Komm mit zu mir nach Göppingen, liebe Wissenschaft!
Ich bin Barbara und studiere Rhetorik. Gerade war ich einen Monat lang Praktikantin beim P.M.-Magazin und habe Wissenschaftsluft geatmet. Erfolgreich, wie es scheint. Hier fordere ich: Mehr Wissenschaftsberichte in der Kleinstadt!

In Göppingen habe ich das Schreiben gelernt. Zwischen Stuttgart und Ulm also. Ich habe Menschen besucht, die einen runden Geburtstag feierten, habe mit Projektleitern über den Fortschritt der Bauarbeiten in der Neuen Mitte gesprochen und einer Korbflechterin auf dem Wochenmarkt bei der Arbeit zugesehen. Kurzum, ich habe dem Alltag in einer Kleinstadt auf den Zahn gefühlt und daraus schöne flüssige Texte für unsere Lokalzeitung verfasst, die Göppinger Kreisnachrichten.
Ich war die selbsternannte rasende Reporterin in dem immerhin fast 60 000 Seelen zählenden Ort und habe deshalb auch vor gefährlichen Situationen keinen Rückzieher gemacht: Todesmutig habe ich mich einmal in Dönerbuden gewagt, um die Besitzer über den Gammelfleischskandal zu befragen und erntete damit zahlreiche schiefe und wütende Blicke.
Das hat meinem Berufswunsch aber nicht geschadet, im Gegenteil. Schon länger weiß ich, dass ich Journalistin werden und vom Schreiben leben will. Und nach meinem ersten Praktikum in Göppingen war ich mir sicher: Das ist es. Deshalb habe ich mich auf die Suche nach weiteren Herausforderungen gemacht, die mich meinem Berufswunsch näher bringen sollten.
Fündig geworden bin ich in München. Beim P.M.-Magazin wollte ich Großstadtluft schnuppern, der Wissenschaft auf den Grund gehen und einen völlig neuen Journalismus kennen lernen. Den der Wissenschaftler. Und den der Zeitschriftenmacher. Ich wollte mich in Themen einlesen, die ich im Physikunterricht gehasst habe, weil die Formeln an der Tafel mir nie erklärt haben, warum es sie gibt und was sie so nützlich macht. Ich wollte abenteuerliche Theorien untersuchen und dem Geheimnis der Wissenschaftler und der Experten auf den Grund gehen.
So habe ich mich an mein erstes Thema gemacht: Ampeln. Und schon ist passiert, was ich nicht gedacht hätte: Ich war wieder in Göppingen. Gedanklich zumindest. Dabei wollte ich in eine neue Welt eintauchen, die dem Lokaljournalismus fern ist.
Während ich über neue Ampelsysteme schrieb, wie smarte Lichtsignalsysteme den CO2-Ausstoß drastisch reduzieren („Neue Ampeln – Besseres Klima“), kam vor meinem inneren Auge das Bild der Neuen Mitte in Göppingen auf, wo eine Fußgängerzone erneuert wurde. Auch damals wurde über die bestmögliche Lösung der Verkehrsfrage nachgedacht. Und ich bin der Meinung, ein bisschen Wissenschaft, platziert zur rechten Zeit am rechten Ort, hätte da den Diskussionen auf die Sprünge geholfen.
Nicht nur bei der Ampelfrage. Wissenschaft steckt überall in unserem Alltag. Verständlich erklärt, kann jeder etwas damit anfangen. In jedem Thema, und sieht es auch noch so unwissenschaftlich und alltäglich aus, steckt nämlich ein Haufen Wissenschaft. Ich habe die Angst davor verloren: Sie tut uns nichts, völlig harmlos ist sie eigentlich und sehr nützlich – unser ganzes modernes Leben hängt von ihr ab.
Deshalb lade ich dich ein, liebe Wissenschaft, jetzt mit mir nach Hause in die Kreisstadt Göppingen zu kommen. Du könntest dich auch in nicht-wissenschaftlichen Blättern ein bisschen austoben und deine Spuren hinterlassen: in Hintergrundberichten zu aktuellen Themen. Ampeln zum Beispiel, denn Baustellen gibt es immer. Du könntest den Menschen erzählen, wie die Verkehrsströme erforscht werden, nicht zuletzt die der allzuoft vergessenen Fußgänger, welche modernen Regelungssteme sich daraus ableiten, wie sie funktionieren und welche Vor- und Nachteile die unterschiedlichen Modelle haben.
