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Marc Server alles klar so ein Name ist doch ein SPAM...
Marc Server - 29. Apr, 16:16
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Der designte Mensch: Eine soziometrische Aufstellung: http://www.ne tzwerk-gemeinsinn.net/cont ent/view/681/218/
Wolfgang - 15. Feb, 18:46
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Ja, so sehe ich das. Das Internet ist das Leben 2.0....
Server - 15. Feb, 09:03
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Marc Server - 31. Jan, 22:05
Aber auch im Büro
Hallo, auch bei uns im Büro ist es seit Jahren...
Carola Geissen - 6. Dez, 12:46

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Yes We Did!

Als ich um 20 Uhr pazifische Zeit durch Seattle zur Wahlparty eile, bricht um mich herum die Hölle los: Böller krachen, Fremde umarmen sich, ich fühle mich wie an Silvester: Jetzt ist es amtlich, Barack Obama hat die US-Wahlen gewonnen – er ist der erste Internet-Präsident, das neue Jahrtausend ist endgültig angebrochen. Wie kam das 11-4-Wunder zustande – werden wir zur E-Demokratie? Was kommt auf jeden von uns zu, was lernen Politbetrieb und Bürgergesellschaft, Bürger-Inis und NGOs, besonders auch in Deutschland daraus?


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Es ist vollbracht - und nun? (Beginn der Reportage – die Foto-Story geht unten weiter)

Dieser 4. November 2008, von den Medien zum D-Day – Decision Day – erklärt, wird in die Geschichte eingehen. Die US-Amerikaner haben den ersten Afroamerikaner zu ihrem Staatsoberhaupt gewählt, der den selbst bei vielen Landsleuten so umstrittenen, beinah schon verhassten George W. Bush ablöst, den Anwälte wegen Völkermordes vor Gericht stellen wollen. Die Stimmung ist beinah so, als ob eine Bananenrepublik ihren Tyrannen in die Wüste geschickt hätte: Bush hat das Land in zwei Kriege gestürzt, mit seiner Privatisierungs- und Deregulierungswut den Ausbruch der weltweiten Finanzkrise angeheizt, auf Klima und unseren Planeten gepfiffen. Amerikaner und die Welt atmen auf, alle Hoffnung richtet sich auf den neuen Mann im Oval Office.

Die Obama-Kampagne – ein Exportmodell


Bei diesem historischen Event habe ich Mäuschen gespielt, bin zwischen und hinter die Kulissen geschlüpft und selber mit in den Wahlkampf gezogen. Mit diesem Selbstversuch wollte ich herausfinden: Wie funktioniert diese Wahlkampfmaschinerie, wie fühlt man sich darin, wie konnte der Außenseiter Obama das gesamte Polit-Establishment samt Clinton-Clan wegfegen? Ein Ergebnis vorweg: Wegen seines traumhaften Erfolges wollen Politiker in aller Welt diese Art von Wahlkampf kopieren. Entsprechende Berater haben bereits lukrative Verträge in der Tasche, wussten Polit-Insider an der Westküste. Der neue Trend könnte auch das politische Leben diesseits des Atlantiks umwälzen.

Community Organizing klammert Menschen zusammen

Mein alter Freund Gerhard Letzing aus einem Dorf bei Kassel, der seit 1972 in den Vereinigten Staaten lebt und ein angesehenes Mitglied in der demokratischen Partei in der Pazifik-Metropole Seattle ist, bereitete den Boden für meine ungewöhnliche Mission. Er öffnete Türen und stellte mich den Mitarbeitern der Kampagne vor. Wir beide waren vor fast genau 36 Jahren als Freiwillige der Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste in die USA gekommen und hatten in Chicago als Community Organizer gearbeitet, eine Tätigkeit, die auch der zukünftige Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika dortselbst 13 Jahre später erlernte. Das verbindet uns beide miteinander sowie uns mit Obama.

Die beiden Säulen der Kampagne

Mein neuer Job, fand ich schnell heraus, lief im Grunde auf die Aktivierung unseres alten Arbeitsstils in den Straßen Chicagos hinaus, denn die Obama-Truppe baute auf zwei grundsätzliche und über Jahrzehnte erprobte und verfeinerte Elemente der Bürger-Aktivierung: Phone Banks und Canvassing.

Persönliche Kontakte durch Telefon-Banken

Dieser Vergangenheit verdankte ich, dass ich im Büro des 37. Districts der „Campaign for Change“ an der Rainier Avenue im Süden der Stadt von den Obama-Leuten mit Vorschusslorbeeren bedacht wurde. Die beiden Leiterinnen, Steph Baker und ihre Vertreterin Heather, machten mich sogleich zum Captain der Telefon-Operation. Von zehn Uhr früh bis 21 Uhr abends wurden in drei Schichten die Bewohner in der weitläufigen Nachbarschaft angerufen. Dafür gab es ein einseitiges Script, das die Anrufer durch das Telefonat navigierte.

"How do you feel about Barack?"

Die wichtigsten Punkte waren, sich zu identifizieren, auf die Wahlen hinzuweisen, sich beim Gesprächspartner zu erkundigen, „how do you feel about Barack and the Democratic ticket“, bei einer unentschiedenen Haltung auf die Notwendigkeit von "Change" hinzuweisen, bei bekennenden Republikanern sich aber auf keine Debatte einzulassen, weil das zu viel Zeit kostete. Je näher der Wahltermin rückte, desto wichtiger wurden technische Details, etwa dass die Angerufenen ihr Wahllokal und die verschiedenen Optionen der Briefwahl kannten und ob sie, wenn Obama-Unterstützer, eine Fahrgelegenheit zur Wahlurne benötigten.

"Do you have a secret, Wolfgang?"

Erstaunlich: Die meisten Angerufenen waren ausgesprochen freundlich und gesprächswillig, viele hatten bereits andere Anrufe erhalten, nur einige Wenige wurden grantig, einmal fragte eine Frau schlagfertig zurück, als das Gespräch auf ihre politischen Präferenzen kam: „Do you have a secret, Wolfgang?“. „Oh yes, Ma'am.“ „And so do I, Sir.“

15 Telefonierer auf 25 Quadratmetern

Für den Phone-Bank-Captain gab es ebenfalls ein einseitiges Script, wie er die ab zehn Uhr ins Büro strömenden Freiwilligen am effektivsten instruierte und, tatsächlich, schon nach wenigen Minuten saßen sie an den 15 Telefonen in dem nur 25 Quadratmeter großen Raum. Eigentlich eine nervende Lärmfolter, dennoch waren alle voll konzentriert bei der Sache.

110 Anrufe in einer Schicht

In der Morgenschicht des Halloween-Tags am 31. Oktober schaffte ich 110 Anrufe. Bei den meisten Nummern hinterlegte ich auf dem Anrufbeantworter eine Nachricht, ca. 30 Personen erreichte ich persönlich, von denen 22 Barack Obama entweder bereits per Briefwahl gewählt hatten oder an der Urne wählen wollten. Da wusste ich: Der Mann wird der nächste US-Präsident, auch wenn Seattle traditionell liberales demokratisches Stammland ist. Aber die Reaktionen der Angerufenen waren so überzeugend und bedingungslos zugunsten Obamas, dass hierin eine außergewöhnlich breite Strömung in dem Land zum Ausdruck kommen musste, fühlte ich.

Auch der Bruder der künftigen First Lady muss fleißig telefonieren

Überall wo ich in der Woche vor der Wahl hinkam, wurde auf den persönlichen Kontakt durch Telefonate gesetzt, so etwa auch bei einem Fundraising Dinner der führenden Demokraten des Bundesstaats in Seattles Westin Hotel. Dort war der Bruder von Obamas Frau, Craig Robinson, der Ehrengast. Bevor er aus dem Nähkästchen plauderte, wie seine Schwester Michelle und Barack sich kennengelernt hatten und auf was für fiese Proben sie ihren Verehrer stellte, musste der renommierte Basketball-Coach vor den versammelten 700 Gästen erst einmal ein paar Telefonate tätigen. So wie er hatte jeder im Saal eine Liste mit Namen erhalten, die er während der kurzen Pausen im Programm mit seinem Handy anwählte.

Ein Schlachtruf schallt durchs Land: Get out the Vote!

Die Telefoniererei stand unter dem Motto: Get out the vote – GOTV! – und eskalierte bis zum Wahltag. Am Abend erklärte die demokratische Gouvereurin von Washington State Chris Gregoire voller Stolz, das am 4. November allein in ihrem Bundesstaat eine Million telefonische Kontakte mit Wählern gemacht worden seien. Eine Freiwillige im 37. District Büro berichtete ungläubig aus dem Hauptquartier downtown, dass dort 100 junge Leute auf dem Boden hockten und mit ihren Mobiltelefonen die Listen durchtelefonierten. Bei dieser Wahl wurde ein neuer Menschenschlag aus der Taufe gehoben: die Generation O.

"Bei dieser Wahl passiv bleiben – unerträglich!"

Einmal wurde ich an diesem Schicksalstag vom Telefon weggerufen, weil unsere Freiwillige Ann einen Plattfuß hatte und Hilfe beim Reifenwechsel brauchte. Sie fuhr Senioren zu den Urnen. Die Frau verriet mir mit feuchten Augen, dass sie es nicht ertragen hätte, bei dieser Wahl nur passiv zu bleiben. Andere auch nicht: Am Tag zuvor war Bob mit seiner kleinen süßen Tochter Wanjiku erschienen, die neben dem Papa sitzend unbedingt selber Telefonanrufe machen wollte. Und siehe da, die Fünfjährige war dazu durchaus fähig und bezirzte mit ihrem Charme, die Anrufer der Telefon-Bank wie die Angerufenen gleichermaßen.

