Ein "Goth" zwei "Goths"
Schon lange will ich mich – Leser (Leserin?) "Benzinkanister“ zuliebe – weit aus dem Fenster lehnen.
"Benzinkanister“ hat mich animieren wollen, etwas über die "Goths“ zu schreiben. Ich hatte nämlich in meiner Glosse über die "Atzen“ die Goth-Kultur kurz erwähnt und verriet dabei meine Ignoranz, indem ich die Mehrzahl von "Goth“ mit "Gothen“ wiedergab. "Benzinkanister“ hat mein Unwissen sanft und freundlich gerügt. Nun weiß ich Bescheid: Wenn vom altgermanischen Stamm die Rede ist, heißt es in der Mehrzahl "Goten“. Meine Version, also "Gothen“, ist absolut falsch, eine Hybride aus Englisch und Deutsch.
Eins fällt mir zum Thema "Goths“ spontan ein. Die Aussprache dieses Wortes bereitet vielen Deutschen erhebliche Schwierigkeiten. Aus Gründen, die ich nicht ganz nachvollziehen kann, tun sich Deutsche besonders schwer, ein stimmloses "th“ mit einem stimmlosen "s“ zu kombinieren. Wenn ein Deutscher das englische "months“ ("Monate“) sagt, klingt es häufig wie "mann-thess“. Mit "Goths“ muss es wohl ähnlich sein. Meine Frage: Sagen manche in der Szene "Ga-thess“ oder spricht man das Wort aus wie ich es tue, also in einer Silbe? Nebenbei: Das gleiche Ausspracheproblem kommt in der stimmhaften Variante dieses Phänomens vor. Aus "clothes“ ("Kleider“) wird "klo-thes“ (das "s“ wird hier wie in "Sonne“ gesprochen). Manchmal kann Englisch wirklich tückisch sein.
Über die Subkultur der "Goths“ kann ich freilich wenig Neues beitragen. Wer wirklich mehr darüber erfahren möchte, findet sicherlich mindestens 3 Millionen eingschlägige Webseiten – unter ihnen den ellenlangen Eintrag bei "Wikipedia“.
Mir war auf alle Fälle neu, dass die Goths – zumindest "Wikipedia“ zufolge – aus der Punk- und Wave-Kultur entstanden sind. Ich erinnere mich sehr gut an diese beiden Subkulturen. Ich habe sie nämlich zu ihrer Anfangszeit kennengelernt und beobachtet. Aus diesem Grund bezweifele ich, dass diese Ableitung ganz gültig sein kann.
Ich vermute nämlich einen noch früheren Einfluss auf die Goths – nicht nur bezüglich der Gothicgardrobe, sondern das ganze finstere Gehabe betreffend. Ich denke an die "Addams Familie“ vom Zeichner Charles Addams. Kennen Sie sie? Diese makabre, schwarz gehüllte Gruselfamilie gab es bereits in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts. Damals erschienen Addams Zeichnungen wöchentlich in der Zeitschrift "New Yorker“. Es handelt sich um eine richtige Außenseiterfamilie in Vampirlook. Später wurde daraus eine Fernsehserie. Der spielerische Umgang mit dem Gruseligen unter Goths hat meiner Meinung nach Charles Addams einiges zu verdanken.
Interessant finde ich übrigens, dass das Wort "Grufti“ ursprünglich im Gothicwortschatz gebraucht wurde, um eine(n) aus der Szene zu typisieren. Beinahe klingt es wie hehre Ironie, dass es heute verwendet wird, um einen wie mich zu schildern. Tja, so schnell können sich die Wörter ihren Sinn ändern.
Subkulturen sind wohl wie Sprachen – ständig dem Wandel unterworfen. Darüber hinaus präsentieren sie sich nicht selten in Form von "Dialekten“. Dann ist die Rede von einer "Subsubkultur“.
