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Und wie frei ist Ihr Wille?

Sind Sie ganz sicher, diesen Beitrag mit voller Absicht zu lesen? Die neueste Gehirnforschung legt etwas ganz Anderes nahe: »Wir alle glauben, am Steuer unseres Lebensschiffes zu stehen, aber steuert dieses in Wirklichkeit seinen eigenen Kurs?«, diese Frage stellt der Kognitionsforscher Michael Zehetleitner von der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität LMU (Foto unten in der Mitte neben Moderator Weitze re. und Co-Präsentator Buchheim li.).

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In der neuen Veranstaltungsreihe der Münchener Volkshochschule (MVHS) „Naturwissenschaften kontrovers“ präsentierte Zehetleitner Experimente, bei denen dem menschlichen Gehirn bei der Arbeit zugeschaut wird und die dem vermeintlich »aufgeklärten« Verstand spukhaft vorkommen: Noch bevor wir willentlich einen Entschluss gefasst haben, zum Beispiel den Arm zu heben, lässt unser Bio-Computer bereits ein entsprechendes Bereitschaftspotenzial erkennen: Die Erregungskurve entsteht bereits eine halbe Sekunde vorher!

Woher kommt dieser Impuls, wollte der Moderator und Wissenschafts-Kommunikator Marc-Denis Weitze wissen? Aus dem Unterbewusstsein? „Ist die Wirklichkeit eine Art Kino, in dem wir uns selber beobachten?“, fragte Hermann Schlüter (Foto u.), Veranstalter und MVHS-Leiter für das Fachgebiet Philosophie und Naturwissenschaften – was im Publikum prompt die Gegenfrage provozierte, warum es denn überhaupt ein Ich-Bewusstsein gebe und welcher evolutionärer Vorteil sich daraus ergebe?

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Ist der Mensch am Ende nur eine Marionette, die von einer nicht dem Willen unterliegenden Instanz ferngesteuert wird? Die Antworten darauf dürften vorerst philosophischer Natur bleiben, weil die Neurowissenschaften über diese Zusammenhänge immer noch zu wenig wissen – dennoch muss sich bereits jetzt das Strafrecht damit auseinandersetzen.

So haben nach Erkenntnissen des Neurobiologen Gerhard Roth Schwerstverbrecher ein krankhaft verändertes Gehirn und seien deshalb nicht verantwortlich für Ihre Taten. US-Strafverteidiger versuchen deshalb schon mit Bildern von erkrankten Gehirnen ihre Mandanten vor dem elektrischen Stuhl zu retten.

Der spannende juristische Aspekt wurde bei der Münchner Veranstaltung nur gestreift, aber immerhin sagte der als Gast eingeladene Philosoph Thomas Buchheim von der LMU: Wenn weitere neurologische Versuche erhärten könnten, dass der Mensch unfreier sei als wir derzeit noch glaubten, dann „wäre eine andere Rechtsauffassung nötig.“ Das konterte jemand im Publikum mit einem harten „Nein“. Das bestehende Rechtssystem sorge dafür, dass ethische Belange hochgehalten werden würden – mit anderen Worten: Ein Verwässern des Schuldprinzips senkt die ethischen Normen und öffnet der Kriminalität Tür und Tor.

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Wir wollen an dieser Stelle die außerordentlich lebhafte und kontroverse Diskussion im Münchner Gasteig mit Ihnen fortsetzen, Ihr Wissen und Ihre ethisch-religiöse Grundhaltung sowie auch Ihre Betroffenheit einbinden und das Thema weiter verfestigen.

Was meinen Sie: Wie frei sind Sie und Ihre Mitmenschen, und was sind die Folgerungen aus den vorgelegten Forschungsergebnissen: Müssten Täter etwa therapiert statt eingesperrt werden?

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