Newcomer haben fürchterlichen Bammel

Lynn war nervös, als sie ins Büro kam und gestand, solche Anrufe zum ersten Mal in ihrem Leben zu machen und dass sie davor fürchterlichen Bammel hatte. Wir redeten ihr gut zu, hielten ihre Hand, und nach drei Telefonaten war der Bann gebrochen. Und dann waren da noch Denise und JC (Jenette Christopher), zwei Afroamerikanerinnen in schillernden Gewändern. Sie verbrachten am Wahltag Stunde um Stunde am Telefon, waren abends zur Wahlparty zur Stelle und tanzten bis drei Uhr früh ab, obwohl Denise um sieben Uhr im Büro bei Boeing auf der Matte stehen musste.

Klinkenputzen, die zweite Säule der Obama-Kampagne

Die zweite Säule nach der Phone-Bank war Canvassing, das Klinkenputzen. Hier stand das persönliche Gespräch an der Haustür im Mittelpunkt. Die Freiwilligen schwärmten mit Listen aus, auf der etwa 100 Wähler verzeichnet waren. Sie gingen von Tür zu Tür, von Block zu Block und führten grundsätzlich dasselbe Gespräch wie am Telefon, nur unter vier Augen, was größere Vertrautheit ermöglichte. Auch dies war eine große Herausforderung, auf wildfremde Menschen zuzugehen, sie in ein Gespräch zu ziehen und so schnell wie möglich zu punkten. Tempo war Trumpf, ging es doch darum, möglichst viele Botschaften in die Wählerwelt abzusetzen.

"Nehmt das Herz in eure Hand und lasst es sprechen"

Am Vorsamstag vor den Wahlen drängten sich die Freiwilligen nur so im Büro. Für sie war ein Landtagsabgeordneter gekommen, Eric, ein 2,20-Meter-Riese und von seiner Statur her ein Football-Spieler. Er hob zu einer kurzen Rede an, die mitten in die Seele ging: Wir alle nähmen an einem historischen Prozess teil, jetzt solle doch bitte jeder „sein Herz in die Hand nehmen“ und Selbiges bei den Wählern und besonders bei den noch Unentschlossenen sprechen lassen.

"Verräter", knurrt der Cowboy

Am Samstag vormittag unter Herbstsonne war das nicht soo schwer, obwohl einige Häuser alles andere als vertrauensvoll aussahen und manchmal recht finster dreinblickende Gestalten an den Türen erschienen. Doch auch hier war die Gesprächsbereitschaft erstaunlich hoch, nur ein dicker, kurzer Mann mit Cowboyhut knurrte „Verräter“.

Abends wird das Türklopfen ein wenig gespenstisch

Anders war es abends nach fünf Uhr, wenn es dunkel wurde und ein Grundstück schlecht oder gar nicht ausgeleuchtet war. Dort hinzugehen versagte ich mir, und einmal war ich zutiefst erschrocken, als wie aus dem Nichts eine blasse Frau aus dem Wirrwarr des Hausinneren hervortrat und mir ganz nahe kam, da dachte ich – Hollywood ließ grüßen – an einen Geist oder einen Vampir. Und natürlich, überall wo Hunde kläfften, da wollte man nicht unbedingt hin.

Gemeinsame Nachbarschaftsbesuche mit der Gouverneurin

Selbst Ann hatte dieses Canvassing auf sich genommen, ganz alleine, obwohl das hügelige Auf und Ab der Straßen nicht gut für ihre Knie war, aber: „Es könnte um ein paar Stimmen Vorsprung gehen, die das Zünglein an der Waage sind, besonders wenn die Republikaner uns wieder Stimmen klauen, wie das letzte Mal“, erinnerte sie sich bitter. Am Sonntag vor der Wahl hatte die Gouverneurin zum gemeinsamen Türklopfen eingeladen. Ein Rekord, dazu erschienen 500 Menschen.

1 Million Bürger aktiviert, 2 Millionen vernetzt, 600 Millionen Dollar gesammelt

Wahlbeobachter waren sich einig: Obama hat mit seinen Heeren von Freiwilligen die größte politische Maschine aller Zeiten auf die Beine gestellt, siehe dazu auch den vorhergehenden Blog „Yes We Can“. Dieser Apparat verschmolz die beiden Tragsäulen des Community Organizing, Phone Banking und Canvassing, mit dem Internet, das die meisten Freiwilligen wie auch Geldspender aktivierte: über eine Million Helfer wurden mobilisiert, zwei Millionen Menschen miteinander vernetzt, 600 Millionen Dollar flossen in die Wahlkampfkasse – das Doppelte der Summe, die George W. Bush und John Kerry bei den letzten Wahlen 2004 zusammenkratzten.

Wie die Obamaisten den Republikanern Nevada abjagen

Herb, einer der Seattle-Strategen, hatte zuvor in Nevada Obamas Wahlkampfmaschine mit aufgebaut. In dem Casino-Staat mit Las Vegas am Südzipfel "haben wir, oh boy, 30 Büros aus dem Boden gestampft", erzählte er zwischen Telefonaten und Canvassing. Der 39-jährige Kalifornier war ein so genannter Obama Fellow, wie Steph einer der 6300 Fußsoldaten, die nach den Methoden des Community Organizing die Kampagne organisierten. Dazu gehörte auch, neue Wähler vor und während der Vorwahlen zu registrieren, denn an den Urnen wurden nur registrierte Wähler zugelassen. "Wow", schwärmte Herb, "wir wurden von den besten Organizern des Landes trainiert, zum Teil alten Kollegen von Barack". Am Ende schafften es die Obamaisten, den schwer umkämpften "Battleground-State" Nevada den Republikanern abzujagen.

Ein politischer Tsunami schwappt über den Planeten

Das alles zusammen war nicht ein Schneeballsystem, sondern ein ausgewachsener Tsunami, der von unten nach oben exponenziell anwuchs und mit einem Paukenschlag die politische Landschaft der USA und der Welt veränderte. Aus dem Schlachtruf „Yes We Can“ wurde „Yes We Did!“. Am 4. November 2008, acht Uhr abends pazifische Zeit, brach auf dem Planeten mit acht Jahren Verspätung das 21. Jahrhundert an.

Altgediente Strategen aus dem Community Organizing machten den Sieg möglich

Dass das passieren konnte ist nicht allein das Werk der Heerschaften von Telefonierern und Türklopfern im ganzen Land, sondern auch Tausenden anderer Heinzelmännchen zu verdanken, die ebenfalls unten an den Graswurzeln ansetzten, nur noch viel professioneller, darunter: Mein alter Boss in Chicago, Jim Capraro, der Martin Luther Kings Protestmärsche gegen den Rassismus in seiner Nachbarschaft im Südwesten der Metropole am Michigansee betreten miterlebt hatte, das Community Organizing von der Pike auf lernte und daraus das Community Development schmiedete, ein basisorientiertes Modell moderner Stadtentwicklung.

Ein Jahr lang feilte Jim Capraro an neuer Stadtpolitik und "Urban Policy"

Leute wie "Capp" stießen bereits im Mai 2007 zur Obama-Kampagne und bereiteten generalstabsmäßig ihren Launch vor. Der Community Developer Capraro etwa feilte ein ganzes Jahr lang an der Stadtpolitik des Präsidentschaftskandidaten und bereiste im Sommer 2008 die kritischen "Swing States". "Aus meinem eigenen riesigen Netzwerk rekrutierte ich dort Macher für den Wahlkampf", erzählte er mir, im September und Oktober trat er als Redner bei Veranstaltungen auf und in den letzten Tagen des Showdowns "wählte ich mir wie Millionen anderer Helfer die Finger wund, um sicherzustellen, dass die Wähler auch wirklich den Weg zu den Urnen fanden".

Mit Community Organizern gegen den Terrorismus?

Aktivisten wie er sind die "Braintrusts and Thinktanks" hinter Obama. Sie wissen, wie die Menschen auf der Straße ticken und werden den Präsidenten während seiner Amtszeit beraten. Vieles ist bereits vorbereitet, etwa die Auflösung des Straflagers in Guantanamo und Beendigung der Kriege, eine Umwelt-Offensive und durchgreifende Reformen in der Bildungs- und Wissenschaftspolitik, die Einführung eines sozialen Pflichtjahrs: Gut möglich, dass der Neue im Weißen Haus die milliardenschwere Militärhilfe an Länder wie Kolumbien einstellt und Community Organizer hinunterschickt, um soziale Gerechtigkeit zu schaffen und Terrorismus den Nährboden zu entziehen.

"Ihr alle seid meine Mitstreiter!"

Natürlich war Capraro mit seiner Familie und den Enkelkindern Ellie und Evie dabei, mit Tränen einen politischen Traum in Erfüllung gehen sehend, als Obama in Chicagos Grant Park in der Wahlnacht seinen Sieg verkündete. Wer dem Maestro aufmerksam zuhörte, vernahm Folgendes: Die Herausforderungen der Welt verlangen immer wieder ein frisches „Yes We Can“, sowohl von ihm als mächtigster Mann der Welt beim Lösen der anstehenden Probleme als auch von jedem Menschen auf dieser Erde bei der Bewältigung seines Lebens. Wir alle dürften uns als seine Mitstreiter betrachten, im Großen wie auch im Kleinen, im Beruf und in der Forschung, in der Familie und im persönlichen Leben.

Die Welt und das Hiersein veredeln

Wer sich durchringt, eine Hoffnung auszusprechen, findet aus seinen Tiefen auch Wege ins Licht, die gemeinsam mit anderen Bedrückten beschritten werden sollten und viel geistige und körperliche Kraft abverlangen können – am Ende aber die Welt und das Hiersein veredeln.

Wo ist das Fleisch?

