Ein Weblog von



Redakteur Wolfgang Goede

Aktuelle Beiträge

Der „Ich-liebe-Dich!“-Code
Marina Klimchuk studiert Soziologie. Im August hospitierte...
open-science - 2. Sep, 10:26
Noten nur zum Singen
Keine Noten mehr – nur zum Singen! So könnte...
open-science - 27. Aug, 15:01
Debatte aus der Röhren-Perspektive
Der Präsident der europäischen Wissenschaftsjournalisten, ...
open-science - 20. Aug, 14:43
Nix Neues unter der Sonne?
Der Deckel des Druckwerkes zeigt ein an der Kette liegendes...
open-science - 15. Aug, 16:09
One Night Stand für...
New York ist die Stadt, die nie schläft. Dieser...
open-science - 15. Aug, 16:06

Open Science (alt)

Einführende Artikel im Forum von P.M. Online hier >>

RSS-Feed

Bleiben Sie auf dem Laufenden!
xml version of this page

Suche

 

Archiv

Oktober 2007
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 1 
 3 
 4 
 5 
 6 
 7 
 9 
10
11
12
13
14
16
17
18
19
20
21
22
24
25
26
27
28
29
31
 
 
 
 
 

Wissenschaft im Café bereichert KL!MAHERBST

Wenn die Wissenschaft aus dem Elfenbeinturm ausbricht, wo landet sie dann? Im Café!


Muc-Essen100_2370


„Wissenschaft im Café“ ist eine neue Form, Forschung und ihre Ergebnisse entspannt unter die Menschen zu bringen, dialogisch und nicht monologisch. Idealerweise findet eine solche Veranstaltung in einem Kaffeehaus, in einem Bistro, in einer Kneipe oder einem Ort statt, der nicht an die nüchtern-funktionellen Hörsäle der Hochschulen erinnert. Dort trifft im lockeren Kreis ein akademischer Fachexperte auf ein Laienpublikum interessierter Mitbürger, die sich auf Augenhöhe begegnen. Es gibt einen kurzen und allgemeinverständlichen Vortrag, dann folgt eine Pause, in der man sich etwas zu trinken und essen holt, das Gehörte verdaut, sich Fragen und Kommentare dazu überlegt. Diese sind dann Gegenstand des zweiten Teils des Abends.


-Muc-allg-100_2374


84 Veranstaltungen sollen in München einen Ruck auslösen

In diesen Tagen fand ein Wissenschafts-Café bei der Münchner Umweltorganisation „Green City“ statt, die den Münchner KL!MAHERBST mitorganisiert hat. Das ist ein vom 9. Oktober bis 15. November dauernder Aktionsmonat, initiiert von der Volkshochschule MVHS und dem Ökologischen Bildungszentrum ÖBZ, der die globale Erwärmung in den Mittelpunkt stellt und untersucht, was Münchens Bürger dagegen unternehmen können. Das KL!MAHERBST-Programm bietet an 37 Tagen insgesamt 84 Veranstaltungen; einer der Höhepunkte ist am 20. Oktober eine Energiekonferenz, wie Kommunen durch Einsatz regenerativer Energien zur Dämmung der Erwärmung beitragen können. P.M. ist einer der Kooperationspartner des KL!MAHERBSTES und unterstützt ihn durch ein zusätzliches Informationsangebot: Bei den Terminen liegt die dreiteilige P.M. Klimaserie aus dem Sommer aus.


