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Donnerstag, 17. Juli 2008

Gesichtserkennung für Pinguine

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Forscher haben biometrische Methoden entwickelt, um einzelne Pinguin-Individuen zu identifizieren. Die Überwachungstechnologie macht also selbst vor unseren befrackten Freunden im Eis nicht halt. Ich rate den Pinguinen zu Persönlichkeitsschutz. Wie wäre es mit Eisbär-Masken zur Tarnung?

Dyson über Aliens

Der große Physiker Freeman Dyson spekuliert über Leben im All - und wie es aussehen könnte!

Mittwoch, 16. Juli 2008

Der Gott von "Spore"

Ich wollte immer schon mal ein ganzes Universum erschaffen. Leider hat man dazu selten Gelegenheit. Das wird sich demnächst ändern: Im September soll das Computerspiel Spore auf den Markt kommen. Das Game sprengt alle bislang dagewesenen Dimensionen von Simulationsspielen – es läßt uns die Welt aus der ganz großen Perspektive sehen. In "Spore" kann man Leben kreieren, Planeten und Galaxien beherrschen, Kulturen und Wirtschaftssysteme gründen – und mit anderen Spielern teilen. Ermöglichen uns Spiele wie "Spore", unsere immer komplexere Welt besser zu verstehen? Begreifen wir das Geheimnis von Leben und Evolution besser, wenn wir unsere eigenen Kreaturen erschaffen? Vielleicht ist die Entwicklung des Lebens ja selbst ein Spiel, wie einige Wissenschaftler glauben. Das Unbegreifliche ist nur, woher die Regeln kommen. Im Fall von "Spore" ist es einfach: Entwickler Will Wright hat sich das Computerprogramm ausgedacht – er ist also "Gott". Aber wie ist es beim Spiel des Lebens? Und woher wissen wir, dass die Evolution des Kosmos nicht selbst eine gigantische Simulation ist? Theoretisch könnte irgendwo in einem Paralleluniversum eine überlegene Zivilisation sitzen und sich sich an ihren tolpatschigen Kreaturen namens Menschen erfreuen. Ich gebe zu, das ist ein seltsamer Gedanke. Aber schon allein dass wir diese Möglichkeit nicht ganz ausschließen können, sagt uns etwas über das Staunenswerte unserer Existenz.


Liebe ist....

Was passiert in unserem Gehirn, wenn wir einen Menschen lieben? Woher kommt das Verlangen nach dem anderen? Und wieso macht uns die Liebe blind? Beim Vortrag der Anthropologin Helen Fisher ist mir ein Licht aufgegangen – und das Herz sowieso...

Warum verfaulen Birnen schneller als Äpfel?

Diese Frage hat mich schon als Kind beschäftigt – und zu einem tiefsitzenden Misstrauen gegen die Birne geführt. Mal abgesehen von den klebrigen Händen... Eine überraschende Antwort gibts in diesem Video.

Killer-Asteroiden im Anflug?

Die Apokalypse war nahe – und ich hab´s erst heute bemerkt: Letzten Montag ist der Asteroid BT18 an uns vorbeigeschrammt. In rund zwei Millionen Kilometern Entfernung passierte der kosmische Gesteinsbrocken die Erde (Geschwindigkeit: 45000 Kilometer pro Stunde). BT18 kam gleich als Doppelpack angerauscht: Der größere Brocken des Asteroidenpaars wird auf einen Durchmesser von 600 Metern, sein kleinerer Kompagnon auf 200 Meter geschätzt. Ein Einschlag auf der Erde hätte möglicherweise ganze Länder ausgelöscht. Wird die Bedrohung durch Killer-Asteroiden unterschätzt? Ein lesenswerter Artikel im US-Magazin Atlantic Monthly kommt zum Schluss: Das Risiko ist viel größer als angenommen: Mit einer Wahrscheinlichkeit von 10 Prozent werde noch in diesem Jahrhundert ein Killerasteroid auf der Erde einschlagen! Dazu gibts für Asteroiden-Fans und Freunde des Weltuntergangs ein faszinierendes Video:

