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Hgss - 17. Jun, 14:25

Notwendige Lügen

Mit den Befunden stoßen wir mal wieder auf eine, wie ich finde, recht interessante Frage, die fast schon an Metaphysik grenzt: Dinge wie freier Wille, Eigenverantwortung, Gerechtigkeit, das Gute, scheinen in unserem Universum unmöglich zu sein. Die Frage ist – woher kommen diese Dinge? Wieso sind sie uns so wichtig? Wieso muss uns das Universum vorlügen, es gäbe sie? Und – wieso können wir ohne sie nicht funktionieren?

Denn Eigenverantwortung und freier Wille mögen Lügen sein, doch es sind notwendige Lügen. Wenn wir wider besseres Wissen annehmen, es gäbe sie, werden wir zu besseren Menschen und die Welt zu einem besseren Ort. Man schaue sich nur viele der Leute an, die für alles die Gesellschaft oder die Umstände verantwortlich machen, aber nie sich selbst. Sie mögen Recht haben mit ihren Schuldzuweisungen – doch durch ihre Weltsicht können sie orientierungslos und träge, wenn nicht gar kriminell werden. Ohne diese Lügen geht der Mensch kaputt.

Deshalb finde ich, das Schuldprinzip sollte beibehalten werden, ohne medizinischen Ausreden allzu viel Freiraum zu lassen. Was die Alternativen Therapie – Strafe angeht, so ist der Unterschied gar nicht so groß. Ist die Strafe nicht eine primitive Form der Therapie, die bewirken soll, dass der Täter nicht rückfällig wird? Ich bin dafür, jeden Straftäter auf die Weise zu korrigieren, die bei ihm funktioniert. Allerdings müsste die Therapie immer mit einer ernstzunehmenden Strafe verbunden werden, der abschreckenden Wirkung wegen. Egal, wie ein Hirn gestaltet ist, wenn die Konsequenz von Raub ein Luxusurlaub auf Dr. Freuds Couch ist, sinkt die Hemmschwelle.

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