Journalismus unterm Hakenkreuz
Journalisten sind kritische Zeitgenossen, doch ihrer jüngeren Geschichte standen sie bisher eher gleichgültig gegenüber.Während die großen Wirtschaftsunternehmen und Wissenschaftsorganisationen ihre Historie im Dritten Reich zum großen Teil durchleuchtet haben, ist über die der Journalisten noch wenig bekannt. Das ändert sich, hoffen wir von der Journalistenvereinigung für wissenschaftlich-technische Publizistik TELI und eröffnen hiermit die Auseinandersetzung darüber. Unser Verband hat seine Anfänge von 1929 bis 1945 unter die Lupe genommen. Die ersten Ergebnisse dieser Studie präsentierten und diskutierten wir auf dem Euroscience Open Forum ESOF 2008 in Barcelona.

Die TELI-Gründer, prominente Journalisten der Weimarer Republik, ließen sich von einem bemerkenswert modernen Gedanken leiten. Sie wollten ihre Leser über komplizierte wissenschaftlich-technische Sachverhalte aufklären und den Dialog zwischen Forschern und Bürgerschaft in Gang bringen. Als 1933 die Nazis an die Macht kamen, ließ sich die TELI rasch von ihnen vereinnahmen und der anspruchsvolle Ansatz fiel in sich zusammen. Das Regime setzte auf Technik, förderte den Ausbau von Rundfunk und die Entwicklung des Fernsehens, verkündete das Auto für Jedermann.
Das kam gut an bei den Technikjournalisten, die die politisch-propagandistischen Absichten hinter diesem Feuerwerk der Technik nicht wahrhaben wollten. Des weiteren lockten lukrative Karrieren, etwa in den Pressestellen der Ministerien und kriegswichtigen Industrien. Die TELI-Journalisten dienten sich immer mehr den braunen Herrschern an, übernahmen Nazi-Jargon wie „Die Ingenieure sind an der Front, jeder Deutsche ist ein Soldat“.

TELI-Mitbegründer Hans Dominik, der im Ruf eines „deutschen Jules Verne“ stand, bot Goebbels sogar an, seine Zukunftsromane nationalsozialistisch nachzurüsten. 1939 zu seinem zehnten Geburtstag gab der Journalistenverband sein letztes Stückchen Freiheit auf: Er akzeptierte ein Geschenk der Parteiführung und ließ sich technopolitisch schulen. Fortan hatte die TELI nur noch ein Thema, Waffen und Rüstung.
Mehr als die Hälfte der 110 Verbandsmitglieder unterstützten nicht nur die Nazi-Ideologie, sondern sie halfen diese aktiv sowie aus freien Stücken zu verbreiten und „machten sich schuldig“, resümiert der Berliner Journalist Hans Christian Förster, Leiter der Untersuchung. Nach dem Krieg behaupteten die TELI-Mitglieder zwar, so wie alle NS-Täter, dass sie zur Mitarbeit gezwungen worden seien. Das ist ein Mythos, zeigt die Studie. Kein Trost: Die deutschen Wissenschaftsorganisationen kollaborierten genauso bereitwillig mit Hitler – nur die „Deutsche Physikalische Gesellschaft“ hielt lange Zeit Distanz.

Die Max-Planck-Gesellschaft schloss die Analyse ihrer NS-Geschichte mit einem Satz, der auch für die Wissenschafts- und Technikjournalisten der TELI zutrifft und der künftige Journalistengenerationen sensibilisieren sollte, hoffen wir: „Wissenschaftler sind empfänglich für intellektuelle und moralische Korruption. Gelegenheiten werden genutzt, wenn sie mehr Einfluss und Erfolg versprechen.“

Das Echo auf unsere Studie zeigt, dass das Thema berührt. Das G+J Intranet Greenport berichtete in seinem täglichen Newsletter über „Journalisten unterm Hakenkreuz“. Im Geschichtsteil der TELI Homepage findet sich ein Video von Hans Christian Förster, der der Studie durchgeführt hat. Er konnte in Barcelona leider nicht dabei sein und wurde per Video eingespielt. Außerdem lässt sich auf der TELI Seite die Präsentation in Text und Bild „Ethics in Science Journalism: Science under the Swastika“ herunterladen sowie alle anderen Veröffentlichungen zu diesem Thema. Das Geschichtsmagazin P.M. History wird ausführlich in seiner Novemberausgabe über "Wissenschaft unterm Hakenkreuz" berichten.