Als eingefleischter Nichtkenner der Goth-Szene wage ich zu sagen, dass ich in den Sehnsüchten der Goths Empfindungen entdecke, die ich auch bei den "Präraffaeliten“ kenne. Noch nie davon gehört? Das war eine Gruppe junger Engländer, die Anfang der 50er Jahre des 19. Jahrhunderts die allererste Avantgardebewegung in der Geschichte der Kunst bildeten. Dante Gabriel Rossetti und John Everett Millais heißen zwei der wichtigsten aus diesem Zirkel von Schriftstellern und Malern. Auch sie waren gewissermaßen in den Tod und in finstere Gefühle verliebt – ein bisschen wie übrigens auch Goethes Werther. Die "Präraffaeliten“ zogen sich zwar nicht dunkel an – damals hatte man weniger Möglichkeiten, das Aussehen radikal zu gestalten – , aber ihre Werke vermitteln Sehnsüchte und Gefühlswelten, die viele spätere Generationen von Jugendlichen beeinflusst haben.
Sind die Goths mit den Präraffaeliten – oder gar mit Werther – verwandt? Keine Ahnung. Ich bin nur dabei, mich "Benzinkanister“ zuliebe aus dem Fenster zu lehnen.
"Benzinkanister“ hat mich animieren wollen, etwas über die "Goths“ zu schreiben. Ich hatte nämlich in meiner Glosse über die "Atzen“ die Goth-Kultur kurz erwähnt und verriet dabei meine Ignoranz, indem ich die Mehrzahl von "Goth“ mit "Gothen“ wiedergab. "Benzinkanister“ hat mein Unwissen sanft und freundlich gerügt. Nun weiß ich Bescheid: Wenn vom altgermanischen Stamm die Rede ist, heißt es in der Mehrzahl "Goten“. Meine Version, also "Gothen“, ist absolut falsch, eine Hybride aus Englisch und Deutsch.
Eins fällt mir zum Thema "Goths“ spontan ein. Die Aussprache dieses Wortes bereitet vielen Deutschen erhebliche Schwierigkeiten. Aus Gründen, die ich nicht ganz nachvollziehen kann, tun sich Deutsche besonders schwer, ein stimmloses "th“ mit einem stimmlosen "s“ zu kombinieren. Wenn ein Deutscher das englische "months“ ("Monate“) sagt, klingt es häufig wie "mann-thess“. Mit "Goths“ muss es wohl ähnlich sein. Meine Frage: Sagen manche in der Szene "Ga-thess“ oder spricht man das Wort aus wie ich es tue, also in einer Silbe? Nebenbei: Das gleiche Ausspracheproblem kommt in der stimmhaften Variante dieses Phänomens vor. Aus "clothes“ ("Kleider“) wird "klo-thes“ (das "s“ wird hier wie in "Sonne“ gesprochen). Manchmal kann Englisch wirklich tückisch sein.
Über die Subkultur der "Goths“ kann ich freilich wenig Neues beitragen. Wer wirklich mehr darüber erfahren möchte, findet sicherlich mindestens 3 Millionen eingschlägige Webseiten – unter ihnen den ellenlangen Eintrag bei "Wikipedia“.
Mir war auf alle Fälle neu, dass die Goths – zumindest "Wikipedia“ zufolge – aus der Punk- und Wave-Kultur entstanden sind. Ich erinnere mich sehr gut an diese beiden Subkulturen. Ich habe sie nämlich zu ihrer Anfangszeit kennengelernt und beobachtet. Aus diesem Grund bezweifele ich, dass diese Ableitung ganz gültig sein kann.
Ich vermute nämlich einen noch früheren Einfluss auf die Goths – nicht nur bezüglich der Gothicgardrobe, sondern das ganze finstere Gehabe betreffend. Ich denke an die "Addams Familie“ vom Zeichner Charles Addams. Kennen Sie sie? Diese makabre, schwarz gehüllte Gruselfamilie gab es bereits in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts. Damals erschienen Addams Zeichnungen wöchentlich in der Zeitschrift "New Yorker“. Es handelt sich um eine richtige Außenseiterfamilie in Vampirlook. Später wurde daraus eine Fernsehserie. Der spielerische Umgang mit dem Gruseligen unter Goths hat meiner Meinung nach Charles Addams einiges zu verdanken.