Hier war der "Messias Obama", wie so oft in der Kampagne, wieder spürbar, sein über allem schwebender ätherischer Geist, bestechend – aber: "Where's the beef?" Sogar Gerhard Letzing fragte leise, "hat er's wirklich im Kreuz?" und erinnerte an Jimmy Carter, der mit größtem Idealismus grandios floppte. Wird der 44. US-Präsident zum Durchsetzen seiner hehren Ziele in einer aus den Fugen geratenen Welt seine Freiwilligenarmee reaktivieren? Der Mann kann auf 10 Millionen Email-Adressen zurückgreifen, 5 Millionen Handy-Nummern und 4 Millionen Spendernamen.

Furioser Auftakt eines "Open-Source-Government" und "President 2.0"?

Stehen uns vier Jahre Politik im besten Web-2.0-Stil bevor mit Online-Kamingesprächen, im Netz veröffentlichten, diskutierten und basis-reformierten Gesetzesentwürfen – der Beginn einer "Open-Source-Legislative", wie der politische Internet-Spezialist Tobias Moorstedt fragt. Und changiert diese zu einem "Open-Source-Government" mit einem "President 2.0"? Schon kursieren neue Begriffe, ist die 40 Jahre alte Graswurzel- zur "Netzwurzel-Bewegung" herangewachsen.

Die Geister, die Obama rief ...

Kommt nach dem "user generated content" im Netz der "voter generated content" in der Realpolitik? Oder, anders herum, wird Obama die Geister, die er rief und die ihn siegen halfen, nicht mehr los – wird die 19 Millionen Menschen umfassende Netz-Community gegen ihren Netzwurzel-Präsidenten die eigenen Vorstellungen durchboxen, diesen zur Hanswurst degradieren? Oder ist dieses offen ausgetragene Pro und Contra etwa der neue Dialogstil, eine vielstimmige Demokratie, mit dem gravierenden Nachteil, dass Entscheidungsabläufe womöglich auf Schildkrötentempo heruntergebremst werden?

... oder wurde die Basis von der Herrschaft gekidnappt?

Oder, noch ganz anders, ist die Basis, für Herrschende fast immer missliebig, von der Herrschaft in einem grandiosen Handstreich gekidnappt worden? Traditionell war Community Organizing, vor 70 Jahren in Chicago erfunden, immer unparteiisch und arbeitete von unten nach oben, bis Obama kam, der das Credo auf den Kopf stellte, als er sich nach drei Jahren als Community Organizer in Chicagos Southside-Ghetto nach Harvard mit den Worten verabschiedete: "Damit lässt sich kaum was erreichen, richtige Macht hat man nur in der Politik." Sind die nachbarschaftlichen House Meetings, zu denen die Obama-Strategen auch nach der Wahl noch aufrufen, nur ein Mittel, um die Graswurzeln zu sedieren?

Die Linksliberalen giften bereits

Kaum war der Wahlsieg eingefahren, als es im linksliberalen Lager bereits zu gären begann, nachdem die ersten Namen für die Kabinettsposten durchgesickert waren. "Alles Clinton-Leute!", murrte es. Obama-Unterstützer Tom Porter in Seattle sah sich von seinen Kindern und deren Freunde unversehens auf den heißen Stuhl gesetzt. "Seid fair", ermahnte Vater Porter den Nachwuchs, "gebt dem Mann seine 100 Tage Schonfrist!"

Exakt 1430 Tage Bewährung

Der Countdown tickt, am 20. Januar 2009 mit der feierlichen Amtseinführung wird es ernst. Mit der ihm eigenen Fortune, die Obama durch dick und dünn trägt, könnte sich seine Bewährungszeit generös verlängern, aber nach 1430 Tagen ist definitiv Schluss, orakeln abergläubische Geister. Am 21. Dezember 2012 wird nach einer Prophezeiung der Maya die Welt untergehen. Auch rationalere Geister sind geneigt, hierin eine mahnende Symbolik zu sehen, die Mister President doch auf Turbo schalten lassen möge.

"You betcha!"

Wie röhrte Sarah Palin, Wahlverlierer John McCains Vize, so unnachahmlich: "you betcha!" – deshalb hier die ultimative Wette, wer hält dagegen? CHANGE has come not only to America, but will come to you, too. Mehr darüber im Verlauf des Jahres 2009, wenn wir die Kommentare der Leser dieses Beitrags auswerten und eine Bilanz ziehen, die auch die Politik der Obama-Administration einbezieht.

©Wolfgang C. Goede


Vernetzung mit dem P.M. Magazin Print

In der Ausgabe 01/2009 erschien in P.M. der Artikel "Gefährdet das Internet unsere Demokratie?" Darin knüpft die Autorin Petra Fleck an die Obama-Kampagne an und spürt den Schattenseiten der Massenmobilisierung via Internet nach. Hier ein paar der Stimmen, die sie dafür eingefangen hat. Das Volk über jedes Gesetz im Netz abstimmen zu lassen, habe einen anti-demokratischen Effekt, weil sich die Minderheiten überdurchschnittlich beteiligen, so der Politikwissenschaftler Jürger Falter von der Universität Mainz. Der Chaos Computer Club lehnt Internet-Wahlen rundweg ab, weil das Tür und Tor für unwägbare Manipulationen öffne. Der US-Internet-Experte Jaron Lanier warnt vor "digitalem Maoismus", einem Kollektiv von Amateuren, das mit Halbwissen die öffentliche Meinung beeinflusst. Der US-Wissenschaftler Cass Sunstein setzt noch einen drauf: Das Netz fördert nicht die viel beschworene "Weisheit der Vielen", sondern "Herdentrieb, Verdummung, Massenhysterie".


... und hier jetzt die Fortsetzung der Foto-Story


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Deutsch-amerikanische Wiedervereinigung: Der P.M.-Reporter, Don, Chris, Gerhard und Kevin treffen sich nach 33 Jahren wieder. Sie waren wie Barack Obama Community Organizer in Chicago und machen für ihn Wahlkampf


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Mega-Stress: Stephanie Baker leitet die Obama-Kampagne im 37. District von Seattle. Sie studiert Menschenrechte in New York und ist seit Juli täglich 16 Stunden auf den Beinen


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Mama für Obama: Eine Freiwillige im Wahlkampf-Büro beim elektronischen Erfassen der Ergebnisse von Telefon-Banken und Hausbesuchen


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Telefon-Bank: Hier machen zu Spitzenzeiten bis zu 15 Leute Anrufe



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Get Out The Vote! Lynn und der P.M.-Reporter beim Telefonieren


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Jüngster Obama-Fan: Gleich setzt sich sweet little Wanjiku ans Telefon und charmiert die Wähler


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Obama-Total: Werbeplakate vor einem Haus


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Immer gut gelaunt: Heather unterstützt als Vize-Chefin Stephanie und bleibt selbst bei größter Hektik cool


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Star-Gast: Auch Obamas Schwager, Basket-Ball Coach Craig Robinson (Mitte), muss erst mal Telefondienst machen, bevor er erzählt, wie sich seine Schwester Michelle und Barack wirklich kennengelernt haben und welche Rolle er selber spielte



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Ehrenvoll: Die Gouverneurin des Bundesstaats Washington Chris Gregoire dankt dem Deutschen für seinen Einsatz



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Fundraising Dinner: Die Gäste machen zwischendurch Anrufe, um die Wähler zu mobilisieren



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Downtown Seattle: Auch die Geschäftswelt der Pazifik-Metropole setzt auf "HOPE" und "CHANGE"


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Freiwilligen-Briefing: Mike macht klar, worauf es beim Tür-zu-Tür-Canvassing ankommt



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Klinkenputzen: Der P.M.-Reporter erklärt Anwohnern, was alles auf dem Wahlschein steht



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Generation O: “Wir können dieses Land zusammen verändern: Ziegel für Ziegel, Straßenblock für Straßenblock, Nachbarschaft für Nachbarschaft. Gewöhnliche Menschen können Außergewöhnliches schaffen."


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Ausschöpfen sämtlicher Kommunikationskanäle: Wer nicht daheim ist, bekommt diese Erinnerung an den Türknopf gehängt


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Emotionale Ansprache am D-Day: Es geht um DEINE Zukunft!


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Wahl-Party: President-elect Barack Obama verkündet seinen Wahlsieg. Kein Auge bleibt trocken



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Sieg mit langer Vorgeschichte: Jim Capraro (Mitte), heute Berater Obamas in städtepolitischen Fragen, im Jahr 1974 mit den deutschen Sühnezeichen-Freiwilligen und Community-Organizing-Azubis



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Windy City am Michigansee: Chicago ist das Mekka des Community Organizing und Keimzelle des CHANGE



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Erste Gehversuche im Graswurzel-Modus: Interview mit den deutschen Ersatzdienstleistenden 1972


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Hier weht der Mantel der Geschichte: Die 37th-District Freiwilligen JC, der P.M.-Reporter, Linda und Denise mit dem 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Barack-Superstar


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Politisches Weltbeben: Aufmacher der Lokalzeitung am Morgen nach der Wahl


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Jetzt ist das 21. Jahrhundert eingeläutet: Seattle und US-Amerika können wieder leuchten


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Obamania: Spannung und Jubel auch im Ausland – Wahl-Party in Münchens angesagtestem Club


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... yes we can, sí se puede – jawohl, wir können es schaffen! Der Wahlsieg bleibt für Obama, seine Wähler und Sympathisanten in aller Welt über die nächsten vier Jahre eine fortwährende Herausforderung

Fotos: W. Goede, F.-P. Mau, pixelio M. Voelkl (Chicago), mybo (neighborhood team)


Vertiefende Links

Saul-Alinsky-Organizing – Jetzt auch in Deutschland / ASF – Das Zeichen 1998

Community Organizing – ein Weg für Deutschland? / Foco – Jahrestagung Stadtteilarbeit 2004

Civil Journalism & Scientific Citizenship / Comm-Org-Papers, University of Wisconsin 2003