Dienstag, 24. Juni 2008

Der Penis und das Porno-Mem

Der männliche Penis ist offenbar schlauer, als wir dachten. Hirnforscher konnten zeigen, dass spezielle Neuronen im Gehirn die Erektion steuern. Zeigt man Versuchspersonen unter dem Hirnscanner Pornobilder, korreliert die Stärke der Erektion mit erhöhter Aktivität sogenannter Spiegel-Neuronen. Die Aktivität der Hirnzellen scheint die Erektion sogar auszulösen. Spiegelneuronen zählen zu den bahnbrechenden neurowissenschaftlichen Entdeckungen der letzten Jahre. Zuerst fand man sie bei Makaken: Wenn ein Affe eine Aktion eines anderen Affen beobachtet, zeigt sich die gleiche Hirnaktivität wie bei jenem Tier, das die Aktion selbst ausführt. Bei Menschen wirkt ein ähnlicher Spiegel-Mechanismus. Forscher bringen die Spiegelneuronen unter anderem mit Empathie in Verbindung - also unserer Fähigkeit, die Gefühle anderer zu deuten. Der Mechanismus ist bis heute rätselhaft – und grenzt wie so viele Vorgänge in unserem Gehirn an Zauberei: Wie ist es möglich, dass unser Denkapparat das Verhalten anderer "spiegeln" kann, obwohl er selbst an diesem Verhalten nicht beteiligt ist? Einige Forscher sehen in den mysteriösen Spiegelneuronen einen Hirnmechanismus, der es uns erlaubt, das Verhalten anderer zu imitieren. Sie könnten eine wesentliche Rolle bei der kulturellen Entwicklung des Menschen gespielt haben. Spiegelneuronen dienen womöglich der Verbreitung von "Memen". Das sind kulturelle Informationen, die durch Imitation weiterverbreitet werden - das kann ein Schlagwort ebenso sein wie eine Melodie, ein Modetrend oder ein Gerücht. Analog zu den Genen unterliegen auch die Meme einem evolutionären Ausleseprozess. Aus Sicht der (umstrittenen) Mem-Theorie ist auch ein pornografisches Bild letztlich ein solches Mem – und die Spiegelneuronen könnten dafür sorgen, dass Pornografie zumindest in den männlichen Gehirnen nicht ausstirbt. Aber das ist natürlich Spekulation. Mehr zur Mem-Theorie demnächst. Heute staune ich nicht nur über das Faszinosum der Spiegelneuronen - sondern auch über die Kühnheit mancher Hirnforscher, die selbst die Eigenheiten der männlichen Physiologie unter ihre bedrohlich rumpelnden Magnetscanner legen. Ich nehme an, es hat nicht wenige Versuche gebraucht, um signifikante Ergebnisse zu erzielen.

Die Voodoo-Wespe

Unglaublich: Die Wespenart Glyptapanteles kann Raupen in Zombies verwandeln. Erst legt sie ihre 80 Eier im Raupenkörper ab. Dann übernehmen die geschlüpften Larven ofenbar die Kontrolle über ihren Wirt – und machen ihn zu ihrem Bodyguard: Mit wilden Kopfbewegungen verteidigt die Raupe die Wespenbabys gegen Feinde. Wie das biochemisch funktioniert, ist noch unklar. Wollen wir hoffen, dass die Voodoo-Wespen nicht auch auf Menschen Appetit haben....

Freitag, 30. Mai 2008

Ich krähe, also bin ich!

800px-Corvus_corax_-FWS-1Man hört und liest es immer wieder: Aggressive Krähen attackieren harmlose Passanten - zuletzt geschehen in München. Meist haben die Tiere dafür einen Grund. So verteidigen Krähen-Eltern ihren Nachwuchs. Die überragende Intelligenz dieser Vögel ist ja legendär – zum Beispiel ihre Fähigkeit, komplexe Handlungen zu planen. Wie unheimlich schlau Krähen tatsächlich sind, darüber staunte ich im folgenden Video (lang, aber es lohnt sich..) Seither warte ich darauf, dass mich ein freundlicher gesonnenes Exemplar im Park mal zu einer Partie Schach auffordert. Und hoffe auf "fair play": Eine Krähe hackt der andern ja bekanntlich kein Auge aus..