Klimherbst-Logo7a440b01ed


Friedensnobelpreis an Gore unterstreicht die Klimaproblematik

Das Science Café war ein Versuch, die klassische Vortragsform zu sprengen und in anregender Atmosphäre auch Außenstehende für das Thema zu gewinnen, erklärte KL!MAHERBST-Organisator Winfried Eckardt. Das schien gelungen: 50 Teilnehmer, darunter vorwiegend junge Leute, waren zu dem Samstagabend-Termin bei Green City erschienen. Günstig war auch der Zeitpunkt. Am Tag vorher hatte das Stockholmer Nobelpreiskomitee verkündet, dass der diesjährige Friedensnobelpreis an den ehemaligen US-Vizepräsident Al Gore und den Weltklimarat IPCC gehen werden wegen ihrer Verdienste bei der Aufklärung über die globale Erwärmung. Gast im Münchner Science Café war der Meteorologe und Klimaforscher Professor Wolfgang Seiler, bekannt durch seine globalen Aktivitäten sowie Verdienste um die Garmisch-Partenkirchener Lokale Agenda 21. Eckardt stellte in seiner Begrüßung Seiler als wichtigen „glokalen“ Akteur vor, der sich durch seinen Einsatz verdient gemacht und somit "am Nobelpreis mitgeschaffen“ habe. Der Wissenschafts-Kommunikator Dr. Marc-Denis Weitze, Chemiker und Philosoph, moderierte den Abend (das Foto zeigt Seiler/li., Eckardt/Mitte, Weitze/re.).


-Trio100_2378


„Keine Dinosaurier mehr kaufen!“

Seilers Präsentation war klar verständlich und mündete in die Botschaft: „Jetzt die Reißleine ziehen!“, denn der Klimawandel schreitet viel schneller und umfangreicher voran, als bisher angenommen. Die Erwärmung als Folge des Kohlendioxidausstoßes nimmt weiter zu. Süddeutschland muss in den nächsten 40 Jahren mit einer Zunahme der Durchschnittstemperaturen um 2° Celsius rechnen. Hand in Hand gehen damit extreme Wetterereignisse wie Überschwemmungen, Dürren, Stürme. Der Verbraucher selber kann maßgeblich dazu beitragen, die Emission der Schadgase in die Atmosphäre erheblich zu verringern: Effektivere Haushaltsgeräte können den Stromverbrauch im Haushalt um 40 Prozent senken, im Straßenverkehr sind Einsparungen von 30 Prozent möglich. „Wenn wir keine vierradgetriebenen Dinosaurier mehr kaufen, werden sie von der Autoindustrie auch nicht mehr hergestellt“, betonte Seiler.


-Niederschlaege100_2367


„Runter vom Energieverbrauch!“

Erneuerbare Energien sind die Technologie der Zukunft, ein 400 Milliarden Euro großer Markt sollte die Unternehmen motivieren, in diesen zu investieren und Deutschland zum Weltmarktführer in klimaeffektiver Technik zu machen. Kernkraft sei keine Antwort auf die Problematik, visionäre Szenarien wie Lagerung der Schadgase in der Tiefsee oder Installation von Sonnenschirmen im All bewertete Seiler als „blinden Aktionismus“. Auch darauf zu hoffen, dass die Erde die Erwärmung durch eine Kippbewegung ihrer Achse selber ausgleichen werde, sei eine Illusion. Seiler räumte ein, dass solche Pendelbewegungen in der Erdgeschichte immer wieder eingetreten seien und dieser Schlenker wieder eine Eiszeit auslösen werde, „allerdings erst in 120 000 Jahren und nicht in den nächsten hundert Jahren.“ Er erteilte auch allen Klimaskeptikern eine Absage, die behaupteten, die Atmosphäre habe periodisch immer wieder hohe Kohlendioxidanteile enthalten. Seilers Abschlussappell: "Wir stehen vor einer der größten Herausforderungen des Jahrhunderts", auf die es nur eine kompromisslose Anwort gibt: „Runter vom Energieverbrauch!“


-DANA-allg-LAUNCH-NIGHT-0032


Die Mutter, das Dana Centre in London

Das Vorbild der Science Cafés ist das Dana Centre in London (Fotos oben u. unten). »Hier wird Wissenschaft für die Massen sexy gemacht«, hat die Lokalpresse geschrieben. Das Programm ist provokativ, um das Interesse anzustacheln: So lädt es zu einem Spiel mit Kryptologen ein, bei dem die Besucher Geheimcodes knacken und sich »zu Spionen qualifizieren«; eine Diskussion über künstliche Intelligenz steht unter der Frage, »ob Roboter in 50 Jahren eigene Rechte verlangen«; Punk-Science arbeitet mit Klamauk, umrahmt das Programm mit Lieblings-Hits junger Leute und zieht diese in die Klimadiskussion, indem sie Freude an brutzelwarmen Sommern weckt, ohne die Probleme zu verschweigen. Das zieht: 6000 Besucher im Jahr lockt das Dana Centre, in dem regelmäßig hochkarätige Forscher und Nobelpreisträger auftreten.