„Demokratie ist, wenn jeder mitmacht. Auf der ganzen Welt!" / Aktive Bürgerschaft – Beitrag in P.M. zum 25. Jubiläum 2003

Aus der Ohnmacht zum Empowerment / Netzwerk Gemeinsinn 2006


Wissenschaftliche Literatur

Die beiden Sozialwissenschaftler Professor Dr. Leo Penta und Dr. Peter Szynka haben sich mit der Theorie und Praxis des Community Organizing in den USA und in Deutschland auseinandergesetzt. Dazu sind unlängst ihre neuesten Bücher erschienen:

Leo Penta (Hg.): Community Organizing. Menschen verändern ihre Stadt. Edition Körber Stiftung 2007


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Peter Szynka: Theoretische und Empirische Grundlagen des Community Organizing bei Saul D. Alinksy (1909 – 1972). Akademie für Arbeit und Politik/Bremer Beiträge zur Politischen Bildung 3/2006


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Siehe zu diesen Publikationen auch Super Tuesday: Schub für deutsche Sozialforscher


Follow-up-Drehscheibe

* Bei Obamas Amtseinführung am 20.01.09 wurde heißgeschaltet das neue bürgeraktive Internet-Forum des Weißen Hauses

* Am 23.01.09 verkündete Obama die Gründung einer neuen Organisation, ORGANIZING FOR AMERICA (danke, Gerhard!). Sie vereint eine halbe Million Menschen, die seine Kampagne aktiv unterstützten. In einer Video-Adresse begrüßt Obama sie als die Bürger, die "an der Seite des Präsidenten die Agenda unterstützen, für die Sie so hart gekämpft haben".

* Zu Saul Alinsky's 100. Geburtstag am 30.01.09 lief auf National Public Radio NPR (danke, Michael!) ein Interview mit Sanford Horwitt, dem Alinsky Biografen, zum Thema: Saul Alinsky The man who inspired Obama

* Zu "Alinsky's Centennial" siehe auch Chicago Tribune: Alinsky's organizing legacy lives on und die Huffington Post: Saul Alinsky's Centennial and His Advice to Obama: Keep Your Eyes on the Prize

* Warum Obama nur mit starken Verbündeten, u.a. in der CO-Szene, sowie mit den CO-Werkzeugen den Kurs der USA verändern kann. Eine Studie auf der Comm-Org-Plattform der Wisconsin Universität (danke, Michael!): Organizing in the Obama Years: A Progressive Moment or a New Progressive Era?

* Die verkrusteten deutschen Parteien schnuppern Morgenluft. Inspiriert vom Obama-Erfolg, möchten sie sich an seinen Kampagnenstil anhängen. Im Februar 2009 referierte vor der Berliner Stiftung "Neue Verantwortung" JULIUS VAN DE LAAR, Youth Vote Manager der Obama 08 Presidential Campaign, über "Campaigning 2.0: Neue Führungs- und Beteiligungsstrategien für eine moderne Parteiendemokratie" -- Fazit: Mit dem schnellen Click, per Knopfdruck und einer Super-Internet-Werbung läuft gar nichts (danke, Ruppe!). Die Basis ist nicht online, sondern offline, aktive Beziehungs- und Vernetzungsarbeit, kurz: "Relational Power" im CO-Jargon.

* "Ich bin es, dein Anführer", so lautet ein Beitrag in der Süddeutchen Zeitung am 18.02.09 von Tobias Moorstedt, der während des US-Wahlkampfes bereits mit dem Buch „Jeffersons Erben. Wie die digitalen Medien die Politik verändern“ sich als Experte für Demokratie 2.0 einen Namen machte. Darin legt er dar, dass "Organizing for America" (2. Eintrag auf dieser Drehscheibe) 3500 Hauspartys veranstaltet habe, in denen Obamas Konjunktur-Stimulus-Programm diskutiert wurde. Teilnehmer wurden ermutigt, die Abgeordneten der Republikaner anzurufen und anzumailen, um deren Unterstützung einzufordern. Der Präsident setzt auf die neuen elektronischen Medien, wie er selber mit seinem Blackberry-Handy demonstriert, und deutete auf seiner ersten Pressekonferenz an, dass er auf die großen TV-Networks verzichten kann, "er spinnt seine eigenen Netzwerke aus DSL-Leitungen und W-Lan-Wellen". Die vernetzten Bürger, schreibt Moorstedt, werden neben der vierten Gewalt (Presse) zur fünften Gewalt. Aus diesen Reihen kommt der Wunsch, Obama möge eine Wiki-Legislative etablieren, in der Gesetzesvorschläge gemeinsam erarbeitet werden.

* "Grüne eifern Obama nach", lautet ein Beitrag in der Süddeutschen Zeitung am 27.02.09. Danach will die Partei will gezielt im Internet um Wähler werben.

* "Die Obama-Strategie für Deutschland?": Diese Frage stellt der Vernetzungsberater Wolfgang Fänderl in einem Beitrag von "Netzwerk Gemeinsinn". Sie könnte "wervolle Anregungen bieten, soweit wir sie auf unsere kulturellen Verhältnisse und aktuellen Herausforderungen übertragen können", lautet eine seiner Antworten.

* Mit "Mit dem Internet per du" stellt die "Süddeutsche Zeitung" am 02.03.09 die neuen Onlineportale der großen Parteien im Jahr der Bundestagswahlen vor: Der CDU-Internetauftritt zeige, "wem Merkels Partei nacheifern will: Barack Obama".

* Obama verfolgen die Gespenster seines Vorgängers. "Rotes Kreuz wirft Bush-Regierung Folter vor", schreibt die "Süddeutsche Zeitung" am 17. März. Was passiert jetzt mit Guantanamo und den Gefangenen, kommt es zu einer nationalen oder internationalen Anklage gegen Bush? -- hier ist der Neue Chef im Weißen Haus gefordert.

* Im Streit um Managerzulagen greift Obama auf sein Wahllkampf-Netzwerk zurück. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" am 18. März im Leitartikel "Obama in Gefahr": "Seit dem Wochenende hat Obamas einstige Wahlkampforganisation, die sich nun Organizing for America nennt, 13 Millionen E-Mails verschickt. Darin werden alle Freunde gebeten, ihren Wahlkreis-Abgeordneten im Kongress anzurufen und ihn daran zu erinnern, wie wichtig es für Amerika sei, dass der neue Präsident seine Ziele verwirklichen könne."

* Obama hat ein neues Jahrhundert der Forschung ausgerufen, um die Zukunftsherausforderungen zu bewältigen, konstatiert die "Neue Züricher Zeitung" am 18. März mit ihrem Beitrag "Neuer Optimismus unter Amerikas Forschern" .

* Jeder Präsident würde gern das Steuer herumreißen – dieser tut es wirklich, nach 60 Tagen im Amt, indem er gigantisch viel Geld für Reformen in die Hand nimmt, schreibt die Zeit am 19. März in "Revolutionär der Mitte".

* "Im Dauereinsatz für den mächtigsten Mann der Welt." Unter diesem Titel berichtete der Münchner Merkur am 23.03. online über eine Veranstaltung an der Neubiberger Bundeswehruniversität. Auf Einladung von Privat Dozent Dr. Franz Kohout berichtete dort der Autor über die Obama-Wahlkampfmaschine. Und hier berichtet Kohout auf der Homepage der Universität der Bundeswehr München über die Veranstaltung "Community Organizing and the Obama Campaign".

* Dieser Präsident funkt auf allen Kanälen, schreibt die "Süddeutsche" am 26.03 in "Der ganz präsente Präsident". Er tippt ständig in sein Blackberry, belagert die Laptops seiner Landsleute mit Emails, ist auf Youtube omnipräsent, war als erster Präsident Gast bei Jay Lenos Late Night Show und gibt nacheinander zwei direkt übertragene Live-Pressekonferenzen. Und: Obama lädt zur Online-Fragestunde. US-Präsident antwortet im Web live auf Bürgerfragen

* Beim 2. Münchner Methoden-Fachforum "Ja, wir tun's! Bürgerbeteiligung der Zukunft" wurde das Obama-Prinzip dargestellt. Der Titel: Yes, we can! -> Yes, we did! - und dann?. Die Kamagne wurde aus dem Community Organizing hergeleitet und nach Obamas ersten hundert Tagen im Amt die Frage gestellt: Wie demokratisch ist der neue US-Präsident?

* Der US-Journalist Jim Geraghty geht in "National Review Online" vom 14. Mai den Wurzeln Obamas in Saul Alinsky nach, Titel des Beitrags (besonders lesenswert sind auch die Links darin): The Alinsky Administration

* Sozio-historischer Hintergrund zu den Wurzeln des Obama-Ismus
Obamas Graue Eminenz: Saul Alinsky
P.M. History 10-2009
»Yes, we can!« Der Aktivist lehrte die Armen, sich selbst aus dem Sumpf ihres Elends zu ziehen. Seine Mittel: Vernetzung und Konfrontation.

* Bilanz nach einem Jahr Obama: Der Hoffnungstraeger wankt
Wenn der letzte Funke Hoffnung schwindet
Aufstellung "Politik im Raum" und Netzwerk Gemeinsinn
27. November 2009
Fritz Letsch - 8. Nov, 22:04

Gratulation, Obama Wolfgang!

Es ist mit eine grosse Wohltat, dass das Community Organizing jetzt den grössten Wahlkampf gewonnen hat, und ich nun zuversichtlich, dass mit diesen Methoden im Lauf der Jahre auch hierzulande die Lobby-Karriere-Parteien durch bürgergetragene Gruppen abgelöst werden.

Wolfgang Fänderl - 9. Nov, 08:07

die OBAMA-Strategie

Lieber Wolfgang, liebe P.M.-Leser!

