) verwandt ist. Im 17. Jahrhundert war das"&#8222;Humsen&#8220; im deutschen Raum im Sinn von "Summen&#8220; wohl weit verbreitet. Im "Simplicissimus&#8220; wird, zum Beispiel, erz&auml;hlt, wie einer "mit dem Maul so artlich humset und quickeliert&#8220;. Nebenbei: Ich finde "quickeliert&#8220; eine sehr sch&ouml;ne Vokabel. <br />
<br />
Weiter: Im Niederdeutschen bedeute "humsen&#8220; "schnarchen&#8220;. Dass aus einem "Summen&#8220; ein "Schnarchen&#8220; wurde, ist leicht nachvollziehbar. Au&szlig;erdem aber, so Grimm &#8211; und jetzt komme ich zur Pointe &#8211; wird das Wort auch im Sinne von "mausen&#8220; gebraucht. "Mausen&#8220; (falls Ihnen &#8211; wie mir &#8211; dieses Wort unbekannt ist) beschreibt zun&auml;chst das leise &#8222;Piepsen&#8220; einer Maus, dann aber das stille Heranschleichen des Nagetiers. Schlie&szlig;lich wird es als gleichbedeutend mit "klauen&#8220; verwendet. Vom "Humsen&#8220; im Sinn von "mausen&#8220; ist es freilich ein kurzer Sprung zu "behumsen&#8220;. <br />
<br />
Aber zur&uuml;ck zum "Wort des Jahres&#8220;. Auch wenn ich wei&szlig;, dass ich den Mitmachetermin verpasst habe, m&ouml;chte ich hiermit "behumsen&#8220; als Wort des Jahres vorschlagen. Ich quickeliere mit meiner Dreistigkeit nicht. Was ist eine "Finanzkrise&#8220; oder "Wirtschaftskrise&#8220; wirklich? Es sind lediglich Endprodukte eines langen verh&auml;ngnisvollen Prozesses. Ich m&ouml;chte also lieber die Ursache f&uuml;r den Zustand als Wort des Jahres hervorheben als die Wirkung. Denn es bedarf jeder Menge "Behumser&#8220;, um eine ordentliche "Finanzkrise&#8220; auf den Weg zu schicken.]]></description>
    <dc:creator>Sprach-Blog</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Sprach-Blog</dc:rights>
    <dc:date>2008-12-16T11:58:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://blogs.pm-magazin.de/SprachBlog/stories/33535/">
    <title><![CDATA[Von Spaßvögeln und Spießern]]></title>
    <link>http://blogs.pm-magazin.de/SprachBlog/stories/33535/</link>
    <description><![CDATA[Vor wenigen Tagen hat mir Freund Wolfgang Goede (siehe rechts den Hinweis auf seinen Blog "Open Science&#8220;) ein Buch zukommen lassen: "Happy Aua 2&#8220;, geschrieben vom sprachglossierenden Kollegen Bastian Sick. Leider hatte ich tagelang keine Zeit, darin zu schm&ouml;kern. <br />
<br />
Dann kam gestern Abend ein Nachbar vorbei, um bei mir etwas im Internet nachzuschlagen. Pl&ouml;tzlich h&ouml;rte ich aus meinem Arbeitszimmer ein Schmunzeln. Dann ein Kichern. Bald lachte er mit voller Stimme. <br />
<br />
"Was hast du denn?&#8220; fragte ich.<br />
<br />
"Ich lese in diesem Buch von Bastian Sick&#8220;, antwortete er. Was hei&szlig;t antworten? W&auml;hrend er sprach, kullerten ihm die Lachtr&auml;nen herunter. Er konnte sich kaum mehr beherrschen.<br />
<br />
Nun wurde ich neugierig und nahm mir etwas Zeit, um "Happy Aua 2&#8220; n&auml;her kennen zu lernen. Es hei&szlig;t "2&#8220;, wie ich schnell erfuhr, weil es bereits einen mir unbekannten Vorg&auml;nger gibt, der einfach "Happy Aua&#8220; hei&szlig;t. Einer Fortsetzung den gleichen Namen wie den des Vorg&auml;ngers zu verleihen, kann nur bedeuten, dass der Titel sich schon gut verkauft hat. Sowas wissen die Werbefachleute aus Erfahrung. Deswegen werden manche Kinofilme wie "Texas Chainsaw Massacre&#8220; oder "Halloween&#8220; sauber durchnummieriert. <br />
<br />
Aber zur Sache. "Happy Aua 2&#8220; ist eigentlich ein Bilderband. Auf etwa 150 Seiten werden Texte aus Zeitungen, aus der Werbung, von Plakaten usw. bunt abgebildet. Der Clou: Die Texte sind nie ganz fehlerfrei. Mal geht es um einen grammatischen Patzer, mal um die Rechtschreibung und mal um die Unsch&auml;rfe der Formulierungen. Hier einige Beispiele: Auf einem Informationsschild von Burg Rheinfels bei St. Goar liest man Folgendes, "Das Werfen von Gegenst&auml;nde ist verboten&#8220;. Das "n&#8220; im Wort "Gegenst&auml;nde&#8220; hat der Schilddrucker also verschlampt. Oder unter dem Suchbild eines putzigen kleinen Hunds haben die Besitzer geschrieben "Wir vermiesen unsere kleine Chihuahua Hundin, kurz- und rothaarig&#8230;Wir vermiesen sie sehr, und besonderes unsere zwei Kinder.&#8220; Oder dieses hastig gekritzelte Plakat eines aufgeregten neuen Vaters an der Eingangst&uuml;re seines Berliner Lokals: "Wegen der Geburt meiner Frau heute geschlossen.&#8220;<br />
<br />
Kurzum: Das Buch ist schnell zu verdauen und &#8211; wie die Reaktion meines Nachbarn bezeugt &#8211; &auml;u&szlig;erst unterhaltsam. Auch ich fand manches lustig, wenn ich ehrlich bin. Dar&uuml;ber hinaus ist es mit einem weichen Plastikumschlag versehen, wie man ihn von den kleinen Langenscheidt W&ouml;rterb&uuml;chern her kennt. Sehr handsam also, und gut in der U-Bahn oder auf der Reise mitzunehmen. <br />
<br />
Mich irritiert nur eins: Der Inhalt hat ausschlie&szlig;lich den Zweck, andere Menschen wegen ihrer Sprachfehler bzw. Gedankenlosigkeit l&auml;cherlich zu machen. Meiner Meinung nach ist es keine Kunst, sich &uuml;ber den anderen zu mokieren. So denke ich zwangsl&auml;ufig an das Wort "Spie&szlig;er&#8220; (s. Sprachbloggeur 13. Oktober 2006), einen Begriff, den man fast ausnahmslos auf den anderen und &auml;u&szlig;erst selten auf sich selbst bezieht. <br />
<br />
Ganz ehrlich: Wer will wohl auf die eigene Spie&szlig;igkeit hinweisen oder sich &uuml;ber eigene (Sprach)fehler lustig machen, wenn das Verspotten Anderer allemal einfacher ist? Wer sich an der Dummheit der anderen erg&ouml;tzt, kann sich schon jetzt auf die n&auml;chste Folge der "Happy Aua&#8220;-Serie freuen.]]></description>
    <dc:creator>Sprach-Blog</dc:creator>
    
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