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Die neue US-Wissenschafts-Politik

Heute möchte ich Ihnen Shawn Otto und sein Werk vorstellen. Er ist ein ganz besonderer Innovator, der in den letzten Monaten eine enorme Veränderung in Gang gesetzt hat.

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Als der US-Wahlkampf losging, dachte sich Shawn (zweiter von links auf Foto unten) zusammen mit sechs Mitstreitern: Seltsam, obwohl Wissenschaft und Forschung unser aller Leben stärker denn je beeinflussen, finden sie in der politischen Debatte nicht statt. Um eine solche stattfinden zu lassen, riefen sie die Web-Plattform Science Debate 2008 ins Leben, „die die größte politische Initiative in der Geschichte der US-Wissenschaft wurde“, freut sich Shawn im Abschlussbericht.

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Mehr als 39 000 Menschen stützten mit ihrer Unterschrift Shawns Vorstoß, darunter Vertreter fast aller Wissenschaftsorganisationen in den USA, die Präsidenten der führenden hundert Universitäten, 30 Nobelpreisträger, Industriekapitäne, Redakteure der meisten US-Wissenschaftsmagazine, wichtige Kongressabgeordnete. Am Ende repräsentierte „Science Debate 2008“ 125 Millionen US-Amerikaner.

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Obwohl es eine heiße Nachricht war, dass all diese Bürger eine Debatte der Präsidentschaftsbewerber über den Zustand der Wissenschaft im Land verlangten, griff kein Medium das Thema zunächst auf. Wie Shawn herausfand, hatte das mit einer unsichtbaren Mauer zwischen dem Politik- und Wissenschaftsressort bei den Medien zu tun, beide igelten sich ein. „Die Medien-Macher untersagen politischen Reportern, über Wissenschaft zu berichten, und Wissenschaftsreporter haben keinen Zugang zum politischen Teil“, stellte Shawn nach weiteren Recherchen fest, „und das in einer Zeit, wo die größten Herausforderungen auf wissenschaftlichem Gebiet liegen wie etwa: Klima, Energie, Gesundheit und Bildung“. Was für eine absurde Situation!

Das auf diesem Ghetto-Denken beruhende Desinteresse der Medien führte wiederum dazu, dass die Präsidentschaftskandidaten alles Wissenschaftliche als Nischenthema einstuften und die Beteiligung an einer öffentlichen Debatte ablehnten. Eine solche hätte nach Auffassung ihrer Berater einer intensiven Vorbereitung bedurft und wäre dann nur von einer kleinen Minderheit begleitet worden – wozu der Riesenaufwand?

Der frustrierte Shawn ging jetzt in die Offensive. Er ließ ein Meinungsbild erheben und erfuhr, dass in Wirklichkeit 85 Prozent der US-Amerikaner an einer solchen Debatte interessiert waren!

Deshalb entschlossen wir uns, den Event zu „demystifizieren“, berichtet er. Die Unterstützer seiner Initiative unterbreiteten online 3400 Fragen, die sein Team verdichtete zu den „14 Top Science Questions Facing America“. Dann appellierte er an die Kandidaten, doch mindestens schriftlich auf diese Fragen eine Antwort zu geben. Dieser Wunsch wurde ihm erfüllt, was wiederum ein Novum darstellte: Noch nie und nirgendwo hatten sich Bewerber für das höchste Amt in einem Staat so ausführlich zu den aktuellen Themen der Wissenschaft und Forschung geäußert.

Die Unterschiede fielen ins Auge: Während Obama eine Verdoppelung der staatlichen Investitionen in Forschungsbereiche favorisierte, die die Wirtschaft vorantreiben würden, setzte McCain auf Steuererleichterungen für die Industrie als Inzentiv für mehr Investitionen. In diesem Blog berichteten wir vor einigen Wochen ausführlich unter dem Titel: ScienceDebate2008: Reden Sie mit bei den US-Wahlen! über die unterschiedlichen Präferenzen der Bewerber.

„Das war die Wende“, jubelt Shawn: Jetzt berichteten alle größeren Medien der Nation über Science Debate 2008, was wiederum Zeitungen, Radios, Fernsehstationen sowie Blogs in aller Welt aufgriffen. Ergebnis: Die Webseite wurde fast eine Milliarde mal angeklickt und gehörte zu den beliebtesten und meist frequentierten Webseiten überhaupt!

Das alles veränderte auch den Verlauf und die Inhalte der Kampagne. Obama legte sich ein hochkarätiges Beraterteam zu, das noch während des Wahlkampfs seine Antworten auf die Fragen in politische Entwürfe übertrug, an deren Umsetzung derzeit bereits gearbeitet wird, etwa: Klimaschutz und grüne Energie forcieren, Einstellen von mehr Lehrern, den Bau von Benzinschleudern stoppen.

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Konkret: 30 000 neue Lehrer für Naturwissenschaften, Technik und Mathematik sollen die Qualität der US-Schulen anheben; bis 2050 soll der Ausstoß klimaschädlicher Gase gegenüber 1990 um 80 Prozent heruntergefahren werden; mit 150 Milliarden Dollar will Obama die Forschung über regenerative Energiequellen voranbringen; und, last but not least, die Genforschung und Embryonenforschung dürfte unter dem 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika erheblichen Aufwind erfahren, was auch die Diskussion in Europa darüber anheizen wird: So sind für Obama neue Gen-Pflanzen für die Landwirtschaft ein Segen, Stammzellen und besonders auch embryonale könnten viele Krankheiten heilen.

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Einer Petition der Universitäten entsprechend wird Obama mit der Übernahme der Amtsgeschäfte im Weißen Haus vermutlich auch einen offiziellen Wissenschaftsberater auf der Kabinettsebene ernennen, so wie es ihn in England schon seit längerem gibt.

Congrats Shawn! Das ist in der Tat alles ein Riesenerfolg.

Der Wissenschafts-Beweger schließt mit einem Aufruf an seine Unterstützer, „mit mir zusammen für die Wissenschaft aufzustehen, weil wir an diesem Thema weiterarbeiten müssen“, um es noch viel mehr in den Fokus des politischen Tagesgesprächs zu rücken und um eine Infrastruktur zu beseitigen, die über Jahrzehnte gewachsen ist und eine antiwissenschaftliche Stimmung und Desinformation gesät und verbreitet hat.

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Gut gebrüllt, Löwe: Um dieser Agenda willen bittet Shawn Otto abschießend um eine Spende, die es ermöglichen wird, das angefangene Werk fortzusetzen. Diese möchte ich an Sie weiterreichen mit der Bitte, doch einmal ernsthaft zu überprüfen, ob das Ihnen nicht einmal 20, 30 oder 50 Euro wert wäre! Und, Hand aufs Herz: Müssten wir Shawns Ansatz nicht auch mal in Deutschland ausprobieren?

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