Natürlich müssen die Voraussetzungen stimmen und sicher waren noch andere Faktoren hilfreich um die Wahl zu gewinnen (Charisma, persönlicher Hintergrund, politische Verankerung, Wahlsystem...) aber der Bericht zeigt aus der Innenansicht, wie es den Wahlhelfern ging. Ein klasse Bericht!

Ich würde mir wünschen, dass die OBAMA-Strategie auch während der Präsidentschaft Begeisterung für die richtigen Ziele auslöst. Bitte dran bleiben und den weiteren Weg beobachten, damit wir alle davon lernen können.

Wolfgang Fänderl

Walter Häcker - 9. Nov, 16:51

So geht das!

Meine Erfahrung ist: Handle wie ein Organizier und selbstbewusste bürgergetragene Organisationen entwickeln sich um dich herum.

open-science - 10. Nov, 00:42

Mit anderen Worten:

What comes around goes around! --
and what goes around comes around
as well!,
frei zitiert nach Freddy the Fireman.
Peter Rubin - 21. Nov, 17:02

Bush-Gedicht...

Lieber Wolfgang, anno 2003 verfasste ich nachfolgendes Gedicht über Mr. Bush...der letzte Vers ist von 2008 - jetzt wächst Hoffnung - auch wenn schwierige Zeiten vor uns liegen...mit der Aufgabe wächst der Mut...Viel Glück und gutes Gelingen, Mr. Obama...

To the EX-President of the United States of America!

Listen to this...

Mister President Bush
give your heart a push
listen to your soul
do not play so foul
stop the way you think!
instead - fight with ink!

Mister President Bush
give your heart a push.
become a guardian angel
start ringing the peace-bell.
stop the way you think…
just fight with ink!

Mister President Bush
give your heart a push
do not be so stubborn
stop the movements of troops
stop the march of boots
change the way you think -
really, fight with ink!

Mister President Bush
give your heart a push.
just try to be a great leader
please, ever be so eager
move off the troops
become a guardian angel
start ringing the peace-bell.
stop the way you think -
just fight with ink!
Just fight with ink….

Mister President Bush
Give your heart a push
Now it’s your time to go
Thank your god - just go
It really was a poor show
Yes, the world is free, now
Go, go with a deep bow…


Peter Rubin - copyright by Peter Rubin 2003/2008

Peter Rubin
POBox 440226, D80751 München
eMail: Prubin1018@aol.com

T. Schröder - 26. Nov, 11:00

Phishing im großen Stil?

Das Engagement der US-amerikanischen Wahlhelfer und auch das des deutschen Journalisten ist beeindruckend. Die Euphorie, mit der sie für einen Regierungswechsel kämpfen, herzerfrischend. Die Massivität der Werbung via Telefon und Hausbesuch aber ist erschreckend. Was sich hier zeigt, ist Polit-Phishing im großen Stil, und die Tatsache, dass die zweifelhaften Verkaufsstrategien von Staubsaugervertretern und Telekommunikationsunternehmen für die politische Arbeit instrumentalisiert werden, ist durchaus bedenklich. Wer darauf setzt, Wähler in letzter Minute für seine Sache gewinnen zu können, geht grundsätzlich davon aus, dass er es mit unentschlossen wenn nicht gar unmündigen Wählern zu tun hat. Auch das ist beunruhigend. Zum einen, weil sich darin die offensichtliche Entpolitisierung großer Teile der Bevölkerung manisfestiert, zum anderen, weil Parteistrategen gleich welcher Couleur diese Unwissenheit und dieses Desinteresse ausnutzen.

open-science - 26. Nov, 13:24

Feuer frei für die Kritik!

Tausend Dank, Tim Schröder, für diese Kritik! Er eröffnet mit seinem Beitrag eine neue Runde. Viele Menschen hierzulande teilen seine Bedenken: Manche vergleichen Hausbesuche, One on Ones, mit Drücker-Kolonnen, die damit ihre Zeitschriften-Abos unters Volk bringen; für eher religiös verortete Organisationen spricht CO zu viel von Macht und zu wenig von karitativer Nächstenliebe; Bürger-Organisationen sehen darin sogar ein "Trojanisches Pferd", in dem die Scientology Church auf weltweite Conquista geht. Was steckt dahinter? Ventilieren Sie hier Ihre Bedenken, am Ende in einer dritten Runde wollen wir Pro und Contra zu einer Synopsis zusammenfassen.
Markus Hollemann - 3. Dez, 08:57

Wer will "Change" bei uns?

Es stellt sich die Frage, ob Community Organizing in Deutschland funktionieren könnte bzw. ob es gewünscht ist.

Wir haben in Deutschland viele Parteien, die öffentliche Aufmerksamkeit und Zuwendungen erhalten. Wir haben keine charismatischen, mitreißenden Köpfe, auch weil diese nicht in einer 1 zu 1 Situation als reines Aushängeschild -überall medial präsent- fungieren müssen. Oft werden fähige Politiker schon innerhalb ihrer Partei zerrieben und wegen der verkrusteten innerparteilichen Strukturen demotiviert. Zusätzlich kommt die durch die Medien nach außen gefilterte und dargestellte Politik der wenigen von den Medien beachteten Parteien, als mainstream und vollkommen ohne Kontur beim Bürger an; schließlich möchte die "Politik" es allen recht machen.

Der Abgeordnete vorort kümmert sich oft auch um alltägliche Dinge vorort - nicht alle, aber einige tun es wirklich. Innerhalb einer Partei kann ich alle Positionen vertreten (z.B: für oder gegen Atomkraft, für oder gegen Abtreibung). Wen interessiert dann ein Programm? Wen interessieren Ehrenworte, Beschlüße und Aussagen, wenn diese nach der Wahl nicht eingehalten werden?

Das Engagement der "Motivierer" innerhalb der Parteien (bei sinkenden Mitgliederzahlen) ist beachtlich. Trotzdem gibt es viel, viel zu wenige Vordenker; und "Vorturner" sind auch zu wenige da. Nur den wenigen, wahren Idealisten, die "ihr" Programm authentisch leben, nehmen die vorab zu motivierenden Mitglieder, die als Multiplikator fungieren sollen, deren Einsatz ab. In unserer derzeitigen Gesellschaft gibt es generell zu wenige Aktive. Das spüren die NGOs, die Kirchen, die Parteien und sogar die Leserbriefredaktionen. Es sind immer die gleichen Enagagierten, die die Fahne des bürgerschaftlichen Engagements hoch halten.

Wollen die etablierten, satten Parteien in den Landtagen und im Bundestag wirklich "Change"? Oder langt ihnen nicht der Erhalt des status quo? Allein ein Blick in die Programme macht es deutlich: Keine Visionen in Sicht. Neues ist unerwünscht.
Wer in oder mit der Schwarz-Rot-Dunkelrot-Gelb-Grünen-Einheitspartei Geld verdienen will, schafft das. Alle Helfer werden nach den Wahlen gut versorgt, ob im Parlament als Mitarbeiter, oder in den Stiftungen, oder in einem Aufsichtsrat oder mit einem Beratervertrag beim für den Wahlkampf spendenden Unternehmen.

Ich glaube, dass die "Demokratie" bei uns ist in argen Nöten ist.
Das größte Übel sehe ich übrigens in der in Deutschland legalen Korruption.
Warum darf ein Politiker ein Geldgeschenk in Höhe von z.B. 9000€ annehmen, und ein Beamter würde dafür bestraft werden? Warum sponsoren Pharmaunternehmen ganze Parteitage? Warum und wieviel spendet die Dresdner Bank oder Siemens jährlich den Grünen? Warum spendet und wieviel spendet BMW der Union? Usw.
Umso mehr ich mich mit Demokratie bei uns beschäftige, desto eindeutiger kristallisiert sich heraus, dass die fehlende Unabhängigkeit der Politiker und Politik der Grund für die praktizierte Politik gegen den erklärten Bürgerwillen ist. Ein paar sinnvolle Anmerkungen dazu www.gekaufte-politik.de

Meiner Meinung nach müssen Konzernspenden und Spenden von Lobbyverbänden verboten werden. Politiker raus aus Aufsichtsräten und ein Verbot von bezahlten Nebentätigkeiten gehören umgesetzt, damit die gewählten Mandatsträger wirklich unabhängige Entscheidungen zum Wohle der Bürger fällen können.

Warum Community Organizing, wenn 35-45% nicht mehr zum Wählen gehen? Wozu Community Organizing, wenn, die Mehrheit der Wähler keine andere Politik will (sonst würden sie nicht immer die gleichen Parteien, die uns in diese Lage gebracht haben, und nun auf einmal versprechen diese Lage zu ändern, wählen)? Für mich bedeutet anderes Danken auch anderes Wählen.
Rückblickend auf die letzten Jahrzehnte lässt sich feststellen, dass das geringere Übel Wählen keine Veränderung gebracht hat. Das Gegenteil ist sogar der Fall. Andere Konzepte, andere Politiker, interessante andere Sichtweisen werden dadurch sogar verhindert. Ich behaupte: Demokratie und Meinungsvielfalt, die auch über die Medien breit transportiert wird, wird durch das Festhalten an der Wahl der Schwarz-Rot-Dunkelrot-Gelb-Grünen-Einheitspartei verhindert.

Wie soll Community Organizing stattfinden, wenn NGOs und Bürgerinitiativen (BI) zumeist Ein-Punkt-Politik machen?
Z.B. sind Mitglieder einer BI gegen einen Mobilfunksendeturm nicht gleichzeitig Kernkraftgegner. Wie soll sich da eine (absolut notwendige) gemeinsame Politik "von unten" herausentwickeln?
Für einen -oft kurzfristigen- Einsatz für oder gegen eine Sache vorort kann der innere Schweinehund gerade noch überwunden werden. Doch sich zu binden und für politische Konzepte oder Überzeugungen einzuteten oder sogar Mitglied in einer Partei zu werden, ist leider nicht "in". Zu groß ist die Reizüberflutung, Bindungsangst und gefühlte Machtlosigkeit.