Die TELI-Gründer, prominente Journalisten der Weimarer Republik, ließen sich von einem bemerkenswert modernen Gedanken leiten. Sie wollten ihre Leser über komplizierte wissenschaftlich-technische Sachverhalte aufklären und den Dialog zwischen Forschern und Bürgerschaft in Gang bringen. Als 1933 die Nazis an die Macht kamen, ließ sich die TELI rasch von ihnen vereinnahmen und der anspruchsvolle Ansatz fiel in sich zusammen. Das Regime setzte auf Technik, förderte den Ausbau von Rundfunk und die Entwicklung des Fernsehens, verkündete das Auto für Jedermann.
Das kam gut an bei den Technikjournalisten, die die politisch-propagandistischen Absichten hinter diesem Feuerwerk der Technik nicht wahrhaben wollten. Des weiteren lockten lukrative Karrieren, etwa in den Pressestellen der Ministerien und kriegswichtigen Industrien. Die TELI-Journalisten dienten sich immer mehr den braunen Herrschern an, übernahmen Nazi-Jargon wie „Die Ingenieure sind an der Front, jeder Deutsche ist ein Soldat“.

TELI-Mitbegründer Hans Dominik, der im Ruf eines „deutschen Jules Verne“ stand, bot Goebbels sogar an, seine Zukunftsromane nationalsozialistisch nachzurüsten. 1939 zu seinem zehnten Geburtstag gab der Journalistenverband sein letztes Stückchen Freiheit auf: Er akzeptierte ein Geschenk der Parteiführung und ließ sich technopolitisch schulen. Fortan hatte die TELI nur noch ein Thema, Waffen und Rüstung.
Mehr als die Hälfte der 110 Verbandsmitglieder unterstützten nicht nur die Nazi-Ideologie, sondern sie halfen diese aktiv sowie aus freien Stücken zu verbreiten und „machten sich schuldig“, resümiert der Berliner Journalist Hans Christian Förster, Leiter der Untersuchung. Nach dem Krieg behaupteten die TELI-Mitglieder zwar, so wie alle NS-Täter, dass sie zur Mitarbeit gezwungen worden seien. Das ist ein Mythos, zeigt die Studie. Kein Trost: Die deutschen Wissenschaftsorganisationen kollaborierten genauso bereitwillig mit Hitler – nur die „Deutsche Physikalische Gesellschaft“ hielt lange Zeit Distanz.

Die Max-Planck-Gesellschaft schloss die Analyse ihrer NS-Geschichte mit einem Satz, der auch für die Wissenschafts- und Technikjournalisten der TELI zutrifft und der künftige Journalistengenerationen sensibilisieren sollte, hoffen wir: „Wissenschaftler sind empfänglich für intellektuelle und moralische Korruption. Gelegenheiten werden genutzt, wenn sie mehr Einfluss und Erfolg versprechen.“

Das Echo auf unsere Studie zeigt, dass das Thema berührt. Das G+J Intranet Greenport berichtete in seinem täglichen Newsletter über „Journalisten unterm Hakenkreuz“. Im Geschichtsteil der TELI Homepage findet sich ein Video von Hans Christian Förster, der der Studie durchgeführt hat. Er konnte in Barcelona leider nicht dabei sein und wurde per Video eingespielt. Außerdem lässt sich auf der TELI Seite die Präsentation in Text und Bild „Ethics in Science Journalism: Science under the Swastika“ herunterladen sowie alle anderen Veröffentlichungen zu diesem Thema. Das Geschichtsmagazin P.M. History wird ausführlich in seiner Novemberausgabe über "Wissenschaft unterm Hakenkreuz" berichten.

open-science - 1. Aug, 15:35

