Ein Weblog von



Schriftsteller
P.J. Blumenthal

Aktuelle Beiträge

Ich bin mit dem Platt...
Ich bin mit dem Platt meiner Familie (Oma, Opa, Mama..)...
Carina - 21. Mai, 16:32
Englisch lernen
Schnell und einfach Englisch lernen kann man indem...
Lindenwurm - 2. Mai, 15:38
Smile is the lubricant...
Smile is the lubricant of social interaction, in order...
Outlet Air Max 2013 - 24. Mrz, 14:11
Atze?
Schröder?:-)) Vieleicht sind ja Typen gemeint,...
Ömer - 16. Feb, 14:36
outlet nike air max shoes
Mona Lisa's smile gives a sun warmth.
outlet nike air max - 2. Feb, 03:25

RSS-Feed

Bleiben Sie auf dem Laufenden!
xml version of this page
xml version of this page (summary)
xml version of this page (with comments)

Suche

 

Archiv

Januar 2009
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 
 1 
 3 
 4 
 5 
 7 
 8 
10
11
12
14
15
17
18
19
21
22
24
25
26
28
29
31
 
 
 

Mein Problem mit dem Telefon

Meine Eltern haben mir schon im zarten Kinderalter richtige Telefonmanieren eingeschärft: "Du muss zuerst 'hello’ sagen. Auf keinen Fall darfst du deinen Namen angeben, es sei denn, wir kennen den Anrufer.“

Ich habe mir diese Anweisungen sehr zu Herzen genommen. Wenn das Telefon klingelte (damals war es wirklich ein Klingeln – in jedem Telefon steckte nämlich eine richtige Klingelmechanik aus blitzendem Stahl), sagte ich "Hello?“.

"Mit wem spreche ich?“ fragte der Anrufende manchmal.

"Das sage ich nicht,“ antwortete ich, "Mit wem spreche ICH?“ Ich blieb immer sehr stur – und bleibe es auch heute.

Im Ernst. Bis heute fahre ich in dieser Weise fort. So sehr habe ich die Frucht meiner Erziehung verinnerlicht.

Warum es mir verboten wurde, mehr als "hello“ als Telefongruß zu bieten, ist mir allerdings nicht bekannt. Hatten wir Angst vor Einbrechern? vor Entführern? Keine Ahnung. In einer Großstadt wie New York wollte jeder vielleicht die Illusion seiner Anonymität bewahren.

Obiges nur zur Einleitung. Heute liegt mir der Vorwurf meiner Söhne am Herzen, dass meine Telefonbegrüßung ausgesprochen unfreundlich klingt. Nebenbei: Ich bin längst vom amerikanischen "hell-O-u?“ (so klingt es in deutschen Ohren) abgerückt. Eine Zeit lang zog ich ein fragendes, deutsches "Hal-LO-o?“ vor. Freunde und Verwandte in den USA haben sich immer über mein deutsches "Hallo?“ lustig gemacht.

Seit geraumer Zeit bin ich zu einem "Ja-a?“ übergegangen. Dieses "Ja-a?“ gefällt meinen Söhnen wiederum gar nicht. Sie meinen, damit klänge ich noch unfreundlicher als üblich. Inzwischen habe ich das "Ja-a?“ ein wenig frisiert und trillere stattdessen ein munteres "Já-aa!“ in den Hörer. Die erste Silbe ertönt stets etwas höher als die zweite.

"Warum meldest du dich nicht einfach mit Nachnamen, wie jeder es hierzulande tut.“

"Ich kann nicht über meinen Schatten springen“, antworte ich defensiv. "Es geht mir ganz gegen den Strich, einem Anrufenden meinen Namen zu verraten. So wurde ich halt erzogen.“

"Aber zumindest freundlich“, sagt der eine Sohn. "Im Büro melde ich mich immer mit Nachnamen. Dann spreche ich die Leute stets mit ihren Namen an, Herr soundso, Frau soundso. Man mag das, es klingt ja persönlich, fürsorgend.“

"Und mein 'Já-aa!’, klingt es nicht melodisch?“

"Meine Freunde denken, du bist immer schlecht gelaunt“, sagt der andere Sohn.

