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P.M. sucht Mathe-Botschafter

Preisfrage: Wie viele Sandkörner braucht man, um das Weltall zu füllen? Archimedes kam vor 2300 Jahren auf 10 hoch 63, wobei der griechische Mathe-Star von einem runden Universum mit zwei Lichtjahren Durchmesser ausging (=19 Billionen Kilometer). Mit Knobeleien dieser Art will die Bundesregierung frischen Wind in die Zahlen bringen und das Volk mit Mathe-Lust infizieren, nach dem Motto: „Mathematik ist voller Leben – und mitten im Leben.“


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In der Tat, es gibt keinen Bereich mehr, der ohne die hilfreiche Zahlenlogik auskäme: Handy-Frequenzen und MP3-Speicher, Navis und GPS, Wetter und Klimaveränderung, Autostaus und Crash-Simulationen, Datensicherheit – sie alle sind eine Summe der Zahlen von 0 bis 9 sowie Funktionen davon. Mit ein wenig Rechnen können Skater ihre Parabelflüge über Treppen verlängern, Krawattenträger 85 modische Knoten binden, und wer bequem einparken will, stößt im 40-Grad-Winkel nach hinten – die in Fahrschulen gelehrten 45° sind mathematischer Quatsch und machen nur Stress.


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Selbst Fussball, ohne Mathe undenkbar! Mirko Slomka, Ex-Trainer von Schalke 04, ist studierter Mathematiker und Erfinder des „Schalker Kreisels“, eine Offensive, bei der drei Spieler immer wieder neue Dreiecke bilden, damit der Ballführende zwei Anspielstationen hat. Für Slomka zählt Mathe, „weil das Leben ohne sie nicht mal ein 0:0 wäre“.


Berichten sie auf unserer Homepage über Ihre Mathe-Erfahrungen, gleich unten bei "Kommentar verfassen" – werden Sie unser P.M.-Mathe-Botschafter!


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Hintergrund: Das von der Bundesregierung ausgerufene Jahr der Mathematik will das von vielen Menschen ungeliebte Fach aus seiner Nische herausholen und neuen Glanz verleihen. Auf der Homepage sind gibt es viele Beispiele für eine lustvolle Beschäftigung mit der Mathematik, angereichert durch Austellungen, Onlinespiele und Ideenwettbewerbe. Gerade hat auch das Matheschiff „MS Wissenschaft“ seine Leinen losgeworfen, um bis zum 4. September 31 deutsche Städte anzulaufen. Das 105 Meter lange Binnenschiff zeigt die Vielfalt der Anwendungsmöglichkeiten der Mathematik für unseren Alltag. Über 30 interaktive Exponate darauf laden zum Mitmachen ein und zeigen in den Bereichen Natur, Technik, Mensch und Geist spielerisch und spannend die Anwendung mathematischer Forschung.
Christian Behnke - 26. Mai, 22:37

Mathematik ist ästhetisch

Ich möchte einmal meine eigene Erfahrung mitteilen, die ich mit Mathematik gemacht habe. Ich besinne mich dabei gern auf meine Aktivitäten im Mathematikunterricht zurück. Damals in der 7. Klasse war das Fach Mathe für mich relativ langweilig und zum Teil zu unflexibel. Als wir also das Thema Tangentenkonstruktion behandelten, war ich zugegebenermaßen nicht auf der Höhe des Geschehens und so kam es, dass ich vor lauer anderen Gedanken, die in meinem Kopf schwirrten, nicht mitbekam, wie man eine Tangente richtig an einen Kreis konstruiert! Als in einer Übungsaufgabe dies gefordert wurde, war bei mir Not am Mann! So probierte ich mehrere Möglichkeiten durch, bis ich auf den Schluss kam, dies nie hinzubekommen! Vor Langeweile fing ich also an, mit meinem Zirkel kleine Blumenmuster aus vielen Kreisen zu zeichnen, die so angeordnet waren, dass um einen Ursprungskreis mehrere Kreise gezeichnet waren, welche dieses Muster ergaben! Doch dann betrachtete ich mein Werk einmal aus wissenschaftlicher Sicht und konnte das Ergebnis kaum glauben: Verband ich 2 Schnittpunkte der, um den Ursprungskreis gezeichneten Kreise, so ergab sich eine Tangente zum Ursprungskreis! Das Rätsel war gelöst! Voll Tatendrang machte ich mich mit der neu erfundenen Methode an meine nächsten Kunstwerke, die fortan alle gelangen! Selbst in der Leistungskontrolle zu dem Thema wandte ich mein neues Wissen an! Als wir die Arbeit jedoch zurückbekamen kam der Schock: Note 5 für meine schönen Zeichnungen! Desweiteren kam der Hinweis, ich sollte bitte eine erkennbare Konstruktion abliefern, die der Norm entsprechen sollte! Bis heute glaube ich an meine eigene Methode, die mir unter anderem zeigte, dass Mathe auch Kreativität und Ästhetik in sich vereinigen kann und nicht nur blanke Zahlen und Formeln!

open-science - 27. Mai, 15:31

Slomka und Schalker Kreisel?