Affe denkt, Hirn lenkt

Seit Jahren beobachte ich die Fortschritte auf dem Gebiet der sogenannten Brain-Machine-Interfaces (Hirn-Maschinen-Schnittstellen). Immer präziser gelingt es Forschern, Hirnsignale zur Steuerung von Computern oder Robotern einzusetzen. So lernten etwa vollständig gelähmte Patienten, allein durch ihre Gedankenkraft einen Computercursor auf einem Bildschirm zu bewegen. Ein neues Experiment , durchgeführt von Forschern der Universität Pittsburgh und der Carnegie Mellon University, geht nun einen großen Schritt weiter: Affen lernten, über einen "gedankengesteuerten" Roboter-Arm sogar mit Gegenständen zu interagieren.

Ich finde diese Fortschritte faszinierend – und gespenstisch zugleich. Werden wir in ein paar Jahren unsere Google-Suchbegriffe per Gedankenkraft eingeben? Oder Computer-Games über eine Hirn-Maschinen-Schnittstelle spielen? Und könnte man dann nicht auch unsere Gedanken "hacken" bzw. womöglich sogar fernsteuern? Amerikanischen Forschern gelang es bereits, Ratten via Hirnimplantat in verschiedene Richtungen zu dirigieren - von einem gewöhnlichen Laptop aus. Eine der möglichen Anwendungen: Über Brain-Machine-Interfaces gesteuerte Tiere ließen sich etwa zum Aufspüren von Bomben einsetzen. Kein Wunder, dass sich gerade die US-Militärforschung besonders für die neuen Neurotechnologien interessiert. Das Staunenswerte und das Gruselige liegen eben oft eng beisammen!

Dienstag, 27. Mai 2008

Phoenix mit Aussicht

PhoenixSelbstbild1Endlich ist mal wieder Menschenwerk auf dem Mars gelandet – ohne Probleme, fast reibungslos. Der "Phoenix Lander" der NASA soll auf dem Roten Planeten nach Wasser suchen und allerlei andere wissenschaftliche Fragen lösen. Das aktuelle Selbstbildnis der Sonde stimmt mich allerdings nachdenklich, ja melancholisch. Da steht dieses hübsche Hightech-Ding wie gestrandet in einer end- und trostlosen Steinwüste, viele Millionen Kilometer von der Heimat entfernt, und gräbt mit seinem Roboterarm nach Spuren von Leben. Ein einsames Symbol für die Vergeblichkeit unseres Erkenntniswillens? Oder ein Triumph der modernen Wissenschaft? Zumindest das vielleicht einzige Leben, das es auf dem Mars gibt – ein Exportprodukt des Planeten Erde. Ich finde, schon deshalb war es die Reise wert.

Apokalypse CERN?

CernLHC
Weltweit fiebern Physiker der Inbetriebnahme des Teilchenbeschleunigers LHC (Large Hadron Collider) am CERN entgegen. Die gigantische Maschine soll uns bahnbrechende neue Erkenntnisse über die Entstehung unseres Kosmos liefern, über die rätselhafte "Dunkle Materie" und vieles mehr. Womöglich finden die Forscher sogar Hinweise auf zusätzliche Raumdimensionen und parallele Universen. Aber was wird wirklich passieren, wenn die Forscher im Herbst auf den Knopf drücken – und der LHC Teilchen mit ungeheuren Energien bei Fastlichtgeschwindigkeit zusammencrashen läßt? Die meisten sagen: Gar nichts – ausser aufregende neue Wissenschaft. Ein paar wenige behaupten: Die Welt geht unter! Der Hintergrund: Bei den LHC-Experimenten könnten mikroskopische Schwarze Löcher entstehen, also Objekte, deren Anziehungskraft so groß ist, dass aus ihnen nicht einmal Licht entkommt. Die meisten Forscher gehen davon aus, dass solche winzigen Schwarzen Löcher harmlos sind, weil sie praktisch sofort wieder zerstrahlen. Im P.M. Video kommt aber auch ein Vertreter jener Minderheit zur Wort, die das Experiment für unkalkulierbar gefährlich hält, ja sogar verbieten will. Ich persönlich halte es da lieber mit der Devise "no risk, no fun" – und vertraue jener großen Mehrheit von Wissenschaftlern, die das Risiko für minimal halten. Den LHC sehe ich als ein modernes Weltwunder. Ich staune über die Technologie selbst – und mehr noch über das ungeheure, ja ungeheuerliche Experiment, das die Forscher planen. Zum ersten Mal wird es möglich sein, die Verhältnisse der Frühzeit unseres Universums zu simulieren. Eigentlich sollten wir alle zum CERN pilgern, wenn´s losgeht – und eine "Fan-Meile der Erkenntnis" bilden. Und das erste Experiment sollte rund um die Welt auf Grossbildschirmen übertragen werden. Für den Fall, dass es doch kracht, könnten wir die Apokalypse dann wenigstens live verfolgen.