Ich wünsche mir mehr kritisches Nachdenken und ein daraus resultierendes Handeln. Mal schauen, ob Obama auch ein wachsendes bürgerschaftliche Engagement bei uns anstößt.

Petra Fleck - 15. Dez, 11:05

Obamas Datenkrake

>>>Warum Community Organizing, wenn 35-45% nicht mehr zum Wählen gehen?
Damit diese 35-45% an die Urnen gehen! Obama hat es mit seiner Wahlkampfmaschinerie geschafft, Millionen von Menschen zu mobilisieren. Wesentlich dazu beigetragen hat seine Internet-Strategie: Das Web war das zentrale Kommunikationsmittel, das ihm letztendlich vermutlich zum Sieg verholfen hat. Auf seiner Plattform mybarackobama.com wurden unzählige freiwillige Helfer rekrutiert, koordiniert und angeleitet. Profile auf MySpace, Facebook und Co brachten auch jene Menschen mit ihm in Berührung, die ansonsten tendenziell weniger politikinteressiert sind.

Viele Politiker (zögerlich auch in Europa) sehen im Internet das Allheilmittel gegen Politikverdrossenheit. Dafür spricht Obamas Wahlerfolg und eine historische Wahlbeteiligung von 66 Prozent.
Dagegen spricht neben der viel zitierten digitalen Kluft zwischen Internetnutzern und Nicht-Internetnutzern, die Sorge um den Datenschutz: Das wichtigste Kapital von Obamas Wahlkampf waren Adressdatenbanken von Wählern (die auf seiner Plattform für praktisch jeden zum Download bereit standen). Das Sammeln unzähliger Namen, Hausnummern, Telefonnummern und E-Mail-Adressen ermöglichte es, potenzielle Wähler / Spender / Helfer gezielt anzusprechen.

Wer im Internet surft, hinterlässt Spuren – egal ob er bei Amazon einkauft, einen Beitrag in einem Forum veröffentlicht, oder ein Profil auf StudiVZ anlegt. Miteinander verknüpft ergeben diese Daten ein ausführliches Profil einer Person. Eines Wählers – der damit für Politiker immer durchsichtiger wird! Willkommen im Wahlkampf 2.0 – in dem Marketing-Experten Regie über gläserne Wähler führen!
PJ Blumenthal - 3. Dez, 10:19

Spannende Tagebuchaufzeichnungen,

lieber Wolfgang. Man spürt das Engagement und Begeisterung der Freiwilligen in Deiner Reportage. Zufälligerweise befand ich mich zur gleichen Zeit in Arizona. Uns riefen die McCain-people an einem Tag dreimal nacheinander an. Wir haben stets nach zwei Sekunden unfreundlich eingehängt. Hätten wir wahrscheinlich ebenso gemacht, wenn der Anruf von der Obamaseite gekommen wäre. Man wird in den USA von Werbeanrufen ständig berieselt. Echt lästig. Obama hat ein großes Aufgebot an Mitarbeitern inspirieren können, und sicherlich haben diese Leute einiges geleistet. Letztendlich aber war das rhetorische Zauber Obamas für seinen Sieg wichtiger als die elektronische Mobilisierung. So meine Meinung jedenfalls. Nix gegen das community organizing. Ich behaupte aber, dass dieses organizing nur in der Community funktionieren kann - wo es nachvollziehbar ist. Die USA selbst sind keine Community. Da siegte wie immer die Politik, bzw., die Strategien der "handlers". Nicht die Mikropolitik also, sondern die Makropolitik. Lassen wir uns überraschen. ob Obama wirklich so vernünftig bleiben wird wie er im Wahlkampf versprochen hat. Grüße PJ

open-science - 5. Dez, 13:23

Präsident an der Leine?

...danke, PJ. Das ist ja genau das Phänomen. Telefon-Banking und Canvassing waren vor 40 Jahren Werkzeuge, Mikro-Communities zu schaffen. Mit Hilfe des Internets lassen sich lokale und regionale Ansätze in eine Makro-Community integrieren und auf eine viel höhere, potentere Ebene heben. Bsp: Freiwillige und Interessierte lassen sich zentral ganz schnell zu einer Sympathisantengruppe vernetzen, die zum Beispiel im Sommer und Spätsommer die vielen House Meetings ins Leben riefen, die wiederum bisher nicht vernetzte Nachbarn einbezogen; andererseits kann jeder Westküstenbewohner virtuell und real zu Netzen an der Ostküste stoßen und dort seine Arbeitskraft einbringen. Mit dieser bisher nie erreichten Dichte und Integration war das Obama-Team den McCain- und Clinton-Leuten weit überlegen, die bei weitem nicht die hohe Schlagkraft erreichten, weil sie das Netz vernachlässigt hatten. Dieses wiederum generierte fast automatisch für Obama ein bisher nie erreichtes hohes Spendenaufkommen von unabhängigen "Graswurzelleuten" (und nicht Big Money). Die Gelder wurden wieder in die Kampagne und Eröffnen neuer Büros investiert, was die Freiwilligenarmee weiter anschwellen ließ. Und du hast völlig Recht: Die zentrale Frage ist, wie der Präsident mit diesen Heerschaften jetzt umgehen wird. Wird er sie zum Durchsetzen seiner Ziele einsetzen, z.B. bei bestimmten Gesetzesvorlagen Abgeordnete in großer Menge anrufen oder mit sonstigen Aktionen einstimmen lassen – oder werden die "Graswurzeln" den Präsidenten an der langen Leine führen, indem sie selber sich ganz bestimmten Initiativen verweigern und für andere Stimmung machen lassen. Beides wäre demokratisch, oder?
Manfred - 4. Dez, 16:02

Zuerst die USA - und jetzt die EU

Nach der Wahl ist vor der Wahl – und so wird Obama mit seinem Team in den nächsten Jahren beweisen müssen, dass das „einfache Volk“ zu Recht auf ihn gesetzt hat. Der bedrückend einflussreiche „militärisch-industrielle Komplex“ wird (wie im „alten Europa“) weiterhin zur Rechtfertigung seiner Existenz seine imaginären Feindbilder pflegen bzw. unvermindert abkassieren wollen. Beides wird den Abbau öffentlicher Schulden hemmen und das Interesse von innenpolitischen Fragen ablenken, ja es könnte sogar zu Lasten der Amts-, schlimmstenfalls der Lebenszeit Obamas gehen. Obama findet bei Amtsantritt nicht nur im Staatshaushalt einen Scherbenhaufen vor und wird versuchen müssen, daraus wieder Brauchbares aufzubauen – wenn auch das Selbstverständnis des durchschnittlichen US-Bürgers nicht an erster Stelle auf einen Sozialstaat gerichtet ist, wie wir ihn bis vor etwa 20 Jahren, längstens bis zum Beginn von Schröders „Agenda 2010“, hatten. Drücken wir Obama die Daumen, dass er den auch haushaltsbedingt geringen vorhandenen Handlungsspielraum zum Nutzen das US-amerikanischen Volkes und des Friedens zwischen den Menschen in der Welt und mit der Natur wirklich und wirksam nutzen kann. Sollte ihm das gelingen – ich hoffe und bange mit ihm – kannst Du, lieber Wolfgang, stolz darauf sein, zusammen mit tausenden Gleichgesinnter „die Wende“ in den USA und für die Welt in 2008 mit angeschoben zu haben, was Dir aber so oder so eine echte persönliche Bereicherung sein dürfte. Und so lange das Werben um die Stimmen dem Bürger nur als Angebot deutlich gemacht und nicht in lästiger Art aufgedrängt wird, dürfte es auch von den so Umworbenen als hinnehmbar empfunden werden. Uns bleibt jetzt „nur“ noch, bei allen kommenden Wahlen und in der Kommunikation mit Politikern und Parteien, also bereits in 2009, in Deutschland und Europa für eine Politik zu sorgen, die nicht weiterhin kolonialistische und imperialistische Politik hofiert oder gar selbst plant (Weißbuch für die Bundeswehr von 2006), sondern sich endlich ehrlich und intensiv um Frieden in der Welt und nachhaltig lebende Gesellschaften bemüht, die andere Länder einschließlich der USA im positiven Sinne mitreißt zum Nutzen aller Menschen und der Ökosphäre gleichermaßen.

O. Lynch - 7. Dez, 18:16

mitReden

Herzlichen Dank für diese erfrischende Tagebuchreportage aus Insider-Sicht. Auf diese Weise werden dem deutschen „Michl“ (und auch der Gretl) Begriffe wie Internetkampagne und Community Organizing verständlich nähergebracht.

Ich als aktive Mitbürgerin (vor langer Zeit auch mal Parteimitglied gewesen) frage mich natürlich auch, was wir in der guten alten BRD aus der Obama-Kampagne lernen oder für uns übernehmen können. Ich stimme den kritischen Kommentaren teilweise zu. Beispielsweise denke ich, dass die Bundesbürger – aus welchen Gründen auch immer – der Telefonwerbung wesentlich skeptischer gegenüberstehen als die Amerikaner, und diese sogar als Belästigung empfinden könnte. Ich zum Beispiel würde ich es mir verbitten, dass wildfremde Leute bei mir anrufen und mich nach meiner politischen Überzeugung und meinen Wahlpräferenzen befragen würden. Und was das Internet betrifft: Was ist eigentlich mit denen, die keinen Internetzugang haben oder dessen Möglichkeiten nicht wahrnehmen – was wahrscheinlich wieder genau diejenigen Menschen mit weniger Bildung, weniger Geld, schlechteren Sprachkenntnissen usw. betrifft, bei denen Politik ohnehin schon schlechter „ankommt“ als bei der gebildeteren und vermögenderen Schicht.