Sehr geehrte Damen und Herren,
– Sicherlich hat er auf der Sporthochschule davon gehört, aber erfunden? Das Spielsystem wurde in den 1930er Jahren auf Schalke entwickelt und u.a. von Szepan und Kozurra gespielt. Da war Slomka doch noch gar nicht geboren, oder?
Mit freundlichen Grüßen
Horst Weinbach

open-science - 6. Jun, 13:21

Schalker Kreisel - Import aus England

Herr Weinbach hat Recht! Als Hintergrund noch Folgendes, wofür wir die Wikipedia zu Rate gezogen haben und womit wir auch der beginnnenden EM Tribut zollen: "Der Schalker Kreisel ist ein Passspiel mit direkten kurzen Pässen, basierend auf dem schottischen Kurzpassspiel. Diese Taktik war damals in Deutschland noch unbekannt und wurde durch die in Dortmund geborenen und in Großbritannien arbeitenden und nach dem Krieg ausgewiesenen Brüder Hans und Fred Ballmann nach Schalke gebracht. Durch ihren verwirrenden Charakter für den Gegner kam man auf den Begriff 'Schalker Kreisel' oder 'Die Schalker kreiselten wieder'. Mit dem Schalker Kreisel wurde Schalke in den 1930er und 1940er Jahren aufgrund der attraktiven Spielweise in Deutschland sehr populär und erfolgreich."
Stefanie Steffens - 22. Jun, 14:42

Mathe und Schule aus der Sicht eines Schülers

Man stelle sich vor: Montags morgens 8.00Uhr in einem Gymnasium, Klasse 9. Der Lehrer ist (leider) pünktlich und den Schülern fällt es schwer die Augen offen zu halten. Doch statt langweiligem Mathe wissen einige Schüler sich zu beschäftigen: hier schrieben einige Hausaufgaben ab, dort unterhalten sich andere. Von dem, was der Lehrer faselt, bekommt doch eh niemand was mit! Doch dieser geht nun in die Verteidigung: Nimmt Schüler dran, die nicht aufgepasst haben. Doch ehrlich gesagt: Mathe war früher logischer. Früher war klar wozu man Mathe brauchte und ich freute mich, als ich das kleine Einmaleins aufsagen konnte. Heute fragt man sich: hä??? Was will der Lehrer von mir?? Was sind bitteschön Potenzen?? Und die Frage auf die kein Mathelehrer antworten mag: Wozu brauchen wir das alles?? Klar, die ganze Welt besteht aus Zahlen, aber wie soll man da den Überblick behalten?? Die ganzen Beweise, die uns nur beweisen, wie verrückt die Welt ist!! Wichtig beim Einparken ist es doch, dass man keine Unfälle baut!! Und beim Fußball muss doch nur das Runde ins Eckige!! Tja, und wenn man dem Lehrer mit solchen Ansichten kommt ist er entweder total perplex, oder man kriegt 'ne Strafarbeit aufgebrummt. Also ich brauche Mathe höchstens, wenn ich errechnen will, wie viele Minuten sich der Bus verspätet hat oder wie viel Euro die Äpfel runtergesetzt sind. Naja, zum Ende der Mathe ist der Lehrer auch mit den Nerven am Ende, verlässt überstürtzt das Klassenzimmer und wir haben ein paar neue Schimpfwörter kennengelernt. Wohl doch nicht so übel der ganze Mathekram, hm?

open-science - 23. Jun, 13:02

Was sagt das Jahr der Mathe dazu?

Vielen Dank, liebe Stefanie Steffens, für dieses ehrliche Feedback. Also, wenn ich mal in mich gehe, ich habe den Sinn von Mathe auch nie so richtig kapiert, und das liegt 40 Jahre zurück. Bis ich vor kurzen das Thema recherchierte und schrieb, wie die Zahlen in die Welt gekommen sind, jede Kultur ihren eigenen Zugang dazu hatten und die Macht einer Kultur weitgehend von ihrer Rechenart bestimmt wird. Das zu erkennen war aufregend, das hätte ich mir als Schüler gewünscht, das hätte mich für Mathe eingenommen. Der Bericht "Unsere zehn Finger: Der Kern aller Mathematik" erscheint am 18. Juli in der P.M.-Augustausgabe. Auch meinen drei Kindern, 26, 23 und 20, hätte ich mehr von dieser Art von Mathe gewünscht, um überhaupt ihr Wesen zu erkennen. So haben sie es nur mit anderthalb blauen Augen und mit Biegen und Brechen geschafft. Tatsache ist, dass Mathe ungeheuer wichtig ist, die Pädagogik an den Schulen es aber nicht schafft, den Stoff zu anzurichten, vielleicht auch wegen der Lehrpläne nicht darf. Was meint das "Jahr der Mathematik" dazu?
Schöne Grüße
Wolfgang Goede,
P.M.-Redakteur
Stefanie Steffens - 23. Jun, 22:10

