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Nomen est Omen

O-Ton Fränkisches Volkblatt vom 24. Januar 1896: „Professor Röntgen sprach gestern Abend in der Physikalischen Gesellschaft vor Professoren und Generälen über seine X-Strahlen…Professor Kölliker schlägt vor, die neue Erfindung ‚Röntgen-Strahlen’ zu nennen (stürmischer Beifall). Röntgen dankt tief gerührt.“

Liebe Surferinnen und Surfer, Sie sehen – fast auf die Minute – , wie das Deutsche zu einem neuen Wort gekommen ist. Nicht irgendein Wort: Hier wird der Name eines Individuums zum Namen eines Gebrauchsgegenstands verwandelt. Und weil „Röntgen“ ganz zufällig der Form des deutschen Zeitworts gleicht, begann man außerdem mehr oder weniger spontan den Professor zu beugen: Ich röntge, du röngtst usw.

Doch wer nun glaubt, dass die Verwandlung eines Eigennamens in eine Vokabel eine Ehrerbietung ist, der täuscht sich.

Beispiel Mr. Thomas Crapper, englischer Installateur und Porzellanschüsselhersteller aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts: Sein Firmenname, damals allgegenwärtig in den öffentlichen Anstalten, wird noch immer in England im Sinne von „Toilette“ verwendet. Gleiches gilt für Monsieur Eugène Poubelle. 1884 verordnete dieser Stadtverwalter die Aufstellung einer Hausmülltonne vor jedem Mietshaus in Paris. Sein Name wurde in der französischen Sprache in der Bedeutung von „Mülltonne“ verewigt. Oder Vidkun Quisling, norwegischer Ministerpräsident, der während des Zweiten Weltkriegs gemeinsame Sachen mit Hitler machte: „Quisling“ steht bis heute in verschiedenen europäischen Sprachen (Englisch, Italienisch, Norwegisch, Dänisch, Schwedisch, Isländisch, Niederländisch, Griechisch, Kroatisch und Serbisch) für „Verräter“.

Und dito der amerikanische Regierungsbeamte William Lynch, Urheber der sogenannten „Lynch laws“, die während der amerikanischen Revolution für drakonische Ordnung in einer chaotischen Zeit sorgten. Wer möchte wohl „gelyncht“ werden?

Ich merke: Ich habe heute eine kleine Moritat geschrieben.

Doch es gibt auf diesem traurigen Gebiet auch Positives zu berichten. Der Engländer Charles Boycott, Vorbild für Mahatma Ghandi, organisierte 1880 eine Arbeitsniederlegung in Irland, um der Ausbeutung von Arbeitern seitens eines reichen englischen Gutsherrn Einhalt zu gebieten. Leider „boykottiert“ man heute nicht nur aus Nächstenliebe.
Und natürlich nicht zu vergessen Mercedes Jelinek, die hübsche Tochter eines Geschäftsfreunds des schwäbischen Produzenten Gottlieb Daimler.

Sie verstehen, worauf ich hinaus will.

Fazit: Bevor Sie zu einem Schlagwort werden, vergessen Sie nicht zu fragen, was Sie bedeuten werden.

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