Inzwischen weiß ich, dass man sich am Telefon nur in den wenigsten Ländern mit dem Nachnamen meldet. Dazu zählen Deutschland und Finnland. Notabene: In Finnland nannte man das dortige Geld vor Einführung des Euros "Mark“.

Alexander Graham Bell, der Erfinder des Telefons, hatte sich über eine passende Telefonanrede einige Gedanken gemacht. Sein Vorschlag im Jahr 1876 war "Ahoy!“, so wie die Matrosen zueinander rufen. Die Tschechen haben dieses "Ahoy!“ längst zu einer ganz normalen Begrüßungsfloskel auf der Straße verwandelt. Sonst hat das "Ahoy!“ nirgends Wurzeln schlagen können.

Die Italiener sagen lieber "pronto“ ("fertig“, "bereit“, d.h.: "Ich bin bereit am Apparat zu reden“). Durch ganz Europa hat sich aber zumeist irgendeine Form von "Hallo“ – das gilt auch für das spanische "Hola!“ – durchgesetzt. Japaner sagen übrigens "moshi moshi“. Keine Ahnung, was es bedeutet.

Ich überlege, ob ich eines Tages mein "Ja?“ in ein "Ja, bitte?“ verändern soll. Ich weiß nicht. Mir erscheint "Ja, bitte?“ viel zu kaltschnäuzig. Geschmackssache halt.

Wenn Alexander Graham Bell gewusst hätte, wie kompliziert das Telefonieren werden würde, hätte er bestimmt etwas ganz anders erfunden – vielleicht das Emailen – ist ohnehin viel praktischer.
Andreas Séché - 20. Jan, 16:11

Moshimoshi

Das japanische "moshi moshi" wird gemeinhin als "Hallo" übersetzt, in Japan als Grußformel allerdings nur am Telefon benutzt. Angeblich ist es auf das Wort "mosu" (申す) zurückzuführen, was "sagen, erzählen" bedeutet.
Außerhalb des Telefon hat moshi moshi noch zwei Bedeutungen:
- "Hallo" im Sinne eines Ansprechens (He, Sie da!)
- "Hallo" im Sinne von "Hallo?? Hörst Du mir zu?" an jemanden gerichtet, der abwesend wirkt oder nicht mitgedacht hat.
In Deutschland hat "moshi moshi" durch die Manga- und Anime-Kultur inzwischen Kultstatus.

In diesem Zusammenhang wollte ich aber ganz was anderes erzählen: Als eine japanische Freundin einmal von Deutschland aus in Japan anrief, hatte sie den Zeitunterschied nicht bedacht und ihren Gesprächspartner in Tokyo aus dem Schlaf gerissen.
Dieser entschuldigte sich dann in aller Form dafür, dass in Japan schon Nacht sei.
So geht Freundlichkeit am Telefon! :o)

Lola - 20. Jan, 19:39

Wie wär's mit.....

einem einfachen "Ja,Hallo?" zur Begrüßung am Telefon? Klingt doch freundlich und Sie müssen Ihren Namen nicht nennen;)
Mfg Lola

Sprachbloggeur - 20. Jan, 20:11

Eine gute Idee,

und danke für den Tipp, liebe Lola. Wirklich eine saubere Lösung, die ich tatsächlich ausprobieren werde. Ganz herzliche Grüße von PJB Sprachbloggeur.
Monika - 20. Jan, 21:40

Hallloh??

Ja, ich mach das auch so seit langen Jahren.... nur "hallo" sagen am Telefon. Damit nicht jeder gleich weiß, falls er sich verwählt hat, wo er gelandet ist.

Wenn dann jemand fragt, wer da ist, frage ich immer dagegen: "Wen mächten Sie denn sprechen?" Dann sehen wir, ob derjenige bei mir richtig ist. Ist auch viel interessanter, wenn die anderen fragen, ob ihre Tochter gerade mit meiner nicht existierenden Tochter spielt... ;)

Mein kurzer Nachname ist oft an der anderen Seite gar nicht richtig angekommen, da er "schon vorbei" ist bevor sie merken, daß man dran ist...