Dienstag, 20. Mai 2008

Besser als Star Trek

Wollen Sie schnell mal zum Andromeda-Nebel reisen? Oder Sterne besuchen, die 10.000 Lichtjahre entfernt sind? Das neue Internet-Projekt WorldWideTelescope macht genau das möglich. Mit ein paar Mausklicks kann sich jeder Spezialsoftware herunterladen und eine Tour durch ein virtuelles 3-D-Universum starten. Das Projekt wurde von Microsoft Research, der Forschungsabteilung des Softwarekonzerns, entwickelt. Astronomen loben die Computerspiel-Qualitäten und den hohen wissenschaftlichen Standard. Ich muss sagen, auch ich bin von der Kosmos-Tour fasziniert – besser als Star Trek! Einen ähnlichen Dienst bietet seit längerem auch die Suchmaschine Google mit Google Sky an. In diesem Zusammenhang fällt mir noch das Computerspiel Spore ein, das im kommenden September auf den Markt kommen soll. Damit können Spieler die Evolution des Kosmos gleich selber nachspielen. Das Gemeinsame von World Wide Telescope, Google Sky und Spore ist die große Perspektive. Vielleicht werden wir kleinen Menschen unser Sonnensystem niemals verlassen können. Doch solche Simulationen können uns ein Gefühl für die gewaltigen Dimensionen unseres Kosmos geben – und zugleich für die große Unwahrscheinlichkeit unserer Existenz. Mein Kollege und Berufsskeptiker L. wird jetzt wahrscheinlich sagen, dass sich Computerkonzerne und Spieleproduzenten mit unseren kosmischen Emotionen bloß eine goldene Nase verdienen. Ich aber staune darüber, dass wir die Wunder des Universums mittlerweile auf dem Computer derart gut simulieren können. Überhaupt sind einige der heutigen Weltwunder ja Computerprogramme. Doch davon ein anderes Mal.

Das Geheimnis des Dalai Lama

Der Dalai Lama ist in Deutschland. Jeder kennt mittlerweile den ewigen Laechler und seine Botschaft. Nicht ganz so bekannt ist: Seine Heiligkeit interessiert sich fuer Hirnforschung und Quantenphysik. Seit Jahren sucht er das Gespraech mit Wissenschaftlern, nimmt an Konferenzen teil und laesst sich einschlaegige Experimente vorfuehren. Was ihn interessiert, ist die Verbindung von Wissenschaft und Spiritualitaet. Tatsaechlich scheinen zwischen Buddhismus und Quantentheorie Parallelen zu bestehen. Beide sehen die Realitaet als etwas unbestimmt Prozesshaftes, als ein ewiges Werden und Vergehen. Beide raeumen dem menschlichen Beobachter einen besonderen Stellenwert ein: In der Quantenphysik legt erst die Beobachtung fest, welchen Zustand ein Teilchen einnimmt. Der Buddhist dagegen befreit sich vom Leiden der Welt - der erste Schritt besteht darin, dass er das Leiden zunaechst als solches erkennt. Die Erleuchtung erreicht er nach der Lehre Buddhas nur durch Meditation, also durch einen Zustand auesserster geistiger Klarheit.(Neuerdings legen Hirnforscher buddhistische Moenche sogar unter den Magnetresonanztomografen, um ihre neuralen Aktivitaeten waehrend der Meditation zu untersuchen: Man erhofft sich dadurch Rueckschluesse auf "spirituelle Zentren" im Gehirn - und auf Moeglichkeiten, die Arbeit des Gehirns aktiv zu beeinflussen)
Es gibt aber noch eine weitere Parallele: Den Buddhismus verstehen wir genauso wenig wie die Quantenphysik! Beide scheinen sich uns irgendwie zu entziehen. Die Quantenphysik "funktioniert" zwar, aber wir wissen nicht warum. Und die Wahrheit des Buddhismus laesst sich nur durch Meditation wirklich erfassen.Hat die Quantenphysik einen tieferen spirituellen Sinn?Was ist Bewusstsein - und in welcher Beziehung steht es zur materiellen Realitaet? Ist die Realitaet am Ende ein geistiger Prozess? Ich weiss es nicht. Aber immer wenn ich den Laechler aus Tibet sehe, kommen mir diese Fragen in den Sinn . Ich glaube, der Dalai Lama staunt darueber genauso wie ich.