Nicht nur über Ampel-Intelligenz könnte man den Bürgern ein Licht aufstecken, auch bei allen anderen Themen könnten wir Lokaljournalisten ihren Durchblick schärfen. Bei Korbflechterinnen kann ich über die wichtigsten Materialien und ihre physikalisch-chemischen Eigenschaften schreiben, über die Geschichte des Flechtens und den Ursprung dieses Handwerks, auch in Göppingen. Das wäre packend, History Life.
Bei runden Geburtstagen ließen sich die Alterstrukturen in der Stadt und ihre demografische Entwicklung recherchieren. Altersgebrechen und Gesundheit machten ein ganz neues Faß auf, welche Krankheiten auf häufigsten auftreten und ob die medizinische Versorgung auf sie mit den modernsten Heilmethoden reagiert. Bei Verbrechen könnte man einen tiefen Blick hinter die Methoden der Kriminologen werfen, denn die Worte DNA-Analyse oder Speichelprobe tauchen zwar in allen Artikeln auf, aber wie die zur Aufklärung des Falls genau beitragen, wird selten erklärt. Auch müssten wir über das lokale Klima in Göppingen viel ausführlicher berichten, seinem von Straße zu Straße sich verändernden Mikroklima, wie jeder gepflanzte Baum die Luft verbessert, und zwar messbar!
Zu jedem Topf gibt es einen Deckel, zu jedem Thema gibt es eine passende Wissenschaft! Und diese müsste vor allem auch in den Lokalmedien ausgebreitet werden.
Davon profitieren wir alle. Das allgemeine Interesse an der Wissenschaft steigt, das Wissen darüber vermehrt sich in der ganzen Region, auch Nichtexperten können den Diskussionen in der Öffentlichkeit folgen oder sogar selbst mitdiskutieren.
Ich habe mich in den vergangenen vier Wochen mit Meteoriten, Erdbeben, dunklen Sternen, ägyptischer Glasherstellung, Schrottautos und etlichen anderen Wissens-News befasst. Rein beruflich und während der Arbeitszeit durfte ich viel Spaß haben und schlauer werden. Denn das ist ein weiterer Vorteil, sie macht Laune, die Wissenschaft. Nicht nur beim Schreiben, sondern auch beim Lesen. Immer und überall.

In Göppingen habe ich das Schreiben gelernt. Zwischen Stuttgart und Ulm also. Ich habe Menschen besucht, die einen runden Geburtstag feierten, habe mit Projektleitern über den Fortschritt der Bauarbeiten in der Neuen Mitte gesprochen und einer Korbflechterin auf dem Wochenmarkt bei der Arbeit zugesehen. Kurzum, ich habe dem Alltag in einer Kleinstadt auf den Zahn gefühlt und daraus schöne flüssige Texte für unsere Lokalzeitung verfasst, die Göppinger Kreisnachrichten.
Ich war die selbsternannte rasende Reporterin in dem immerhin fast 60 000 Seelen zählenden Ort und habe deshalb auch vor gefährlichen Situationen keinen Rückzieher gemacht: Todesmutig habe ich mich einmal in Dönerbuden gewagt, um die Besitzer über den Gammelfleischskandal zu befragen und erntete damit zahlreiche schiefe und wütende Blicke.
Das hat meinem Berufswunsch aber nicht geschadet, im Gegenteil. Schon länger weiß ich, dass ich Journalistin werden und vom Schreiben leben will. Und nach meinem ersten Praktikum in Göppingen war ich mir sicher: Das ist es. Deshalb habe ich mich auf die Suche nach weiteren Herausforderungen gemacht, die mich meinem Berufswunsch näher bringen sollten.
Fündig geworden bin ich in München. Beim P.M.-Magazin wollte ich Großstadtluft schnuppern, der Wissenschaft auf den Grund gehen und einen völlig neuen Journalismus kennen lernen. Den der Wissenschaftler. Und den der Zeitschriftenmacher. Ich wollte mich in Themen einlesen, die ich im Physikunterricht gehasst habe, weil die Formeln an der Tafel mir nie erklärt haben, warum es sie gibt und was sie so nützlich macht. Ich wollte abenteuerliche Theorien untersuchen und dem Geheimnis der Wissenschaftler und der Experten auf den Grund gehen.
