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Evolution als Comic

Für sein Lebenswerk begann der Berliner Künstler Jens Harder bereits im zarten Alter von sechs Jahren zu üben. Er zeichnete Dinosaurier, lange bevor Jurassic Park die Kids verzückte und schon Kindergartenkinder oft bis zu zwanzig komplizierte Dino-Namen spielend über die Lippen sprudeln ließen.

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In diesen Tagen hat Harder ein Buch vorgelegt, das es in dieser Form bisher nicht gegeben hat: Auf 350 Seiten bietet es einen Überblick über 14 Milliarden Jahre Evolutionsgeschichte, und zwar in Form von Comics, im Durchschnitt für alle sieben Millionen Jahre ein Bild.

Das Ganze beginnt mit einem Pünktchen, kaum zu sehen, und bläht sich zum Urknall auf: Licht, immer mehr Licht, Wellen, eine Energieexplosion, zeichnerisch hervorragend gelungen. Daraus werden die ersten chemischen Elemente gebacken, und es formen sich die Galaxien, die Sonne und schließlich der Planet Erde.

Ein Wunder: Der glutrote, vulkanische Ball kühlt ab, und es entstehen die ersten Organismen, wie Harder ebenso kunstvoll wie wissenschaftlich korrekt herausarbeitet. Unsere Evolution beginnt zu ticken, bringt Riesenwälder hervor, die Urechsen, um zwischendurch immer wieder kosmische und klimatische Katastrophen grandios abzufedern. Sie bringen den blauen Planeten regelmäßig an den Rand des Abgrunds.

Der Evolutions-Comic endet mit den Mammuts etwa fünf Millionen Jahre vor unserer Zeitrechnung. Der Name dieses Werkes: Alpha directions. Die Beta-Version soll die Entwicklung des Menschen in Comic-Bilder fassen, die dritte Folge Gamma schließlich die Zukunft ausmalen.

Das vorliegende Comic-Buch lädt beim Durchblättern immer wieder zum Verweilen ein. Beeindruckende Detailbilder in grünen, braunen, roten und blauen Grundfarben, mit knappesten Bildbeschreibungen, die den Betrachter zeitlich und inhaltlich stets einnorden. Am Ende eines Erdzeitalters werden dessen wesentliche Charakteristika noch einmal enzyklopädisch zusammengefasst. Auch das: kunstvoll, vor allem dezent. Das Auge, kaum abgelenkt, darf die Urwelten ungestört durchforschen.

Bei seinem Vorgehen hält Harder sich nicht an die reine Wissenschaft, sondern bringt das Voranschreiten der Evolution und ihr Hervorbringen neuer Lebewesen immer wieder in Zusammenhang mit alten Schöpfermythen, etwa aus Indien und alten Stammesgesellschaften. Ihnen wohnen manchmal „verblüffende, wenn auch noch nebulöse Ahnungen von Prozessen inne, die heute auf Grund neuester Erkenntnisse, etwa aus Hubble-Teleskopaufnahmen oder DNA-Analysen, mehr und mehr durchdrungen werden“, beobachtet Harder.

Was wussten die alten Kulturen und die Gesetze der Evolution voneinander? Diese Schnittstelle macht neugierig und sollte bei Neuauflagen noch in ein paar Bilder gegossen werden – das wäre ein schöner Mehrwert dieses mutigen und innovativen Buches! Noch mehr: Solche Querverbindungen brächten ein Stück Leichtigkeit und Kurzweil in den ansonsten doch sehr langen und anstrengenden 14-Milliarden-Jahre-Zyklus.

Bei allen künstlerischen Freiheiten, die sich Harder leistet, unterscheidet er klar zwischen Evolutionisten und Kreationisten. „Darwin hat recht“, erklärt er, damit kein Zweifel entsteht, auf wessen Seite er steht und damit sein Werk nicht von der falschen Seite als Beweis reklamiert wird. So ist daraus eine „Bilderbibel für Alphabeten mit naturwissenschaftlichem Hintergrund“ entstanden, wie er seine Arbeit umschreibt.

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„Es geht mir um die ständige Weiterentwicklung“, sagt der Comic-Zeichner weiter, nicht unbedingt in Richtung höher, sondern auch um die zyklischen und spiraligen Formen, die die Evolution vorangetrieben haben. Wie schön!, denkt sich der Leser, unerschrocken in die Höhe kletternde Kurven sind eine Fiktion der Wirtschafts- und Marketing-Strategen. Die Milliarden Jahre alten Evolutionsgesetze wie Variation und Mutation, Konvergenz und Adaption finden sich also nicht nur in unserem wirtschaftlichen Handeln, sondern laut Harder in allen anderen Äußerungen des Lebens, darunter Sprache, Musik und Architektur. Sein Fazit:

„Nichts ist fertig, nichts ist perfekt, alles ist im Wandel, auch diese Geschichte.“

Link zum Carlsen-Verlag und dem Evolutions-Comic

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