Erst, seitdem ich auch geschäftliche Anruffe bekomme, melde ich mich lieber mit "Hallooo? *murmel*" und das *murmel* ist dann "meine eine Silbe" nicht zu deutlich, wohl noch aus angeübter Zurückhaltung.

Aber das mit dem melden ist auch sone Sache, in Großbritannien melden sich viele mit der Nummer...

das find ich unmöglich, denn man hat eine Nummer, die ganz schnell und routiniert ins Ohr kommt und man merkt erstens nicht ob eine Ziffer vielleicht anders ist und ob vielleicht die Nummer, wenns eine ältere ist, einen neuen Besitzer hat... und man muß trotzdem fragen, ob man richtig bei Smith oder so gelandet ist...

Das mit den anderen Ländern wußte ich nicht, nur mit den Italienern und "pronto", aber da merkt man auch nicht ohne Fragen, ob man richtig ist, wenn man die Stimme nicht erkennt...


Das mit dem "Ahoy" find ich interessant, das kannte ich und mußte immer grinsen, daß in einem Land ohne Küste alle wie Matrosen grüßen, kommt das also vom Telefon!?

iInteressant, ich fand es immer irgendwie praktisch mit den Namen, weil man eben mit dem Menschen oder der Firma reden will und die Nummer ist Nebensache...

Allerdings mach ich das auch nicht anderes, wenn ich nur "halloohh??" in neugierigem Ton sage... mir sagte noch niemand, das es unhöflich klingt... (wohl eher überrascht??)


Herzliche Grüße,

Monika Sim

Sprachbloggeur - 21. Jan, 09:22

"Wie das Ahoj

nach Böhmen kam?" So heißt ein kurzer Aufsatz, den ich unter www.ahoj.info gefunden habe, liebe Frau Sim. Der Autor, Dietmar Bartz, behauptet, dass das "Ahoy" in den 1920er Jahren in der damaligen Tschechoslowakei unter jugendlichen Kanufahrern zum Modewort wurde. Klingt plausibel. Übrigens: Gibt es ein Rezept für Ihre Mitternacht-Tagliatelli? Neugierige Leser brauchen nur auf den "Monika"-Link zu klicken, um diese Frage zu verstehen. Herzliche Grüße von PJB Sprachbloggeur.
Monika - 21. Jan, 17:59

Tagliatelle alla mezzanotte

Lieber PJB Sprachbloggeur,

danke für Ihre Info über Ahoj.

Das Rezept für die Tagliatelle können Sie gerne bekommen. Meinen Sie die Soße, die Pasta oder beides?

Da ich diese Pasta "kochen lasse", werde ich meinen Mann danach fragen. Diese Sauce ist wirklich ganz besonders lecker: ein wenig süß-scharf und würzig, ein wenig sahnig und fruchtig.

Am Ende dieses langen Tages voller Buchstaben und Zahlen bändigen für die Suche einer Finanzierung für unsere neu gegründete kleinen Design-Gesellschaft hatte ich es endlich um kurz nach elf nachts geschafft. Alle Papiere waren fertig.

Der Magen war noch leer, denn wie das so ist, bleibt Kochen oft hinten dran.

Irgendwie mußte es wegen der Fertigstellung von den Papieren noch etwas Besonderes sein, ein weinig feiern, auch wenns nur ein Viertelstündchen ist.

Mein Mann schlug vor, noch Pasta zu machen (Bei ihm wandelt sich ein Mehlhäufchen in gut 10 Minuten zur fertigen Pasta!) und wir einigten uns auf ein Rezept, daß er einige Tage zuvor erfand.

Während ich meine Hirnzellen ordnete, fing es an, in der Küche ganz verlockend zu duften und geschäftig zu klappern... und Wusch! ging dann die Tür auf und zwei Teller bewegten sich in Richtung Tisch, auf dem schon ein Gläschen Wein wartete... es war eine gelungene Mahlzeit.