So habe ich mich an mein erstes Thema gemacht: Ampeln. Und schon ist passiert, was ich nicht gedacht hätte: Ich war wieder in Göppingen. Gedanklich zumindest. Dabei wollte ich in eine neue Welt eintauchen, die dem Lokaljournalismus fern ist.
Während ich über neue Ampelsysteme schrieb, wie smarte Lichtsignalsysteme den CO2-Ausstoß drastisch reduzieren („Neue Ampeln – Besseres Klima“), kam vor meinem inneren Auge das Bild der Neuen Mitte in Göppingen auf, wo eine Fußgängerzone erneuert wurde. Auch damals wurde über die bestmögliche Lösung der Verkehrsfrage nachgedacht. Und ich bin der Meinung, ein bisschen Wissenschaft, platziert zur rechten Zeit am rechten Ort, hätte da den Diskussionen auf die Sprünge geholfen.
Nicht nur bei der Ampelfrage. Wissenschaft steckt überall in unserem Alltag. Verständlich erklärt, kann jeder etwas damit anfangen. In jedem Thema, und sieht es auch noch so unwissenschaftlich und alltäglich aus, steckt nämlich ein Haufen Wissenschaft. Ich habe die Angst davor verloren: Sie tut uns nichts, völlig harmlos ist sie eigentlich und sehr nützlich – unser ganzes modernes Leben hängt von ihr ab.
Deshalb lade ich dich ein, liebe Wissenschaft, jetzt mit mir nach Hause in die Kreisstadt Göppingen zu kommen. Du könntest dich auch in nicht-wissenschaftlichen Blättern ein bisschen austoben und deine Spuren hinterlassen: in Hintergrundberichten zu aktuellen Themen. Ampeln zum Beispiel, denn Baustellen gibt es immer. Du könntest den Menschen erzählen, wie die Verkehrsströme erforscht werden, nicht zuletzt die der allzuoft vergessenen Fußgänger, welche modernen Regelungssteme sich daraus ableiten, wie sie funktionieren und welche Vor- und Nachteile die unterschiedlichen Modelle haben.
Nicht nur über Ampel-Intelligenz könnte man den Bürgern ein Licht aufstecken, auch bei allen anderen Themen könnten wir Lokaljournalisten ihren Durchblick schärfen. Bei Korbflechterinnen kann ich über die wichtigsten Materialien und ihre physikalisch-chemischen Eigenschaften schreiben, über die Geschichte des Flechtens und den Ursprung dieses Handwerks, auch in Göppingen. Das wäre packend, History Life.
Bei runden Geburtstagen ließen sich die Alterstrukturen in der Stadt und ihre demografische Entwicklung recherchieren. Altersgebrechen und Gesundheit machten ein ganz neues Faß auf, welche Krankheiten auf häufigsten auftreten und ob die medizinische Versorgung auf sie mit den modernsten Heilmethoden reagiert. Bei Verbrechen könnte man einen tiefen Blick hinter die Methoden der Kriminologen werfen, denn die Worte DNA-Analyse oder Speichelprobe tauchen zwar in allen Artikeln auf, aber wie die zur Aufklärung des Falls genau beitragen, wird selten erklärt. Auch müssten wir über das lokale Klima in Göppingen viel ausführlicher berichten, seinem von Straße zu Straße sich verändernden Mikroklima, wie jeder gepflanzte Baum die Luft verbessert, und zwar messbar!
Zu jedem Topf gibt es einen Deckel, zu jedem Thema gibt es eine passende Wissenschaft! Und diese müsste vor allem auch in den Lokalmedien ausgebreitet werden.
Davon profitieren wir alle. Das allgemeine Interesse an der Wissenschaft steigt, das Wissen darüber vermehrt sich in der ganzen Region, auch Nichtexperten können den Diskussionen in der Öffentlichkeit folgen oder sogar selbst mitdiskutieren.
Ich habe mich in den vergangenen vier Wochen mit Meteoriten, Erdbeben, dunklen Sternen, ägyptischer Glasherstellung, Schrottautos und etlichen anderen Wissens-News befasst. Rein beruflich und während der Arbeitszeit durfte ich viel Spaß haben und schlauer werden. Denn das ist ein weiterer Vorteil, sie macht Laune, die Wissenschaft. Nicht nur beim Schreiben, sondern auch beim Lesen. Immer und überall.
open-science - 7. Mrz, 14:08


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