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Dienstag, 2. Oktober 2007

„Wissenschaftsjournalismus hat viele Gesichter“

Im letzten Blog hatten wir Professor Winfried Göpfert vorgestellt, der an der FU Berlin den ersten deutschen Lehrstuhl für Wissenschaftsjournalismus aufgebaut hat. Dieser Ausbildungsgang stößt bei Studierenden auf so großes Interesse, dass er mittlerweile von vielen anderen deutschen Universitäten angeboten wird. Hier kommt jetzt eine Studentin zu Wort. Christina Merkel (die Zweite von rechts) wird an der Hochschule Darmstadt zur Wissenschaftsjournalistin ausgebildet. Beim Praktikum in der P.M.-Redaktion zeigte sie, dass sie für den Berufsalltag bereits gut vorbereitet ist.


Bild-22


Die Idee

Viertes Semester: Praxisphase. Drei Monate Arbeitsluft schnuppern. Von der Hochschule in die „richtige“ Welt. Meine Kommilitonen sind gerade über ganz Deutschland verteilt: Heidelberg (Spektrum der Wissenschaft), Ludwigshafen (BASF), Hamburg (Welt der Wunder), Mainz (ZDF), Berlin (Charieté, taz), Frankfurt (hr). Ich in München, bei P.M. Wir studieren Wissenschaftsjournalismus. Und machen Praktikum in Wissenschaftsredaktionen, -ressorts und -pressestellen. So die Idee.

„Das kann man studieren?“

An meinem ersten Tag in der Redaktion stelle ich mich mehrmals vor. Alle sind sehr nett und interessiert: „Wer bist du? Woher kommst du? Was studierst du?“ Hallo, Christina Merkel. Ich komme aus Neustadt an der Aisch, das liegt zwischen Nürnberg und Würzburg. Ich studiere Wissenschaftsjournalismus (Poster).

Überraschte Gesichter: „Das kann man studieren?“

Ja, in Darmstadt, der Studiengang ist dort neu. Wir sind der erste Jahrgang. „Und was lernt ihr da so?“ Wir haben Bio, Chemie, Physik und Journalistik. „Sehr gut!“, ist die häufige Antwort.


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Überraschung – die Zweite

Ich bin überrascht, als ich beim Chef lande. Die gleichen Fragen – eine andere Antwort: „Ihnen ist bewusst, dass wir hier keinen Wissenschaftsjournalismus machen?“ Schluck. Ähm, sondern? „Wir schreiben hier nicht für eine Wissenschaftscommunity.“ Ok, die Zielgruppe von P.M. sind keine Diplom-Biologen, die den ganzen Tag im Labor stehen. Das ist mir klar. Wissenschaftsjournalismus hat viele Facetten.

Erstaunt lese ich von den Erlebnissen meiner Vorgängerinnen. Sie studieren European Studies oder Publizistik- und Kommunikationswissenschaft. Bei P.M. lernten sie schwimmen und kämpften mit Elefanten. Wissenschaftsjournalismus? Ziemlich weit weg für sie.

Bin ich doch verkehrt hier?

Nein. Genau richtig. Meine Arbeit hier hat mir sehr viel Spaß gemacht. Ich habe mich in die Physik der Schwarzen Löcher und in Gehirnforschung eingelesen. Und fand es super! Doch am tollsten war das Gefühl in der Hochschule genau das gelernt zu haben, was ich hier sehr gut gebrauchen konnte: Wissenschaftliche Grundkenntnisse und gleichzeitig die Fähigkeit komplizierte Physik auch für die Englischlehrerin aus Schwabing verständlich zu machen.

Das Ergebnis

In einer Woche beginnt mein fünftes Semester. Ich bin schon sehr gespannt, was meine Kommilitonen von ihren Praxisstellen berichten werden. Wir werden alle unsere Erfahrungen austauschen. Eindrücke sammeln aus Wissenschaftsredaktionen, -ressorts und -pressestellen in ganz Deutschland. Was ich erzählen werde:

Wissenschaftsjournalismus hat viele unterschiedliche Gesichter. Weil er viele unterschiedliche Menschen erreichen soll.


Bild-20-Kopie


Das Darmstädter Studium ist ausgesprochen praxisnah. Die Studierenden des Bachelor Studiengangs Wissenschaftsjournalismus, darunter unsere Autorin, produzierten bereits im dritten Semester ein ganzes Magazin über Bio-Technologien. Sein Titel: Bio ist, was ihr draus macht. Darin finden sich so kurzweilige und lesenswerte Artikel wie etwa: „Experimente für zu Hause: Sprudel, blubber, kleb“. Oder: „Kühe, die Energieträger der Zukunft. Sie setzen den Klimakiller Methan tonnenweise frei. Dieses Gas könnte als Treibstoff und Stromquelle der Zukunft dienen."
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