Nun, die altbackenen Infostände in der Innenstadt oder die Podiumsdiskussion im stillen Kämmerlein finde ich heute auch nicht mehr das non plus ultra, aber warum nicht mal in Deutschland neue Wege ausprobieren, mit denen man dem Bürger zwar näher kommt, aber bei ihm nicht gleich mit der Tür ins Haus fällt? Zum Beispiel könnte ich mir vorstellen, mit aktuellen Diskussionsthemen, die den Bürgern auf den Nägeln brennen, in die Stadtteile zu gehen und auf Straßen und Plätzen vorher angekündigte öffentliche Debatten zu führen, an denen jede/r teilnehmen kann (siehe z.B. die Idee des öffentlichen „mitReden“ der Münchner Gruppe BED), oder warum nicht vor Wahlen mit „mobilen Infoständen“ in die Stadtteile fahren und spontan bei Supermärkten, Wochenmärkten, Konzertsälen, Kirchen und überall, wo was los ist, einfach anhalten und sich einmischen (ja ich weiß, das Ordnungsamt sei vor!...)?

Das Tolle an der Obama-Kampagne ist jedenfalls, dass viele daraus lernen und manches davon übernehmen können. Die Zukunft lebt, und es bleibt nichts wie es ist!

Martin - 7. Dez, 21:08

Korrupte Politiker - desinteressierte Bürger

Wolfgang Goede fragt: "Kommt nach dem 'user generated content'
im Netz der 'voter generated content' in der Realpolitik?"

Zumindest "user generated content" spielt bereits eine
zentrale Rolle in der täglichen Lektüre vieler Menschen.
Ich bin sehr dankbar, dass ich im Internet nicht nur die
absolut gleichen Nachrichten von Süddeutsche, Spiegel und Welt
lesen kann, sondern mich auch ergänzend aus Blogs und direkt
"an der Quelle" informieren kann.

Auf diese Weise muss ich mich nicht mehr von politischen
Journalisten mit meist sehr beschränkter Weltsicht belehren
lassen, sondern kann in einen gleichberechtigten Dialog mit Journalisten, Organisationen, Parteien und Privatleuten treten.

In der Realpolitik wird sich ein entsprechender 'voter generated
content' wohl nicht so schnell durchsetzen, denn dies würde
gezielte Volksabstimmungen zu vielen verschiedenen Sach-Themen
voraussetzen. Doch weder CDU, FDP noch SED/Linke, SPD und Grüne
möchten Volksabstimmungen - und offenbar sieht das die absolute
Mehrheit der Wähler und Nicht-Wähler ebenso, ansonsten würde sie
ja andere Parteien wählen.

Ganz im Gegenteil geht der politische Trend hin zur totalen
Entmündigung des Wählers, indem die politische Macht immer mehr
von demokratisch nicht-legitimierten EU-Politikern ausgeübt
wird. Ein trauriger Höhepunkt war die verfassungsfeindliche
Verhinderung einer Volksabstimmung über unsere neue EU-Verfassung.
Und falls in einem europäischen Land unvorsichtigerweise trotzdem
ein Volksentscheid stattfindet, dann wird dieser bei nicht genehmem
Ergebnis einfach als unrelevant erklärt, wie im Falle Irlands.

Aber die Wähler und Nicht-Wähler wollen es ja nicht anders,
wie wir sicher auch im Jahr 2009 zur Bundestags- und Europawahl
sehen werden ...

Danke an Markus Hollemann für den aufschlussreichen Link zu
www.gekaufte-politik.de

OpenScience - 8. Dez, 00:31

Was in Deutschland nicht geht

Danke, Martin, deinen Ausführungen entnehme ich weiterhin: Internetauftritt und Foren sowohl E-Mail-Diskussionen gibt's in deutschen Wahlkämpfen bereits und natürlich Infostände, offene Vorträge mit anschließender Diskussion, sowie das übliche Marketing: Flugblätter, Plakate. Für Kampagnen im Obama-Stil fehlen vor allem Telefonanrufe und Hausbesuche - aber "Anrufe und Mails an Fremde sind ja in Deutschland verboten, und Besuche werden wohl von den meisten abgelehnt und wären eher kontraproduktiv (wir hätten natürlich auch nicht die Zeit und die Leute dafür)".
Jürgen vom Scheidt - 8. Dez, 08:45

Weiter so!

Mit einem Freund, den ich seit 1956 kenne, habe ich vorige Woche endlich ein Gläschen Sekt auf diesen eindrucksvollen Wendepunkt der Geschichte getrunken. Wir haben damals, in den späten Fünzigern, als Blues- und Jazz-Fans und -Sammler sehr bewusst das Elend der Apartheit in den USA beobachtet. Was jetzt gerade geschehen ist, hat mich mit den USA überhaupt wieder versöhnt, nachdem der Vietnam-Krieg die ursprüngliche naive Begeisterung mehr und mehr gedämpft hatte - und der Bush-Irak-Krieg #2 sowieso. Wie dieses Land sich immer wieder aus sich selbst heraus erneuern kann - unglaublich! Davon sollten wir "Alt-Europäer" uns mal wieder eine Scheibe abschneiden (ohne die Fähigkeit zur Kritik abzugeben). Für mich als Psychologen ist es unglaublich spannend zu sehen, wie nach der grauenvollen Zäsur von 9-11 so etwas wie ein mindestens so eindrucksvolles Geschehen ein positives Zeichen setzt. Obama hat jetzt schon mehr erreicht, als man zu träumen gewagt hatte. Hoffen wir weiter - und lassen wir uns weiter persönlich beflügeln, jetzt geht es darum, überall in der Welt selbst was zu tun: "Yes we can do - Yes I can do."

TR - 11. Dez, 19:16

Wer wird der

Lieber Wolfgang Goede,
ein äußerst spannender Bericht und so real wie ich aus eigener US-Wahlkampferfahrung weiß. Stunden in der Phone Bank oder beim Canvassing vor ein paar Jahren in Michigan läßt einen Amerika kennenlernen. Mal sehen, welche deutsche Partei ihre Jugend in den Wahlkampf nach Amerika geschickt hat, um davon zu lernen .... Mein Tipp: gar keine, denn die deutschen Parteien sind ganz froh, dass dieses Personen-fixierte amerikanische System, das so fantastische Kandidaten und Gewinner wie Obama hervorbringt, bei uns nicht funktioniert. Bei uns haben Parteikader und Nomenklatura zuviel zu sagen.
Die meisten Parteien haben eher Angst vor ihren Wählern und wollen sie möglichst wenig mitreden lassen, wer die Kandidaten sind und wer gewählt wird ...
Woran man das sieht: Welche Bundesländer haben für Kommunal- oder Landtagswahlen das bayerische Wahlsystem übernommen. Hab mal gehört, dass man in Bayern bei Kommunalwahlen so viele Stimmen hat wie Sitze im Rat einer Stadt zu vergeben sind. Da kann man sogar Kandidaten von verschiedenen Parteien wählen und bis zu 3 Stimmen einem Kanidaten geben und diesen so besonders unterstützen. Das gleiche scheint es bei der bay. Landtagswahl zu geben, wo man aus allen Parteien sich auf der Liste einen Kandidaten vom hintersten Listenplatz suchen kann, der dann entsprechende Chancen hat - wenn es nur viele machen. In den meisten Bundesländern haben die Parteioberen Angst das Wähler andere Favoriten haben als die Parteigranden ... Dennoch werden sich die Parteien bei dem Mitgliederschwund umsehen müssen, wie es weitergeht ... und wir alle, wie wir junge Menschen für die Demokratie gewinnen, denn man wird nicht als Demokrat geboren, auch wenn das manche Politiker gerne hätten ...

Wahrscheinlich müssen wir Wolfgang Goede wieder nach Amerika schicken, um zu sehen, wie es weitergeht mit der Generation O. Yes, you can ...

TR

Peter Ripota - 11. Dez, 23:20

Gratuliere!

Gratuliere, Saul Alinsky lebt! Und Wolfgang macht weiter in seinem Geist, find ich toll. Muss auch ein gutes Gefühl sein, zu Obamas Sieg beigetragen zu haben. Immerhin ist diese Wahl ein wenig wichtiger als die des Redaktions-Beirats. Wobei sich die Frage erhebt, warum das System nicht auch auf Deutschland übertragbar ist. Dafür gibt es sicher viele Gründe, vor allem die mangelnde Tradition. In Deutschland ist es jedenfalls immer gefährlich, ohne Rechtsanwalt eigeninitiativ zu werden. Alle Berichte über mutige Menschen zeigen, dass es denen schlecht geht (sie werden, wenn sie sich einmischen, von Brutalos zusammen geschlagen und nachher vor Gericht wegen Nötigung verurteilt). Zudem setzt Selbstorganisation eine Eigenschaft voraus, die es auch in Deutschland gibt, die aber hier höchst negativ beurteilt wird: die Fähigkeit (und den Willen zur) Kooperation. "Kooperation" ist hierzulande ein Schimpfwort, wie ich selbst bei P.M. erfahren musste, als ich das Thema vorschlug.
Trotzdem: Mach weiter Wolfgang! Irgendwann wird auch in Deutschland die staatliche Autorität zerfallen, dann brauchen wir Menschen, die uns lehren, wie wir uns selbst organisieren können und müssen.
-Peter Ripota, ehemaliger P.M.-Redaktör-

Pit Mau - 12. Dez, 12:03

Klasse Bericht!