Herzliche Grüße,

Monika Sim

Sprach-Blog - 21. Jan, 18:14

Eine Sprachglosse

soll auch was Praktisches anbieten, so denke ich. Hoffentlich spreche ich im Namen meiner Leser, wenn ich Sie bitte, Frau Sim, beides, sowohl Ihr Rezept für die Sauce wie auch das Ihres Mannes für die Pasta, mit uns zu teilen. Ich bin überzeugt, dass die Tagliatelle alla Mitternacht zum großen Renner werden! Ganz herzlich, PJB Sprachbloggeur.
Monika - 22. Jan, 23:40

Zeit für Pasta

Lieber Herr Sprachbloggeur,

gerade habe ich Zeit gehabt, unser Rezept der mitternächtlichen Teigwaren auf meinen Blog zu setzen.

So können auch meine anderen neugierig gewordenen Blogleser das Rezept gleich mitbekommen.

Außerdem habe ich es noch etwas illustriert... konnte nicht wiederstehen, die wartenden Massen darzustellen...

Ach ja, Glosse... im Sinne von Zunge paßt ein gutes Kochrezept natürlich voll dazu.

Viel Erfolg und Spaß beim Nachkochen!

Rezept siehe unter meinem Link!

Herzliche Grüße,

Monika Sim

Sprachbloggeur - 23. Jan, 09:19

Recht haben Sie,

liebe Frau Sim. Glosse bedeutet Zunge. Ihnen und Ihrem Mann vielen herzlichen Dank für die Freude, die Sie allen Zungen bereitet haben. Genießer empfehle ich den "Monika"-Link zügig anzuklicken. Guten Appetit allen. Ganz herzlich, PJB Sprachbloggeur.
pappe - 9. Feb, 12:34

Namen sind doch Schall und Rauch.

Sagt nicht schon Shakespeare, die Rose würde auch lieblich duften, wenn sie Hundehaufen hieße? Naja, zumindest so ähnlich. Daß man sich am Telefon mit Namen meldet, wurde mir ebenso als Kind eingbläut (verbal, nicht taktil, versteht sich), wie Ihnen, dies nicht zu tun. Vielleicht stammt diese Sitte aus der Zeit , in der sich das Fräulein vom Amt so besser vergewissern konnte, daß sie sich nicht verstöpselt hat beim Verbinden. Merkwürdigerweise wurde uns als Kinder erzählt, wie man sich am Telefon zu melden habe, obwohl damals in unserem DDR-Mietshäuschen nur eine Partei wirklich ein Telefon besaß, nämlich genau die Partei die auch in der Partei war, sozusagen.
Während meines Wehrdienstes wurde die Namensäußerung dann gezwungenermaßen noch durch Dienstgrad und Dienststelle ergänzt "Obergefreiter Mustermann, Stab Lufttransportgeschwader 62 Wunstorf, Truppenverwaltung, schönen guten Morgen..." - mancher hatte da schon wieder aufgelegt.
Als ich dann zum Studium in eine WG einzog, einigten wir uns schnell darauf, den Namen am Telefon wegzulassen, waren doch Eltern und Omis regelmäßig irritiert, wenn sich nicht der Sprössling sondern ein völlig anderer Name am anderen Ende meldete. Ein "Jaaa?" gefolgt vom "Hier is die Oma, Matze, bist du das?" oder so ähnlich war der Beginn der meißten Telefonate.
Die Angst Ihrer Eltern, jemand Fremden den eingenen Namen zu verraten kann man heute ja zum Glück dank moderner Technik eliminieren. Die Rufnummernübermittlung zeigt einem ja deutlich, woher es klingelt. Bei mir geht das soweit, daß unbekannte Rufnummern gern auch mal völlig ignoriert werden, aber - jetzt wirds wirklich eigenartig - gerade wenn meine Eltern anrufen oder ich sie antelefoniere, meldet sich wieder jeder von uns mit Nachnamen am Telefon, obwohl nun gerade dann ja jeder schon im Vornhinein weiß, wer am anderen Strippenende sitzt - merkwürdig.
Mal ganz abgesehen von der Tatsache, daß das Telefon eine Erfindung des deutschen Physikers Johann Philipp Reis ist, auch wenn die Italiener das auch noch anders sehen :-)

Trackback URL:
http://blogs.pm-magazin.de/SprachBlog/stories/35236/modTrackback


logo

Der Sprachbloggeur

P.M. Menü

Neues vernetzt