-Dana-cafe_event


Der British Council als Pionier

Von der Insel schwappte die Science-Café-Begeisterung auf den Kontinent und nach Deutschland über. Einer der Katalysatoren war der British Council (BC), das Kulturinstitut der britischen Regierung, vergleichbar dem Goethe- Institut. Der BC vollzog bereits in den 1990-er Jahren eine Wende in seinem Selbstverständnis, setzte den Schwerpunkt seiner Tätigkeit nicht mehr allein auf Förderung der englischen Sprache, Literatur und Kunst, sondern bezog die Wissenschaft in sein Programm mit ein. Der British Council war schon damals wichtiger Förderer eines auf der Insel entwickelten Konzepts, die Wissenschaft unter die Menschen zu bringen. „Public Understanding of Science“ verlangte, dass Forscher von ihren Elfenbeintürmen herabstiegen und auf den Marktplätzen den Bürgern ihre Arbeit erklärten. Vor ein paar Jahren wurde die zweite Stufe dieser Aufklärungsaktion gezündet: die Kaffeehaus-Wissenschaft.

bc-zerocarboncity-logo-top-bar


Die Zero-Carbon-City-Kampagne

Damit setzte sich der BC an die Spitze der Klimakastrophen-Warner. So liefen in den Jahren 2005 und 2006 in deutschen Großstädten eine ganze Reihe von Science Cafés, die u.a. die „Zero Carbon City“-Kampagne der britischen Regierung aufgriff – das Zukunftsziel von eine kohlendioxidfreien Stadt. Die Leipziger machten sich in englischer Sprache darüber Gedanken, dass der Klimawandel in den eigenen vier Wänden beginnt und was jeder Einzelne zur Stabilisierung des Klimas beitragen könne. In Berlin trat einer der weltweit renommiertesten Klimawissenschaftler, Bill Hare vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung, auf, der mit dem Publikum die Grundzüge einer ambitionierten Klimapolitik erarbeitete.


zerocarboncity-science-od_zcclogos


Ausblick

Besonders die Münchner Volkshochschule setzt sich für die neue Form der Kommunikation zwischen Forschern und Bürgern ein. In den Wintermonaten 2007 lief im Gasteig die Reihe „Naturwissenschaften kontrovers“, in der Weitze ein neurowissenschaftliches Streitthema aufgriff und die Frage stellte, wie frei der Wille des Menschen sei. Diese Reihe wird im Februar 2008 fortgesetzt mit den Themen: Sind wir alleine – oder gibt es Leben im Kosmos? Schöpfung oder Evolution? Gehirn und Denken – Was ist ich?
MDW - 21. Okt, 18:20

"...für alle"?

"Wissenschaft für alle" ist ein frommer (?!) Wunsch, aber wer kommt zu solchen Veranstaltungen...? Die, die sowieso schon katholisch sind.

Wer hat Ideen & Erfahrungen, wie man andere Zielgruppen erreicht, also insbesondere Leute, die mit Naturwissenschaft 6 Technik nichts am Hut haben? Ziehen hier Themen, Orte oder besondere Formate?

Trackback URL:
http://blogs.pm-magazin.de/openscience/stories/15157/modTrackback

logo

Wissenschaft für alle!

P.M. Menü

Neues von Außen

Dino-Art in Spanien entdeckt: Der Bucklige von Las Hoyas
Paläontologen haben in Spanien ein bizarres Dinosaurier-Skelett...
9. Sep, 13:45
studiVZ Gründer auf 5. Kongress Mutimediatechnik in Wismar
Das Institut für Multimediatechnik ist stolz,...
9. Sep, 12:55
Deutscher Anglistentag 2010 an der Universität des Saarlandes
am Montag, 20. September, mit Forumsdiskussion und...
9. Sep, 12:42
Bettwanzen: Anti-Sex-Duftstoff schützt Larven vor rabiaten...
Männliche Bettwanzen sind extrem zudringlich -...
9. Sep, 11:29

Profil
Abmelden
Weblog abonnieren