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Deutschland stellt die W-Frage

So heißt eine Aktion der Journalistenvereinigung für technisch-wissenschaftliche Publizistik TELI. Die K-Frage, also wer bei den Bundestagswahlen Kanzler wird, wird von der W-Frage umrahmt: Wie halten es die Kandidaten mit den großen Fragen der Wissenschaft. Die sind bei Wahlkämpfen bisher nie richtig gestellt und beantwortet worden – ein großer Fehler, sagt die TELI, denn für eine Wissensgesellschaft sind sie grundlegend.

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Das Einzige, was wir in diesem Land haben, sind unsere Köpfe. Forschung ist eine sehr intensive und strukturierte Form, mit dieser Ressource effizient umzugehen und daraus Gewinn zu schlagen, weshalb die Politik dazu Stellung beziehen muss. Die TELI-Journalisten wollen die dafür nötigen Fragen nicht selber vorgeben, sondern sehen sich als Brückenbauer zwischen Forschung und Politik. Sie haben einen lockeren Fragenkatalog entwickelt, der Wissenschaftlern zur Beantwortung vorlegt wird.

So fordert etwa ein Computerwissenschaftler die Verdoppelung des Bundesforschungsetats von 2,5 Prozent auf vier bis fünf Prozent. Ein Mitarbeiter der Leibniz Gemeinschaft urteilt: „Die Abwrackprämie war m.E. wirtschaftspolitisch und klimapolitisch völliger Mist, weil sie alte Technik perpetuiert“, Benzin müsse teurer, der öffentliche Personennahverkehr ausgebaut werden.

dieurania

Ein Naturwissenschaftler verlangt, dass Institutionen wie die über 100 Jahre alte Berliner Urania mehr Geld erhalten müssten, um den Dialog zwischen Forschung und Bürgern zu intensivieren und die Wissensgesellschaft auf ein stabileres Fundament zu stellen. Ein Kollege gibt ein Beispiel: In Sachen Stammzellen und NanoTech sei ein breiter gesellschaftlicher Diskurs nötig (durch Veranstaltungen wie etwa in der Urania). Für die Sicherung der Welternährung, urteilt ein anderer Forscher, ist die gerechte Verteilung von Grund und Boden sowie eine nachhaltige Landwirtschaft viel wichtiger als die Gen-Technik (Foto pixelio Henning Hraban Ramm).

pixelio-Henning-Hraban-Ramm-Kopie

Ein in den USA lebender deutscher Forscher sieht sich und seine Kollegen sehr kritisch: “Wir versprechen den Bürgern, dass wir ihre Probleme lösen und die Welt besser machen, damit unsere Finanzierungsanträge bewilligt werden, aber am Ende bleiben nur ein paar Forschungsergebnisse und heiße Luft übrig.” Viele Forscher hätten einen Verdienst zwischen dem von Frisörinnen und Sekretärinnen. Ähnlich katastrophal sieht ein Theologe die Lage, besonders für wissenschaftliche Mitarbeiter. Professoren befänden sich ihren Zuarbeitern gegenüber häufig in der Position von Feudalherrn.

Die Antworten der Wissenschaftler werden gesammelt und dann an die Spitzenkandidaten im Bundeswahlkampf weitergereicht. Deren Antworten sollen die Wissenschaftsdebatte weiter beflügeln und in die nächste Legislaturperiode hineintragen, in der die Wünsche und Forderungen der Wissenschaft mehr Berücksichtigung finden sollen.

„Deutschland stellt die W-Frage“ wird unterstützt u.a. von der Fraunhofer-Gemeinschaft mit einem Zitat von FhG-Präsident Hans-Jörg Bullinger: "Wir brauchen eine breite gesellschaftliche Debatte, wie wir die Zukunft gestalten wollen. Die Menschen brauchen Antworten auf die Fragen unserer Zeit. Wir können die Chancen, die uns Forschung und Technik eröffnen, nur nutzen, wenn die Menschen mitgehen."

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Die Aktion läuft über die Homepage des Journalistenverbandes. Alles Wichtige findet sich auf dem Portal Wissenschaftsdebatte. Dort finden Forscher direkt Zugang zu den Fragen. Diese werden auf dem TELI Blog zur Wissenschaftsdebatte in zusammenfassender Form veröffentlicht. Dort wird auch die Diskussion geführt.

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Vorbild der Wissenschaftsdebatte / Science Debate Germany 2009 ist die Science Debate 2008 US-amerikanischer Wissenschaftsjournalisten während der Präsidentschaftswahlen im letzten Jahr (über die auch hier auf diesem Blog berichtet wurde). Ihnen gelang eine breite Aktivierung von Wissenschaftlern und Forschungslabors. Auch die Spitzenkandidaten, Obama und McCain, stellten sich ausführlich den Fragen. Die Aktion entwickelte so viel Schwung, dass in der Obama-Administration die Themen Wissenschaft, Technologie und Forschung eine viel größere Bedeutung erhalten haben als unter seinen Vorgängern. Eine solche Entwicklung wäre auch für Deutschland in der Legislaturperiode 2009 bis 2013 wünschenswert!

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