Freitag, 16. Mai 2008

Worüber staunen Sie?

Guten Tag. Ich darf Sie zu meinem Blog begrüssen. Eigentlich sollte hier eine klare Ansage kommen. Das "Thema" dieses Blogs. Damit Sie wissen, was Sie an dieser Stelle erwartet. Etwa von der Art: "Liebe Leser, hier schreibe ich ab sofort über meinen Hund". Oder, sagen wir, über die Mysterien der Quantenphysik. Oder über mein aufregendes Leben als PM-Chefredakteur. Damit wüssten Sie, woran Sie sind.
Lassen Sie mich stattdessen mit einer Frage beginnen: Worüber staunen eigentlich Sie? Über die Sterne am Himmel? Über die Pyramiden von Gizeh? Über das Wunder unserer Existenz? Ich persönlich staune über alle möglichen Phänomene meines Daseins. Über die Zeit und das Nichts, über Primzahlen und die Schönheit der Natur. Ich staune über meinen Hund, über die Quantenphysik und gelegentlich auch über mein Leben als PM-Chefredakteur.
Vielleicht ahnen Sie jetzt, worum es mir hier geht. Es geht um das Staunen. In der überaus staunenswerten Online-Enzyklopädie Wikipedia lesen wir dazu, es handle sich dabei um einen "emotionalen Zustand als Reaktion auf das Erleben von etwas Unerwartetem, das nicht den bekannten Denkmustern entspricht."Weniger bürokratisch gesagt: Das Staunen rührt uns an. Es raubt uns die Fassung. Es weckt Ehrfurcht und Bewunderung. Es wirft uns gleichsam aus der Bahn. Für die alten Griechen war es der Anfang aller Wissenschaft, aller Philosophie.
Keiner von uns staunt morgens gleich mal seine Bettdecke an. Staunen macht uns nur das Außerordentliche. Das Unerwartete. Das Rätselhafte. Staunen macht uns nur, was wir uns nicht gleich erklären können. Nicht das Überraschende oder Spektakuläre an sich ist auch schon staunenswert. Manche spektakuläre Dummheit (inklusive meine eigene) erstaunt mich zwar. Doch staunen kann ich darüber nicht. (Mein Freund, der Sprachbloggeur könnte zum semantischen Unterschied zwischen Erstaunen und Staunen wahrscheinlich ca. 200 KB Text produzieren!)
Das wahre Staunen ist ein Anfang. Eine Art qualifiziertes Nichtwissen: Es führt uns zu Fragen, bringt uns zum Denken. Wer ein echter Dummkopf ist, kann deshalb schlecht staunen – er glaubt ja schon alles zu wissen. Mein eigenes Staunen geht im Grunde schon beim Staunen selber los. Wenn ich ans Staunen denke, komme ich aus dem Staunen sozusagen gar nicht mehr heraus.
Ich will mich in diesem Blog also mit staunenswerten Dingen und Phänomenen aller Art beschäftigen. Mit kleinen und großen Dingen. Oft führen die kleinen Dinge ja zu großen Fragen. Und die großen Fragen zu kleinen Dingen. Vielleicht kann ich Sie gelegentlich zum Staunen anregen. Zugleich wünsche ich mir, dass auch Sie mich zum Staunen bringen. Geredet und gebloggt wird ja viel. Gestaunt wird viel zu selten.
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