Hallo Wolfgang,
Klasse Bericht! Da kommt alles zusammen: Wir Leser bekommen einen authentischen Einblick in diesen uns allen recht unbekannten Teil der US-amerikanischen Gesellschaft, in das Thema, was die meisten Seit Monaten bewegt – schafft Obama das? – und werden verbunden mit einem Stück Geschichte des community organizing in Chicago. Und jetzt auch noch eine Menge interesanter Kommentare dazu. Ich hätte es ja wissen können, als ich hörte, Du fährst nach Seattle, um Obamas Sieg den letzten Schub zu verpassen: er wird gewinnen, denn einer der Grundsätze des community organizing ist ja, niemals die Leute in eine Sache führen, die man nicht gewinnen kann. Ein weiterer Grundsatz, der organizer muss wissen, wohin es nach dem Sieg geht, was der nächste Schritt ist. Wie andere mache ich mir auch Gedanken darüber, ob etwas ähnliches in Deutschland funktionieren könnte. Abgesehen davon, dass es schon interessante Projekte gibt (gegenwärtig in Berlin), die auf der Basis von Alinskys Prinzipien arbeiten, wo man lernen kann, was in Deutschland geht, habe ich meine Bedenken. Wir Deutschen glauben, Veränderungen schaffen wir mit dem Wählen. Wir deligieren. Amerikaner haben in dieser Hinsicht eine ganz andere Geschichte. Politiker sind immer weit weg und Veränderungen muß man selber in die Hand nehmen.
Andererseits gehen in Deutschland immer weniger Menschen zur Wahl. Hierin sehe ich eine langfristige Chance für erfolgreiches community organizing, wenngleich das sicher ganz anders aussehen wird als in Chicago oder Seattle. Vieleicht entdecken garade diese Leute, dass man auf diesem Weg viel mehr erreichen kann als durch den Gang zur Wahlurne. Wie heisst es bei Euch in München? - Schau mer mal.
Pit Mau, Bremen

C.O. - 14. Dez, 01:03

Obama-spin-off-Effekte

"Per Mausklick die Welt retten", betitelte die FAS am 07.12.08 einen Beitrag, der sich mit den neuen Spendenportalen im Internet befasste. Das Beispiel Obama zeige, "welche enorme Wirkung das Internet für Spendensammeln entfalten kann", heißt es darin. "Die Hundert-Dollar-Online-Spende für den Präsidentschaftskandidaten war ein Renner und trug am Ende womöglich zum Wahlsieg bei." Der FAS-Artikel geht ein auf die neuen Online-Spendenportale wie "helpedia.org" oder "weltretter.org". Sie arbeiten ähnlich wie Obamas Webseite. Mit ihrem Erfolg setzen sie etablierte Hilfsorganisationen unter Druck.

Timo - 15. Dez, 06:34

Der Anfang?

Hallo Wolfgang, ich muss schon sagen ein hochinteressanter Einblick in den Endspurt dieses Wahlkampfes. Auf dieser Seite „des großen Teiches“ waren letztendlich vorwiegend stadienfüllende „höher, schneller, weiter“ Auswüchse des Wahlkampfes wahrnehmbar.
Wahlkampf hautnah und bürgernah - sicherlich eine Art und Weise die dem Anspruch der Bevölkerung deutlich gerechter wird, als all der mediale Budenzauber und all die „schmutzige Wäsche“ die Wahlkämpfe inzwischen vorwiegend ausmachen.
Auf der anderen Seite muss ich ganz ehrlich sagen, dass ich nicht weiß, ob ich im Jahr 2009 die Tür öffnen würde, wenn jemand schellt, um mich für einen/eine Kandidaten/in zu begeistern. Die Volksnähe sollte deutlich früher einsetzen (möglicher Weise war das in den USA der Fall, hier kann ich bislang noch nichts feststellen) und darf nicht mit einem mehr oder weniger positiven Wahlausgang beendet sein. Gerade wenn Nichtwähler durch Hausbesuche etc. zum Wahlgang stimuliert werden, bringt das eine hohe Verantwortung mit sich Politik künftig nicht als Einbahnstraße sondern als demokratischen Dialog zu gestalten.
Inzwischen denke ich persönlich nicht mehr, dass Nichtwählen eine Schande ist, in diesem Forum wurde bereits sehr treffend darüber berichtet wie butterweich und flexibel die Grenzen der einzelnen Parteien geworden sind. Ein weiteres Thema ist natürlich die miese Informationsqualität, die gegenwärtig Standard geworden zu sein scheint. Die aktuelle Krise ist doch das beste Beispiel, bei all den Meldungen ist es inzwischen nahezu unmöglich geworden zwischen Spekulationen und Tatsachen zu unterscheiden. Ein und der selbe Sachverhalt wird in den Nachrichten eines Senders binnen 1,5 Stunden 3 mal grundverschieden dargestellt ... oder am 30. Nov wird fröhlich berichtet, dass der Einzelhandel in diesem Jahr trotz Finanzkrise höchst zufrieden mit dem Verlauf des Weihnachtsgeschäftes ist (als Quelle wird eine repräsentative Umfrage angeführt / wahrscheinlich ein Kaffeesatz höchster Güte). Also, ich hoffe, dass mit dem Wahlsieg Obamas, zu dem Du einen eindrucksvollen Beitrag geleistet hast, in den USA wie global positive Zeichen gesetzt werden und sich der Rest der Welt positiv inspirieren lässt (von dem Unfug der Vergangenheit wurde sich global schließlich auch mehr als genug abgeschaut!).

Kurt-Huber-Gymnasium - 15. Dez, 16:48

“I’d prefer to give my money to poor people.”

Reinhard Forster: “After having read the blog in P.M.-magazine I called Mr Goede and invited him to report to my 9th graders at the Kurt-Huber-Gymnasium in Gräfelfing about his exciting time during the Obama campaign. On December 5th he came and talked to about 40 pupils, aged between 14 and 15.”

Reactions on the part of the pupils:

Clara: “I think it is great to participate personally in an election campaign and spend one’s own time on something that decides on the future of so many people. In my opinion you have to show your interest in politics publicly in order to demonstrate that the decision about who is controlling one of the leading countries of the world is of importance for everybody.
But to me it is also unbelievable how much money was spent by the candidates during the presidential campaign. I wonder if not some of this money should have been spent to solve more important problems in America.”

Enya: “As I personally was for Obama, I´m glad that he won the election. I am sure one important reason for his victory was that some people made a real effort to convince others to vote, in particular young people and blacks.
I don´t really approve of the means that were used. But on the other hand, selling candidates like goods is probably inevitable in order to impress crowds and win an American election nowadays.”

Sophie. “Dear Mr. Goede, thank you very much for the lesson in our class in which you told us something about Mr. Obama. Your article is great because it shows very well how this compaign for Obama worked and how difficult it is to become a president – to become one, not just speaking of trying to become one.
And your lecture also showed to us how many people are needed to win such an election and that all kinds of people - white, black, young, old...- can help and that they give their free time to do this!”

Georg: “In my opinion the election campaign of senator Obama was clearly a sign of a strengthened democracy. For the first time in many years many very young people participated not only as voters in the election but also as activists in the election campaign. It appears that thereby new groups of society became interested in politics and actively took part in the democratic process.
The very fact that some of this campaign work was done by internet shows that political life is changing.”

Chiara: “Just think of the endless spare time the volunteers donated to the campaign, the hours and hours people spent canvassing on their free days every week and the time making phone calls to let the people know about Barack Obama.”

Stefanie: “The disadvantage might be that the information given is not objective. In Germany it isn’t popular to give money to such campaigns. I’d prefer to give my money to poor people.”

Florian: “It’s ok that people from other countries helped in the campaign.”

Anna: “On the one hand it’s good that so many people were filled with enthusiasm about Obama and his message of hope. On the other hand I think that people shouldn’t vote for somebody just because he has the best propaganda.”

Maximiliane: “It’s not important what made people vote for Obama. The only important thing is that he was elected.”

Dominik: “I hope Obama will change the political direction in the USA; it’s necessary!”

Leonie: “It was just amazing how many were working for it and how many were so smitten with Obama. I’ve never seen a man inspiring such a huge amount of people before.”

T.: “I think campaigning is hard work because you must phone people all day long. It’s good when people do that. On the other hand I think everybody himself must know whether to vote for somebody or not and they shouldn’t be influenced in their decision.”

Laura: “I think it's great what you did! And that the people who worked with you have experienced what it is like to be part of a political campaign and help Obama to become the new president of America. And that the people show some interest in politics.
I don't believe that Obama was sold like Apple products or whatever. I think the campaign was very good and effective, so most of the people voted for him.“

Michaela, Sophie, Isabell: “Obama's supporters were fighting really hard for "change". It's great what they did to make Obama become president. They were spending so much time! We're admiring Mr Goede's work a lot!”

OpenScience - 16. Dez, 01:07

when it's time to organize

Thank you, Clara, Enya, Sophie, Georg, Chiara, Stefanie, Florian, Anna, Maximiliane, Dominik, Leonie, T., Laura, Michaela, Sophie, Isabell and last, but not least Reinhard for your valuable and very much appreciated feedback! This was not only an enjoyable opportunity to practise our English proficiency in talking and listening, discussing, role playing and writing but made us reflect as well on politics and society and how everyone's participation and engagement is crucial for the outcome. Let's remember this whenever we feel things are being decided without the people in charge listening to us - then it's time to organize. And now we all know it works!
James Cornell - 16. Dez, 21:15

Obama will use science to address the problems of the world

Although science and technology issues sometimes seemed to be peripheral to the US presidential campaign, since his election Barack Obama has clearly shown that he intends to make rational and intelligent use of science to address many problems facing his country -- and the world. The best indication of this course has been the quality of his appointees to cabinet and advisory posts, especially those in the areas of energy and environment. Most impressive has been his selection of Steven Chu as Secretary of Energy. Chu is actually a scientist with expertise in this field. What a remarkable -- and refreshing -- change from the approaches and attitudes of the current administration!

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