Interessant finde ich übrigens, dass das Wort "Grufti“ ursprünglich im Gothicwortschatz gebraucht wurde, um eine(n) aus der Szene zu typisieren. Beinahe klingt es wie hehre Ironie, dass es heute verwendet wird, um einen wie mich zu schildern. Tja, so schnell können sich die Wörter ihren Sinn ändern.
Subkulturen sind wohl wie Sprachen – ständig dem Wandel unterworfen. Darüber hinaus präsentieren sie sich nicht selten in Form von "Dialekten“. Dann ist die Rede von einer "Subsubkultur“.
Als eingefleischter Nichtkenner der Goth-Szene wage ich zu sagen, dass ich in den Sehnsüchten der Goths Empfindungen entdecke, die ich auch bei den "Präraffaeliten“ kenne. Noch nie davon gehört? Das war eine Gruppe junger Engländer, die Anfang der 50er Jahre des 19. Jahrhunderts die allererste Avantgardebewegung in der Geschichte der Kunst bildeten. Dante Gabriel Rossetti und John Everett Millais heißen zwei der wichtigsten aus diesem Zirkel von Schriftstellern und Malern. Auch sie waren gewissermaßen in den Tod und in finstere Gefühle verliebt – ein bisschen wie übrigens auch Goethes Werther. Die "Präraffaeliten“ zogen sich zwar nicht dunkel an – damals hatte man weniger Möglichkeiten, das Aussehen radikal zu gestalten – , aber ihre Werke vermitteln Sehnsüchte und Gefühlswelten, die viele spätere Generationen von Jugendlichen beeinflusst haben.
Sind die Goths mit den Präraffaeliten – oder gar mit Werther – verwandt? Keine Ahnung. Ich bin nur dabei, mich "Benzinkanister“ zuliebe aus dem Fenster zu lehnen.
Sprach-Blog - 7. Okt, 12:55


Die Krux mit dem THE
wieder einmal erwähnen Sie in Ihrem Artikel einen Blogleser, der Sie in Ihrem Umgang mit dem Deutschen berichtigt und auf Fehler hinweist. Im Gegensatz dazu erhellen sie den deutschen Geist mit "Insider"-Informationen über das richtige Englisch (worüber ich immer SEHR dankbar bin).
Von mir selbst würde ich behaupten, ein recht passables "Tieäitsch" über die Lippen zu bekommen, aber nach Ihren Ausführungen über clothes, months und dem schon etwas länger zurückliegenden hinweis über die Aussprache von "new" bin ich mir wiedereinmal unsicher, ob ich denn immer richtig spreche. Von deutschen Lehrern mit - in Worten - null Auslandsaufenthalt unterrichtet, geht es mir wie sicher auch zahlreichen anderen, die nie gelernt haben, Englisch richtig auszusprechen. Wenn ich aber höre wie manch anderer mit deutschen Wurzeln versucht, englische Vokabeln zu formulieren, merke selbst ich als Deutscher, dass dies im Ohr eines Muttersprachlers Leiden zu verursachen vermag. Ich selbst hatte neulich das Vergnügen, einen anatolischen Einwanderer mit schwäbischem Dialekt zu hören - bis heute bin ich mir unsicher, ob es schmerzlich oder humorig war, aber auf jeden fall unvergesslich, Sie kennen da sicher die eine oder andere interessante Anekdote. Vielleicht kann ich Sie ja aber auch dazu animieren, Ihr fundiertes Wissen über richtiges Englisch mit uns zu teilen? Es dürfte dem Sprachbloggeur doch ein Leichtes sein, die Top-10 der schlimmsten Aussprachefehler von Deutschen im Englischen aufzuführen und uns dabei zu helfen unser aller schlechtes Schulenglisch aufzupolieren. Zumindest mir, der ich ab und zu englische Kontakte geschäftlicherseits bemühen muss, ist dies ein großes Anliegen, zumal ich weder Zeit noch Gelegenheit habe, die lehrreiche Erfahrung eines Auslandsaufenthalts in englischsprachigen Gefilden erleben zu dürfen. Trotzdem habe ich den Ehrgeiz, wenn schon Fremdsprache sprechen, dann auch möglichst richtig.
So verbleibe ich dann mit Hoffnung auf ein bißchen Schützenhilfe und freundlichem Gruß!
Ein schöner Vorschlag,