@Wolfgang Goede

Sehr geehrter Herr Goede,
ich freue mich sehr, dass ihnen mein Kommentar gefallen hat. Ich gebe ihnen Recht: die Lehrer sollten ihren Schülern wirklich mal die Hintergründe ihrer Arbeit bekannt machen. Ich bin mir sicher, dass sich dann viele Schüler mehr Mühe geben würden. Doch die Wahrheit sieht leider anders aus: wir kriegen irgendwelche, auf unser Niveau zurechtgestutzte Formeln, mit denen wir rechnen sollen. Wir wissen oft garnicht wie diese Formeln zustandekommen! Und dann in Arbeiten sollten wir auch die Formeln UND ihre Ursprünge, die wir garnicht kennen, anwenden. Außerdem lehrt jeder Lehrer etwas anderes: die Parallelklasse kümmert sich um einen ganz anderen Stoff als wir; manchmal haben wir auch das Gefühl, die Lehrer wissen selbst garnicht was genau sie uns erklären. Wir Schüler lernen in manchen Fächern weitaus weniger als unsere Eltern denken! Mathe geht ja noch, da kriegen wir das Wichtigste mit, doch z.B. in Geschichte, wo die Bücher über 11 (!) Jahre alt sind und es noch die alte Rechtschreibung gibt, da essen Schüler Koch-Nudeln im Unterricht (und das ist echt KEIN SCHERZ!)! Wenn überall versteckte Kameras wären, dann würden wohl einige Lehrer ihren Job verlieren. Und alle kritisiern nur die "undankbaren Schüler, die keinen Bock aufs Lernen haben"! Das ist doch nicht richtig!! Wir lernen gerne alles und wenn wir alle mehr Hintergrundinformationen bekommen würden, dann wären sicher viel größere Lernfortschritte gesichert, weil dann auch größeres Interesse bestände! Wenn wir wissen wofür, dann werden wir auch Mathematik und Physik gerne und häufig einsetzen!
Mit freundlichen Grüßen,
Stefanie Steffens,
Schülerin, Klasse 9
Julien - 26. Feb, 18:59

Mehr Mathematik als nötig?

Für praxisbezogene Mathematik habe ich ja Verständnis aber mir ist überhaupt nicht klar, warum heutzutage immer mehr Ballast an höherer Mathematik in vielen Studienrichtungen oder Schulen dazukommt. Und das auch noch in immer kürzer werdenser Zeit. Schließlich leben wir in einem Zeitalter, in dem die Technik (Stichwort: CAS) soweit ausgereift ist, dass sich aus der höheren Mathematik (insbesondere Integrieren, Differenzieren, Funktionen > 2. Grades), mit der unter anderem ich zu kämpfen habe, im Bezug auf die (berufsbezogene) Praxis kein Sinn ergibt. Stattdessen sind die Lehrpläne voll, die Schüler oftmals überfordert und die Lehrer wissen auf die Frage nach dem Sinn der höheren(!) Schulmathematik oftmals keine ausreichende Antwort. Der Überblick geht einfach verloren, zumal die Grundlagen oftmals nicht ausreichend und in der erforderlichen Qualität unterrichtet worden sind. Stattdessen wird vorausgesetzt, dass diese Grundlagen schon vorhanden sind, was oftmals zu fatalen Fehlschlägen im Unterricht führt, wenn grundlegende Dinge von Seiten der Schüler einfach nicht vorhanden sind bzw. nicht Bestandteil der Vorbildung waren (hier hat das Bildungssystem geschlafen).

Welcher Betrieb möchte beispielsweise Studenten einstellen, die zwar ausgezeichnete Mathematikkenntnisse haben, jedoch nicht die nötigen Kenntnisse für den jeweiligen Beruf mitbringen (da die wichtigen oftmals von unwichtigen Lerninhalten verdrängt wurden)? Nach meinen Erfahrungen ist die Mathematik (an Lehreinrichtungen) zu "trocken", theoretisch/zu wenig praxisorientiert und überladen. Infolge der Quantität (des Zeit- und Lehrplanes) geht die Qualität und der Überblick oft gänzlich verloren. Ich möchte schließlich kein Mathematiker werden, wobei mir dies in meiner Ausbildung beinahe so vorkommt... Viele, die ich gefragt habe, haben ein ähnliches Problem. Sie wissen oftmals gar nicht, dass sie das meiste, was sie lernen, in der Praxis nie wieder brauchen werden (ihrem Bildungsgang entsprechend)... Sicherlich kann Mathematik spannend, lehrreich und interessant sein - doch in der Realität sieht das anders aus, da der Bezug zur Praxis einfach an den meisten Stellen fehlt.

open-science - 1. Mrz, 10:04

grottenschlechte Praxis der Mathematik in der Schule

Vielen Dank für den Eintrag, Julien! Das eine ist die Schönheit und Eleganz der Mathematik, die u.a. im Jahr der Mathematik von den verschiedensten Fachleuten und Laien immer wieder im besten Licht präsentiert wurde. Das andere ist die schulische Praxis, oft grottenschlecht, reformbedürftig an Haupt und Gliedern. Hier muss was passieren, damit Schülerinnen und Schüler an Mathematik und all den anderen Fächern wieder Gefallen und Lust haben!
schöne Grüße
Wolfgang Goede

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