Citoyen im weißen Laborkittel
Unser Sozialstaat würde ohne die ehrenamtliche Mitarbeit der Bürger in Krankenhäusern, Kinderstätten, Behinderteneinrichtungen und anderen sozialen Brennpunkten wegbrechen – könnte die Wissenschaft einen ähnlichen Weg nehmen?
Diese Frage habe ich mir gestellt nach der Lektüre eines Artikels in P.M.'s französischem Schwestermagazin Ca m'intéresse. In dem Beitrag „Les amateurs font avancer la science“ geht es um den Bürgerwissenschaftler, den „Citoyen im weißen Laborkittel“, der in der Biologie, Mathematik, Astrophysik oder Medizin die Wissenschaften und ihren Erkenntnisstand mit großen Schritten voranbringt.

Da ist etwa von dem Walhai die Rede, dem mächtigsten Fisch der Meere, 14 Meter lang und 20 Tonnen schwer, einem friedlichen Planktonfresser, der stündlich 6000 Liter Wasser filtert. Der Meeresriese fällt auf durch ein Muster auf seinem Körper, der von Punkten überzogen ist. Wenn man den Walhai im Wasser erblickt, glaubt man in einen nächtlichen Himmel zu blicken. Ein Algorithmus, den Kosmologen zur Identifizierung von Sternen entwickelt haben, nutzt der australische Meeresforscher Brad Norman zum Schutz der exotischen Meeresriesen.
Dafür spannt er Taucher in aller Welt ein, die die Tiere in Ozeanen rund um den Äquator fotografieren. Die Auswertung der „Sternmuster“ auf ihren Körpern erlaubt das Erfassen ihrer Anzahl, ihrer Verteilung und der Regionen, in denen sie sich paaren und die besonders geschützt werden müssen, sagt der Australier. Er hat 9400 Berichte von Tauchern aus 30 Ländern erhalten, „jeder von ihnen ist ein wertvoller Bürgerwissenschaftler“, freut sich der Anwalt der bedrohten Walhaie.

Der französische Bericht führt viele weitere spannende Beispiele auf, in denen der Laie als Forscher Karriere macht. Dazu gehört auch der „Galaxy Zoo“. Daran nehmen 150 000 Himmelsgucker teil, die mit ihren Fotos und Beobachtungen helfen, die Rätsel ferner Galaxien aufzuklären. Im SETI@home Projekt, der Suche nach außerirdischer Intelligenz, vernetzen sich sogar Millionen von Menschen mit ihren Computern und Laptops.
Africa@home versucht mit „Bordmitteln“, das heißt dem individuellen Einsatz von etwa Reisenden, Globetrottern und deren „Volunteer Computing“, bessere Karten über die Straßen und Infrastruktur des Kontinents zu erstellen. Bei Folding@home wird’s biologisch: Jeder Computerbesitzer kann sich bei der Universität von Stanford in Kalifornien ein Programm herunterladen, mit dem er Teil eines riesigen elektronischen Netzes wird, das die Proteinfaltung simuliert. Diese ist weitgehen noch unverstanden, ist aber der Schlüssel zum Verständnis vieler Krankheiten wie Alzheimer, Parkinson oder Krebs.

Die schrecklichen Erdbeben der letzten Wochen haben der folgenden Initiative Rückenwind gegeben: Beim „Quake Catcher Network“ installieren Internetnutzer in aller Welt Sensoren, die seismischen Mega-Ereignissen auf die Spur kommen wollen, noch bevor sie ausbrechen. In Europa gibt es schätzungsweise eine halbe Million Ehrenamtliche, die jedes Jahr den Vormarsch des Frühlings festhalten, vom ersten Blühen der Krokusse bis zum ersten Schrei des Kuckucks. Das liefert den Biowissenschaften und dem Naturschutz wichtige Daten. Auf diese Weise wurden im Norden Frankreichs ein Sinken der Vogelpopulationen um ein Drittel der Bestände ermittelt (Fotos: Wikimedia Commons)

Diese Frage habe ich mir gestellt nach der Lektüre eines Artikels in P.M.'s französischem Schwestermagazin Ca m'intéresse. In dem Beitrag „Les amateurs font avancer la science“ geht es um den Bürgerwissenschaftler, den „Citoyen im weißen Laborkittel“, der in der Biologie, Mathematik, Astrophysik oder Medizin die Wissenschaften und ihren Erkenntnisstand mit großen Schritten voranbringt.

Da ist etwa von dem Walhai die Rede, dem mächtigsten Fisch der Meere, 14 Meter lang und 20 Tonnen schwer, einem friedlichen Planktonfresser, der stündlich 6000 Liter Wasser filtert. Der Meeresriese fällt auf durch ein Muster auf seinem Körper, der von Punkten überzogen ist. Wenn man den Walhai im Wasser erblickt, glaubt man in einen nächtlichen Himmel zu blicken. Ein Algorithmus, den Kosmologen zur Identifizierung von Sternen entwickelt haben, nutzt der australische Meeresforscher Brad Norman zum Schutz der exotischen Meeresriesen.
Dafür spannt er Taucher in aller Welt ein, die die Tiere in Ozeanen rund um den Äquator fotografieren. Die Auswertung der „Sternmuster“ auf ihren Körpern erlaubt das Erfassen ihrer Anzahl, ihrer Verteilung und der Regionen, in denen sie sich paaren und die besonders geschützt werden müssen, sagt der Australier. Er hat 9400 Berichte von Tauchern aus 30 Ländern erhalten, „jeder von ihnen ist ein wertvoller Bürgerwissenschaftler“, freut sich der Anwalt der bedrohten Walhaie.

Der französische Bericht führt viele weitere spannende Beispiele auf, in denen der Laie als Forscher Karriere macht. Dazu gehört auch der „Galaxy Zoo“. Daran nehmen 150 000 Himmelsgucker teil, die mit ihren Fotos und Beobachtungen helfen, die Rätsel ferner Galaxien aufzuklären. Im SETI@home Projekt, der Suche nach außerirdischer Intelligenz, vernetzen sich sogar Millionen von Menschen mit ihren Computern und Laptops.
Africa@home versucht mit „Bordmitteln“, das heißt dem individuellen Einsatz von etwa Reisenden, Globetrottern und deren „Volunteer Computing“, bessere Karten über die Straßen und Infrastruktur des Kontinents zu erstellen. Bei Folding@home wird’s biologisch: Jeder Computerbesitzer kann sich bei der Universität von Stanford in Kalifornien ein Programm herunterladen, mit dem er Teil eines riesigen elektronischen Netzes wird, das die Proteinfaltung simuliert. Diese ist weitgehen noch unverstanden, ist aber der Schlüssel zum Verständnis vieler Krankheiten wie Alzheimer, Parkinson oder Krebs.

Die schrecklichen Erdbeben der letzten Wochen haben der folgenden Initiative Rückenwind gegeben: Beim „Quake Catcher Network“ installieren Internetnutzer in aller Welt Sensoren, die seismischen Mega-Ereignissen auf die Spur kommen wollen, noch bevor sie ausbrechen. In Europa gibt es schätzungsweise eine halbe Million Ehrenamtliche, die jedes Jahr den Vormarsch des Frühlings festhalten, vom ersten Blühen der Krokusse bis zum ersten Schrei des Kuckucks. Das liefert den Biowissenschaften und dem Naturschutz wichtige Daten. Auf diese Weise wurden im Norden Frankreichs ein Sinken der Vogelpopulationen um ein Drittel der Bestände ermittelt (Fotos: Wikimedia Commons)

open-science - 6. Mrz, 12:30


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